01.07.2020 | Presseinfo Nr. 35

Arbeitsmarktbericht Juni 2020

Der Arbeitsmarkt und die Corona-Krise
 
- Dynamik der steigenden Arbeitslosenzahlen durch den „Corona-Effekt“ lässt weiter nach

- Stellenmarkt stabilisiert sich leicht

- Sorge um den Ausbildungsjahrgang im Verwaltungsausschuss

„Die Arbeitslosenzahlen sind im Juni aufgrund der Corona-Pandemie und Ihrer Folgen erwartungsgemäß weiter leicht gestiegen“, erklärt Evelyne Beger, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hildesheim die Entwicklung. „Allerdings hat sich die Dynamik im Vergleich zum Vormonat von 4,4% auf 1,2% weiter abgeschwächt“, ergänzt Beger zuversichtlich. Insgesamt waren 14.084 Frauen und Männer im Arbeitsagenturbezirk Hildesheim arbeitslos gemeldet. Das sind 168 Personen (+1,2%) mehr als im Mai dieses Jahres und +2.454 (+21,1%) mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stagnierte gegenüber dem Vormonat bei 6,3% (Juni 2019: 5,3%).

 

Kurzarbeit[1]

In Folge der Krise haben seit April (Stichtag: 25.06.2020) insgesamt 3.586 Unternehmen aus dem Agenturbezirk Hildesheim Kurzarbeit angezeigt (Vorjahr: 26 Anzeigen). Die Anzahl der Beschäftigten, welche voraussichtlich von einem Arbeitsausfall betroffen sind, liegt in diesen Anzeigen bei max. 41.648 Personen (Vorjahr: 563 Personen).

Die Anzeigen auf Kurzarbeitergeld ziehen sich durch fast alle Branchen. Besonders betroffen ist das verarbeitende Gewerbe (404 Anzeigen), das Gesundheitswesen (385 Anzeigen), der Einzelhandel (382 Anzeigen), das Baugewerbe (376 Anzeigen) und die Gastronomie (350 Anzeigen).

Im Landkreis Hildesheim ergaben für diesen Zeitraum 2.557 Anzeigen auf Kurzarbeit mit max. 29.714 voraussichtlich betroffenen Beschäftigten und für den Landkreis Peine 1.029 Anzeigen von Unternehmen mit max. 11.934 Beschäftigten.

Einen wichtigen Hinweis für Arbeitgeber hat Stefan Othmer, Pressesprecher der Agentur: „Die Anzeige von Kurzarbeit muss unbedingt durch den Arbeitgeber schriftlich erneuert werden, wenn der bisher angezeigte Zeitraum nicht ausreicht und länger kurzgearbeitet werden soll. Diese Anzeige muss vor Beginn der Verlängerung erfolgen.“

 

Stellenmarkt

Auf dem Stellenmarkt sind im Juni die Auswirkungen der Krise leicht zurückgegangen. Die Unternehmen meldeten 500 neue Stellen (+128 bzw. +34,4% ggü. Vormonat). Im Vergleich zum Vorjahr waren es allerdings 199 Stellen weniger (-28,5%).

Im Juni gab es 2.107 Arbeitsstellen im Bestand beim gemeinsamen Arbeitsgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcenter, 684 (-24,5%) weniger als vor einem Jahr.

„Vielen Unternehmen in unserer Region nehmen Stück für Stück wieder mehr Fahrt auf“ erklärt Beger die Entwicklung. Der Abwärtstrend konnte dadurch weiter verlangsamt werden, im Vergleich zum Vormonat ergibt sich sogar ein leichtes Plus von 34,4% bei den neu gemeldeten Stellen. Beger: „Das zeigt uns, dass die unterschiedlichen Hilfs- und Konjunkturpakete auch im Bereich des Kurzarbeitergeldes greifen und helfen, die Zeit des massiven Konjunktureinbruches überbrücken zu können“.

 

Arbeitslose nach Rechtskreisen

Im Zuständigkeitsbereich der Agentur für Arbeit (Rechtskreis SGB III / Arbeitslosengeld I) ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat um 120 (+2,3%) auf 5.309 angestiegen. Gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg von +1.545 (+41,0%).

 

Im Bereich der für die Grundsicherung (SGB II) zuständigen Jobcenter stieg die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat um +48 (+0,6%) auf 8.775. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies 909 Arbeitslose mehr (+11,6%).

 

Unterbeschäftigung

Ergänzend zur gesetzlich definierten Arbeitslosenzahl veröffentlicht die Agentur für Arbeit Angaben zur Unterbeschäftigung. Neben den Arbeitslosen zählen auch Personen als Unterbeschäftigte, die nicht als arbeitslos gelten, aber ohne Beschäftigung sind[1]. Im Juni waren nach vorläufigen Angaben 17.761 Menschen unterbeschäftigt. Das sind 1.529 Personen mehr als vor einem Jahr (+9,4%).

[1]Dazu gehören Personen in Arbeitsmarktmaßnahmen, beruflicher Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Gründungszuschuss etc. Aufgrund der Vorläufigkeit der Daten zur Maßnahmeteilnahme können sich hier in den kommenden Monaten noch Änderungen ergeben. Nicht enthalten sind Beschäftigte in Kurzarbeit, weil diese Daten erst mit mehrmonatiger zeitlicher Verzögerung erhoben werden können.

Ausbildungsmarkt

Auf dem Ausbildungsmarkt zeigen sich im Vergleich zum Vorjahr deutliche Veränderungen, die der Agentur Sorge bereiten. Die Auswirkungen der Coronapandemie stellen dabei nur einen Teilaspekt da, eine höhere Anzahl von derzeit noch offenen gemeldeten Ausbildungsstellen und unversorgten Bewerber*innen einen weiteren.

Im Juni standen seit Beginn des Berichtsjahres 1.982 gemeldete Ausbildungsstellen (-188, bzw. -8,7% in 2019) insgesamt 2.134 gemeldeten Bewerber/innen (-469, bzw. -18,0% in 2019) gegenüber.

Derzeit gibt es im Bereich der Agentur noch 1.074 (+41) offene Ausbildungsstellen und 1.033 (+36) unversorgten Bewerber*innen.

“Wir müssen dafür sorgen, dass das Thema Ausbildung nicht zu einer Randerscheinung wird. Die jungen Menschen von heute sind unsere Fachkräfte von morgen! Wir wollen ihnen ein Perspektive für die Zukunft geben“ appelliert Beger an die ansässigen Ausbildungsbetriebe.

„Uns ist bewusst, dass in diesem Jahr der Weg in die Ausbildung komplizierter ist und große Unsicherheit auf allen Seiten besteht. Umso wichtiger ist für uns die Botschaft, dass die Hilfen und Unterstützungsangebote der Agentur für Arbeit Hildesheim weiterhin im vollen Umfang zur Verfügung stehen und genutzt werden sollten“ ergänzt Beger.

Auch die Mitglieder des Verwaltungsausschusses der Agentur für Arbeit Hildesheim sind sich einig, dass die Corona Krise nicht zu einer Krise auf dem Ausbildungsmarkt führen darf, mit negativen Auswirkungen auf die berufliche Zukunft junger Menschen und die Fachkräftesicherung. Sie appellieren an die Arbeitgeber, sich trotz Einbußen und teilweise schwieriger Lage weiter am Thema Ausbildung festzuhalten. Der beste Nachwuchs ist immer der, den man selbst ausgebildet hat.

Das neue Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ wird dazu u.a. durch die Ausbildungsprämie sicher einen großen Teil beitragen können.

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