02.06.2021 | Presseinfo Nr. 15

Auf dem Weg zurück ins eigene Leben

Es begann alles vor ungefähr 4 Jahren, als die Justizvollzugsanstalt für Frauen Vechta, Abteilung Hildesheim (JVA) zu einem „Runden Tisch“ einlud und die Agentur für Arbeit Hildesheim daran teilnahm. „Die Idee dahinter war, verschiedene soziale Träger und Behörden enger miteinander zu verbinden,“, so berichtet Mandy Keller, Mitarbeiterin im Sozialen Dienst der JVA, von Ihrer Idee. Positiver Trend auf dem Arbeitsmarkt setzt sich fort.

 „Bisher kam es nach der Haftentlassung sehr oft zum erneuten Bruch im Leben der Frauen, weil sie das Leben außerhalb der Anstaltsmauern selten allein bewältigen konnten“, so Keller weiter.

So entwickelte sich eine gut und intensive Zusammenarbeit zwischen der Abteilung

Hildesheim der JVA für Frauen und der Agentur für Arbeit. „Diese Zusammenarbeit ist unglaublich wichtig, da eine Verzahnung zwischen dem Leben in der JVA und dem Leben außerhalb der JVA für eine erfolgreiche Resozialisierung von entscheidender Bedeutung ist“ erklärt JVA-Anstaltsleiter Oliver Weßels die Entscheidung. „Diese Zusammenarbeit hat daher auch positive Auswirkungen auf die Rückfallquote der entlassenen Frauen“.

Im Rahmen dieser Kooperation werden die Frauen in der Abteilung nun seit über 4 Jahren von Tanja Lichthardt, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit, beraten. In Einzel- und Gruppengesprächen werden die unterschiedlichsten Themen angesprochen, z.B. Berufsorientierung, Ausbildung auch in Teilzeit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und weitere.  Die Beratungsgespräche sind für die Frauen ein freiwilliges Angebot, was sehr häufig in Anspruch genommen wird. „Die Frauen sind so dankbar, dass sich jemand um Ihre Belange kümmert und Ihnen hilft, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen“, erzählt Tanja Lichthardt. Neben den bereits genannten Themen geht es in den Gesprächen auch oft um leistungsrechtliche Frage, Hilfe bei Anträgen und Erstellung von Bewerbungsunterlagen. „Wir haben sogar schon Besuche in unserem BIZ in der Agentur organisiert, damit die Frauen eigenverantwortlich recherchieren und sich über mögliche Berufe oder Ausbildungswege informieren zu können“, ergänzt Evelyne Beger, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit. „Eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt ist ein wesentlicher Bestandteil für eine erfolgreiche Resozialisierung“.

Leider waren auch diese Beratungsangebote von der Corona-Pandemie betroffen und konnten lange Zeit nur telefonisch oder gelegentlich auch per Skype durchgeführt werden. Doch eine telefonische Beratung ist nicht unbedingt in allen Fällen zielführend. „Es wird Zeit, dass wir die Gespräche wieder mit persönlichen Begegnungen durchführen können“, so Keller und Lichthardt einstimmig. „Gerade in so einer Situation ist der persönliche Kontakt für den Aufbau einer unterstützenden Gesprächsatmosphäre enorm wichtig“, ergänzt Weßels. Diese Beratungsarbeit gilt als ein wichtiger Baustein für den Weg in ein selbstbestimmtes und verantwortungsvolles Leben.

Nun wurde es Zeit, das Ganze mit einer Unterschrift zu besiegeln. „Die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen JVA und Arbeitsagentur verdient einen gegenseitigen Ausdruck der Wertschätzung“, begründet Beger die Entscheidung. „Darum haben wir uns für einen gemeinsamen Kooperationsvertrag entschieden.

Für alle Beteiligten ist eins sehr wichtig: Sie wollen die Frauen als sozial verantwortliche Menschen entlassen, die eine Chance auf ein Leben nach der Haft verdient haben und sie dafür befähigen, diesen Weg selbstständig zu meistern.

Die JVA für Frauen in Hildesheim ist eine Abteilung der Justizvollzugsanstalt für Frauen in Vechta. In Hildesheim sind von 72 Haftplätzen, verteilt auf vier unterschiedlichen Abteilungen, derzeit ca. 60 Plätze besetzt.