28.10.2021 | Presseinfo Nr. 45

Bilanz des Ausbildungsmarktjahres 2020/21

- Zahl der Bewerber geringer als im Vorjahr
- Ausbildungsbereitschaft weiterhin hoch
- Zahlreiche Lehrstellen noch unbesetzt

„Die Pandemie hat auch im zweiten Jahr deutliche Auswirkungen auf den regionalen Ausbildungsmarkt. Neben der weiterhin rückläufigen Zahl an Schulabgängern sind vor allem die aufgrund der Kontaktbeschränkungen fehlenden Möglichkeiten der Berufsorientierung und die daraus resultierenden Unsicherheiten verantwortlich. Infolge wird oftmals ein weiterer Schulbesuch einer dualen Berufsausbildung vorgezogen. Insgesamt 2.570 gemeldete Lehrstellensuchende bei den Berufsberatern bedeuten im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 179. Die Covid-Pandemie verlangsamte und erschwerte zwar die Ausgleichsprozesse, die Nachfrage der Betriebe nach Auszubildenden ist aber weiterhin groß. Jedem, der noch nicht fündig geworden ist, helfen wir mit Ausbildungsplatzangeboten oder adäquaten Alternativen “, resümiert Johannes Kolb, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Ingolstadt, nach Abschluss des Beratungsjahres.

Ausbildungsstellenangebot

Im Beratungsjahr 2020/21 meldeten die Ausbildungsbetriebe der Agentur für Arbeit Ingolstadt und ihren Geschäftsstellen Eichstätt, Neuburg-Schrobenhausen und Pfaffenhofen für den Ausbildungsstart August/September insgesamt 3.723 Berufsausbildungsplätze. Dies bedeutet im Vorjahresvergleich einen Rückgang um 251 Lehrstellen: „Unklare Perspektiven führten zu nachvollziehbarer Zurückhaltung bei einer Reihe von Betrieben in Sachen Ausbildung“, erklärt Johannes Kolb diese Entwicklung.
Dabei gibt es regionale Unterschiede: Während im Landkreis Eichstätt ein Anstieg zu verzeichnen ist, nahm das Angebot an Berufsausbildungsplätzen im Stadtgebiet Ingolstadt und in den Landkreisen Neuburg-Schrobenhausen und Pfaffenhofen zum Teil deutlich ab.
Im Detail: Auf dem Gebiet der Stadt Ingolstadt war ein Minus von 191 auf 1.304 gemeldete Ausbildungsplätze zu verzeichnen, im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen betrifft der Rückgang 68 Lehrstellen (auf nunmehr 600) und in Pfaffenhofen wurden insgesamt 864 Stellen gemeldet, 42 weniger als im Jahr davor.
An der Altmühl nahm das Angebot um 50 Plätze auf 955 zu.
„Zum Stichtag 30.09. waren noch 528 Ausbildungsstellen unbesetzt – im Vorjahr betraf dies 556 Plätze. Schwerpunkte sind hier im Verkauf/Fachverkauf, aber auch im Bürobereich zu erkennen“, erklärt der Agenturchef.

Bewerberzahlen in der gesamten Region rückläufig
Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Ingolstadt unterstützte von Oktober 2020 bis September 2021 insgesamt 2.570 Bewerber bei der Suche nach einer Lehrstelle. Das sind 179 Ausbildungsplatzsuchende weniger als im Jahr davor.
„Wir beobachten diese Entwicklung weiterhin kritisch. Zum dritten Mal in Folge nahm die Zahl der potentiellen Auszubildenden ab. Der Rückgang der Zahl der Schulentlassenen und die Bedingungen der Pandemie sind hier sicher ausschlaggebende Faktoren. Im Durchschnitt des Ausbildungsjahres entfielen auf 100 Bewerber rund 140 Ausbildungsstellen. Dies belegt erneut den seit Jahren anhaltenden Trend zum Bewerbermarkt, auf dem die Jugendlichen eine gute und umfangreiche Auswahl besitzen“, erläutert Johannes Kolb.
Im Detail: 
Betrachtet man das Angebot an Ausbildungsbewerbern auf Kreisebene, so ist festzustellen, dass sowohl im Stadtgebiet Ingolstadt (minus 10 auf 869), als auch in den Landkreisen Eichstätt (minus 90 auf 672), Neuburg-Schrobenhausen (minus 32 auf 459) und Pfaffenhofen (minus 47 auf 534) die Zahlen rückläufig sind.

Verbleib der Bewerber
Von den 2.570 (Vorjahr: 2.749) gemeldeten Bewerbern mündeten 1.478 (Vorjahr: 1.651) in eine duale Berufsausbildung ein. Für einen weiteren Schulbesuch entschieden sich 459 (Vorjahr: 444), für ein Studium 58 (Vorjahr: 52) und für ein Praktikum sechs ((Vorjahr: 5) Jugendliche. Weitere111 (Vorjahr: 113) für eine Erwerbstätigkeit und 28 (Vorjahr: 34) für gemeinnützige oder soziale Dienste und absolvieren zum Beispiel das „Freiwillige Soziale Jahr“.
Zum Abschluss des Ausbildungsjahres haben 63 (Vorjahr: 57) Bewerber noch keinen Ausbildungsvertrag erhalten. „Klares Ziel ist es, jedem Einzelnen eine individuelle Perspektive aufzuzeigen. Wer bislang nicht fündig geworden ist, hat keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Unsere Berufsberatung und unser Arbeitgeberservice werden bis Jahresende und darüber hinaus alles daransetzen, den verbliebenen Bewerbern im Rahmen von gezielten Nachvermittlungsaktionen einen Ausbildungsplatz zu vermitteln. Alternativ können auch Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen oder Einstiegsqualifizierungen in Betracht kommen“, erläutert Johannes Kolb und ergänzt: „Die nach wie vor hohe Zahl an unbesetzten Ausbildungsplätzen stellt für uns alle eine große Aufgabe und Herausforderung dar. Teilzeitausbildung, Ausbildung für junge Erwachsene, aber auch die Bildung von Ausbildungsverbünden und die Steigerung der Attraktivität einzelner Berufe können hier Ansätze sein.“

Online-Angebote verbessert
Neben der persönlichen und in Pandemie-Zeiten vor allem telefonischen Beratung setzt die Bundesagentur für Arbeit vermehrt auf Videoberatung und baut das Online-Angebot weiter aus. Mit dem innovativen Selbsterkundungstool Check-U erfahren junge Menschen sehr konkret und individuell, welche Berufe, ob duale Ausbildung oder Studienfach, zu den eigenen Interessen und Fähigkeiten passen. Der neu gestaltete Planet-Beruf (www.planet-beruf.de) begleitet Schüler sowie deren Eltern und Lehrer von der Berufsorientierung bis zur Berufswahl. Zudem bieten moderne Apps wie AzubiWelt, Berufe Entdecker, Berufe.TV oder Bewerbung: Fit fürs Vorstellungsgespräch ort- und zeitunabhängig zahlreiche wichtige und hilfreiche Informationen.
„Für den Start in ein selbstbestimmtes und erfolgreiches Arbeitsleben bildet eine abgeschlossene Berufsausbildung nach wie vor das beste Fundament. Für Betriebe ist der eigene qualifizierte Nachwuchs eine wichtige Voraussetzung für den Fortbestand und die Standortsicherung des Unternehmens. Auch in schwierigen Zeiten wie diesen ist es deshalb unerlässlich, Aus- und Weiterbildung zu forcieren“, appelliert Johannes Kolb zum Ende des Beratungsjahres.

Kontakt

Pressesprecher der Agentur für Arbeit Ingolstadt
Peter Kundinger