01.12.2022 | Presseinfo Nr. 101

Ein Beispiel für mehr Inklusion

Zur Woche der Menschen mit Behinderung vom 28. November bis 3. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung, besuchte die Agentur für Arbeit Iserlohn das Altenaer Traditionsunternehmen
 

Wenn in der Werkshalle des Automobil-Zulieferers Prinz-Mayweg aus Altena die Maschinen laufen, ist es laut. Den Maschinenführer Emran Asani stört das nicht, denn er ist gehörlos. Dass er trotz seiner Schwerbehinderung einen Job in der Fertigung beim Marktführer für Präzisionsstahlrohre gefunden hat, ist nicht selbstverständlich. Schließlich fehlt mit dem Gehör ein wichtiger Sinn zur Verständigung im Betriebsalltag. Für seinen Arbeitgeber ist dies jedoch kein Grund, auf den motivierten Mitarbeiter zu verzichten. Sein Arbeitsplatz wurde entsprechend umgerüstet.

Menschen mit Schwerbehinderung haben es schwerer am Arbeitsmarkt. Obwohl sie die gleichen Chancen verdienen, profitieren sie nicht so sehr wie andere Arbeitslose davon, dass sich der Arbeitsmarkt von pandemiebedingten Effekten erholt hat. Im Märkischen Kreis ist der Anteil der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung NRW-weit vergleichsweise hoch mit über zehn Prozent. Fast die Hälfte der schwerbehinderten Arbeitskräfte im Märkischen Kreis sind im verarbeitenden Gewerbe beschäftigt, das in der Region besonders stark vertreten ist.

„Menschen mit Handicap werden als Fachkräfte leider oft vergessen und haben noch Schwierigkeiten, auf dem ersten Arbeitsmarkt unterzukommen. Dabei sind sie nicht weniger leistungsfähig. Damit mehr Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben teilhaben können, werben wir für mehr Engagement, schwerbehinderten Menschen den Weg in den Arbeitsmarkt zu ebnen“, sagt Sandra Pawlas, Chefin der Iserlohner Arbeitsagentur, die gemeinsam mit Kollegen die Firma Prinz-Mayweg besucht hat, um über das positive Beispiel der gelungenen Inklusion von Emran Asani zu berichten.

Der 32-jährige ist von Geburt an gehörlos und damit zu 100 Prozent schwerbehindert. Als gelernter Maschinen- und Anlagenführer hatte er mehrere Jahre in seinem Beruf gearbeitet. Dann wurde er arbeitslos und ging mit Unterstützung der Reha-Spezialisten des gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur und des Jobcenters Märkischer Kreis auf die Suche nach einer neuen Beschäftigung. Durch den kurzen Draht zum Automobilzulieferer Prinz-Mayweg, der die Inklusion von schwerbehinderten Menschen fördert, ging dann am Ende alles ganz schnell. Emran Asani hat sich beworben und im Sommer seinen Wunscharbeitsplatz bekommen.

Ein sicherer Arbeitsplatz: Optische Signale statt Warnton

An seiner Maschine fertigt er Rohre für verstellbare Autositze. Werkzeugmacher haben die Maschine umgerüstet. Optische Signale, gute Beleuchtung und Spiegel helfen nun bei der Orientierung und dabei, Gefahren zu erkennen. „Dort, wo Staplerfahrer unterwegs sind, haben wir zusätzlich die Wege abgesichert“, berichtet der Abteilungsleiter der Weiterverarbeitung Sebastian Kienelt. „Die Fahrer sind sensibilisiert, dass ihr Kollege nichts hört und dass deshalb besonders vorsichtig gefahren werden muss.“

Personalleiterin Sandra Mann hat die Anstellung von Herrn Asani in die Wege geleitet und berichtet, dass man zunächst skeptisch war im Betrieb: „Die Sorge war da, Herr Asani könnte sich leichter verletzen oder in Gefahr bringen als hörende Mitarbeiter. Durch die technischen Anpassungen des Arbeitsplatzes und durch Gespräche mit Mitarbeitenden des Integrationsdienstes konnten die Bedenken aber schnell zerstreut werden. Wir sind sehr froh, dass Herrn Asani Teil des Teams ist mit seiner positiven Ausstrahlung.“ Hohe Kosten sind der Firma alles in allem nicht entstanden bei der Einrichtung des Arbeitsplatzes. Es sollen noch weitere Maschinen umgerüstet werden, so dass Emran Asani diese ebenfalls bedienen kann.

Damit die Verständigung für die notwendigen Sicherheitsunterweisung an der Maschine und im Betrieb klappt, hat das Unternehmen den Dolmetscher bei der Arbeitsagentur angefragt, der schon im Bewerbungsprozess unterstützt hatte. Im Arbeitsalltag haben sich alle Beteiligten schnell auf den gehörlosen Kollegen eingestellt. Bei komplexeren Themen wird schriftlich kommuniziert, für die einfache alltägliche Konversation lernen der Abteilungsleiter und die Arbeitskollegen sogar die Gebärdensprache. „Ich fühle mich von meinen Kollegen sehr gut angenommen“, sagt Emran Asani und strahlt Zuversicht und gute Laune aus.

Firmen erhalten Unterstützung für die Einstellung von Schwerbehinderten

„Das Integrationsamt, das die berufliche Einbindung schwerbehinderter Menschen sichert, hat uns gut beraten. Die technischen Berater haben sich auch vor Ort angeschaut, wie der Arbeitsplatz eingerichtet ist und Herrn Asani eingebunden, was man noch verbessern könnte“, schildert Sebastian Kienelt.

Der Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter unterstützt schwerbehinderte Menschen bei der Jobsuche und der Bewerbung. Zudem berät er Firmen, wie man Menschen mit Handikap einbinden kann. Dazu zählen etwa Reha-spezifische Berufs- und Ausbildungsvorbereitungen, Weiterbildungen, Kraftfahrzeughilfen oder die behinderungsgerechte Ausstattung der Arbeitsplätze. Arbeitgeber, die schwerbehinderte Menschen einstellen, erhalten weitere Unterstützung von der Arbeitsagentur zum Beispiel in Form eines Eingliederungszuschusses. Je nach individuellem Bedarf und erforderlicher Einarbeitung kann dieser unterschiedlich lang und hoch sein. „Unsere spezialisierten Beraterinnen und Berater stehen hier mit Rat und Tat zur Seite. Sprechen Sie uns jederzeit an“, so der Appell an die Unternehmen.

Für Prinz-Mayweg ist das Thema Inklusion noch lang nicht abgehakt. Die Firma möchte weitere Mitarbeitende mit Schwerbehinderung einstellen. Auch das Angebot an andere Firmen steht, die eigenen guten Erfahrungen weiterzugeben und Hilfestellung zu leisten. „Was die Inklusion von Menschen mit einer Schwerbehinderung angeht, ist Prinz-Mayweg ein tolles Beispiel, das viele Nachahmer finden sollte“, meint Sandra Pawlas. „Wir wünschen uns, dass auch andere Arbeitgeber verstärkt diesen Weg gehen, mit der Unterstützung der Arbeitsagentur und solch engagierter Vorreiter.“

Kontakt gemeinsamer Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Iserlohn und des Jobcenters Märkischer Kreis:

Montag bis Freitag, 8-18 Uhr unter der kostenfreien Servicenummer 0800-4 5555 20 oder online unter www.arbeitsagentur.de/unternehmen/arbeitgeber-Service

Hintergrundinfos zur Woche der Menschen mit Behinderung

Die Bundesagentur für Arbeit veranstaltet jedes Jahr rund um den internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen am dritten Dezember die Woche der Menschen mit Behinderungen. So möchte sie gemeinsam mit ihren Regionaldirektionen und Arbeitsagenturen dafür werben, Menschen mit Behinderungen die gleichen Chancen einzuräumen wie allen anderen. Die Agenturen nutzen die Gelegenheit, um auf positive Beispiele aus der Region hinzuweisen und auf die Beratungs- und Unterstützungsangebote aufmerksam machen.