06.04.2022 | Presseinfo Nr. 24

Halbjahresbilanz am Ausbildungsmarkt

Märkischer Kreis. Nach sechs Monaten im Berufsberatungsjahr 2021/22 liegen der Iserlohner Arbeitsagentur erste Zahlen zur Situation am regionalen Ausbildungsmarkt vor. Gemeinsam ziehen die Partner eine Zwischenbilanz.

„Wir haben deutlich mehr gemeldete Bewerberinnen und Bewerber als auch freie Ausbildungsstellen im Vergleich zum vergangenen Jahr. Das ist eine erfreuliche Entwicklung“, resümiert Sandra Pawlas, Chefin der Iserlohner Arbeitsagentur, die ersten Ergebnisse zum Ausbildungsmarkt im Märkischen Kreis. Im Laufe des aktuellen Berufsberatungsjahres haben sich 1.923 Ausbildungsplatzssuchende bei der Berufsberatung der Agentur gemeldet. Das sind 4,5 Prozent mehr als im Vorjahr. „Auch wenn wir noch unter dem Wert aus 2020 liegen, konnten wir eine gute Steigerung an Bewerber/innen verzeichnen. Wir sind auf dem richtigen Weg“, so Pawlas. Nach zwei schwierigen Jahren Pandemie gibt es auch bei den Ausbildungsstellen eine positive Entwicklung. Die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber im Märkischen Kreis meldeten von Oktober bis März 2.531 zu besetzende Ausbildungsstellen, fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr. „Ausbildung bleibt ein wichtiges Thema zur Fachkräftesicherung, denn heute werden die Fachkräfte von morgen ausgebildet. Heimische Unternehmen melden trotz der aktuellen Herausforderungen wieder vermehrt und auch sehr frühzeitig ihre Stellen“, ergänzt Pawlas. Rein rechnerisch kommen auf eine/n Bewerber/in 1,32 offene Stellen, sodass für die Regionen von einem Bewerbermarkt gesprochen wird. Pawlas appelliert an die jungen Menschen: „Die Chancen auf einen guten Ausbildungsplatz waren selten so gut wie heute, das steht fest. Unsere Berufsberaterinnen und Berufsberater kennen sich bestens aus und helfen dabei, individuelle Kompetenzen und Interessen auszuloten und das passende Angebot, vielleicht ja auch schon die richtige Ausbildungsstelle zu finden.“
Es gibt mehr als 130 Gründe, sich für eine Ausbildung im Handwerk zu entscheiden. So viele verschiedene und interessante Berufsbilder bietet das Handwerk. „Die duale Ausbildung im Handwerk ist für junge Menschen eine exzellente Chance, sich mit Willen sowie Können eine persönliche Berufskarriere zu schaffen, die Erfolg und Perspektive bietet“, so Dirk H. Jedan, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis.
„Auch wenn die Pandemie medizinisch nicht vorbei ist, engagiert sich die Wirtschaft längst wieder deutlich stärker für die Ausbildung. Nun brauchen wir auch die Bewerber. Es ist wichtig, dass die Perspektiven, die daraus erwachsen, bei den jungen Menschen ankommen. In der M+E-Industrie haben Absolventinnen und Absolventen aller Schulformen eine Chance. Wir unterstützen auch ausdrücklich die Durchführung von Praktika als Brücke und Türöffner in die Ausbildung. Die Aktion "Praktikum Jetzt!“ ermöglicht es Schülerinnen und Schülern in diesem Frühjahr, pandemiebedingt ausgefallene berufliche Erkundungen nachzuholen. Das begrüßen wir sehr. Ebenso werden wir uns für die Integration von Flüchtlingen aus der Ukraine in den Ausbildungsmarkt einsetzen, sobald dies von den Betroffenen gewünscht ist und Erfolg verspricht. Die Tragödie in der Ukraine führt uns nach der Corona-Pandemie erneut vor Augen, welches Geschenk eine freie und ungestörte Berufs- und Lebensplanung ist. Nichts davon ist selbstverständlich“, erklärt Özgür Gökce, Geschäftsführer des Märkischen Arbeitgeberverbandes. „Die betriebliche Berufsausbildung bietet jungen Menschen beste Startchancen in den Beruf und ist für die Wirtschaft im Märkischen Südwestfalen und ihren Bedarf an qualifizierten Fachkräften ein Erfolgsgarant. Die Ergebnisse der jüngst veröffentlichten SIHK-Ausbildungsumfrage zeigen trotz Auswirkungen durch die Corona-Pandemie, die Hochwasserkatastrophe und die A45-Sperrung einen stabilen Ausbildungsmarkt im Märkischen Kreis mit leichten Eintrübungen im Bereich der gewerblich-technischen Ausbildungsberufe. So gaben 70 Prozent der befragten Betriebe an, ihr Ausbildungsangebot im kaufmännischen Bereich sei unverändert geblieben. Bei den gewerblich-technisch ausbildenden Unternehmen attestierten 63 Prozent der Befragten ein gleich hohes Ausbildungsniveau gegenüber dem Vor-Corona-Stand. Aktuelle Herausforderungen liegen auf Bewerberseite und verdeutlichen die zentrale Rolle berufsorientierender Aktivitäten der Ausbildungspartner“, erklärt Thomas Haensel, SIHK zu Hagen.
Stefan Marx, Regionsgeschäftsführer DGB Region Ruhr-Mark, erklärt: „Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist sehr bedenklich. Die positive Zahl von Ausbildungsstellen zu Bewerbern darf uns nicht beruhigen, eher im Gegenteil: viele Jugendliche kommen nicht im dualen System an. Hinzu kommt, dass die Akteure die Jugendlichen teilweise nicht erreichen – viele verschwinden quasi aus dem System. Die Zahl der jungen Menschen, die einen dualen Ausbildungsplatz anstreben, muss dauerhaft gesteigert werden. Wichtig dabei ist, dass unversorgte Jugendliche oder junge Menschen in Warteschleifen weiterhin gezielt angesprochen werden müssen. Gelingt das nicht, drohen weitere Lücken auf dem Fachkräftemarkt im Märkischen Kreis.“