28.10.2021 | Presseinfo Nr. 74

Ausbildungsbilanz 2020/2021 im Märkischen Kreis

„Das Beratungsjahr 2020/21 war zu Beginn diesen Jahres noch stark von den Folgen der Pandemie geprägt“, so leitet Sandra Pawlas, Chefin der Iserlohner Arbeitsagentur, die Ausbildungsbilanz 2020/2021 ein.

„Allerdings konnten wir, anders als noch in 2020, im Laufe des Jahres Jugendliche wieder vor Ort in den Schulen und in unseren Räumlichkeiten beraten und gemeinsam mit unseren Ausbildungsmarktpartnern viele Projekte realisieren und eine Vielzahl von Jugendlichen erreichen. Allerdings haben sich in diesem Ausbildungsjahr rund 10 Prozent weniger Jugendliche bei uns als ausbildungssuchend gemeldet, als im Jahr zuvor. Ebenfalls ist die Zahl der Stellenmeldungen im Vergleich zum Vorjahr gesunken – und das in gleichem Maße“, erklärt Pawlas.

2.399 Jugendliche haben sich im Beratungsjahr 2020/2021 (01. Oktober bis 30. September des Folgejahres) in der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Iserlohn gemeldet, um einen Ausbildungsplatz zu finden. Insgesamt suchten damit 10,9 Prozent (-294 Personen) weniger als ein Jahr zuvor über die Agentur für Arbeit Iserlohn eine Ausbildungsstelle. Zum Ausbildungsjahrende gelten 97 Jugendliche als noch „unversorgt“, 66 weniger als im Vorjahr.  Dem gegenüber wurden dem gemeinsamen Arbeitgeberservice im Zeitraum Oktober 2020 bis September 2021 insgesamt 2.597 Berufsausbildungsstellen gemeldet. Das waren 10,1 Prozent (-292 Stellen) weniger als im Vorjahr. Zum Ende des Beratungsjahres waren noch 264 Ausbildungsplätze unbesetzt.

„Erfahrungsgemäß sind zum Ende des Ausbildungsjahres leider nie alle Ausbildungsstellen besetzt und auch nie alle Bewerberinnen und Bewerber versorgt, da Angebot und Nachfrage aus berufsfachlichen, regionalen, qualifikationsspezifischen oder auch infrastrukturellen Gründen voneinander abweichen. Auch Einstellungsverzichte von Arbeitgebern mangels aus ihrer Sicht geeigneter Bewerber sowie Vorbehalte seitens der Jugendlichen gegenüber Ausbildungsbetrieben und gewissen Branchen verhindern das Entstehen von Ausbildungsverträgen. Aus Sicht der Arbeitsagentur kann ich Arbeitgeber nur ermutigen, auch künftig immer wieder oder auch erstmals Bewerbern eine Chance zu geben, die auch nur annähernd zu passen scheinen.“ In Richtung der Jugendlichen formuliert Pawlas: „Auch hier möchte ich ermutigen und betonen, dass es noch nicht zu spät ist. Wir haben aktuell noch einige Stellen unbesetzt, aber auch für das kommende Ausbildungsjahr ist der Startschuss bereits gefallen. Sich jetzt auf den Weg zu machen und zu bewerben, lohnt sich. Unsere Berufsberaterinnen und Berufsberater unterstützen hier jederzeit gern.“

Das Resümee der Ausbildungsmarktpartner sieht folgendermaßen aus: 

Mit Hilfe des Jobcenters Märkischer Kreis haben im Ausbildungsjahr 2020/2021 insgesamt 392 Jugendliche einen betrieblichen, schulischen oder außerbetrieblichen Ausbildungsplatz gefunden.

„Gegenüber dem Vorjahreszeitraum haben wir unsere Vermittlungszahlen um 4,8 Prozent steigern können und 18 Bewerberinnen und Bewerber mehr in eine Ausbildung vermittelt“, so Volker Riecke, Geschäftsführer des Jobcenters Märkischer Kreis. Verantwortlich für die guten Zahlen sei die enge, unbedingt notwendige individuelle Begleitung der Jugendlichen, denn „wir beobachten den anhaltenden Trend, dass die tatsächlichen Anforderungen der angebotenen Ausbildungsstellen und die Vorstellungen dazu sowie die mitgebrachten Kompetenzen der Bewerberinnen und Bewerber oft weit auseinanderliegen.“

Wichtig für das gute Vermittlungsergebnis waren vielfältige Veranstaltungen mit den Partnern des lokalen Ausbildungsmarktes, die der Vermeidung eines „Ausbildungsjahrgangs Corona“ entgegenwirken sollten. Zu beobachten war insbesondere, dass durch die Corona Pandemie der Trend zur Fortsetzung des Schulbesuches nicht nur weiter anhält, sondern sich dies auch noch im Vergleich zum Vorjahr verstärkt hat. Bei vielen Jugendlichen zeigt sich, dass der weitere Schulbesuch – orientiert am Einzelfall –  notwendig ist, da während der Homeschooling-Zeit viele hintenan geblieben sind, auch bedingt durch nicht vorhandene Hardware sowie teilweise fehlende Unterstützung durch Eltern oder nicht vorhandene Lerntechniken.

Thomas Haensel, Leiter des Geschäftsbereichs Berufliche Bildung der SIHK zu Hagen erklärt: „Die betriebliche Berufsausbildung bietet jungen Menschen beste Startchancen in den Beruf und ist für die Wirtschaft im Märkischen Südwestfalen und ihren Bedarf an qualifizierten Fachkräften ein Erfolgsgarant. Dies verdeutlichen auch die steigenden Ausbildungszahlen zu Beginn des Ausbildungsjahres 2021/ 2022. Zum Stichtag 30.09.2021 konnten im Kammerbezirk der SIHK zu Hagen 2.945 Ausbildungsverträge neu eingetragen werden (+20,4% zum Vorjahr). Davon entfielen 1.609 Verträge auf den Märkischen Kreis mit 631 gewerblichen Berufsbildern und 978 kaufmännischen Berufen. Dies spricht für die große Stabilität des heimischen Ausbildungsmarktes. Trotz der rückläufigen Schulabgängerzahlen und den besonderen Herausforderungen der beruflichen Orientierung durch die Corona-Pandemie ist es der SIHK im Ausbildungsmarkt gelungen, durch gezieltes Ausbildungsmarketing die Schülerinnen und Schüler für die duale Berufsausbildung in den heimischen Unternehmen zu interessieren. Die hohe Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen wurde zusätzlich durch das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ gefestigt. Besonders erfreulich ist aus Sicht der SIHK, dass im Berichtsjahr 43 neue Ausbildungsbetriebe gewonnen werden konnten.“

Zur Bilanz auf dem Ausbildungsmarkt erklärt Philipp Siewert, DGB Ruhr-Mark: „Zehn Prozent weniger Ausbildungsstellen im Vergleich zum Vorjahr: Die Bilanz auf dem Ausbildungsmarkt im Märkischen Kreis ist verheerend. Dabei singen die Betriebe seit Jahren das gleiche Lied von fehlenden Fachkräften. Dass Fachkräfte an vielen Stellen fehlen ist aber kein Wunder, wenn sie nicht ausgebildet werden. Jetzt ist das ein Problem für die Jugendlichen in unserer Region, denen oft keine Perspektive für einen erfolgreichen Einstieg in das Erwerbsleben geboten wird. Einem vermeintlich schwächeren Bewerber eine Chance zu geben und auch mal mehr Zeit in die Ausbildung eines jungen Menschen zu investieren: Diese Herausforderung sollten Betriebe gerne annehmen, damit fehlende Fachkräfte morgen nicht zum Hemmschuh unserer Region werden. Die Landesverfassung von NRW sieht vor, dass allen Jugendlichen die umfassende Möglichkeit zur Berufsausbildung gesichert werden soll. Wir wünschen uns ein Eingreifen der Politik, die die Umsetzung der Landesverfassung durch eine Ausbildungsgarantie gewährleisten muss.“

Dirk H. Jedan, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis, fasst zusammen: „Die Zahl der unbesetzten Stellen im Handwerk nimmt unaufhörlich zu. Der Fachkräftemangel – sowohl bei Auszubildenden, Gesellen und Meistern – führt dazu, dass die Kunden oftmals lange auf Handwerksleistungen warten müssen. Trotz der tollen beruflichen und unternehmerischen Perspektiven fehlt es am Nachwuchs. Karriere im Handwerk muss in den Fokus der Jugendlichen und die Chancen der betrieblichen dualen Ausbildung müssen in den Mittelpunkt unserer Gesellschaft rücken. Es ist höchste Zeit.“

Das Ausbildungsjahr 2021/22 hat bereits begonnen!

  • Ausbildungsbetriebe erreichen den gemeinsamen Arbeitgeberservice von Agentur für Arbeit Iserlohn und Jobcenter Märkischer Kreis kostenlos unter der Durchwahl 0800 / 4 5555 20
  • Alle Bewerber für Ausbildungsstellen erreichen die Berufsberatung kostenlos unter der Durchwahl 0800 / 4 5555 00 oder per Mail unter Iserlohn.Berufsberatung@arbeitsagentur.de