02.11.2022 | Presseinfo Nr. 91

Ausbildungsmarktbilanz 2021/2022 im Märkischen Kreis

„Im Ausbildungsjahr 2021/2022 sehen wir ein deutliches Ungleichgewicht auf dem Ausbildungsmarkt“, resümiert Sandra Pawlas, Chefin der Agentur für Arbeit Iserlohn. „Die Schere zwischen freien Ausbildungsstellen, die wieder auf dem Vor-Corona-Niveau angekommen sind, und Bewerberinnen und Bewerbern geht auseinander. Im Märkischen Kreis hat sich der Wandel vom ausgewogenen Stellen- zum Bewerbermarkt vollzogen.“

„Es sind aussichtsreiche Zeiten für Ausbildungssuchende, die aus der Vielzahl der offenen Stellen wählen können, schwere Zeiten für die Betriebe, die ausbilden wollen, aber keinen Nachwuchs finden. Bei immer mehr Betrieben in der Region bleiben die Ausbildungsstellen unbesetzt“, beschreibt die Arbeitsmarktexpertin. Bis September 2022 sind im Märkischen Kreis insgesamt 3.208 Berufsausbildungsstellen gemeldet worden. Dem gegenüber stehen 2.384 Bewerberinnen und Bewerber, die sich im Laufe des Berichtsjahres bei den Agenturen für Arbeit vor Ort gemeldet haben. Auf eine/n Bewerber/in kommen damit im Märkischen Kreis 1,3 Ausbildungsplätze.
„Mit Stand September waren noch 82 junge Frauen und Männer auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle, ein erfreulicher Tiefststand mit Blick auf die letzten Jahre“, so Sandra Pawlas. Gleichzeitig waren noch 234 Ausbildungsplätze unbesetzt. Somit kamen auf jede/n unversorgte/n Bewerber/in 2,9 unbesetzte Berufsausbildungsstellen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl von Bewerber/innen um 0,6 Prozent gesunken. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Ausbildungsstellen um 20,9 Prozent gestiegen.
Obwohl sich in unserer Region 46 Prozent der gemeldeten Schüler/innen für die Aufnahme eines Ausbildungsberufes entscheiden, kann der Bedarf an Azubi-Nachwuchs nicht gedeckt werden. Für die Unternehmen gilt mehr denn je die Prognose, dass mit fehlendem Nachwuchs die Fachkräfte von morgen fehlen werden. „Die Arbeitgeber haben die Notwendigkeit erkannt, trotz Krisenzeiten weiter auszubilden und tragen dadurch in verstärktem Maße zur Fachkräftesicherung bei. Der Anteil ausbildender Betriebe liegt in unserer Region deutlich höher als im NRW-Schnitt“, sagt Sandra Pawlas.
„Wir appellieren daher an die Unternehmen, proaktiv auf die jungen Menschen zuzugehen und beispielsweise Praktika anzubieten. Auch Bewerberinnen und Bewerber, die vielleicht nicht hundertprozentig passen, sollten eine Chance erhalten. Als Arbeitsagentur unterstützen wir sowohl die Betriebe als auch die Jugendlichen mit Beratung und Qualifizierungsangeboten, damit es „matcht“ und mehr Schülerinnen und Schüler ihre Karrierechancen in Ausbildungsberufen finden. Ich möchte auch diejenigen Jugendlichen ermutigen, die aktuell noch auf der Suche sind. Für das laufende Ausbildungsjahr 2021/2022 geht noch was, aber auch für das kommende Jahr ist der Startschuss bereits gefallen. Es lohnt sich, sich auf den Weg zu machen und sich zu bewerben!“

Die Ausbildungsmarktpartner im Märkischen Kreis ziehen folgendes Fazit: 

Im Ausbildungsjahr 2021/2022 haben mit Unterstützung des Jobcenters Märkischer Kreis 452 Jugendliche eine Ausbildung aufgenommen – so die Bilanz von Geschäftsführerin Anna Markmann: „Die Ausbildungsaufnahmen bewegen sich damit wieder auf vorpandemischem Niveau. Im Vergleich zum Vorjahr haben knapp 50 junge Menschen mehr eine Ausbildung aufgenommen. Durch gemeinsame Aktionen wie dem Marktplatz Ausbildung, der in Kooperation mit der Agentur für Arbeit und weiteren Partnern am Ausbildungsmarkt durchgeführt wurde, sowie durch eine intensive Begleitung und Beratungsarbeit ist dieses gute Ergebnis gelungen. Der Trend zum Besuch einer weiterführenden Schule hält bei den jungen Menschen im MK weiterhin an, rund Zweidrittel der Entlass-Schülerinnen und -Schüler entschieden sich im aktuellen Ausbildungsjahr für einen weiteren Schulbesuch. Im neu begonnen Ausbildungsjahr liegt der Fokus darauf, die Attraktivität und Chancen einer Berufsausbildung transparent zu machen und Jugendliche für diesen Weg zu gewinnen. Einen Schwerpunkt unserer Beratungsarbeit legen wir dabei auf die berufliche Orientierung von geflüchteten Jugendlichen und ihren Eltern, die das duale Ausbildungssystem aus ihrem Heimatland nicht kennen.“
Aus Sicht des Handwerks fasst Dirk H. Jedan, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis, die Ausbildungssituation im Märkischen Kreis zusammen: „Die Lage des Ausbildungsmarktes ist nach wie vor angespannt. Viele Stellenangebote bleiben unbesetzt. Der Mangel an qualifizierten Nachwuchskräften steigt ständig. Wir brauchen ein gesamtwirtschaftliches Umdenken, in der berufspraktische Arbeit endlich die Anerkennung erhält, die sie verdient. Ohne eine solche Bildungswende werden wir die Aufgaben der Zukunft nicht meistern können!“

Özgür Gökce, Geschäftsführer des Märkischen Arbeitgeberverbandes MAV, erklärt: „Der Fachkräftemangel trifft so gut wie alle unsere Mitgliedsbetriebe. Damit stellt dieses Thema nach Energiekosten und gestörten Lieferketten eine der größten Herausforderungen für die Unternehmen dar. Selbst auszubilden kann ein Schritt zur Problemlösung sein. Unsere Mitglieder engagieren sich hier zahlreich. Allerdings bestätigt nur etwa die Hälfte unserer ausbildenden Mitgliedsbetriebe, für das aktuelle Ausbildungsjahr alle Ausbildungsplätze besetzt zu haben. Für den Großteil der Unternehmen hat der Umfang der Bewerbungen noch nicht wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht. Umgekehrt bedeutet die Lage aber auch: Selten war die Aussicht auf einen guten Ausbildungsplatz für Bewerber besser als jetzt. Wer sich schnell entscheidet, kann sogar im bereits laufenden Ausbildungsjahr noch unterkommen. Ich appelliere an die jungen Menschen unserer Region, diese Chance zu nutzen! Eine Ausbildung schafft eine solide Basis für die Karriere. Spätere Weiterbildung nicht ausgeschlossen.“

Thomas Haensel, Industrie- und Handelskammer (SIHK) zu Hagen, resümiert zu den neu eingetragenen Ausbildungsverträgen mit Stichtag 30.09.2022: „Die betriebliche Berufsausbildung besitzt bei den Schülerinnen und Schülern im Kammerbezirk der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) eine hohe Akzeptanz. Zum Stichtag 30.09.2022 konnten im Kammerbezirk der SIHK 2.967 Ausbildungsverträge neu eingetragen werden. Das entspricht einem Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr 2021 in Höhe von 2,7 %. Davon entfallen 1.184 Verträge auf gewerblich-technische Berufsbilder und 1.783 Verträge gehören dem kaufmännischen Bereich an. Die Eintragungszahlen spiegeln die große Stabilität des heimischen Ausbildungsmarktes wider. Die vorzügliche Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen im Kammerbezirk findet ihren Ausdruck darüber hinaus darin, dass im Rahmen der SIHK-Endspurtaktion mehr als 150 noch unbesetzte Ausbildungsstellen für den Ausbildungsstart 2022 zur Verfügung gestellt wurden. Besonders positiv ist aus Sicht der SIHK, dass im Berichtsjahr 64 neue Ausbildungsbetriebe gewonnen werden konnten.“

„Es sind noch größere Anstrengungen als in den Vorjahren notwendig, um junge Menschen für eine duale Ausbildung, zumal im gewerblich-technischen Bereich, zu gewinnen“, so die Bilanz von Christian Lepping, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Lüdenscheid. „Die Corona Pandemie hat in den letzten zwei Jahren zusätzliche Hürden aufgebaut, dass Ausbildungsbetriebe und die sogenannte Generation Z miteinander in Kontakt treten. Es ist nun die gemeinsame Verantwortung der jungen Menschen, der Ausbildungsbetriebe und Ausbildungspartner, diese Hürden zu überwinden. Ungeachtet der aktuellen Wirtschaftskrise und ungeachtet der enormen Schwierigkeiten in der Region aufgrund der gesperrten Autobahn A 45, haben junge Menschen die besten Chancen für einen dualen Ausbildungsplatz oder ein duales Studium in unseren Mitgliedsunternehmen. Der langfristige Fachkräftebedarf ist enorm. Die meisten Unternehmen bilden in erster Linie für den eigenen Bedarf aus. So werden die Auszubildenden nach einem erfolgreichen Abschluss in der Regel übernommen und können ihre berufliche Kariere mit hervorragenden Perspektiven beginnen. Der Arbeitgeberverband Lüdenscheid unterstützt viele Maßnahmen in der Region, um über Ausbildungsberufe zu informieren und um für MINT-Berufsbilder zu begeistern. Er fördert das „Matching“ zwischen Ausbildungsbetrieben und jungen Menschen. Die Angebote bestehen digital und zunehmend auch wieder im persönlichen Kennenlernen.“

Der Märkische Kreis im Überblick

Hauptagentur Iserlohn
Die Daten zum Ausbildungsmarkt der Geschäftsstelle Iserlohn setzen sich zusammen aus den Werten für die Städte Iserlohn und Hemer. 791 Jugendliche aus Iserlohn und Hemer haben sich seit Oktober 2021 an die Berufsberatung der heimischen Agenturen für Arbeit gewandt, um einen Ausbildungsplatz zu finden. Insgesamt sind das 3 Personen (0,4 Prozent) mehr als im Vorjahr. 28 Jugendliche waren davon Ende September noch unversorgt. Der Vielzahl an Bewerberinnen und Bewerbern standen 971 gemeldete Berufsausbildungsstellen gegenüber, von denen Ende September noch 98 Ausbildungsplätze unbesetzt waren. Im Vergleich zum Vorjahr sind seit Beginn des Berichtsjahres 99 Ausbildungsstellen (11,4 Prozent) mehr gemeldet worden.

Geschäftsstelle Altena
Die Daten zum Ausbildungsmarkt der Geschäftsstelle Altena setzen sich zusammen aus den Werten für die Stadt Altena und der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde.145 Jugendliche aus Altena und Nachrodt-Wiblingwerde haben sich seit Oktober 2021 an die Berufsberatung der heimischen Agenturen für Arbeit gewandt, um einen Ausbildungsplatz zu finden. Insgesamt sind das 25 Personen (-14,7 Prozent) weniger als im Vorjahr. 8 Jugendliche waren davon Ende September noch unversorgt. Der Vielzahl an Bewerberinnen und Bewerbern standen 158 gemeldete Berufsausbildungsstellen gegenüber, von denen Ende September noch 17 Ausbildungsplätze unbesetzt waren. Im Vergleich zum Vorjahr sind seit Beginn des Berichtsjahres 41 Ausbildungsstellen (35,0 Prozent) mehr gemeldet worden.

Geschäftsstelle Kierspe
Mit Schließung der Geschäftsstelle Kierspe fließen die Ergebnisse aus den Städten Kierspe und Meinerzhagen ab Juli 2022 in die Geschäftsstelle Lüdenscheid ein.

Geschäftsstelle Lüdenscheid
Die Daten zum Ausbildungsmarkt der Geschäftsstelle Lüdenscheid setzen sich zusammen aus den Werten für die Städte und Gemeinden Lüdenscheid, Kierspe, Meinerzhagen, Halver und Schalksmühle. 811 Jugendliche aus dieser Region haben sich seit Oktober 2021 an die Berufsberatung der heimischen Agenturen für Arbeit gewandt, um einen Ausbildungsplatz zu finden. Insgesamt sind das 70 Personen (9,4 Prozent) mehr als im Vorjahr. 33 Jugendliche waren davon Ende September noch unversorgt. Der Vielzahl an Bewerberinnen und Bewerben standen 1.168 gemeldete Berufsausbildungsstellen gegenüber, von denen Ende September noch 35 Ausbildungsplätze unbesetzt waren. Im Vergleich zum Vorjahr sind seit Beginn des Berichtsjahres 241 Ausbildungsstellen (26,0 Prozent) mehr gemeldet worden.    

Geschäftsstelle Menden
Die Daten zum Ausbildungsmarkt der Geschäftsstelle Menden setzen sich zusammen aus den Werten für die Städte Balve und Menden. 268 Jugendliche aus Menden und Balve haben sich seit Oktober 2021 an die Berufsberatung der heimischen Agenturen für Arbeit gewandt, um einen Ausbildungsplatz zu finden. Insgesamt sind das 77 Personen (-22,3 Prozent) weniger als im Vorjahr. 4 Jugendliche waren davon Ende September noch unversorgt. Der Vielzahl an Bewerberinnen und Bewerbern standen 384 gemeldete Berufsausbildungsstellen gegenüber, von denen Ende September noch 50 Ausbildungsplätze unbesetzt waren. Im Vergleich zum Vorjahr sind seit Beginn des Berichtsjahres 58 Ausbildungsstellen (17,8 Prozent) mehr gemeldet worden.

Geschäftsstelle Plettenberg
Die Daten zum Ausbildungsmarkt der Geschäftsstelle Plettenberg setzen sich zusammen aus den Werten der Stadt Plettenberg und der Gemeinde Herscheid. 145 Jugendliche aus Plettenberg und Herscheid haben sich seit Oktober 2021 an die Berufsberatung der heimischen Agenturen für Arbeit gewandt, um einen Ausbildungsplatz zu finden. Insgesamt sind das 7 Personen (-4,6 Prozent) weniger als im Vorjahr. 3 Jugendliche waren davon Ende September noch unversorgt. Der Vielzahl an Bewerberinnen und Bewerbern standen 282 gemeldete Berufsausbildungsstellen gegenüber, von denen noch 16 Ausbildungsplätze unbesetzt waren. Im Vergleich zum Vorjahr sind seit Beginn des Berichtsjahres 77 Ausbildungsstellen (37,6 Prozent) mehr gemeldet worden.        

Geschäftsstelle Werdohl
Die Daten zum Ausbildungsmarkt der Geschäftsstelle Werdohl setzen sich zusammen aus den Werten der Städte Werdohl und Neuenrade. 224 Jugendliche aus Werdohl und Neuenrade haben sich seit Oktober 2021 an die Berufsberatung der heimischen Agenturen für Arbeit gewandt, um einen Ausbildungsplatz zu finden. Insgesamt sind das 21 Personen (10,3 Prozent) mehr als im Vorjahr. 6 Jugendliche waren davon Ende September noch unversorgt. Der Vielzahl an Bewerberinnen und Bewerbern standen 245 gemeldete Berufsausbildungsstellen gegenüber, von denen Ende September noch 18 Ausbildungsplätze unbesetzt sind. Im Vergleich zum Vorjahr sind seit Beginn des Berichtsjahres 38 Ausbildungsstellen (18,4 Prozent) mehr gemeldet worden.