01.10.2020 | Presseinfo Nr. 66

30 Jahre Agentur für Arbeit Jena

Die 90er Jahre waren vom Umbruch geprägt. Viele Unternehmen wurden aufgelöst oder gliederten Betriebsabteilungen aus. Heute sind gut ausgebildete Fachrkäfte gesucht.

„In den vergangenen 30 Jahren hat sich auf dem Arbeitsmarkt vieles getan. Von der Massenarbeitslosigkeit in den 90´er Jahren zu einer Arbeitslosenquote, die sich gegenwärtig um die fünf Prozent bewegt. Mit der Wende verloren unzählige Menschen quasi über Nacht ihre Arbeit. Ihre bisherigen Berufe und Qualifikationen waren auf dem neuen Arbeitsmarkt meist nicht mehr gefragt. In dieser Zeit konnte das Arbeitsamt mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, kurz ABM) unterstützen. Hier arbeiteten die Menschen z.B. im sozialen oder kulturellen Bereich und taten Gutes für die Gemeinden und Gesellschaft. Das waren sinnvolle Tätigkeiten, die auch zum Teil mit Anpassungsqualifizierungen verbunden waren, um wieder in reguläre Beschäftigung zu kommen“, erinnert sich Irena Michel, Leiterin der Jenaer Arbeitsagentur.

Die 90er Jahre waren vom Umbruch geprägt. Viele Unternehmen wurden aufgelöst oder gliederten Betriebsabteilungen aus, die oftmals von Firmen aus dem alten Bundesgebiet übernommen wurden. Nur allmählich gründeten sich privatwirtschaftliche Betriebe.

 

Kurzarbeitergeld und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen entlasteten den Arbeitsmarkt spürbar

Mit Beginn des Jahres 1991 erfolgte ein zum Teil massiver Personalabbau in allen Wirtschaftsbereichen. Insgesamt meldeten sich 1991 im Jahresverlauf 31.200 Menschen neu arbeitslos. Im gleichen Zeitraum wurden rund 20.100 Stellenangebote gemeldet, die jedoch etwa zur Hälfte Arbeitsplätze im geförderten ABM-Bereich enthielten. Im Jahresdurchschnitt 1991 waren 17.524 Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen. 
Während der 90´er Jahre entlasteten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) und Kurzarbeit den Arbeitsmarkt spürbar. Im Jahresverlauf 1992 wurde ABM am stärksten genutzt und gab rund 8.700 Menschen eine Perspektive. Zur Hochzeit, im Frühjahr 1991, befanden sich über 50.000 Menschen in Kurzarbeit.

Im Januar 1992 stieg die Arbeitslosigkeit sprunghaft an. Es befanden sich über 30.000 Menschen im Agenturbezirk Jena in Arbeitslosigkeit. Bis Mitte der 90er lag der jahresdurchschnittliche Bestand der Arbeitslosen bei rund 22.000 Personen.

Das neue Jahrtausend startete im Agenturbezirk mit einer Arbeitslosenquote von 16 Prozent. Im Jahresdurchschnitt 2000 wurde eine nur geringfügig höhere Arbeitslosigkeit als 1999 gemessen (28.009 Arbeitslose, +330 Personen). Der Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente, als entlastender Faktor, verlor zunehmend an Bedeutung.

 

Grundsicherung für alle zum 1.1.2005 gestartet

Zum 01.01.2005 wurde das Sozialgesetzbuch Zweites Buch (SGB II - umgangssprachlich Hartz IV genannt) eingeführt. Es beinhaltete die Einführung einer einheitlichen Grundsicherung für alle erwerbsfähigen Menschen durch Arbeitslosengeld II. Dafür wurden die Leistungen von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zusammengelegt. Eine unerwartet hohe Zahl der bisherigen Sozialhilfeempfänger meldete sich arbeitslos. Das hatte vor allem in den ersten Monaten des Jahres einen Anstieg der Arbeitslosigkeit zur Folge. So waren im Januar 2005 rund 28.500 Menschen arbeitslos, 3.500 mehr als im Dezember 2004.

"Eine Besonderheit war für mich die Zusammenlegung der Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe im Jahr 2005. Mit der so genannten Hartz IV-Reform erhielten viele Menschen eine andere Betreuung, die auf Integration in Arbeit gerichtet war. Durch individuelle Beratung jedes einzelnen Kunden gelang es uns in den letzten Jahren immer besser, Menschen in Arbeit zu bringen“, sagt Michel.

 

Finanzkrise mit Kurzarbeit begegnet

Die zunehmende konjunkturelle Erholung prägte den Arbeitsmarkt 2006 und setzte sich bis Mitte 2008 fort. Die Ende 2008 beginnende weltweite Finanzkrise wirkte sich auch im Agenturbezirk Jena aus. Firmen reagierten auf Auftragsschwächen verstärkt mit Inanspruchnahme von Kurzarbeit und behielten so ihre Fachkräfte im Unternehmen. Im Mai 2009 befanden sich knapp 8.000 Menschen, in 400 Betrieben in Kurzarbeit, jedoch waren viele Arbeitnehmer oftmals nur mit einem Arbeitsausfall von bis zu 25 Prozent betroffen.

Zum Jahresende war die Zahl bereits auf 3.800 Personen gesunken und sank in den nachfolgenden Monaten kontinuierlich weiter. Das Instrument Kurzarbeit hat gewirkt und sorgte dafür, dass sie Arbeitslosigkeit nicht anstieg.  2009 waren rund 18.400 Menschen Arbeitslose gemeldet, was dem Vorjahresniveau entsprach. Die Arbeitslosenquote lag bei 10 Prozent.

Im September 2013 sank erstmals die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk Jena unter sieben Prozent. Durchschnittlich waren im Jahresverlauf 12.000 Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen.

 

 

Flüchtlingsstrom stellte Arbeitsmarkt vor große Herausforderungen

2015 stellte die Flüchtlingswelle große Herausforderungen an den Arbeitsmarkt. Ziel war und ist es, diese Menschen in Ausbildung und Arbeit zu integrieren, ohne die inländischen Kunden zu vernachlässigen. Die Integration braucht aber meist viel Zeit, da geflüchtete Menschen in der Regel kaum über Deutschkenntnisse verfügen. Zu Beginn der Flüchtlingsbewegung im Frühjahr, waren rund 300 erwerbsfähige Personen mit Fluchtstatus gemeldet. Rund 100 von ihnen hatten den Status „arbeitslos“.

Zum Jahresende 2016 waren es bereits 1.700 erwerbsfähige Personen mit Fluchtstatus gemeldet, wovon etwa 600 Menschen arbeitslos waren. Knapp 200 Menschen waren zu diesem Zeitpunkt schon in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung integriert.

Im Juni 2018 sank Arbeitslosenzahl sank erstmals auf unter 8.000 Personen.

 

Corona-Pandemie stellt Arbeitsmarkt vor Herausforderungen

Die CORONA-Krise traf den Arbeitsmarkt Mitte März 2020 mit voller Wucht. Im Gegensatz zur Wirtschaftskrise 2009, von der nur einige Wirtschaftszweige betroffen waren, traf diese Krise den Arbeitsmarkt in der gesamten Breite. Infolge der Pandemie kam es zu Entlassungen, aber erneut bewährte sich das Instrument Kurzarbeit. Durch Gesetzesänderung gab es hier erleichterte Zugangsbedingungen. Dieses Angebot wurde von regionalen Betrieben stark genutzt.

Von März bis August zeigten im Agenturbezirk Jena 3.663 Unternehmen mit Kurzarbeit für 40.291 Personen an. Nach ersten Hochrechnungen haben im März tatsächlich 1.407 Betriebe mit 8.828 Personen und im April 2.392 Betriebe mit 19.415 Personen Kurzarbeit in Anspruch genommen.

Betriebe nutzen KUG, weil es vor Corona schon in vielen Bereichen nicht einfach war, gut qualifiziertes Fachpersonal zu finden. Sie halten so lang es geht an ihrem Personal fest. Daher fiel der Anstieg der Arbeitslosigkeit, trotz der widrigen Bedingungen, vergleichsweise niedrig aus. Im April stieg die Zahl der Arbeitslosen um rund 760 auf 8.366 Arbeitslose. Im Mai waren knapp 8.800 Menschen arbeitslos.

„In schwierigen Zeiten konnten die Menschen immer auf die Arbeitsagentur bauen. Das zeigt sich gegenwärtig erneut. Durch Kurzarbeit können wir die Auswirkungen Corona-Pandemie abmildern und Entlassungen vermeiden“, erklärt Irena Michel