30.04.2020 | Presseinfo Nr. 39

Corona: Arbeitsmarkt startet Abwärtsspirale

Ein Fünftel mehr Arbeitslose und ein Drittel weniger freie Stellen als vor einem Jahr

Die Corona-Krise trifft auch den heimischen Arbeitsmarkt mit voller Wucht. Die Arbeitslosenzahlen schnellen in die Höhe, die Stellenofferten sinken dramatisch ab. Kaum sechs Wochen nach Beginn der Epidemie spiegelt die Aprilstatistik für den Agenturbezirk Kassel (Stadt Kassel, Landkreis Kassel, Werra-Meißner-Kreis) die Corona-Lage der heimischen Wirtschaft wider. So sind aktuell 17.551 Jobsuchende bei der Agentur für Arbeit gemeldet. Das sind 13,5 Prozent mehr als im März und 19 Prozent mehr als im April 2019. Die Arbeitslosenquote meldet sich mit 6,1 Prozent und liegt damit 0,7 Punkte über dem Vormonat und 0,9 Punkte über dem Vorjahresmonat.

„Die schlechten Aprilzahlen sind erst die Vorboten eines Wirtschaftstiefs, das uns die nächsten Monate begleiten und enorm herausfordern wird“, ist sich Agenturchef Detlef Hesse sicher. Mehr Arbeitslose in allen Personenkreisen resultierten aktuell nicht nur aus signifikant mehr Entlassungen, sondern insbesondere auch weil die Frühjahrsbelebung mit der üblich höheren Erwerbstätigkeit komplett ausgeblieben sei. Dieser Effekt beeinflusse die Entwicklung aktuell stärker als die Neumeldungen. Besonders viele Arbeitslosmeldungen gab es laut dem Arbeitsmarktexperten krisenbedingt in Zeitarbeitsfirmen, im Handel, in Kfz-Werkstätten, dem Gastgewerbe sowie Verkehr und Lagerei.

„Gleichzeitig ist auch der Bestand an offenen Stellen um mehr als ein Drittel drastisch zurückgegangen, weil freie Jobs erst gar nicht gemeldet oder storniert wurden“, erläutert Detlef Hesse die schwierige Lage weiter.

5.012 geprüfte Anzeigen auf Kurzarbeitergeld für 70.244 Beschäftigte im Agenturbezirk Kassel im März und April

Stattdessen nutzten regionale Betriebe in immens großer Anzahl das Instrument der Kurzarbeit, um in der Krise ihre Belegschaft zu halten. „Wir registrierten im April 2491 geprüfte Anzeigen auf Kurzarbeitergeld für 25.913 Beschäftigte, im März waren es bereits 2521 für 44.331 Mitarbeiter“, berichtet Detlef Hesse und betont: „Das ist eine KUG-Nachfrage bislang unbekannten Ausmaßes und zieht sich durch alle Branchen und Betriebsgrößen.“

„In Kurzarbeit zu gehen statt Stellen abzubauen, ist aktuell ganz offensichtlich für viele Arbeitgeber das Mittel der Wahl und absolut begrüßenswert“, unterstreicht der Agenturchef. „Allerdings müssen wir dennoch mit einem sehr deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit und auch einer Vielzahl an Insolvenzen in den nächsten Monaten in der Region rechnen.“ Sowohl die Intensität der wirtschaftlichen Auswirkungen als auch deren zeitliche Unberechenbarkeit machten dieses Szenario leider sehr wahrscheinlich.

Geprüfte KUG-Anzeigen in den Regionen

KUG-Anzeigen Agenturbezirk Kassel Stadt Kassel Landkreis Kassel Werra-Meißner-Kreis
Geprüfte KUG-Anzeigen in den Regionen
März 2020 2.521 für 44.331 Personen 1.150 für 13.920 Personen 916 für 25.212 Personen 455 für 5.199 Personen
April 2020 2.491 für 25.913 Personen 1.116 für 13.801 Personen 859 für 8.383 Personen 516 für 3.729 Personen

Die Rechtskreise im Vergleich

37,8 Prozent der Arbeitslosen (6638 Personen) sind der Arbeitslosenversicherung (Rechtskreis SGB III) und 62,2 Prozent (10.913 Personen) der Grundsicherung (Rechtskreis SGB II) zugeordnet. Im Rechtskreis SGB II ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat (+ 1159 Personen) und zum Vorjahr (+1016 Personen) gestiegen. Im Rechtskreis SGB III ist die Arbeitslosenzahl gegenüber März um 934 Personen (+ 16,4 Prozent) und gegenüber dem Vorjahr um 1786 Menschen (+ 36,8 Prozent) ebenfalls signifikant gestiegen.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit und offenen Stellen in den Regionen

In der documenta Stadt Kassel ist die Arbeitslosenzahl seit März um 1111 Personen (+ 13,9 Prozent) auf 9078 Jobsuchende gestiegen. Insgesamt waren 1296 Menschen mehr (+ 16,7 Prozent) von Arbeitslosigkeit betroffen als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote im Berichtsmonat April liegt bei 8,4 Prozent (Vormonat: 7,4 Prozent; Vorjahr: 7,2 Prozent). Mit 1537 Offerten sind 657 Stellen weniger zu besetzen als vor einem Jahr (- 29,9 Prozent).

Im Landkreis Kassel sind 5584 Personen arbeitslos gemeldet, 488 mehr als im März (+ 9,6 Prozent). Gegenüber dem Vorjahr gab es einen Zugang von 1096 Jobsuchenden (+ 24,4 Prozent). Die Arbeitslosenquote beträgt 4,4 Prozent (Vormonat: 4 Prozent; Vorjahr: 3,5 Prozent). Der Bestand offener Stellen liegt mit 755 Angeboten deutlich unter dem Wert des Vormonats (- 419 Stellen oder – 35,7 Prozent) und dem des Vorjahres (- 523 Stellen oder – 40,9 Prozent).

Insgesamt 2889 Menschen sind im Werra-Meißner-Kreis arbeitslos gemeldet. Das sind 494 Personen mehr als im März (+ 20,6 Prozent) und 410 Jobsuchende mehr als im April 2019 (+ 16,5 Prozent). Die Arbeitslosenquote ist 5,5 Prozent. Im Vormonat lag sie bei 4,6 und im Vorjahr bei 4,8 Prozent. Der Bestand offener Stellen ist mit 417 niedriger als im Vormonat (- 111 Stellen oder - 21 Prozent) und im Vorjahr (- 256 Stellen oder - 38 Prozent).