23.11.2022 | Presseinfo Nr. 83

Ausbildung als Chance begreifen!

Agentur für Arbeit Kassel, Handwerkskammer Kassel und
IHK Kassel-Marburg ziehen Jahresbilanz 2021/2022

Die Jahresbilanz des Ausbildungspakts legten heute die Agentur für Arbeit Kassel, die Handwerkskammer Kassel und die IHK Kassel-Marburg vor, teilten aktuelle Zahlen mit und beurteilten den Ausbildungsmarkt in der Region.

Agentur für Arbeit Kassel: Zahl der Ausbildungsplätze bietet Chancen für die Region

„Die Lage auf dem nordhessischen Ausbildungsmarkt bleibt angespannt und stellt uns zukünftig vor große Herausforderungen“, bilanziert Michael Schubert, Geschäftsführer operativ der Arbeitsagentur Kassel, das Ausbildungsjahr 2021/2022.

Der kontinuierliche Rückgang der Bewerberzahlen der vergangenen Jahre habe sich erwartungsgemäß fortgesetzt. Demgegenüber stünden aber zunehmend unbesetzte Ausbildungsstellen. „Zahlreiche attraktive Offerten der Unternehmen blieben im jüngsten Ausbildungsjahr offen, stellt der Ausbildungsmarkt-Experte bedauernd fest. Immer mehr Ausbildungsbetriebe versuchten zwar richtiger Weise, ihren Fachkräftemangel mittelfristig über die Nachwuchsgewinnung zu kompensieren, stießen dabei aber auf sinkende Bewerberzahlen. Der deutliche Rückgang an Bewerbern ist, so Michael Schubert, aber auch nach wie vor auf die generell sinkende Anzahl von Schulabgängern sowie dem unverminderten Trend zum Besuch weiterführender Schulen zurück zu führen. „Unterm Strich stehen die Ausbildungsbetriebe zunehmend in Konkurrenz zueinander und werden ihre Fachkräftelücke nur über weitere Anstrengungen schließen können.“

Positiv sei auf der anderen Seite, dass die Quote der unversorgten Bewerber gleichgeblieben ist. „Wir konnten also – wie in den Vorjahren – den allermeisten Jugendlichen erfolgreich ihren Berufsstart ermöglichen“, so Michael Schubert. Die duale Ausbildung habe als qualitativ hochwertige, berufliche Basis einen hohen Stellenwert. Aufgrund des aktuellen Bewerbermarktes stünden bei den Arbeitgebern persönliche Kompetenzen zunehmend im Vordergrund.

Die Statistik meldet weniger Bewerber und mehr Ausbildungsstellen als im Vorjahr für das abgelaufene Berichtsjahr für den Agenturbezirk Kassel, der die Stadt Kassel, den Kreis Kassel und den Werra-Meißner-Kreis umfasst. So zeigt die aktuelle Bilanz 3225 betriebliche Ausbildungsplätze, 49 oder 1,5 Prozent mehr als zum selben Zeitpunkt des Vorjahres. Parallel sank die Anzahl der Ausbildungsplatzsuchenden um 244 oder 8 Prozent auf jetzt 2824 Personen. Am Ende gab es 119 unversorgte Bewerber (keine Veränderung).

Für die Stadt Kassel heißt das 1536 betriebliche Berufsausbildungsstellen (minus 32 bzw. 2 Prozent) und 1211 Bewerber (minus 127 bzw. 9,5 Prozent).

Im Kreis Kassel sind es 1082 Angebote von Ausbildungsbetrieben (plus 21 bzw. 2 Prozent) und 1083 potentielle Berufsstarter (minus 49 bzw. 4,3 Prozent).

Für den Werra-Meißner-Kreis zeigt die Jahresbilanz 607 Offerten heimischer Betriebe (plus 60 bzw. 11 Prozent) gegenüber 530 Ausbildungsplatzsuchenden (minus 68 bzw. 11,4 Prozent).

Im gesamten Agenturbezirk wurden die meisten Auszubildenden gesucht in den Berufsbereichen Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung (928), kaufmännische Dienstleistungen, Handel, Vertrieb und Tourismus (769) sowie Unternehmensorganisation, Buchhaltung, Recht und Verwaltung (622).

Die Top 5 der gemeldeten Ausbildungsplätze belegen Kaufmann/frau im Einzelhandel vor Verkäufer/in, Kaufmann/frau Büromanagement, Fachkraft Lagerlogistik und Industriemechaniker/in. Seitens der Bewerber rangieren Kfz-Mechatroniker/in – Pkw-Technik vor Kaufmann/frau Büromanagement, Medizinische/r Fachangestellte/r, Kaufmann/frau Einzelhandel und Verkäufer/in auf der Beliebtheitsskala ganz oben.

Handwerkskammer: Eine Ausbildung im Handwerk eröffnet vielfältige Karrierewege

In diesem Jahr verzeichnet die Handwerkskammer Kassel zum Stichtag 30. September 2022 einen Rückgang bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen: So sank die Zahl der jungen Menschen, die mit einer Ausbildung im Handwerk begonnen hatten, im Jahresvergleich von 2.737 auf 2.635, also um 102 Verträge. Damit beläuft sich das Minus auf 3,7 Prozent.

„Die Ausbildungsbereitschaft im Handwerk ist nach wie vor hoch, dafür sprechen auch die knapp 280 offenen Ausbildungsplätze, die in unserer Lehrstellenbörse im Angebot sind, denn die Handwerksbetriebe brauchen dringender denn je Nachwuchs- und Fachkräfte“, bewertet Sabine Aue, Leiterin der Abteilung Berufsbildung der Handwerkskammer Kassel, die aktuelle Ausbildungssituation im Handwerk. „Allerdings machen es die nach wie vor rückläufigen Schülerzahlen und der anhaltend starke Trend zur Akademisierung den Betrieben schwer, ausreichend Bewerber zu finden.“ Auch die Schwierigkeiten bei der Zusammenführung von suchenden Bewerbern und unbesetzten Ausbildungsplätzen bleibe weiterhin bestehen.

Hinzu komme in diesem Jahr, so Aue weiter, dass die aktuell schwierige wirtschaftliche Situation die jungen Menschen so verunsichere, dass sie sich eher für einen weiteren Schulbesuch oder ein Studium entscheiden. „Dabei muss man sehen, dass trotz der herausfordernden Lage alle Zukunftsthemen auch Handwerksthemen sind.“ Als Beispiele nannte sie die Klimawende, inklusive E-Mobilität und Nachhaltigkeit, die Digitalisierung von Wohnungen und Häusern sowie die Schaffung barrierearmer Lebensräume für eine immer älter werdende Gesellschaft. „Eine Ausbildung im Handwerk bietet nach wie vor die besten Karrierechancen, von der Qualifizierung und Spezialisierung zur dringend gesuchten Fachkraft, über die Meisterprüfung als Voraussetzung für den eigenen Betrieb, bis hin zum Studium an einer Universität.“

Deshalb tue die Handwerkskammer viel, um Schülerinnen und Schülern, Eltern sowie Lehrinnen und Lehrern die Vielfalt und die Modernität der Ausbildungswege im Handwerk zu vermitteln, betonte Aue. So baue die Kammer ihre Kontakte zu Schulen kontinuierlich aus und versorge diese mit zeitgemäßen Informationen über die Ausbildung im Handwerk. „Auch auf Messen und Berufsorientierungsveranstaltungen sind wir noch verstärkt vertreten. Dort wie in Schulen setzen wir beispielsweise auf VR-Brillen und Filme, mit denen sich die jungen Menschen fast hautnah über die Ausbildung in 25 Handwerken informieren können.“ Darüber hinaus werde die Lehrstellenbörse der Kammer im kommenden Jahr eine Erweiterung erfahren und im XL-Format an den Start gehen.

„Allerdings schaffen wir es nicht alleine, der dualen Ausbildung die Geltung zu verschaffen, die sie verdient hat. Dazu brauchen wir eine Bildungswende in den Köpfen aller Menschen“, erläuterte die Bildungsexpertin. Denn Ansehen und Wertschätzung der dualen Ausbildung müssten wieder seiner wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung entsprechen.

„Wir werden in jedem Fall in unseren Anstrengungen nicht nachlassen. Wir werden weiterhin unterschiedliche Zielgruppen ansprechen, von Jugendlichen mit Startschwierigkeiten über junge Geflüchtete und Jugendlichen mit Migrationshintergrund bis hin zu Abiturienten und Studienaussteigern. Im Vordergrund stehen dabei die Vorteile einer dualen Ausbildung im Handwerk samt der vielfältigen Karrierewege, die sie eröffnet“, erläuterte Aue die Zielsetzungen der Handwerkskammer in Sachen Nachwuchswerbung.

IHK Kassel-Marburg: Bildungsmarketing wird für die Betriebe immer wichtiger – Ausbildungsbilanz 2022 mit leichtem Plus

Im Jahr 2022 haben die Unternehmen im IHK-Bezirk Kassel-Marburg 4453 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das sind 215 Verträge mehr als im Vorjahreszeitraum, was einer Steigerung von 5,1% entspricht. Hessenweit stieg die Zahl der Neuverträge bei den IHKs um 3,1%. „Angesichts der Corona-Krise und der ungebrochenen Studierneigung ist das ein gutes Ergebnis“, kommentiert Dr. Thomas Fölsch, Bereichsleiter Aus- und Weiterbildung, die Ausbildungsbilanz 2022.

Am Grundproblem ändert dies jedoch nichts: Auf die offenen Ausbildungsplätze bewerben sich nach wie vor nicht genügend potentielle Auszubildende. Langfristig wird dieser Trend den Mangel an Fachkräften weiter verstärken. Deshalb ist es umso wichtiger, jungen Menschen die Karrierechancen aufzuzeigen, die ihnen Ausbildung bieten kann. Und diese seien, so Dr. Fölsch, heute besser denn je: „Die duale Berufsausbildung verbindet Theorie und Praxis auf einmalige Art und Weise. Aktuell gibt es keinen effektiveren Karrierestart als über Arbeit und Ausbildung: Auszubildende können dank Fort- und Weiterbildung genauso in Führungspositionen aufsteigen wie Studierende nach ihrem Abschluss – mitunter sogar schneller.“ Die Werbetrommel für die duale Ausbildung dürfe also nicht stillstehen: Gerade jetzt sei ein gutes, effizientes Bildungsmarketing unabdingbar.


Innerhalb des IHK-Bezirks verlief die Entwicklung der Anzahl der Ausbildungsplätze regional unterschiedlich. Die Spitzenposition teilen sich dieses Mal der Landkreis Kassel und der Kreis Waldeck-Frankenberg, die jeweils ein Plus von 9,6% im Vorjahresvergleich verzeichnen konnten. Dicht dahinter folgt der Landkreis Marburg mit einem Plus von 8,6 %, der Schwalm-Eder-Kreis erreichte eine Steigerung um 6,8%. Der Werra-Meißner-Kreis meldet einen Anstieg von 4,1%, die Stadt Kassel ein Plus von 2,2%. Lediglich im Landkreis Hersfeld gingen die Neueintragungen um 6,5% zurück.


Auch in den einzelnen Berufsgruppen gab es Unterschiede. Hier führen die gewerblich-technischen Berufe das Feld an und verzeichnen eine Steigerung von 6,2%. Die kaufmännischen Berufe kommen auf ein Plus von 4,3%.


Die Bildungsberater der IHK unterstützen Unternehmen im gesamten Kammerbezirk bei Fragen zur dualen Ausbildung und helfen Jugendlichen bei der Berufswahl. Auf letztere haben auch die Eltern oft einen maßgeblichen Einfluss. Für Dr. Fölsch ist es daher sehr wichtig, auch Akademikereltern die Vorteile einer dualen Ausbildung zu verdeutlichen: „Wir müssen Schülern, Schülerinnen und Eltern gleichermaßen zeigen, dass eine betriebliche Berufsausbildung genauso gute Karrierechancen bietet wie ein Studium. Schon früh im Betrieb mitzuarbeiten, ein gutes berufliches Netzwerk aufzubauen und sich das Vertrauen von Vorgesetzten und Kollegen zu verdienen, ist die beste Basis für eine steile Berufskarriere“, so Fölsch abschließend.


Unternehmen und Jugendliche können sich direkt an die Bildungsberatung (0561-7891-288) der IHK-Kassel-Marburg wenden.