13.07.2020 | Presseinfo Nr. 28

Trotz Corona zurück in den Beruf

Krise durchkreuzt Pläne vieler Wiedereinsteigerinnen – Unterstützung ist gefragt 
 

Wer aus dem Beruf ausgestiegen ist, um sich um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu kümmern, dem fällt die Rückkehr an den Schreibtisch nicht immer leicht. Corona könnte die Lage sogar noch verschärfen, befürchten die „Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt“ (BCA) von Arbeitsagentur und Jobcentern.

Wenn es um die Chancenverteilung am Arbeitsmarkt geht, hinken Frauen ihren männlichen Kollegen im Allgemeinen noch deutlich hinterher. Grund dafür ist nicht zuletzt die nach wie vor gültige „klassische“ Aufteilung von Familienarbeit und Erwerbstätigkeit in den meisten Haushalten.

„Trotzdem hatte die Lage sich in den letzten Jahren erheblich verbessert“, erklärt die BCA der Arbeitsagentur Koblenz-Mayen, Lieselotte von Niessen-Silva. „Denn angesichts des immer größer werdenden Fachkräftebedarfs hatten Arbeitgeber Berufsrückkehrerinnen als so genannte stille Reserve ausgemacht – Frauen, die oft fachlich hochqualifiziert sind und deren abwesenheitsbedingte Lücken problemlos durch das Wissen aufgewogen werden können, das sie während ihrer Zeit als Familien- und Krisenmanagerinnen gewonnen haben.“

Außerdem hatten auch viele Frauen ihre Lektion gelernt: Wer nach der Familienpause an früheren Erfolgen anknüpfen will, sollte den Kontakt zum Job nicht völlig abreißen lassen und möglichst früh - zumindest in reduziertem Umfang - wieder in seinen Beruf zurückkehren. „Die Zeit, in der die meisten Frauen zehn oder gar zwanzig Jahre zu Hause blieben, weil sie sich um die Kinder kümmern wollten, ist definitiv vorbei. Das liegt nicht nur am sich schnell wandelnden Arbeitsmarkt und seinem Bedarf an Arbeitskräften, sondern auch an den veränderten sozialen Bedingungen. Hohe Scheidungsraten mit zeitlich befristeten Unterhaltsansprüchen zwingen Frauen dazu, sich wirtschaftlich unabhängig zu machen, um im Notfall für sich selbst sorgen zu können.“

Das Coronavirus hat das Potenzial, viel von dem, was in den letzten Jahren an Boden gewonnen wurde, wieder zurückzunehmen. Denn ein bedeutsamer Effekt des Lockdown war der eklatante Mangel an Betreuungsmöglichkeiten. Eltern mussten sich um ihren Nachwuchs kümmern, obwohl sie eigentlich im Job gebraucht wurden. „Und wieder waren es überwiegend die Mütter, die beruflich zurücksteckten, weil die Väter in den meisten Familien nach wie vor die Hauptverdiener sind “, weiß von Niessen-Silva.

Härter als diejenigen, die einen Job haben und sich irgendwie mit Homeoffice und Telearbeit behelfen konnten, hat es nach Einschätzung der Arbeitsmarktexpertin jene Frauen getroffen, die auf dem Weg zurück in den Beruf waren. Deren Bemühungen habe das Virus in vielen Fällen torpediert. „Auf jeden Fall ist es nicht leichter geworden, den beruflichen Neuanfang zu schaffen.“

Umso wichtiger sei ihres und das Beratungsangebot ihrer Jobcenterkolleginnen und -kollegen, meint von Niessen-Silva. „Denn trotz beschränktem Zugang sind wir weiter für ratsuchende Frauen da.“ In Fällen, wo dies notwendig sei, könne nach vorheriger Absprache und unter Einhaltung von Sicherheitsmaßnahmen auch ein persönliches Gespräch vereinbart werden. „Letztendlich kommt es für Berufsrückkehrerinnen vor allem darauf an, ihr Ziel klar zu definieren und dann eine sinnvolle Strategie zu entwickeln. Das ist auch während der Corona-Krise möglich.“

     

Nähere Informationen:

Lieselotte von Niessen-Silva, Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen:  0261 – 405 561.

Michaela Hake, Jobcenter Stadt Koblenz:   0261 – 579 245 720

Susanne Gerent, Jobcenter Cochem-Zell:   02671 – 60 33 0

Martin Zimmermann, Jobcenter Ahrweiler:   02641 – 91 16 305

 

 

 

Bildunterzeile:

Trotz Corona-Krise zurück in den Beruf – das ist nicht immer einfach. Rat gibt es bei Arbeitsagentur und Jobcente