24.06.2020 | Presseinfo Nr. 26

Walk & Talk: Die berufliche Zukunft wird beim Spaziergang geplant

Berufsberatung begegnet der Krise mit kreativem neuen Format

Corona hat den Arbeitsmarkt hart getroffen - und die Zukunft vieler Jugendlicher mit einem dicken Fragezeichen versehen. Bewerbungsprozesse sind ins Stocken geraten, lange vorbereitete Auslandsaufenthalte gestorben. Guter Rat ist gefragt wie nie, doch ausgerechnet jetzt ist durch Schul- und Agenturschließungen der persönliche Kontakt zwischen Berufsberatern und ihren Schützlingen drastisch eingeschränkt.
In der Agentur Koblenz-Mayen – zu ihrem Bezirk gehören neben der Stadt Koblenz die Landkreise Mayen-Koblenz, Ahrweiler und Cochem-Zell - wollte man sich damit nicht abfinden und hat „Walk & Talk“ erfunden: Wenn die Begegnung in Schule oder Beratungsbüro zu gefährlich ist, dann wird die Zukunft eben draußen im Grünen geplant. Ganz entspannt, mit den vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen, aber doch mit ganz viel Nähe und Verständnis.
„Der Erfolg unserer Arbeit beruht zum großen Teil darauf, dass die Beraterinnen und Berater einen guten Draht zu den Jugendlichen aufbauen können und ihr Vertrauen gewinnen. Nur so können sie sich in die jungen Leute hineinversetzen und ein Gefühl dafür entwickeln, welcher Beruf genau für diesen Menschen Teil eines erfüllten Lebens sein könnte“, erklärt Nancy Lotz, Leiterin des Koblenzer Berufsberatungsteams.
Dass eine rein telefonische Beratung in Sachen Vertrauensbasis an ihre Grenzen stoße, sei schnell klargeworden. „Also haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, wie wir unsere Arbeit optimieren und trotzdem alle Sicherheitsvorgaben einhalten können.“ Einer Kollegin sei schließlich die entscheidende Idee gekommen. „Wenn das Risiko draußen deutlich geringer ist, warum gehen wir dann nicht einfach raus?“
Ein bisschen Brainstorming später stand das Grundgerüst: Man vereinbare mit der oder dem jugendlichen Ratsuchenden einen Treffpunkt, der ihr oder ihm behagt – er kann in der Nähe ihres oder seines Zuhauses liegen, darf aber auch eine Grünfläche rund um die Arbeitsagentur oder etwa der Koblenzer Schlosspark sein. Hauptsache, man kann dort trotz vorgegebenem Abstand ungestört flanieren und reden. Dann geht man gemeinsam „spazieren“, lernt einander kennen, spricht über die berufliche Zukunft und die Hürden, die noch zu nehmen sind.
„Natürlich gibt es im Nachhinein noch eine Menge zu tun“, sagt Nancy Lotz. „Schließlich müssen die Beraterinnen und Berater auch diese Treffen ordentlich nachbereiten werden.“ Auch die Jugendlichen gehen meist mit Aufgaben nach Hause: „Sie können mit Onlineangeboten wie Check-U ihre Talente erforschen, im BerufeNet passende Berufsbilder kennenlernen, bei abi.de oder studienwahl.de nach interessanten Studiengängen stöbern. Das alles wird anschließend mit dem Berater besprochen und ausgewertet.“
Die Folgekontakte finden in der Regel dann wieder per Telefon statt, räumt Nancy Lotz ein. „Aber dann kennt man sich ein schon wenig und hat die Knackpunkte im besten Fall bereits im persönlichen Kontakt besprochen.“ Nach den ersten Probeläufen sind sie und ihr Team vom neuen Ansatz überzeugt. „Vertrauen lässt sich einfach besser aufbauen, wenn man beim Kennenlernen ganz entspannt ist und sich in die Augen schauen kann. Die lockere Atmosphäre beim Walk & Talk finden viele Berater/innen und Jugendliche sogar wesentlich angenehmer als das traditionelle Gespräch in Schule oder Beratungsbüro.“
Kein Wunder also, dass man bereits darüber nachdenkt, das Format auch nach der Corona-Krise weiterzuführen. Schließlich wurde hier ganz klassisch aus der Not eine Tugend gemacht.
 
Bildunterzeile:
Die Agenturen für Arbeit sind für den gewöhnlichen Publikumsverkehr geschlossen. Damit es trotzdem einen persönlichen „Draht“ zwischen Jugendlichen und Berufsberatern gibt, hat man in Koblenz „Walk & Talk“ erfunden: Die Zukunft der jungen Menschen wird beim gemeinsamen Spaziergang geplant.