01.07.2020 | Presseinfo Nr. 27

Landkreis: Cochem-Zell: Zaghafte Entspannung am Arbeitsmarkt

Zahl der Arbeitslosen geht in Kreis Cochem-Zell im Juni zurück
 

Der regionale Arbeitsmarkt zeigte im Juni erste zaghafte Anzeichen von Entspannung. So weist die Statistik für den Landkreis Cochem-Zell zum Monatsende 1.331 arbeitslose Menschen aus, das sind 149 weniger als im Mai. Auch wenn dies nach der Entwicklung in den Vormonaten erfreulich ist, sind dies immer noch 432 Arbeitslose mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sinkt auf 3,9 Prozent. Vor einem Jahr lag sie bei 2,7 Prozent.
Bei der Betrachtung der beiden Rechtskreise des Sozialgesetzbuches (SGB), die sich mit Arbeitslosigkeit befassen, gibt es sichtbare Unterschiede. So ging die Arbeitslosigkeit im SGB III (Arbeitsagentur) seit April um 146 auf 631 zurück. Im SBG II (Jobcenter) sank sie hingegen lediglich um 3 auf nun 700. Vor einem Jahr waren im SGB III 198 und im SGB II 234 Menschen weniger arbeitslos gemeldet.
Auch beim Stellenmarkt scheint der größte Einbruch zumindest vorläufig überwunden. So wurden dem Arbeitgeberservice im Juni 120 neue Stellen gemeldet – 43 mehr als im Mai. Insgesamt registrieren die Statistiker der Arbeitsagentur damit derzeit im Landkreis 411 offene Arbeitsstellen. Das sind 169 weniger als vor einem Jahr.
Nach wie vor spielt die Kurzarbeit in der Corona-Krise am Arbeitsmarkt eine herausragende Rolle. In den letzten vier Wochen zeigten 8 Betriebe für 44 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kurzarbeit an – im Mai waren es noch 60 Betriebe und 728 Personen. Insgesamt gab es seit Anfang April Anzeigen für 6.972 Beschäftigte aus der Region.
Da mit einer solchen Anzeige lediglich die Möglichkeit geschaffen wird, Kurzarbeit zu nutzen, ist dies jedoch nur ein Indiz dafür, wie viele Betriebe und ihre Mitarbeiter(innen) diese Unterstützung tatsächlich nutzen. Klarheit wird es erst mit Verzögerung geben, da die Abrechnung im Nachhinein erfolgt und die Unternehmen bis zu drei Monate Zeit haben, ihre Unterlagen bei der Arbeitsagentur einzureichen.
 „Es ist zu früh, um von einer echten Entspannung zu sprechen“, erklärt Frank Schmidt, Leiter der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen. „Aber wir sind froh, dass der Abwärtstrend zumindest vorläufig gestoppt ist und auch der Stellenmarkt sich langsam wiederbelebt.“ Gerade Letzteres stehe in deutlichem Zusammenhang mit der beginnenden Feriensaison und den gelockerten Reiseauflagen, von denen vor allem gastronomische Betriebe nach wochenlanger Durststrecke profitierten.
Wie nachhaltig der derzeitige Trend ist, wagt Schmidt allerdings nicht vorherzusagen. „Das hängt eng mit dem weiteren Verlauf der Corona-Pandemie zusammen. Sollte es in unserer Region zu Entwicklungen kommen wie derzeit in bestimmten Regionen Nordrhein-Westfalens, könnten die Zahlen sehr schnell wieder schlechter werden. Bleibt es zumindest im Sommer ruhiger, beruhigt sich in den nächsten Wochen vielleicht auch der Arbeitsmarkt weiter. Dass wir sehr schnell dort weitermachen können, wo Corona uns gestoppt hat, ist aber auch bei günstigstem Verlauf mehr als unwahrscheinlich. Dafür haben Virus und Lockdown bei vielen Unternehmen zu tiefe Wunden hinterlassen.“  
Wunden, die auch den regionalen Ausbildungsmarkt beeinflussen – allerdings nicht so sehr, dass die Ausbildung 2020 grundsätzlich gefährdet ist. Zwar wurden seit Oktober vergangenen Jahres 124 Lehrstellen weniger gemeldet als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, während die Zahl der ratsuchenden Jugendlichen nahezu gleichblieb. Trotzdem gibt es Ende Juni mehr unbesetzte Lehrstellen (190) als unversorgte Bewerber (123). Statistisch betrachtet kommen damit 1,5 Stellen auf einen Bewerber.
Dennoch sei dies kein leichtes Jahr für junge Menschen, die den Übergang von der Schule ins Berufsleben schaffen wollen, betont Frank Schmidt. „Viele langgehegte Träume – wie zum Beispiel Auslandsaufenthalte - lassen sich wegen Corona nicht umsetzen und müssen kurzfristig durch möglichst attraktive Alternativen ersetzt werden. Das verlangt den Jugendlichen viel Flexibilität ab. Erschwerend kommt hinzu, dass auch unsere Berufsberatung lange Zeit nur telefonisch erreichbar war.“ Zwar reagiere man mit neuen Formaten wie „Walk & Talk“ oder den „Azubispots“ auf die Krise, um den Kontakt so persönlich wie möglich zu gestalten. „Aber auch hier sind wir noch ziemlich weit vom Normalbetrieb entfernt.“
Dass die Aussichten der jungen Leute dennoch relativ günstig seien, liege denn auch vor allem am grundsätzlichen Nachwuchsmangel, der ja trotz Corona bestehen bleibe. Ohne die aktuelle Krise gäbe es zweifellos noch viel mehr Lehrstellen, die nicht besetzt werden könnten. „Wir appellieren deshalb an die Unternehmen, nicht leichtfertig auf einen ganzen Ausbildungsjahrgang zu verzichten. Spätestens nach Corona wird es wieder darum gehen, genügend Fachkräfte an sich zu binden, um für die Zukunft gerüstet zu sein.“
 
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Agentur und Jobcenter können wegen der Corona-Pandemie derzeit nur in Ausnahmefällen und nach vorheriger Terminvereinbarung besucht werden. So sind sie dennoch erreichbar:
 
Agentur für Arbeit Cochem:
Sondertelefon:            0261 – 405 405
E-Mail:                        koblenz-mayen.postfach@arbeitsagentur.de
 
Jobcenter Cochem-Zell:
Sondertelefon:            02671 - 60 33 111
E-Mail:                        Jobcenter-Cochem-Zell@jobcenter-ge.de
 
Hotline Berufsberatung:
Koblenz:                     0261 – 405 444.
Mayen:                       02651 – 950 333.
 
 
Vieles lässt sich auch ohne direkten Kontakt online erledigen:
https://www.arbeitsagentur.de/eservices
https://www.arbeitsagentur.de/arbeitslos-arbeit-finden/arbeitslosengeld-2
 
 
Betriebe, die Kurzarbeit anzeigen wollen, können ihre Unterlagen an folgende Postanschrift schicken: Agentur für Arbeit, 54187 Trier