29.10.2021 | Presseinfo Nr. 44

Mit Verspätung in die Zukunft starten

Arbeitsagentur legt Ausbildungsbilanz vor: Viele Arbeitgeber halten sich trotz hohem Bedarf zurück – Vermittlung läuft weiter

Der Ausbildungsmarkt ist für die Arbeitsagentur Koblenz-Mayen eines der wichtigsten Arbeitsfelder. Nun blickt Agenturleiter Frank Schmidt auf das gerade abgelaufene Ausbildungsjahr 2020/21 zurück und zieht Bilanz. Fazit: Während sich der Arbeitsmarkt erstaunlich schnell von den tiefen Einschnitten der Lockdowns zu erholen scheint, prägt die Corona-Krise die Ausbildung nachhaltiger. Doch noch können Arbeitgeber und Jugendliche problemlos zusammenfinden.

Wer die Statistik in der Vergangenheit aufmerksam verfolgt hat, bemerkt es sofort: Erstmals seit vielen Jahren sind am Ende des Vermittlungsjahres mehr jugendliche Bewerber als Ausbildungsplätze „übrig geblieben“. So kommen zum offiziellen Ende des Ausbildungsjahres – das, wie Frank Schmidt betont, keinesfalls den Abschluss der Vermittlungsbemühungen der Berufsberaterinnen und Berufsberater markiert – auf 120 unversorgte Bewerber „nur“ 83 unbesetzte Ausbildungsplätze. Eine Entwicklung, die sich nicht unbedingt vorhersagen ließ. Denn beworben hatten sich ursprünglich 2.701 junge Menschen – für 3.342 gemeldete Ausbildungsstellen.

„Natürlich sind die Stellen nicht einfach verschwunden“, erklärt Agenturleiter Schmidt. „Viele wurden wieder zurückgezogen. Und auch wenn unsere Statistiker nur Zahlen erheben, ohne die Hintergründe und Motive zu erfragen, wissen wir aus vielen Einzelgesprächen, dass es vor allem die Ungewissheit der letzten Monate war, die Arbeitgeber dazu veranlasst hat, bei der Ausbildung erst einmal auszusetzen – und das keinesfalls nur im flutgeschädigten Landkreis Ahrweiler.“

Diese Entwicklung sei auch deshalb bedauerlich, weil den meisten Personalchefs durchaus bewusst sei, dass sie in naher Zukunft auf gut ausgebildeten Nachwuchs angewiesen seien. „Es ist ja nicht nur so, dass die geburtenstarken Jahrgänge die Betriebe in den nächsten Jahren in Richtung Rente verlassen werden und gewaltige personelle Lücken hinterlassen. Sie nehmen ja auch ihre in Jahrzehnten gesammelte Erfahrung mit, die sie nicht rechtzeitig weitergeben können, wenn die Nachfolger fehlen.“

Er rate deshalb allen Unternehmern dazu, offene Stellen doch noch zu melden. Die Erfahrung zeige, dass auch nach dem offiziellen Start des Ausbildungsjahres noch gute Nachwuchskräfte gefunden werden können. „In der Berufsberatung wird traditionell so lange vermittelt, wie die Auszubildenden den Stoff der Berufsschule aufholen können.“

Obwohl er auch ihnen rate, die offenen Chancen zu nutzen und sich jetzt noch nach Lehrstellen umzuschauen, macht Frank Schmidt sich um die „unversorgten“ Jugendlichen kaum Sorgen. „Niemand, der sich von uns beraten und unterstützen lässt, steht am Ende mit leeren Händen da.“ Schließlich gebe es neben den noch offenen Ausbildungsstellen eine Fülle sonstiger Möglichkeiten, die Zeit bis zur Ausbildung sinnvoll zu nutzen – sei es durch ein gefördertes Langzeitpraktikum, ein Berufsvorbereitungsjahr oder einen weiteren Schulbesuch. „Unser Ziel ist es, für jeden jungen Menschen genau die Lösung zu finden, die ihm die besten Chancen für eine gute berufliche Zukunft eröffnet.“

Jugendliche und ihre Eltern können über Sondernummern Kontakt zur Berufsberatung aufnehmen: 0261 – 405 444 (Koblenz) oder 02651 – 950 333 (Mayen).

Ausbildungswillige Betriebe können sich über die kostenfreie Hotline an den Arbeitgeberservice der Agentur wenden: 0800 – 4 55 55 20.

Ausbildungsmarktbilanz 2020/21 nach Regionen

Landkreis Mayen-Koblenz

Gemeldete Bewerber insgesamt:                  1.089
Unversorgte Bewerber zum 30.9.:                     51

Gemeldete Ausbildungsstellen:                     1.082
Unbesetzte Stellen zum 30.9.:                           28

Unbesetzte Stellen je
unversorgter Bewerber:                                     0,55

Stadt Koblenz

Gemeldete Bewerber insgesamt:                     746
Unversorgte Bewerber zum 30.9.:                     27

Gemeldete Ausbildungsstellen:                     1.127
Unbesetzte Stellen zum 30.9.:                           33

Unbesetzte Stellen je
unversorgter Bewerber:                                        1,2

Landkreis Ahrweiler

Gemeldete Bewerber insgesamt:                    506
Unversorgte Bewerber zum 30.9.:                     28

Gemeldete Ausbildungsstellen:                        583
Unbesetzte Stellen zum 30.9.:                           11

Unbesetzte Stellen je
unversorgter Bewerber:                                     0,4

Landkreis Cochem-Zell

Gemeldete Bewerber insgesamt:                     360
Unversorgte Bewerber zum 30.9.:                     14

Gemeldete Ausbildungsstellen:                        550
Unbesetzte Stellen zum 30.9.:                           11

Unbesetzte Stellen je
unversorgter Bewerber:                                     0,8