30.06.2022 | Presseinfo Nr. 29

Kriegsflüchtlinge lassen die Arbeitslosigkeit ansteigen

Arbeitsagentur: Wirtschaft im Landkreis Cochem-Zell kämpft weiter gegen vielfältige Risiken an
 

Obwohl der Sommer im Landkreis Cochem-Zell traditionell die Zeit niedrigster Arbeitslosenzahlen ist, sind dieser im Juni saisonunüblich deutlich angestiegen. Grund sind die geflüchteten Menschen aus der Ukraine, die im Umfeld ihrer Zufluchtsorte immer häufiger nach einer Arbeitsstelle suchen. So stieg die Arbeitslosenzahl in den letzten vier Wochen um 178 auf 1.129 an. Selbst im Corona-Juni 2021 lag dieser Wert nur um 27 höher. Die Arbeitslosenquote steigt um 0,6 Punkte auf 3,4 Prozent. Vor einem Jahr war die Quote identisch.

„Ohne die Kriegsflüchtlinge, die sich nun bei den Jobcentern melden, wären die Zahlen zurückgegangen – wenn auch nicht so stark wie in den Vor-Corona-Jahren“, erklärt Frank Schmidt, Leiter der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen. Seit Anfang Juni sind die Jobcenter in den allermeisten Fällen erste Anlaufstelle für die vor dem Krieg geflohenen Menschen aus der Ukraine.

Laut Statistik sind zum Monatsende im Landkreis Cochem-Zell 192 Ukrainerinnen und Ukrainer arbeitslos gemeldet – vier Wochen zuvor waren es lediglich 8, vor einem Jahr sogar nur 3. Insgesamt sind nun 240 erwerbsfähige Ukraine-Flüchtlinge im Landkreis registriert.  

Dennoch bereite der Zuzug der Ukrainerinnen und Ukrainer ihm keine großen Sorgen, betonte Schmidt. „Sie sind häufig sehr gut ausgebildet und damit gut vermittelbar.“ Lediglich die formellen Hürden – etwa die Anerkennung ausländischer Abschlüsse oder mangelnde Sprachkenntnisse – könnten die Dinge verzögern.

Doch auch wenn die Integration ukrainischer Menschen in den deutschen Arbeitsmarkt ein vergleichsweise kleines Problem darstellt, der Krieg selbst tut dies nach Ansicht des Agenturleiters nicht. „Schon die enormen Energiepreis-Steigerungen haben gravierende Auswirkungen auf die Wirtschaft. Wie stark uns Corona nach den Sommerferien wieder in seinen Bann schlagen wird, ist noch völlig unklar. Das bedeutet, dass die Risiken immer größer statt kleiner werden. Wir können deshalb nicht davon ausgehen, dass 2022 ein normales Arbeitsmarktjahr wird. Die Frage ist eher, wie stark und wie nachhaltig die Belastungen sein werden.“    

Dass der Arbeitsmarkt grundsätzlich aufnahmefähig ist, zeigt der Blick auf den Stellenmarkt. Aus dem Landkreis wurden dem Arbeitgeberservice der Agentur in den letzten vier Wochen 90 zusätzliche freie Stellen gemeldet. Damit liegen derzeit 524 Stellenangebote aus der Region vor – 40 mehr als vor einem Jahr.

Auf den Endspurt bereitet sich der Ausbildungsmarkt vor: Die meisten Ausbildungsverträge, die in diesem Jahr geschlossen wurden, sehen den Einstieg der Nachwuchskräfte im August oder September vor.

Obwohl die Ausgangslage vor allem für die Jugendlichen Bewerber günstig ist, waren Ende Juni von den 253 jungen Leuten, die sich seit Beginn des Ausbildungsjahres Anfang Oktober bei der Agentur meldeten, noch 80 unversorgt. Von den insgesamt 503 aus dem COC-Kreis gemeldeten Stellen sind noch 241 unbesetzt.

Damit, so Schmidt, gebe es für alle Bewerber*innen – auch für jene, die sich womöglich noch gar nicht gemeldet haben – gute Aussichten auf einen Ausbildungsstart in diesem Jahr. Die Berufsberatung bemühe sich jedenfalls, noch möglichst viele Jugendliche und Betriebe zusammenzubringen. „Nach zwei Corona-Jahren, die teilweise gravierende Auswirkungen auf den Schulunterricht und die Berufsorientierung hatten, ist die Verunsicherung bei vielen jungen Leuten groß. Umso wichtiger ist es, dass sie sich möglichst schnell beraten lassen.“

Termine bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur können auch kurzfristig unter der Hotline 02651 – 950 333 vereinbart werden. Die Beratung ist kostenlos.