29.07.2021 | Presseinfo Nr. 31

Die Flutkatastrophe trifft auch den krisengeschüttelten Arbeitsmarkt hart

Arbeitsmarktstatistik für den Landkreis Ahrweiler gibt (noch) keine Auskunft über Langzeitfolgen der Flut

Einmal im Monat veröffentlicht die Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen die regionalen Arbeitsmarktdaten. Auch für den Landkreis Ahrweiler. Abgelesen werden die Zahlen etwa zwei Wochen zuvor. Die Statistik für den Monat Juli bildet deshalb eine Lage ab, die es so nicht mehr gibt: das Arbeitsmarktgeschehen vor der Flutkatastrophe.

Vor der Flut waren im Landkreis Ahrweiler 2.772 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet – 67 weniger als im Juni und 430 weniger als vor einem Jahr. Die seit der Corona-Pandemie außergewöhnlich angespannte Lage verbesserte sich also weiter. Die Arbeitslosenquote lag bei 4 Prozent. Gemessen daran, dass im Sommer viele Ausbildungsverhältnisse auslaufen und junge Leute sich bis zum Studium oder zur Anschlussbeschäftigung häufig für einige Wochen arbeitslos melden, eigentlich ein guter Wert. Auch die Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen lag mit 766 um 274 höher als vor einem Jahr.

„Doch diese Zahlen haben nun kaum noch Aussagekraft“, räumt Agenturleiter Frank Schmidt ein. „In den von der Flut betroffenen Gebieten gibt es unzählige Betriebe, die nicht mehr arbeiten können. Wie viele es genau sind, lässt sich noch gar nicht abschätzen. Wann und ob überhaupt sie weiterarbeiten werden, steht in den Sternen. Genauso unsicher ist bislang, was das für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet.“

Die Arbeitsagentur hilft auch diesmal mit Kurzarbeitergeld (KuG) – hier ist die Zahl der Anzeigen in den letzten beiden Wochen bereits wieder gestiegen, nachdem sie zuletzt wie in den Nachbarregionen stark rückläufig war. Ob KuG für jeden die Rettung sein kann, ist fraglich. „Wer sein Unternehmen in den Fluten verloren hat und es nicht mehr aufbauen kann oder will, dem nutzt auch diese Unterstützung nichts“, weiß Schmidt und schaut mit Sorge auf die Langzeitfolgen, die die neuerliche Katastrophe auch für die regionale Wirtschaft nach sich ziehen könnte. „Wir haben noch keinerlei Überblick, wie viele Beschäftigungs- und Ausbildungsverhältnisse betroffen sind. Derzeit sind die meisten Menschen noch mit anderen Dingen beschäftigt, doch irgendwann in den nächsten Wochen wird sich die Frage stellen, wie es beruflich weitergehen soll. Und das wird sich auch auf unsere Arbeit auswirken.“

Wann sich die Folgen der Flut in den Arbeitsmarktdaten ablesen lassen, kann Frank Schmidt nicht sagen. „Wir versuchen, kurzfristig zu helfen und langfristige Perspektiven für alle Betroffenen zu schaffen. Wie lange uns dies beschäftigen wird, lässt sich vermutlich erst sagen, wenn das große Aufräumen beendet ist.“

Von der Flut direkt oder indirekt betroffene Bürgerinnen und Bürger, die die Unterstützung der Agentur für Arbeit benötigen, können unter Telefon 0261 – 405 405 Kontakt aufnehmen oder sich an die gebührenfreie Rufnummer 0800 - 4 55 55 00 wenden. Unternehmen steht die ebenfalls gebührenfreie Hotline 0800 - 4 55 55 20 zur Verfügung. Das Jobcenter ist unter Telefon 02641 – 91 160 erreichbar. Außerdem gibt es in den Geschäftsstellen von Agentur und Jobcenter in Bad Neuenahr täglich von 8 bis 12 Uhr eine Notbesetzung für dringende persönliche Vorsprachen. Die Berufsberatung ist unter Telefon 02651 – 950 333 erreichbar.