31.03.2020 | Presseinfo Nr. 15

Zwischenbilanz zur Halbzeit auf dem Kölner Ausbildungsmarkt 2019/2020

Gemeinsame Pressemitteilung von Agentur für Arbeit Köln, Industrie- und Handelskammer Köln und Handwerkskammer Köln

  • Agentur für Arbeit Köln:
    Weniger Bewerber und weniger Ausbildungsstellen als im Vorjahr
    Neues Serviceangebot für Schülerinnen und Schüler: Berufsberatung am Telefon
  • Industrie- und Handelskammer zu Köln:
    Deutliche Bremsspuren in fast allen Regionen
    Informationen und Unterstützung für Azubis und Unternehmen in der Krise
  • Handwerkskammer zu Köln:
    Bislang stabile Entwicklung der Ausbildungsverhältnisse
    Aber weitere Entwicklung des Ausbildungsjahres ist ungewiss
Die Handwerkskammer zu Köln und die Industrie- und Handelskammer zu Köln sowie die Agentur für Arbeit Köln ziehen gemeinsam eine Halbjahresbilanz zum Kölner Ausbildungsstellenmarkt 2019/2020.

Die Agentur für Arbeit Köln verzeichnete im Laufe des ersten Halbjahres weniger Bewerber und weniger Ausbildungsstellen als im Vorjahr.

3.630 gemeldete Bewerber und Bewerberinnen bedeuten ein Minus von 369 Jugendlichen oder 9,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Anzahl der Ausbildungsstellen liegt mit 4.784 Stellen um 909 oder 17,2 Prozent unter dem Vorjahr. Damit kamen auf 100 Ausbildungsbewerber 132 Stellen.

Das Ausbildungsjahr läuft bis Ende September. Bis dahin müssen noch viele Bewerber und Arbeitgeber zueinander finden. Aktuell suchen noch 2.139 Kölnerinnen und Kölner einen Ausbildungsplatz. Das sind 346 oder 1,9 Prozent weniger als vor einem Jahr. Den Bewerbern stehen noch 3.068 freie Ausbildungsstellen gegenüber. Das sind 485 oder 13,7 Prozent weniger als zum gleichen Zeitpunkt in 2018.

„Wir müssen auch in der aktuellen Zeit, wo Corona alle Lebensbereiche betrifft, den Ausbildungsmarkt im Blick behalten. Noch sind viele Jugendliche auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle für Herbst und sie sollten die Suche jetzt nicht einstellen. Unternehmen brauchen perspektivisch wieder Fachkräfte und haben jetzt die Chance mit dem Abschließen von Ausbildungsverträgen den Jugendlichen Zukunftsperspektiven zu geben, sagt Johannes Klapper, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Köln. 

Junge Menschen in den Abschlussklassen werden im Moment nicht in den Schulen von den Berufsberaterinnen und Berufsberatern besucht. Alternativ bietet die Arbeitsagentur einen neuen Service an: Schülerinnen und Schüler schreiben eine E-Mail an Koeln.Berufsberatung.171@arbeitsagentur.de  mit einer Rückruftelefonnummer sowie einem Zeitfenster, in dem sie gut zu erreichen sind. Wichtig ist die Angabe welcher Schulabschluss vorhanden ist oder angestrebt wird. Die Berufsberatung ruft zurück und die Beratung findet telefonisch statt. „Bei der Berufswahlentscheidung ist persönliche Beratung und Austausch wichtig. Wir bieten den Service weiter an, vorübergehend nur telefonisch. Zusätzlich können auch unsere Apps und Webseiten Denkanstöße und Hilfe bei der richtigen Ausbildungsplatzsuche geben. Je breiter und weiter man alle Informationsmöglichkeiten nutzt, desto besser kann man sich entscheiden,“ rät der Chef der Arbeitsagentur.

Die Bundesagentur für Arbeit bietet für Ausbildungssuchende digitale Informationen in passenden Apps und Webseiten an: 

„AzubiWelt" vereint alle Angebote der BA für Ausbildungssuchende in einer App und bietet Full-Service, von den ersten Schritten in der Berufsorientierung bis zur passenden Ausbildungsstelle in der Region. Die App „AzubiWelt“ kann im Google Playstore sowie im Apple Store kostenlos heruntergeladen werden.

Mit dem Selbsterkundungstool zum passenden Studium und Ausbildung: Mit Hilfe der Selbsterkundungstools der Agentur für Arbeit kann jeder seine Stärken und Interessen besser einschätzen. Fachlich fundiert und individuell berechnet können Schüler herausfinden welche Studienfelder oder Ausbildungsberufe zu Ihnen passen. http://dasbringtmichweiter.de/typischich/

Weitere interessante Online Angebote finden Jugendliche unter: https://www.dasbringtmichweiter.de/#jugendliche

Freie Ausbildungsstellen nimmt der Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur und des Jobcenters unter der kostenfreien Arbeitgeber-Service-Rufnummer 0800 4 5555 20 oder unter Koeln.Arbeitgeber@arbeitsagentur.de  entgegen.

Bezirk der IHK Köln: Deutliche Bremsspuren in fast allen Regionen
Informationen und Unterstützung für Azubis und Unternehmen in der Krise

Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erschütterungen durch die aktuelle Coronakrise sind auch auf dem Ausbildungsmarkt im IHK-Bezirk Köln sichtbar. Das zeigen die aktuellen Zahlen der IHK Köln zum Ausbildungshalbjahr. So wurden in der IHK-Region Köln bislang insgesamt 1.416 neue Ausbildungsverträge in den insgesamt fast 200 Berufen in Industrie, Handel und Dienstleistung eingetragen. Das sind 98 Verträge weniger als zum Vorjahresstichtag, was einem Rückgang um 6,5 Prozent entspricht. Ulf Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln: „Heute eine Prognose darüber abzugeben, mit welchen Zahlen wir im Spätsommer in das neue Ausbildungsjahr starten, ist schlicht unmöglich. Entscheidend wird sein, wann die aktuelle Ausnahmesituation gelockert oder aufgehoben werden kann, in welchem Grad die Hilfen von Bund und Land den Unternehmen durch die Krise helfen und in welchem Maße die Betriebe Ausbildungskapazitäten aufrechterhalten können.“

Das Team der Ausbildungsstellenvermittler der IHK Köln unterstützt Betriebe und Jugendliche auch weiterhin: Da Gespräche derzeit nur telefonisch möglich sind, bemühen sich die Berater und Beraterinnen aus dem Homeoffice heraus, möglichst viele passende Bewerber und Unternehmen für das Ausbildungsjahr 2020/2021 zusammenzubringen. „Darüber hinaus ist es wichtig, dass auch in der Krise so viele bestehende Ausbildungsverhältnisse wie möglich aufrechterhalten werden“, betont Christopher Meier, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der IHK Köln.

Über konkrete Möglichkeiten, wie Betriebe gemeinsam mit ihren Auszubildenden durch die Krise zu kommen können, informiert die IHK Köln auch auf ihrer Homepage unter www.ihk-koeln.de/226268  sowie über ihre Hotline unter der Telefonnummer 0221 1640-1300. Dazu gehört zum Beispiel die Frage, unter welchen Voraussetzungen Azubis Kurzarbeitergeld bekommen oder im Homeoffice arbeiten können.

Von den bislang registrierten 1.416 neuen Ausbildungsverträgen für das Ausbildungsjahr 2020/2021 wurden 705 in der Stadt Köln abgeschlossen, 51 Verträge oder 6,8 Prozent weniger gegenüber dem Vorjahresstichtag. In Leverkusen sank die Zahl von 121 auf 116, minus 4,1 Prozent. Stärker fielen die Rückgänge im Oberbergischen Kreis (260 Ausbildungsverhältnisse gegenüber 314 am Vorjahresstichtag, das entspricht einem Minus von 54 Verträgen oder 17,2 Prozent) und im Rheinisch-Bergischen Kreis aus (95 Ausbildungsverhältnisse gegenüber 110 das entspricht einem Minus von 15 Verträgen oder 13,7 Prozent). Allein im Rhein-Erft-Kreis wurden mit 240 Ausbildungsverträgen mehr neue Ausbildungsverhältnisse registriert als am Vorjahresstichtag (plus 27 Verträge oder 12,7 Prozent).

Insgesamt ging die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse bei den kaufmännischen Berufen deutlich stärker zurück als bei den gewerblich-technischen (minus 113 Verträge in kaufmännischen Berufen, im Vergleich zu minus 15 Verträge in gewerblich-technischen Berufen). In Köln, Leverkusen, im Rheinisch-Bergischen und im Rhein-Erft-Kreis wurden sogar leichte Zuwächse bei den industriell-technischen Ausbildungsberufen registriert. Anders im Oberbergischen Kreis mit seiner starken industriellen Prägung, wo zum Ausbildungshalbjahr auch 20 neue Ausbildungsverträge für gewerblich-technische Ausbildungsberufe weniger vereinbart wurden als am Vorjahresstichtag.

Infos zur Ausbildungsstellenvermittlung und zum Beratungsangebot der IHK Köln sind zu finden auf www.ihk-koeln.de/150 . Bis die Ausbildungsberater und –beraterinnen der IHK Köln wieder wie gewohnt mit den Jugendlichen vor Ort ins Gespräch kommen können, gibt die Video-Reihe „Azubi für einen Tag“ der IHK Köln auf Youtube einen guten Einblick in die Welt der Berufe in der IHK-Region. Ausführliche Beschreibungen von Berufen sind auch auf www.ihk-koeln.de  unter dem Thema Ausbildung zu finden.

Handwerkskammer zu Köln

Die Ausbildungsstatistiken der Handwerkskammer zu Köln zeigen für das Jahr 2019 einen sehr stabilen Trend. So blieb die Gesamtzahl der von der Kammer registrierten Ausbildungsverhältnissen so gut wie unverändert: Am Jahresende 2018 waren es 12.594 Lehrlinge, am Jahresende 2019 vierzehn Lehrlinge mehr, nämlich 12.608 (Plus von 0,1 Prozent). Auch bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnissen konnte das Niveau der Vorjahre gehalten werden: Die Handwerkskammer zu Köln trug im vergangenen Jahr 4.865 neue Lehrverträge ein. Das ist zwar geringfügig weniger als im Jahr 2018 (Minus von 0,4 Prozent), liegt aber über der Zahl der Neuverträge der Jahre 2013 bis 2017. Im Stadtgebiet Köln stieg im vergangenen Jahr die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge geringfügig von 1.554 auf 1.560 (Plus von 0,4 Prozent).

„Besonders erfreulich ist, dass sich in einigen der gebäudetechnischen Handwerksberufe, die bereits unter einem erheblichen Fachkräftemangel leiden, die Nachwuchswerbung als erfolgreich erweist“, betonte Dr. Markus Eickhoff, stellvertretender Geschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln. So ist die Zahl der Auszubildenden beim Beruf Elektroniker (Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik) von 1.356 Ende 2018 auf 1.459 Ende 2019 gestiegen. Auch die Ausbildung zum Anlagenmechaniker Sanitär-Heizung-Klima ist stärker gefragt, die Zahl der Auszubildenden stieg innerhalb eines Jahres von 1.539 auf 1.612. Ebenfalls gut vorangekommen ist im Jahr 2019 die Integration von Jugendlichen ausländischer Herkunft: Im Bezirk der Handwerkskammer waren am Ende des vergangenen Jahres 2.161 Ausbildungsverhältnisse mit Auszubildenden ausländischer Staatsangehörigkeit registriert, das ist ein Anstieg von 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

So erfreulich der Trend am Lehrstellenmarkt 2019 war, so ungewiss ist die Entwicklung am Lehrstellenmarkt 2020. Von Oktober 2019 bis März dieses Jahres haben die Handwerksunternehmen in der Region Köln-Bonn 979 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen, das ist ein Minus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Derzeit sei eine Prognose, wie sich bis Herbst dieses Jahres der Lehrstellenmarkt entwickeln wird, nicht möglich, erläuterte Eickhoff. Wegen der Corona-Pandemie mussten in den letzten Wochen wichtige Veranstaltungen zur Berufsorientierung und Lehrstellenvermittlung wie Ausbildungsbörsen und Azubi-Speeddatings abgesagt werden. Zudem sind sowohl der Berufsschulunterricht als auch die überbetrieblichen Lehrgänge in den Bildungszentren des Handwerks zumindest bis zum Ende der Osterferien bzw. bis auf weiteres ausgesetzt. Eine größere Zahl ausbildungsintensiver Handwerksunternehmen, beispielsweise alle Friseursalons, muss derzeit geschlossen bleiben. Viele Unternehmen sind gezwungen, Kurzarbeit anzumelden. Welche Folgen das für die Berufsausbildung hat, darüber „informiert die Ausbildungsberatung der Handwerkskammer die betroffenen Betriebe: Auch wenn unser Verwaltungsgebäude für den Publikumsverkehr geschlossen ist, sind die Ausbildungsberater per Telefon (0221/ 20 22 251) oder per E-Mail (aubira@hwk-koeln.de ) weiterhin erreichbar“, so Eickhoff. Auch auf der Homepage der Handwerkskammer (www.hwk-koeln.de ) gebe es wichtige Informationen zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Verlauf der Berufsausbildung.