08.01.2020 | Presseinfo Nr. 2

2019: Robuster Arbeitsmarkt trotz Stellenabbau, 2020: Zahl der Beschäftigten wird weiter steigen

Positive Bilanz 2019
- Weniger Arbeitslose im Jahresverlauf: 1.630 weniger arbeitslose Kölnerinnen und Kölner als am Jahresanfang, aber 430 mehr im Jahresdurchschnitt
- Arbeitslosenquote von 7,8 Prozent im Jahresdurchschnitt
- Weniger neu gemeldete Arbeitsstellen: 27.153 Stellenmeldungen seit Jahresbeginn, 6.616 weniger als im letzten Jahr
- Beschäftigung auf neuem Höchststand:
582.613 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Juni 2019
 

„In Köln gibt es so viel sozialversicherungspflichtig Beschäftigte wie noch nie. Das ist zunächst einmal eine gute Nachricht. Aber es war ein turbulentes Jahr auf dem Kölner Arbeitsmarkt mit einigen Schlagzeilen und Meldungen von Stellenabbauplänen bei großen Arbeitgebern. Vieles konnten wir durch intensive Zusammenarbeit mit den Kölner Unternehmen abfedern. Dazu ist der vielschichtige Kölner Arbeitsmarkt weiterhin sehr aufnahmefähig. Deshalb haben sich die Stellenkürzungen in der Gesamtschau auf den Arbeitsmarkt nicht so stark ausgewirkt und wir können eine positive Bilanz ziehen“, fasst Johannes Klapper, Vorsitzender der Agentur für Arbeit Köln die Jahresbilanz des Arbeitsmarktes zusammen.

Gestartet hatte das Jahr mit 46.855 Arbeitslosen Anfang Januar, im Dezember waren es nur noch 45.225, 1.630 Arbeitslose weniger. Die positive Entwicklung wurde dabei abgeschwächt durch Datenbereinigungen aufgrund von Prüfungen des Arbeitslosenstatus im Bereich des SGB II.

Vor allem Langzeitarbeitslose und Fachkräfte haben von dem weiterhin robusten Kölner Arbeitsmarkt profitiert. „Stand Dezember haben wir 638 Kölnerinnen und Kölner über die soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt, dem Teilhabechancengesetz, wieder eine neue berufliche Perspektive in einem Unternehmen ermöglichen können“, so Klapper. „Mehr als 3.000 Arbeitslose machen zurzeit eine berufliche Weiterbildung, um sich fit für einen neuen Job zu machen. Dazu kommen noch 325 Beschäftigte, die durch das neue Qualifizierungschancengesetz im letzten Jahr von uns gefördert wurden, um sich für neue Aufgaben im Beruf zu qualifizieren. Daran sollten sich im neuen Jahr noch viel mehr Kölnerinnen und Kölner beteiligen. Denn wir sehen: ohne Ausbildung oder zumindest grundlegenden Qualifikationen wird es von Jahr zu Jahr schwieriger eine Anstellung zu finden. Immer noch haben 62 Prozent der Arbeitslosen keine Ausbildung, knapp 20 Prozent hat sogar keinen nachweisbaren Schulabschluss.“

„Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zu finden wird für Arbeitgeber immer schwieriger. Durch die demographische Entwicklung gibt es zudem immer weniger Bewerber für Ausbildungsstellen. Dazu kommt, dass viele junge Menschen lieber studieren wollen, das Studium dann aber doch abbrechen, weil sie nicht die richtige Wahl getroffen hatten. Wir haben im letzten Jahr damit begonnen unsere Berufsberatung in allen allgemeinbildenden Schulen weiter zu intensivieren, um die Jugendlichen bei der Orientierung für Ihre berufliche Zukunft noch besser zu unterstützen. Diese Angebote werden gerne angenommen.

Konjunkturelle Unsicherheiten haben die Arbeitgeber vorsichtig bei der Meldung neuer Stellen werden lassen. „Im Vergleich zum Vorjahr haben wir fast 20 Prozent weniger Stellen gemeldet bekommen. Die Arbeitgeber bauen erst einmal auf die bestehenden Arbeitsverhältnisse und halten die vorhandenen Mitarbeiter, vor allem die ausgebildeten Fachkräfte“, erklärt Johannes Klapper.

Ausblick 2020

Das IAB, Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit sieht für Köln weiterhin optimistisch in die Zukunft. Sowohl die Beschäftigung als auch die Arbeitslosigkeit ändern sich nur geringfügig. Für Köln bedeutet das sogar einen zu erwartenden Beschäftigungszuwachs (1,2 Prozent) der über dem Bundesdurchschnitt liegt (0,7 Prozent), während der Anstieg der Arbeitslosigkeit mit plus 0,4 Prozent gleich dem Bundesdurchschnitt prognostiziert wird.

Die Digitalisierung und der demografische Wandel stellen den Arbeitsmarkt vor Herausforderungen. Anfang 2019 wurde deshalb die Weiterbildungsförderung für alle Beschäftigten ausgebaut, deren berufliche Tätigkeiten durch digitale Technologien ersetzt werden können, die in sonstiger Weise vom Strukturwandel bedroht sind oder die eine Weiterbildung in einem Engpassberuf anstreben. „Unser im letzten Jahr gestartetes Beratungscenter in der Agentur wird gut angenommen. Jeder Kölner Bürger kann dort ohne Termin vorbeikommen und sich in Sachen Weiterbildung beraten lassen. Das wird auch im kommenden Jahr immer wichtiger“, so Johannes Klapper.

2019 sind zwei Förderinstrumente „Eingliederung von Langzeitarbeitslosen“ und „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ neu hinzugekommen. Durch Lohnkostenzuschüsse und individuelles Coaching sollen Langzeitarbeitslose wieder am Arbeitsleben teilnehmen können.

„Immer mehr Arbeitgeber begreifen für sich die Chancen, die das neue Gesetz bietet. Bis zu zwei Jahre werden Lohnkostenzuschüsse von 100 Prozent gezahlt. Danach drei Jahre lang jeweils 10 Prozent weniger. Das ist genügend Zeit um die Langzeitarbeitslosen zu qualifizieren und aus ihnen wertvolle Mitarbeiter für den Betrieb zu machen. Für motivierte Langzeitarbeitslose eine tolle Chance wieder einen Einstieg ins Berufsleben zu bekommen und auf eigenen Füssen zu stehen,“ erklärt Johannes Klapper. 

„In 2019 sind wir gut mit diesen beiden neuen gesetzlichen Fördermöglichkeiten gestartet und werden diese 2020 weiter ausbauen. Wichtigstes Ziel bleibt aber weiterhin neue Arbeitslosigkeit erst gar nicht entstehen zu lassen. Das bedeutet vor allem gute, weiterführende Berufsberatung und die Folgen der Digitalisierung durch rechtzeitige Weiterbildung nicht zur Gefahr, sondern zur Chance auf dem Arbeitsmarkt werden zu lassen“, so Klapper.

Arbeitsmarktindikatoren im Jahresdurchschnitt 2019

Ende Juni 2019, dem letzten Quartalsstichtag der Beschäftigungsstatistik mit gesicherten Angaben, belief sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Bezirk der Agentur für Arbeit Köln auf 582.613. Gegenüber dem Vorjahresquartal war das eine Zunahme um 13.978 oder 2,5%, nach +10.732 oder +1,9% im Vorquartal. Nach Branchen gab es absolut betrachtet die stärkste Zunahme bei Information und Kommunikation (+4.157 oder +9,4%); am ungünstigsten war dagegen die Entwicklung in der Arbeitnehmerüberlassung (–3.448 oder –17,1%).

Prozentual ist die Beschäftigung bei den Frauen im Vergleich zum Vorjahr stärker gewachsen als bei den Männern. Im zweiten Quartal 2019 waren 6.464 Männer (plus 2,1 Prozent) und 7.514 Frauen (plus 2,9 Prozent) mehr sozialversicherungspflichtig tätig als ein Jahr zuvor. Ende Juni 2019 sind 270.211, also 46,4 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Frauen, 312.402 Männer.

Sowohl die sozialversicherungspflichtige Vollzeitarbeit als auch die Beschäftigung in Teilzeit steigt. Während die Vollzeitbeschäftigung im Jahresvergleich um 9.190 oder 2,2 Prozent auf 418.810 anstieg, erhöhte sich die Teilzeitbeschäftigung um 4.788 Personen oder 3,0 Prozent auf 163.803 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.

Prozentual am stärksten erhöhte sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Ausländer, nämlich um 6.444 oder 8,1 Prozent. Mit 88.074 Beschäftigten liegt ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigung damit bei 14,8 Prozent.

Ebenfalls weit überdurchschnittlich stieg die Zahl der älteren Beschäftigten (55 Jahre bis zur Regelaltersgrenze). Ihre Zahl erhöhte sich um 6.630 oder 7 Prozent auf 101.120.

Köln startete in das Jahr 2019 (Anfang Januar) mit 46.855 Arbeitslosen und beendete es mit 45.225. Das sind 1.630 oder 3,7 Prozent weniger als am Jahresanfang.

Die Zahl der Arbeitslosen lag im Jahresdurchschnitt 2019 bei 46.397. Damit waren im Jahresdurchschnitt 430 Kölnerinnen und Kölner oder 0,9 Prozent mehr arbeitslos als im Jahr 2018.

Im Jahr 2019 mussten sich 41.748 Menschen arbeitslos melden. (Zahl der Entlassungen [1]). Das waren 1.328 oder 3,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

Insgesamt 32.111 Kölnerinnen und Kölner konnten im Jahresverlauf 2019 ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Arbeit [2] beenden. Das sind 1.513 oder 4,5 Prozent weniger als im Vorjahr.

Das Kundenzentrum der Agentur für Arbeit Köln, verantwortlich für den Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III), betreute im Jahr 2019 jahresdurchschnittlich
12.990 Kölnerinnen und Kölner. Das sind 234 oder 1,8 Prozent mehr als in 2018.

Das Jobcenter Köln, verantwortlich für die Grundsicherung nach dem zweiten Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB II), zählt im Jahresschnitt 33.408 Arbeitslose. Das sind 196 Personen oder 0,6 Prozent mehr als 2018.

Die Arbeitslosenquote liegt im Jahresdurchschnitt bei 7,8 Prozent. Sie sank damit um 0,1 Prozentpunkte gegenüber 2018.

Die Jugendarbeitslosigkeit steigt im Jahresdurchschnitt in beiden Rechtskreisen. Insgesamt waren im vergangenen Jahr 3.073 Kölner unter 25 Jahre arbeitslos, 138 oder 4,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Im Kundenzentrum der Arbeitsagentur (Arbeitslosenversicherung, SGB III) waren mit 1.089 Arbeitslosen unter 25 Jahre im Jahresdurchschnitt 2019 45 oder 4,3 Prozent mehr arbeitslos als 2018.

Im Jobcenter (Grundsicherung, SGB II) waren jahresdurchschnittlich 1.985 arbeitslose Jugendliche gemeldet, 93 oder 4,9 Prozent mehr als 2018.

Die Arbeitslosenquote der Jugendlichen beträgt 5,2 Prozent, nach 5,1 im Vorjahr. Sie liegt damit um 2,6 Prozentpunkte unter der allgemeinen Arbeitslosenquote von 7,8 Prozent.

Ausbildungsmarkt

Bei der Agentur für Arbeit meldeten sich im Laufe des Beratungsjahres erneut weniger Bewerber als im Vorjahr. Die Zahl der angebotenen Ausbildungsstellen nahm dagegen erneut zu.

5.483 gemeldete Bewerber bedeuten ein Minus von 63 Personen oder 1,1 Prozent gegenüber 2018. Die Anzahl der eingeworbenen Ausbildungsstellen nahm mit 7.108 Stellen um 331 Stellen oder 4,9 Prozent zu. Damit kamen auf jede Ausbildungsstelle rechnerisch 1,3 Bewerber.

Am Ende des Berichtsjahres waren 503 Bewerber noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Das sind 84 Bewerber oder 20,0 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Hinzu kommen noch 541 Bewerber, die auch einen Ausbildungsplatz suchen, aber auch schon eine Alternative (weiterer Schulbesuch, Studium, Freiwilligendienst…)  haben, falls es nicht klappen sollte.

Dem gegenüber standen zum Ende des Berichtsjahres noch 753 unbesetzte Ausbildungsstellen. Das sind 103 oder 12,0 Prozent weniger als im Vorjahr. Für die unversorgten Bewerber ergab sich somit eine rein rechnerische Verteilung von 1,5 Stellen pro Bewerber.

Im Jahr 2019 erreichen die sozialverssicherungspflichtige Beschäftigung und Arbeitskräftenachfrage in Köln einen historischen Höchststand. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt.

Die Wirtschaft befindet sich weiterhin in robuster Verfassung. Die derzeit vorliegenden Konjunkturprognosen lassen für 2020 ein leicht schwächeres Wachstum als im Vorjahr erwarten. Der Arbeitsmarkt bleibt weiter aufnahmefähig, wenn auch die Besetzung mit Fachkräften für die Unternehmen schwieriger werden wird. Hinzu kommt, dass Teile der Babyboomer Generation in den Ruhestand gehen wird. Weiterhin ist ein – wenn auch abgeschwächter – Beschäftigungsaufbau wahrscheinlich (2015: knapp 530.000, 2017: knapp 540.000, 2018: 568.635; 2019:582.613 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte). Die Zahl der Arbeitslosen (2015: 52.653, 2016: 49.596, 2017: 48.227, 2018: 45.968, 2019: 46.397) dürfte im ersten Halbjahr 2020 leicht ansteigen. Die Zahl der in den Arbeitsmarkt integrierten Flüchtlinge wird weiter zunehmen.


[1] = Zugang Arbeitslose aus Erwerbstätigkeit (Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt)

[2] = Abgang Arbeitslose in Erwerbstätigkeit (Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt)