30.04.2020 | Presseinfo Nr. 22

Hoher Anstieg der Arbeitslosigkeit, aber Kurzarbeit rettet viele Jobs

52.986 Arbeitslose, Arbeitslosenquote: 8,9 Prozent
6.323 Arbeitslose mehr als im Vormonat, davon 2.920 aus Maßnahmen und Förderungen
11.353 geprüfte Anzeigen zur Kurzarbeit
158.294 Kurzarbeitende in Köln (Arbeitsort)

Die Auswirkungen der Corona Pandemie zeichnen sich auf dem Kölner Arbeitsmarkt im April deutlich ab. 6.323 mehr Arbeitslose als im Vormonat zeigen aber nicht die Menge an Entlassungen, sondern beinhalten auch die Menschen, die aus Weiterbildungen und Fördermaßnahmen nun in die Arbeitslosenstatistik einmünden. Im März und April sind diese Weiterbildungen ausgelaufen.

„Auch in normalen Monaten haben wir bei den Arbeitslosenzahlen immer eine gewisse Dynamik“, so Johannes Klapper, Vorsitzender der Agentur für Arbeit Köln. „Das bedeutet, dass wir vor Corona jeden Monat zirka 3.000 neue Arbeitslosmeldungen und in etwa genauso viele Abmeldungen in Arbeit von unseren Kundinnen und Kunden haben. Das ist das normale Geschäft. Nun kommen die Menschen dazu, die ihre Weiterbildungen und Fördermaßnahmen nicht weiterführen können und natürlich auch zusätzliche Entlassungen. Erfreulich ist, dass Einstellungen trotz der angespannten Lage weiterhin stattfinden, wenn auch in deutlich geringerem Ausmaß“, so Klapper.

Zusätzlich beeinflusst wird der Arbeitsmarkt dadurch, dass Weiterbildungen nicht in gewohntem Umfang stattfinden und sich der Start neuer arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen verzögert.

Kurzarbeit

Mit Stand vom 26.04. liegen bei der Kölner Arbeitsagentur aus März und April 11.353 geprüfte Anzeigen zur Kurzarbeit vor. Betroffen sind 158.294 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für die das Kurzarbeitergeld beantragt wird. Das sind rund 27 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Köln.

„Hauptbetroffen ist der Gastgewerbe. Köln mit seinem großen Tourismus-, Gastronomie- und Dienstleistungssektor ist von den Einschränkungen in der Corona Pandemie stark betroffen. Trotzdem sind wir froh, dass viele Betriebe den Weg der Kurzarbeit gegangen sind, statt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entlassen. So können sie nach den Lockerungen der wirtschaftlichen Einschränkungen schnell wieder ihre Arbeit aufnehmen“, erklärt Johannes Klapper.

Die Agentur für Arbeit Köln hat zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Bearbeitung der Anträge geschult und setzt alles daran die Kurzarbeitergelder so schnell wie möglich auszuzahlen. Dazu sind die Kapazitäten in diesem Bereich verzehnfacht worden.

Für Unternehmen, die zum ersten Mal Kurzarbeit beantragen, ist das mehrstufige Verfahren ungewohnt. Nach der Anzeige gehen sie zunächst in Vorleistung und zahlen den verkürzten Lohn an ihre Beschäftigten aus. Im Anschluss hat der Arbeitgeber drei Monate Zeit, die tatsächlich realisierte Kurzarbeit abzurechnen. Die Antragsformulare dazu wurden vereinfacht. Sie sind unter www.arbeitsagentur.de/eServices  zu finden und können online eingereicht werden.

„Wir haben auf das hohe Anzeigenaufkommen sofort reagiert und es weitgehend bearbeitet,“ erklärt Johannes Klapper, Vorsitzender der Agentur für Arbeit Köln. „Was jetzt neu hereinkommt, kann schnell erledigt werden. Es hat sich bewährt, dass wir zusätzliches Personal geschult haben, um in der Telefonhotline und bei der Bearbeitung der Anzeigen mitzuhelfen. Die zügige Bearbeitung aller Anträge – das gilt für das Kurzarbeitergeld und das Arbeitslosengeld - hat absolute Priorität.  In den Zeiten „vor Corona“ haben wir die Anträge im Regelfall binnen 15 Tagen abgearbeitet. Wir bereiten uns darauf vor die Bearbeitungszeiträume kurz zu halten, auch wenn die Zahl der Abrechnungen in den kommenden Wochen massiv ansteigen wird. Wichtig wäre dafür, dass der Bearbeitungsaufwand durch neue Regeln nicht steigt. Dann wäre das ehrlicherweise nicht mehr zu halten.

Jeder kann sich darauf verlassen, dass wir Leistungen zuverlässig auszahlen, auch wenn es in dem einen oder anderen Fall aufgrund der vielen Anträge etwas länger dauern kann“, so Klapper. „Das Kurzarbeitergeld ist eine gesetzliche Pflichtleistung, die in jedem Fall ausbezahlt wird, wenn die Voraussetzungen dafür vorliegen. Das Geld dafür ist da.“

Der Arbeitsmarkt im April

Die Zahl der Arbeitslosen stieg im Vergleich zum Vormonat um 13,6 Prozent oder 6.323 auf 52.986 Personen. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Arbeitslosen um 7.569 Personen oder 16,7 Prozent. Zurückzuführen ist diese hohe Zahl auf vermehrte Arbeitslosmeldungen und 2.920 Menschen, die aus abgelaufenen Weiterbildungsmaßnahmen, Förderungen und Arbeitsgelegenheiten im Monat April nun zu den Arbeitslosen gezählt werden, weil sie keinen weiteren Anschluss an Maßnahmen oder in den Arbeitsmarkt gefunden haben.

Die Arbeitslosenquote beträgt im April 8,9 Prozent. Im März lag sie bei 7,8 Prozent, im Vorjahr betrug sie 7,7 Prozent.

Das Kundenzentrum der Agentur für Arbeit, verantwortlich für den Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III), betreute im April 17.417 Personen. Das sind 3.312 oder 23,5 Prozent mehr als im März und 4.667 Personen oder 36,6 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Das Jobcenter Köln, verantwortlich für die Grundsicherung nach dem zweiten Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB II), zählt im Statistikzeitraum 35.569 Arbeitslose. Das sind 3.011 Personen oder 9,2 Prozent mehr als im Vormonat und 2.902 Personen mehr als im April 2019 (+8,9 Prozent).

Die Unterbeschäftigung – sie erfasst die Zahl der Kölner, die insgesamt eine Beschäftigung suchen, darunter viele Teilnehmer in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen – ist im Vergleich zum Vormonat und zum April 2019 gestiegen.

Neben den statistisch ausgewiesenen 52.986 Arbeitslosen suchten in diesem Zeitraum 14.197 Kölnerinnen und Kölner eine Beschäftigung, während sie sich in einer Förderung befanden oder aus anderen Gründen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung standen (Unterbeschäftigung im engeren und Arbeitslosigkeit im weiteren Sinne). Zählt man hierzu noch die Personen in geförderter Selbstständigkeit hinzu, betrug die sogenannte „Unterbeschäftigung“ (einschließlich der arbeitslos gemeldeten, jedoch ohne Personen in Kurzarbeit) im April insgesamt 67.455 [1] . Sie lag damit um 3.403 Personen höher als im März. Gegenüber April 2019 stieg die Unterbeschäftigung um 7.234 Personen oder 12 Prozent. Die Unterbeschäftigungsquote liegt im April bei 11,1 Prozent, im März bei 10,5 Prozent. Im Vorjahr lag sie bei 10 Prozent. Der Anteil der Arbeitslosigkeit an der Unterbeschäftigung beträgt im aktuellen Monat 78,6 Prozent nach 72,9 Prozent im Vormonat und 75,4 Prozent im Vorjahr.

Im  April mussten sich 5.417 Menschen arbeitslos melden (Zahl der Entlassungen [2]). Das waren 2.206 Personen oder 68,7 Prozent mehr als im Vormonat und 1.987 oder 57,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

Trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage konnten 1.851 Menschen ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Arbeit [3]  beenden. Das sind 806 oder 30,3 Prozent weniger als im März und 1.150 Personen oder 38,3 Prozent weniger als im April 2019.

Ende September 2019, dem letzten Quartalsstichtag der Beschäftigungsstatistik mit gesicherten Angaben, belief sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Bezirk der Agentur für Arbeit Köln auf 591.645. Gegenüber dem Vorjahresquartal war das eine Zunahme um 13.399 oder 2,3%, nach +13.978 oder +2,5% im Vorquartal. Nach Branchen gab es absolut betrachtet die stärkste Zunahme bei Information und Kommunikation (+4.352 oder +9,5%); am ungünstigsten war dagegen die Entwicklung in der Arbeitnehmerüberlassung (–3.172 oder –15,8%).

Im April waren 5.884 Arbeitsstellen gemeldet, gegenüber März ist das ein Rückgang von 896 oder 13 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 2.455 Stellen weniger (–29 Prozent). Arbeitgeber meldeten im April 948 neue Arbeitsstellen, das waren 1.530 oder 62 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Seit Jahresbeginn sind damit 6.135 Stellen eingegangen, das ist eine Abnahme gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 3.479 oder 36%. Zudem wurden im April 1.814 Arbeitsstellen abgemeldet, 526 oder 22 Prozent weniger als im Vorjahr. Von Januar bis April gab es insgesamt 7.206 Stellenabgänge, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das eine Abnahme von 2.786 oder 28%.

Neue Stellen wurden im April vor allem in den folgenden Berufsgruppen gemeldet: Informatik, Lagerwirtschaft, Zustellung, Objektschutz, Verkauf, Büro und Sekretariat, Verwaltung, Erziehung.

Ausbildungsmarkt

Weiter ungewiss ist die Entwicklung am Lehrstellenmarkt 2020. Von Oktober 2019 bis April dieses Jahres haben Betriebe 4.948 Ausbildungsplätze gemeldet. Das sind 1.122 weniger als zur gleichen Zeit im Vorjahr. 3.040 Lehrstellen davon sind bis jetzt unbesetzt. Von den 3.801 Bewerbern (-486 zum Vorjahr), die sich bei der Agentur für Arbeit Köln gemeldet haben, sind noch 2.033 auf der Suche nach der richtigen Ausbildungsstelle, oder haben noch keine Rückmeldung auf Ihre Bewerbung. Statistisch stehen damit jedem unversorgten Bewerber noch 1,5 Stellen zur Auswahl. Derzeit ist eine Prognose, wie sich bis Herbst dieses Jahres der Lehrstellenmarkt entwickeln wird, nicht möglich. Wichtige Veranstaltungen zur Berufsorientierung und Lehrstellenvermittlung wie Ausbildungsbörsen und Azubi – Speed-Datings mussten abgesagt werden. Berufsberatung in den Schulen findet zurzeit nicht statt. Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Köln bietet den Beratungsservice per Telefon oder via E-Mail weiter an und unterstützt die Schülerinnen und Schüler in ihrer persönlichen Berufswegplanung auch durch neue digitale Angebote.

„Gerade wenn junge Menschen zur Zeit nicht in die Schulen kommen können, empfehlen wir das Selbsterkennungstool auf unsrer Webseite. Mithilfe dieses Tools können Jugendliche eigene Talente und Interessen erkennen und werden intuitiv auf mögliche Ausbildungsberufe und Studienfelder hingewiesen. Die Jugendlichen sollten auf jeden Fall die Zeit jetzt nicht tatenlos verstreichen lassen, sondern sich aktiv mit ihrer beruflichen Zukunft beschäftigen und die digitalen Angebote nutzen“, appelliert Johannes Klapper.

 Unter der Rubrik „Schule, Ausbildung und Studium“ finden Jugendliche das  kostenlose und eignungsdiagnostisch fundierte Tool. Es hilft  dabei, Berufe zu finden, die zu den eigenen Interessen und Fähigkeiten passen: www.arbeitsagentur.de/selbsterkundungstool .

Ganz neu geplant sind Live-Sessions über unseren BA-YouTube-Kanal. Wir sammeln Fragen über die Social-Media-Kanäle, die Jugendlichen können aber auch direkt ihre Fragen stellen. Berufsberater beantworten dann live die Fragen und treten mit den jungen Menschen in Kontakt.

Telefonisch zu erreichen ist die Kölner Berufsberatung montags bis freitags in der Zeit von 14-16 Uhr unter folgender Rufnummer: 0221-9429-1555, oder per E-Mail an Koeln.Berufsberatung.171@arbeitsagentur.de . Ratsuchende geben ihre Telefonnummer sowie ein Zeitfenster an, in welchem sie gut zu erreichen sind. Die Berufsberatung ruft zurück.  

  • Ausführliche Informationen zu mehr als 3.000 einzelnen Berufen bietet das www.berufenet.arbeitsagentur.de  der Bundesagentur für Arbeit oder das Filmportal www.berufe.tv .
  • Die App AzubiWelt, die in den gängigen App-Stores kostenlos verfügbar ist, vereint verschiedene Angebote der Bundesagentur für Arbeit und ermöglicht darüber hinaus die komfortable und personalisierte Suche nach freien Ausbildungsstellen direkt am Smartphone.
  • Die Seite www.dasbringtmichweiter.de/typischich  gibt Jugendlichen Ideen und Anregungen, wie sie den Beruf finden können, der am besten passt.
  • Schülerinnen und Schüler, die einen Hauptschulabschluss oder einen Mittleren Schulabschluss anstreben, finden im Portal www.planet-beruf.de  Reportagen, Interviews und Geschichten sowie umfangreiches Material rund um die Themen Ausbildungssuche, Bewerbung und Berufswahl.
  • Junge Menschen, die vor dem Abitur stehen und eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben wollen, finden passende Reportagen, Interviews und Informationen auf  www.abi.de  sowie auf www.studienwahl.de . Die Studiensuche unterstützt bei der optimalen Auswahl von Studienort und Studienfach (www.arbeitsagentur.de/studiensuche ).

[1] Die Datenangaben basieren auf vorläufigen Werten, die auf der Basis der bisher erfassten Fallzahlen hochgerechnet wurden. Endgültige Werte stehen erst nach einer Wartezeit von drei Monaten fest.

In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die nicht als arbeitslos gelten, weil sie Teilnehmer an einer Maßnahme der Arbeitsmarktpolitik oder in einem arbeitsmarktbedingten Sonderstatus sind. Diese Personen werden zur Unterbeschäftigung gerechnet, weil sie für Menschen stehen, denen ein reguläres Beschäftigungsverhältnis fehlt. Es wird unterstellt, dass ohne den Einsatz dieser Maßnahmen bzw. ohne die Zuweisung zu einem Sonderstatus die Arbeitslosigkeit entsprechend höher ausfallen würde. Mit dem Konzept der Unterbeschäftigung werden Defizite an regulärer Beschäftigung umfassender erfasst und realwirtschaftliche bedingte Einflüsse auf den Arbeitsmarkt besser erkannt. Zudem können die direkten Auswirkungen der Arbeitsmarktpolitik auf die Arbeitslosenzahlen nachvollzogen werden.

[2] = Zugang Arbeitslose aus Erwerbstätigkeit (Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt)

[3] = Abgang Arbeitslose in Erwerbstätigkeit (Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt)