01.07.2020 | Presseinfo Nr. 27

Kölner Arbeitsmarkt spürt Auswirkungen der Corona-Pandemie

„Der Kölner Arbeitsmarkt ist von Normalität noch weit entfernt und deutlich von den Auswirkungen der Corona Pandemie geprägt“, so Sabrina Nüchter, Geschäftsführerin operativ der Kölner Agentur für Arbeit.

Die Zahl der Arbeitslosen liegt trotz Entlastung durch Kurzarbeit mit 58.013 Arbeitslosen über dem Krisenjahr 2008/2009 (Höchststand Februar 2008: 57.653 Arbeitslose). „Kurzarbeit bleibt ein wichtiges Instrument um einen stärkeren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern.  Der Handel, das Gastgewerbe und weitere Dienstleistungsbetriebe müssen Kurzarbeit auch im Juni in Anspruch nehmen. Insgesamt liegen für diesen Monat deutlich weniger Anzeigen zur Kurzarbeit vor als in vorangegangenen Monaten“, erklärt Sabrina Nüchter, Geschäftsführerin operativ der Agentur für Arbeit Köln.

Von April bis Ende Juni (Stand 26.6.) liegen der Kölner Arbeitsagentur 13.724 geprüfte Anzeigen zur Kurzarbeit vor. Betroffen sind 187.935 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, für die das Kurzarbeitergeld beantragt wird. Für den aktuellen Monat Juni liegen bislang 337 Anzeigen auf Kurzarbeit für 4.579 betroffene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor.

Der Ausbildungsmarkt geht jetzt in den Endspurt, noch stehen Jugendliche viele Ausbildungschancen offen. Im Juni sind noch 2.443 unbesetzte Ausbildungsstellen gemeldet, denen noch 1.721 gemeldete Bewerberinnen und Bewerber gegenüberstehen. Sabrina Nüchter appelliert an die Schulabgängerinnen und Schulabgänger die eigene berufliche Perspektive nach der Schule „trotz Corona“ nicht aus den Augen zu verlieren: „Wir wissen, dass für Schulabsolventen dieses Jahr vieles anders war: Praktika sind ausgefallen sind, Berufsorientierung in der Schule fand nicht wie gewohnt statt, geplante Auslandsaufenthalte fallen aus. Doch Unternehmen haben ihre Nachwuchsgewinnung nicht eingestellt, sie bilden weiter aus. Die Berufsberatung der Arbeitsagentur berät bei allen Fragen zu Ausbildung oder Studium und vermittelt auch kurzfristig freie Ausbildungsstellen, die es noch in fast allen Brachen gibt.“ Telefonische Berufsberatung der Arbeitsagentur Köln findet ohne Anmeldung statt, montags bis freitags in der Zeit von 14-16 Uhr unter folgender Rufnummer: 0221-9429-1555. Alternativ können Jugendliche sich per E-Mail anmelden und ein Zeitfenster nennen, in dem sie gut zu erreichen sind. Eine Berufsberaterin oder ein Berufsberater ruft zurück. E-Mail: Koeln.Berufsberatung.171@arbeitsagentur.

Bequem von zuhause aus lassen sich die digitalen Angebote der Arbeitsagentur nutzen:

  • Check-U – das Erkundungstool: Mit verschiedenen Fragen und Aufgaben testest du dich und erhältst Ergebnisse mit individuell zu dir passenden Ausbildungsberufen und Studienfeldern.
  • AzubiWelt – Die App zur Ausbildungssuche: In der AzubiWelt können Interessierte Ausbildungsberufe entdecken, passende Lehrstellen finden und direkten Kontakt zur BA aufnehmen
  • Berufe.TV:  In über 300 Filmen erzählen Azubis, Studenten und Personalleiter, was einen Beruf interessant macht.
  • http://dasbringtmichweiter.de  (Aus- und Weiterbildungsportal)

Der Arbeitsmarkt im Juni

Die Zahl der Arbeitslosen stieg im Vergleich zum Mai um 2,1 Prozent oder 1.183 auf 58.013 Personen. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Arbeitslosen um 10.960 Personen oder 23,3 Prozent.

Die Arbeitslosenquote beträgt im Juni 9,6 Prozent. Im Mai lag sie bei 9,4 Prozent, im Vorjahr betrug sie 7,9 Prozent.

Das Kundenzentrum der Agentur für Arbeit, verantwortlich für den Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III), betreute im Juni 19.937 Personen. Das sind 964 oder 5,1 Prozent mehr als im Mai und 7.606 Personen oder 61,7 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Das Jobcenter Köln, verantwortlich für die Grundsicherung nach dem zweiten Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB II), zählt im Statistikzeitraum 38.076 Arbeitslose. Das sind 219 Personen oder 0,6 Prozent mehr als im Vormonat und 3.354 Personen mehr als im Juni 2019 (+9,7 Prozent).

Die Unterbeschäftigung – sie erfasst die Zahl der Kölner, die insgesamt eine Beschäftigung suchen, darunter auch die Teilnehmer in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen – ist mit der Zahl der Arbeitslosmeldungen im Vergleich zum Vormonat und zum Vorjahr gestiegen.

Neben den statistisch ausgewiesenen 58.013 Arbeitslosen suchten in diesem Zeitraum 13.701 Kölnerinnen und Kölner eine Beschäftigung, während sie sich in einer Förderung befanden oder aus anderen Gründen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung standen (Unterbeschäftigung im engeren und Arbeitslosigkeit im weiteren Sinne). Zählt man hierzu noch die Personen in geförderter Selbstständigkeit hinzu, betrug die sogenannte „Unterbeschäftigung“ (einschließlich der arbeitslos gemeldeten, jedoch ohne Personen in Kurzarbeit) im Juni insgesamt 71.928 [1]. Sie lag damit um 1.176 Personen höher als im Mai. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Unterbeschäftigung um 10.407 Personen oder 16,9 Prozent. Die Unterbeschäftigungsquote liegt im Juni bei 11,7 Prozent, im Mai bei 11,5 Prozent. Im Vorjahr lag sie bei 10,1 Prozent. Der Anteil der Arbeitslosigkeit an der Unterbeschäftigung beträgt im aktuellen Monat 80,7 Prozent nach 80,3 Prozent im Vormonat und 76,5 Prozent im Vorjahr.

Im Juni mussten sich 3.436 Menschen arbeitslos melden (Zahl der Entlassungen [2]). Das waren 724 Personen oder 17,4 Prozent weniger als im Mai und 231 oder 7,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Seit Jahresbeginn mussten sich 24.218 Kölnerinnen und Kölner arbeitslos melden. Das sind 3.108 Personen oder 14,7 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2019.

Im Juni konnten 2.223 Menschen ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Arbeit [3] beenden. Das sind 566 oder 34,2 Prozent mehr als im Mai, aber 490 Personen oder 18,1 Prozent weniger als im Juni 2019. Seit Jahresbeginnen beendeten 13.214 Kölnerinnen und Kölner ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Arbeit. Das sind 2.670 Personen oder 16,8 Prozent weniger als in 2019.

Ende Dezember 2019, dem letzten Quartalsstichtag der Beschäftigungsstatistik mit gesicherten Angaben, belief sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Bezirk der Agentur für Arbeit Köln auf 591.536. Gegenüber dem Vorjahresquartal war das eine Zunahme um 11.398 oder 2,0 Prozent, gegenüber dem Vorquartal plus 13.399 oder   2,3 Prozent. Nach Branchen gab es absolut betrachtet die stärkste Zunahme bei Information und Kommunikation (plus 3.422 oder 7,5 Prozent); am ungünstigsten war dagegen die Entwicklung in der Arbeitnehmerüberlassung (minus 2.107 oder 11,3 Prozent).

Im Juni waren 5.152 Arbeitsstellen gemeldet, gegenüber Mai ist das ein Rückgang von 156 oder 2,9 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 3.261 Stellen weniger (minus 38,8 Prozent). Arbeitgeber meldeten im Mai 1.040 neue Arbeitsstellen, das waren 139 oder 11,8 Prozent weniger als im Vormonat. Seit Jahresbeginn sind damit 8.354 Stellen eingegangen, das ist ein Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 6.002 Stellen oder 41,8 Prozent.


[1] Die Datenangaben basieren auf vorläufigen Werten, die auf der Basis der bisher erfassten Fallzahlen hochgerechnet wurden. Endgültige Werte stehen erst nach einer Wartezeit von drei Monaten fest.

In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die nicht als arbeitslos gelten, weil sie Teilnehmer an einer Maßnahme der Arbeitsmarktpolitik oder in einem arbeitsmarktbedingten Sonderstatus sind. Diese Personen werden zur Unterbeschäftigung gerechnet, weil sie für Menschen stehen, denen ein reguläres Beschäftigungsverhältnis fehlt. Es wird unterstellt, dass ohne den Einsatz dieser Maßnahmen bzw. ohne die Zuweisung zu einem Sonderstatus die Arbeitslosigkeit entsprechend höher ausfallen würde. Mit dem Konzept der Unterbeschäftigung werden Defizite an regulärer Beschäftigung umfassender erfasst und realwirtschaftliche bedingte Einflüsse auf den Arbeitsmarkt besser erkannt. Zudem können die direkten Auswirkungen der Arbeitsmarktpolitik auf die Arbeitslosenzahlen nachvollzogen werden.

[2] = Zugang Arbeitslose aus Erwerbstätigkeit (Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt)

[3] = Abgang Arbeitslose in Erwerbstätigkeit (Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt)