03.06.2020 | Presseinfo Nr. 23

Der Kölner Arbeitsmarkt im Mai 2020

56.830 Arbeitslose, Arbeitslosenquote: 9,4 Prozent
3.844 Arbeitslose mehr als im Vormonat, davon 952 aus Maßnahmen und Förderungen
Insgesamt 13.302 geprüfte Anzeigen zur Kurzarbeit
Insgesamt 182.825 Kurzarbeitende in Köln (Arbeitsort)
 

Der Kölner Arbeitsmarkt ist vor den Auswirkungen der Lockerungen weiterhin von der Corona Pandemie geprägt. Mit 4.160 neuen Entlassungen haben die Kölner Betriebe auf die im Mai noch anhaltenden Beschränkungen reagiert. Dies sind 1.257 weniger als im Vormonat.  Zusätzlich beeinflusst wird der Arbeitsmarkt dadurch, dass Weiterbildungen nicht in gewohntem Umfang stattfinden und sich der Start neuer arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen verzögert. „Der Höhepunkt der Kündigungswelle war im April und scheint nun langsam abzuflachen“, so Sabrina Nüchter, Geschäftsführerin operativ der Kölner Agentur für Arbeit.

 

Mit nun 56.830 Arbeitslosen liegt die Zahl unter dem Höchstwert aus dem Finanzkrisenjahr 2008/2009 (Februar 2008: 57.653 Arbeitslose). „Damals war vor allem das verarbeitende Gewerbe betroffen, heute sind es insbesondere die Dienstleistungen des öffentlichen Lebens, wie das Gastgewerbe. Das Verarbeitende Gewerbe und die Sonstigen wirtschaftlichen Dienstleister sind hingegen eher indirekt von den Corona-Eindämmungsmaßnahmen betroffen. Hier schlagen sich vor allem Zulieferschwierigkeiten und (weltweite) Nachfrageausfälle nieder“, erklärt Sabrina Nüchter.

 

Die Corona-Krise betrifft aber nicht nur Personen, die arbeitslos werden, sondern auch Menschen, die bereits arbeitslos sind und sich derzeit schwertun, wieder eine Beschäftigung zu finden (Abgänge aus Arbeitslosigkeit in Beschäftigung). Im Mai dieses Jahres haben die Neueinstellungen aus Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresniveau deutlich abgenommen (- 2180). Aber 1.657 Kölnerinnen und Kölner wurden trotz der Krise neu eingestellt.

 

„Da die Zahl der offenen Stellen insgesamt spürbar zurückgegangen ist, begrüßen wir die Verlängerung des Anspruchs auf Arbeitslosengeld. Wir werden diese Zeit intensiv nutzen, um gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden berufliche Chancen zu finden“, so Sabrina Nüchter.

Für Personen, deren Anspruch auf Arbeitslosengeld zwischen dem 1. Mai 2020 und 31. Dezember 2020 auslaufen würde, wird dieser Anspruch automatisch um drei Monate verlängert.

 

Kurzarbeit

 

Mit Stand vom 27.05. liegen bei der Kölner Arbeitsagentur aus April und Mai 13.302 geprüfte Anzeigen zur Kurzarbeit vor. Betroffen sind 182.825 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für die das Kurzarbeitergeld beantragt wird. Das sind rund 30 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Köln.

„Hauptbetroffen ist das Gastgewerbe. Köln mit seinem großen Tourismus-, Gastronomie- und Dienstleistungssektor ist von den Einschränkungen in der Corona Pandemie weiterhin stark betroffen. Im vergangenen Monat sind die Neu-Anzeigen von geplanter Kurzarbeit stark zurückgegangen. 1.272 Betriebe haben sich im Mai noch für diesen Weg entschieden. Das ist in jedem Fall besser als die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entlassen. So können Betriebe nach den Lockerungen der wirtschaftlichen Einschränkungen schnell wieder ihre Arbeit aufnehmen“, erklärt Sabrina Nüchter, Geschäftsführerin operativ der Agentur für Arbeit Köln.

Die Agentur für Arbeit Köln hat zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Bearbeitung der Anträge geschult und setzt alles daran die Kurzarbeitergelder so schnell wie möglich auszuzahlen. Dazu sind die Kapazitäten in diesem Bereich verzehnfacht worden.

 

Der Arbeitsmarkt im Mai

 

Die Zahl der Arbeitslosen stieg im Vergleich zum Vormonat um 7,3 Prozent oder 3.844 auf 56.830 Personen. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Arbeitslosen um 10.503 Personen oder 22,7 Prozent.

Die Arbeitslosenquote beträgt im Mai 9,4 Prozent. Im April lag sie bei 8,9 Prozent, im Vorjahr betrug sie 7,8 Prozent.

Das Kundenzentrum der Agentur für Arbeit, verantwortlich für den Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III), betreute im Mai 18.973 Personen. Das sind 1.556 oder 8,9 Prozent mehr als im April und 6.515 Personen oder 52,3 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Das Jobcenter Köln, verantwortlich für die Grundsicherung nach dem zweiten Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB II), zählt im Statistikzeitraum 37.857 Arbeitslose. Das sind 2.288 Personen oder 6,4 Prozent mehr als im Vormonat und 3.988 Personen mehr als im Mai 2019 (+11,8 Prozent).

 

Die Unterbeschäftigung – sie erfasst die Zahl der Kölner, die insgesamt eine Beschäftigung suchen, darunter auch die Teilnehmer in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen – ist mit der Zahl der Arbeitslosmeldungen im Vergleich zum Vormonat und zum Mai 2019 gestiegen.

Neben den statistisch ausgewiesenen 56.830 Arbeitslosen suchten in diesem Zeitraum 13.402 Kölnerinnen und Kölner eine Beschäftigung, während sie sich in einer Förderung befanden oder aus anderen Gründen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung standen (Unterbeschäftigung im engeren und Arbeitslosigkeit im weiteren Sinne). Zählt man hierzu noch die Personen in geförderter Selbstständigkeit hinzu, betrug die sogenannte „Unterbeschäftigung“ (einschließlich der arbeitslos gemeldeten, jedoch ohne Personen in Kurzarbeit) im Mai insgesamt 70.457[1]. Sie lag damit um 2.892 Personen höher als im April. Gegenüber Mai 2019 stieg die Unterbeschäftigung um 9.559 Personen oder 15,7 Prozent. Die Unterbeschäftigungsquote liegt im Mai bei 11,4 Prozent, im April bei 11,1 Prozent. Im Vorjahr lag sie bei 10 Prozent. Der Anteil der Arbeitslosigkeit an der Unterbeschäftigung beträgt im aktuellen Monat 80,7 Prozent nach 78,4 Prozent im Vormonat und 76,1 Prozent im Vorjahr.

Im  Mai mussten sich 4.160 Menschen arbeitslos melden (Zahl der Entlassungen[2]). Das waren 1.257 Personen oder 23,2 Prozent weniger als im Vormonat und 935 oder 29 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

Trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage konnten 1.657 Menschen ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Arbeit[3] beenden. Das sind 194 oder 10,5 Prozent weniger als im April und 957 Personen oder 36,6 Prozent weniger als im Mai 2019.

Ende September 2019, dem letzten Quartalsstichtag der Beschäftigungsstatistik mit gesicherten Angaben, belief sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Bezirk der Agentur für Arbeit Köln auf 591.645. Gegenüber dem Vorjahresquartal war das eine Zunahme um 13.399 oder 2,3%, nach +13.978 oder +2,5% im Vorquartal. Nach Branchen gab es absolut betrachtet die stärkste Zunahme bei Information und Kommunikation (+4.352 oder +9,5%); am ungünstigsten war dagegen die Entwicklung in der Arbeitnehmerüberlassung (–3.172 oder –15,8%).

Im Mai waren 5.308 Arbeitsstellen gemeldet, gegenüber April ist das ein Rückgang von 576 oder 9,8 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 3.010 Stellen weniger (–36,2 Prozent). Arbeitgeber meldeten im Mai 1.179 neue Arbeitsstellen, das waren 231 oder 24,4 Prozent mehr als im Vormonat. Seit Jahresbeginn sind damit 7.314 Stellen eingegangen, das ist eine Abnahme gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 4.431 oder 37,7%.

Neue Stellen wurden im Mai vor allem in den folgenden Berufsgruppen gemeldet: Verwaltung (162), Einzelhandel (88), Gesundheitswesen (63), Baugewerbe (41), Büro und Sekretariat (35), und vermehrt in der Zeitarbeit.