30.07.2020 | Presseinfo Nr. 31

Arbeitslosigkeit steigt in der Ferienzeit weiter an

59.828 Arbeitslose, Arbeitslosenquote: 9,9 Prozent
Mehr Entlassungen, mehr Einstellungen als im Juni
140 neue Anzeigen für Kurzarbeit im Juli, 2.732 Kölnerinnen und Kölner betroffen
 

Im Juli ist die Zahl der Arbeitslosen noch einmal gestiegen. „Das ist keine ungewöhnliche Entwicklung in den Sommer- und Ferienmonaten. Durch die Hilfen zum Kurzarbeitergeld konnte ein noch stärkerer Anstieg durch die Corona Pandemie aber deutlich abgemildert werden“, erklärt Johannes Klapper, Vorsitzender der Geschäftsführung der Kölner Agentur für Arbeit.

„Zu Zeit fehlen durch die Pandemie die Chancen für einen Widereinstieg in die Arbeitswelt, was die Anzahl der Arbeitslosen und vor allem der Langzeitarbeitslosen anstiegen ließ“, so Klapper.

Auch die unter 25jährigen sind von der Entwicklung stärker betroffen.  Viele, der für sie typischen Beschäftigungs-Möglichkeiten, wie die von befristeten Anstellungen, Stellen in der Zeitarbeit und Anschlussverträge nach einer abgeschlossenen Ausbildung sind in der Pandemie weggefallen.

Trotzdem behält der Arbeitsmarkt weiterhin eine gewisse Dynamik. Im Juli gab es zwar durch die Ferienzeit mehr beendete Arbeitsverhältnisse, aber auch mehr Einstellungen als im Vormonat. Es sind weiterhin über 5.100 Stellen im Angebot, im Juli waren knapp 1.300 dazu gekommen.

 „Wenn man bedenkt, welche harten Einschnitte die Corona Krise bedingt, zeigt das, dass die Arbeitgeber auf die Zukunft vertrauen und ihre Mitarbeiter halten wollen und sogar wieder mehr freie Stellen melden“, so Klapper.

Insgesamt sind seit April 191.477 Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen von Kurzarbeit betroffen gewesen oder sind noch in Kurzarbeit. Seit April haben 13.905 Betriebe der Arbeitsagentur angezeigt Kurzarbeit nutzen zu wollen. Die Entwicklung der neuen Anzeigen ist im Juli rückläufig. Haben sich im Juni noch 378 Betriebe für 5.389 Angestellte zur Kurzarbeit gemeldet, sind es im Juli nur noch 140 neue Unternehmen für 2.732 Angestellte gewesen.

Der Arbeitsmarkt im Juli

Die Zahl der Arbeitslosen stieg im Vergleich zum Juni um 3,1 Prozent oder 1.815 auf 59.828 Personen. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Arbeitslosen um 11.878 Personen oder 24,8 Prozent.

Die Arbeitslosenquote beträgt im Juli 9,9 Prozent. Im Juni lag sie bei 9,6 Prozent, im Vorjahr betrug sie 8,0 Prozent.

Das Kundenzentrum der Agentur für Arbeit, verantwortlich für den Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III), betreute im Juli 21.519 Personen. Das sind 1.582 oder 7,9 Prozent mehr als im Juni und 8.232 Personen oder 62 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Das Jobcenter Köln, verantwortlich für die Grundsicherung nach dem zweiten Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB II), zählt im Statistikzeitraum 38.309 Arbeitslose. Das sind 233 Personen oder 0,6 Prozent mehr als im Vormonat und 3.646 Personen mehr als im Juli 2019 (+10,5 Prozent).

Die Unterbeschäftigung – sie erfasst die Zahl der Kölner, die insgesamt eine Beschäftigung suchen, darunter auch die Teilnehmer in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen – ist mit der Zahl der Arbeitslosmeldungen im Vergleich zum Vormonat und zum Vorjahr gestiegen.

Neben den statistisch ausgewiesenen 59.828 Arbeitslosen suchten in diesem Zeitraum 13.715 Kölnerinnen und Kölner eine Beschäftigung, während sie sich in einer Förderung befanden oder aus anderen Gründen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung standen (Unterbeschäftigung im engeren und Arbeitslosigkeit im weiteren Sinne). Zählt man hierzu noch die Personen in geförderter Selbstständigkeit hinzu, betrug die sogenannte „Unterbeschäftigung“ (einschließlich der arbeitslos gemeldeten, jedoch ohne Personen in Kurzarbeit) im Juli insgesamt 73.745 [1]. Sie lag damit um 1.563 Personen höher als im Juni. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Unterbeschäftigung um 11.564 Personen oder 18,6 Prozent. Die Unterbeschäftigungsquote liegt im Juli bei 11,9 Prozent, im Juni bei 11,7 Prozent. Im Vorjahr lag sie bei 10 Prozent. Der Anteil der Arbeitslosigkeit an der Unterbeschäftigung beträgt im aktuellen Monat 81,1 Prozent nach 80,4 Prozent im Vormonat und 77,1 Prozent im Vorjahr.

Im Juli mussten sich 3.728 Menschen arbeitslos melden (Zahl der Entlassungen [2]). Das waren 292 Personen oder 8,5 Prozent mehr als im Juni und 252 oder 7,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Seit Jahresbeginn mussten sich 27.946 Kölnerinnen und Kölner arbeitslos melden. Das sind 3.360 Personen oder 13,7 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2019.

Prozentual am stärksten betroffen ist die Gruppe der unter 25jährigen. Aktuell 4.643 Arbeitslose in dieser Altersgruppe bedeuten einen Anstieg von 38,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat (+ 1.284).

Im Juli konnten 2.328 Menschen ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Arbeit[3] beenden. Das sind 105 oder 4,7 Prozent mehr als im Juni, aber 158 Personen oder 6,4 Prozent weniger als im Juli 2019. Seit Jahresbeginnen beendeten 15.542 Kölnerinnen und Kölner ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Arbeit. Das sind 2.828 Personen oder 15,4 Prozent weniger als in 2019.

Ende Dezember 2019, dem letzten Quartalsstichtag der Beschäftigungsstatistik mit gesicherten Angaben, belief sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Bezirk der Agentur für Arbeit Köln auf 591.536. Gegenüber dem Vorjahresquartal war das eine Zunahme um 11.398 oder 2,0 Prozent, gegenüber dem Vorquartal plus 13.399 oder  2,3 Prozent. Nach Branchen gab es absolut betrachtet die stärkste Zunahme bei Information und Kommunikation (plus 3.422 oder 7,5 Prozent); am ungünstigsten war dagegen die Entwicklung in der Arbeitnehmerüberlassung (minus 2.107 oder 11,3 Prozent).

Arbeitgeber meldeten im Juli 1.268 neue Arbeitsstellen, das waren 228 oder 21,9 Prozent mehr als im Vormonat. Im Juli sind damit 5.132 Arbeitsstellen im Bestand, gegenüber Juni ist das ein Rückgang von 20 oder 0,4 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 3.530 Stellen weniger (minus 40,8 Prozent). Seit Jahresbeginn sind 9.622 Stellen eingegangen, das ist ein Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 7.106 Stellen oder 42.5 Prozent.

Im Juli meldeten die Arbeitgeber vor allem in folgenden Wirtschaftsgruppen Bedarf an neuen Mitarbeiter/Innen. Hier finden sich auch die meisten Stellen im Bestand:

Öffentliche Verwaltung: 135 neue Stellen

  darunter öffentliche Sicherheit u.Ordnung: 70 neue Stellen

Bürotätigkeiten: 122 neue Stellen

Einzelhandel: 107 neue Stellen

Zeitarbeit:  274 neue Stellen

Gesundheitswesen: 118 neue Stellen


[1] Die Datenangaben basieren auf vorläufigen Werten, die auf der Basis der bisher erfassten Fallzahlen hochgerechnet wurden. Endgültige Werte stehen erst nach einer Wartezeit von drei Monaten fest.

In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die nicht als arbeitslos gelten, weil sie Teilnehmer an einer Maßnahme der Arbeitsmarktpolitik oder in einem arbeitsmarktbedingten Sonderstatus sind. Diese Personen werden zur Unterbeschäftigung gerechnet, weil sie für Menschen stehen, denen ein reguläres Beschäftigungsverhältnis fehlt. Es wird unterstellt, dass ohne den Einsatz dieser Maßnahmen bzw. ohne die Zuweisung zu einem Sonderstatus die Arbeitslosigkeit entsprechend höher ausfallen würde. Mit dem Konzept der Unterbeschäftigung werden Defizite an regulärer Beschäftigung umfassender erfasst und realwirtschaftliche bedingte Einflüsse auf den Arbeitsmarkt besser erkannt. Zudem können die direkten Auswirkungen der Arbeitsmarktpolitik auf die Arbeitslosenzahlen nachvollzogen werden.

[2] = Zugang Arbeitslose aus Erwerbstätigkeit (Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt)

[3] = Abgang Arbeitslose in Erwerbstätigkeit (Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt)