07.01.2021 | Presseinfo Nr. 2

2020: Kurzarbeit rettet Arbeitsplätze; 2021: Zukunftsinvestition Weiterbildung

Bilanz 2020:
Mehr Arbeitslose im Jahresdurchschnitt: 55.194 bedeuten 8.796 mehr als im Vorjahresvergleich (plus 19 Prozent); Arbeitslosenquote 9,2 Prozent im Jahresdurchschnitt; Weniger neu gemeldete Arbeitsstellen: 16.469 Stellenmeldungen seit Jahresbeginn, 10.684 weniger als in 2019; Beschäftigung: 579.638 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Juni 2020

Köln als Millionenmetropole und Touristenmagnet hat die Auswirkungen der Corona Pandemie stark getroffen mit entsprechenden Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Viele Menschen wurden arbeitslos und fanden schwer einen neuen Job. Höhepunkt war der August mit 60.723 Arbeitslosen. Seitdem sinken die Arbeitslosenzahlen langsam. Trotz der Krise behielt der Arbeitsmarkt seine Dynamik mit Entlassungen und Einstellungen. Die übliche Frühjahrsbelebung im April wurde durch die Pandemie jäh gestoppt und führte stattdessen zu vermehrten Entlassungen. Im weiteren Verlauf hat sich die Nachfrage nach Arbeitskräften zwar etwas erholt, sank zum Jahresende aber wieder ab.  Getroffen hat es vor allem das Hotelgewerbe, die Gastronomie, den Handel, die Zeitarbeit und alle Gewerbe die im Zusammenhang mit dem Tourismus stehen.

Im Jahresdurchschnitt mussten sich 55.194 Kölnerinnen und Kölner arbeitslos melden, das sind 8.796 Arbeitslose mehr als im Vorjahr. Eine größere Krise der Wirtschaft konnte durch das Instrument der Kurzarbeit verhindert werden.

„Für über 210.000 Kölnerinnen und Kölner wurde uns von den Unternehmen seit Jahresbeginn Kurzarbeit angezeigt. Das ist mehr als ein Drittel aller Beschäftigten“, so Johannes Klapper, Vorsitzender der Agentur für Arbeit Köln. „Realisiert wurde aber längst nicht jede Anzeige. Die Unternehmen haben sich flexibel dem Verlauf der Pandemie und den Einschränkungen angepasst“, so Klapper. Wurde beispielsweise für Juni für 189.569 Beschäftigte eine mögliche Kurzarbeit angezeigt, so realisierten die Betriebe tatsächlich nur für 71.176 Personen das Kurzarbeitergeld. „In wie weit die Betriebe ihre angezeigte Kurzarbeit realisieren, können wir erst nach sechs Monaten sehen, wenn alle Abrechnungen vorliegen“, erklärt Johannes Klapper. 

Bisher hat die Kölner Arbeitsagentur 450 Millionen Euro Kurzarbeitergeld an die Betriebe ausgezahlt.

„Viele Betriebe und Unternehmen haben sich durch die Kurzarbeit eine Perspektive auf die Zeit nach Corona erhalten und haben damit auch den Arbeitsmarkt stabil gehalten“, so Klapper.

Arbeitslose, Arbeitnehmer und Arbeitgeber nutzten die Krise auch für Weiterbildungen. 23 Millionen Euro hat die Kölner Arbeitsagentur dafür im letzten Jahr für 2.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Verfügung gestellt. „Auch in Zeiten von Kurzarbeit kann Weiterbildung eine gute und wichtige Investition in die Zukunft sein. Die Beratung und Weiterbildungsförderung Beschäftigter in den Unternehmen wird in den nächsten Jahren weiter erheblich an Bedeutung gewinnen. Fachkräfte werden immer knapper und sind am Arbeitsmarkt gut nachgefragt. Wir sind gut aufgestellt mit unseren Angeboten und Förderungen auch den Strukturwandel mit Qualifizierungen zu begleiten.

Im neuen Jahr starten wir mit dem neuen Online-Erkundungstool: New Plan ( https://www.arbeitsagentur.de/m/newplan/  ). Hier kann jeder auf unserer Webseite

seine Soft Skills testen, um daraus Erkenntnisse für seine beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten abzuleiten. Gemeinsam mit unseren Beraterinnen und Beratern finden wir dann heraus, welche konkreten Angebote individuell passen“, erklärt Johannes Klapper.

Speziell für kleine und mittlere Unternehmen bietet der Arbeitgeber-Service am 20. Januar ein Online-Seminar zur Beratung an:  https://www.estandards-mittelstand.de/termin/digitalisierung-meistern-zukunft-braucht-starke-plaene-273/593/

Gemeinsam mit drei weiteren Partnern bekommen die Arbeitgeber einem Überblick über die Angebote und Förderprogramme.

Ausblick 2021

„Über das Instrument der Kurzarbeit konnte der Arbeitsmarkt stabil gehalten werden. Wir gehen davon aus, dass der Arbeitsmarkt sich im Laufe des Jahres 2021 entspannt. Wir wissen, dass die Betriebe zunächst ihre Beschäftigten aus der Kurzarbeit holen, bevor sie neue Leute einstellen. Aber langsam wird auch die Erwerbstätigkeit wieder steigen und die Arbeitslosigkeit sinken können“, so Klapper.  

„Das vergangene Jahr hat einige Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt beschleunigt. Die Digitalisierung schreitet schneller voran als zunächst gedacht. Das geht einher mit neuen Anforderungen an die Beschäftigten und mit veränderten Arbeitsprozessen wie beispielsweise der Arbeit im Homeoffice“, so Klapper. „Berufliche Bildung und Weiterbildung wird in den kommenden Jahren unser wichtigstes Thema sein. Darauf stellen wir uns mit neuen digitalen und neuen persönlichen Beratungs-Angeboten immer verstärkter und besser ein.“

Arbeitsmarktindikatoren im Jahresdurchschnitt 2020 im Detail

Im Jahr 2020 haben 16.202 Betriebe bei der Kölner Arbeitsagentur angezeigt Mitarbeiter/innen in Kurzarbeit schicken zu müssen. Potentiell betroffen von diesen Anmeldungen waren im gesamten Jahr 210.014 Personen. Mehrfachzählungen sind bei diesen Anzeigezahlen von Unternehmen und Personen möglich. Die tatsächlich realisierte Kurzarbeit liegt je nach Pandemieverlauf und Einschränkungen der Wirtschaft durch die Zeiten des Lockdowns weit unterhalb der Zahl der Anzeigen. Endgültige Daten liegen erst nach einer Wartezeit von sechs Monaten vor.

Ende Juni 2020, dem letzten Quartalsstichtag der Beschäftigungsstatistik mit gesicherten Angaben, belief sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf 579.638. Gegenüber dem Vorjahresquartal war das eine Abnahme um 2.975 oder 0,5%, nach +9.733 oder +1,7% im Vorquartal. Die Abnahme betraf fast ausschließlich männliche Beschäftigte.  

Nach Branchen gab es absolut betrachtet die stärkste Zunahme bei der öffentlichen Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherungen sowie exterritorialen Organisationen und Körperschaften (+1.946 oder +7,2%); am ungünstigsten war dagegen die Entwicklung in der Arbeitnehmerüberlassung (–3.197 oder –19,2%).

Abbildung 1: Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nach Wirtschaftsbereichen (Veränderung gegenüber dem Vorjahresquartal absolut, absteigend sortiert; Ende Juni 2020)

Der Anteil der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitarbeit sinkt um 0,9 Prozent, während die Beschäftigung in Teilzeit um 0,5 Prozent steigt. 414.975 Vollzeitbeschäftigungen stehen 164.663 Teilzeitstellen gegenüber. Weit überdurchschnittlich stieg die Zahl der älteren Beschäftigten (55 Jahre bis zur Regelaltersgrenze). Ihre Zahl erhöhte sich um 4.820 oder 4,8 Prozent auf 105.940.

Köln startete in das Jahr 2020 (Anfang Januar) mit 47.679 Arbeitslosen und beendete es mit 57.051 Das sind 9.372 oder 19,66 Prozent mehr als am Jahresanfang.

Die Zahl der Arbeitslosen lag im Jahresdurchschnitt 2020 bei 55.194. Das sind 8.796 mehr als im Vorjahresvergleich (19 Prozent)

Im Jahr 2020 mussten sich 44.923 Menschen arbeitslos melden. (Zahl der Entlassungen [1]). Das waren 3.175 oder 7,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Insgesamt 30.973 Kölnerinnen und Kölner konnten im Jahresverlauf 2020 ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Arbeit [2] beenden. Das sind 1.138 oder 3,5 Prozent weniger als im Vorjahr.

Das Kundenzentrum der Agentur für Arbeit Köln, verantwortlich für den Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III), betreute im Jahr 2020 jahresdurchschnittlich 18.725 Kölnerinnen und Kölner. Das sind 5.736 oder 44,2 Prozent mehr als in 2019.

Das Jobcenter Köln, verantwortlich für die Grundsicherung nach dem zweiten Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB II), zählt im Jahresschnitt 36.469 Arbeitslose. Das sind 3.061 Personen oder 9,2 Prozent mehr als 2019.

Die Arbeitslosenquote liegt im Jahresdurchschnitt bei 9,2 Prozent. Sie stieg damit um 1,4 Prozentpunkte gegenüber 2019.

Die Jugendarbeitslosigkeit steigt im Jahresdurchschnitt in beiden Rechtskreisen. Insgesamt waren im vergangenen Jahr 4.012 Kölner unter 25 Jahre arbeitslos, 930 oder 30,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Im Kundenzentrum der Arbeitsagentur (Arbeitslosenversicherung, SGB III) waren mit 1.652 Arbeitslosen unter 25 Jahre im Jahresdurchschnitt 2020 564 oder 51,8 Prozent mehr arbeitslos als 2019.

Im Jobcenter (Grundsicherung, SGB II) waren jahresdurchschnittlich 2.360 arbeitslose Jugendliche gemeldet, 375 oder 18,9 Prozent mehr als 2019.

Die Jugendarbeitslosigkeit steigt im Jahresdurchschnitt in beiden Rechtskreisen. Insgesamt waren im vergangenen Jahr 4.012 Kölner unter 25 Jahre arbeitslos, 930 oder 30,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Im Kundenzentrum der Arbeitsagentur (Arbeitslosenversicherung, SGB III) waren mit 1.652 Arbeitslosen unter 25 Jahre im Jahresdurchschnitt 2020 564 oder 51,8 Prozent mehr arbeitslos als 2019.

Im Jobcenter (Grundsicherung, SGB II) waren jahresdurchschnittlich 2.360 arbeitslose Jugendliche gemeldet, 375 oder 18,9 Prozent mehr als 2019.

Die Arbeitslosenquote der Jugendlichen beträgt 6,6 Prozent, nach 5,2 im Vorjahr. Sie liegt damit um 2,6 Prozentpunkte unter der allgemeinen Arbeitslosenquote von 9,2 Prozent.

Ausbildungsmarkt:

Bei der Agentur für Arbeit meldeten sich im Laufe des Beratungsjahres erneut weniger Bewerber als im Vorjahr. Auch die Zahl der angebotenen Ausbildungsstellen nahm ab.

4.758 gemeldete Bewerber bedeuten ein Minus von 725 Personen oder 13,2 Prozent gegenüber 2019. Die Anzahl der eingeworbenen Ausbildungsstellen nahm mit 5.760 Stellen um 1.348 Stellen oder 19,0 Prozent ab. Damit kamen auf jede Ausbildungsstelle rechnerisch 1,21 Bewerber.

Bedingt durch den Lockdown im Frühjahr waren viele Aktivitäten wie Ausbildungsmessen, Praktika oder Schulsprechstunden der Berufsberatung ausgefallen oder fanden zu einem deutlich späteren Zeitpunkt statt, so dass sich auch Berufswahlentscheidungen, Auswahlgespräche und Einstellungen um einige Wochen verschoben haben. Die Berufsberatung ist weiterhin in der Verlängerung und berät Jugendliche um noch in das bereits gestartete Ausbildungsjahr einzusteigen.


[1] = Zugang Arbeitslose aus Erwerbstätigkeit (Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt)

[2] = Abgang Arbeitslose in Erwerbstätigkeit (Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt)