12.01.2022 | Presseinfo Nr. 2

Der Kölner Arbeitsmarkt im Jahresverlauf 2021

2021: Kurzarbeit sichert Arbeitsplätze
2022: Zukunftsinvestition Weiterbildung

Bilanz 2021

  • Kurzarbeitergeld 2021: 2.155.000 Euro pro Arbeitstag in Köln ausgezahlt
  • Weniger Arbeitslosmeldungen, mehr Einstellungen als im Vorjahr
  • Arbeitslosenquote 9,3 Prozent im Jahresdurchschnitt
  • Mehr Arbeitsstellen: 19.036 Stellenmeldungen
  • im Jahresverlauf, 2.567 mehr als in 2020
  • wachsende Beschäftigung: 591.408 sozialversicherungspflichtig
  • Beschäftigte im Juni 2021

Anfang 2021 befand sich Köln noch in einem harten Lockdown - unter anderem mit Ausgangsbeschränkungen, geschlossenen Einzelhandelsgeschäften, Gastronomie, Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Die andauernde Pandemie hat gerade die Kultur- und Touristenmetropole Köln stark getroffen. Vieles konnte jedoch durch das Instrument der Kurzarbeit aufgefangen werden. So konnten mehr als 70.000 Kölnerinnen und Kölner allein im Januar und Februar durch Kurzarbeit von der drohenden Arbeitslosigkeit verschont werden.   

Mit Beginn des Sommers wurden viele einschränkende Maßnahmen zurückgenommen. Die meisten Branchen, die besonders hart von diesen Maßnahmen betroffen waren, wie der Handel, Gastgewerbe und Dienstleistungssektor konnten sich langsam erholen und die Kurzarbeit beenden.  Andererseits bremsten aber Engpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten (z.B. Halbleiter) die Produktion bei den Industriebetrieben und im Handwerk. Zu erwarten ist, dass diese Engpässe auch 2022 anhalten.

„Der Arbeitsmarkt steht zurzeit besser da, als von vielen Experten erwartet wurde. Die Wirtschaft hat sich über das Jahr hinweg erholt, die Kurzarbeit konnte schrittweise abgebaut werden. Sie wirkt aber auch im Hinblick auf die neuste Pandemieentwicklung weiterhin als Stabilisierung und schützt viele Menschen vor Arbeitslosigkeit.  Ohne die Mittel zur Kurzarbeit hätten viele Unternehmen wirtschaftlich nicht überleben können und hätten die Angestellten entlassen müssen. Wir sind froh, dass die Sonderregelungen zum Kurzarbeitergeld bis März verlängert worden sind“, so Johannes Klapper, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Köln.

Wenn die Beschäftigten während der Kurzarbeit an einer unter bestimmten Voraussetzungen geförderten beruflichen Weiterbildung teilnehmen, werden die Sozialversicherungsbeiträge nun für diese Beschäftigten voll übernommen. „Das ist ein zusätzlicher Anreiz, während der Kurzarbeit die Mitarbeiter zu qualifizieren. Die Unternehmen sollten sich vor Beginn der Qualifizierung mit uns in Verbindung setzen“, so Klapper.

Im Januar bis Dezember 2021 wurden in Köln 3.231 neue Anzeigen auf Kurzarbeitergeld für 45.077 Angestellte gestellt. Im gleichen Zeitraum 2020 waren es noch 16.355 Betriebe mit 212.086 Angestellten.

547 Millionen Euro Kurzarbeitergeld wurden im vergangenen Jahr an die Betriebe ausgezahlt. Das sind knapp 2.155.000 Euro (Zweimillionen-einhundertfünfundfünfzigtausend) pro Arbeitstag.

Seit dem Höhepunkt von 59.855 Arbeitslosen im Januar sanken die Arbeitslosenzahlen kontinuierlich auf aktuell 51.934. Trotz der Krise behielt der Arbeitsmarkt seine Dynamik mit Entlassungen und Einstellungen.

„Jobmotor sind im letzten Jahr die öffentliche Verwaltung, das Gesundheitswesen und der Verkehr gewesen. Deutliche Verluste gab es pandemiebedingt im verarbeitenden Gewerbe, der Metallindustrie und im Gastbewerbe“, so Klapper.

In der Jahressumme mussten sich 38.736 Kölnerinnen und Kölner arbeitslos melden, das sind 6.137 Arbeitslose weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig konnten 34.522 eine neue Beschäftigung auf dem 1. Arbeitsmarkt annehmen, 3.549 mehr als im Vorjahr. Nach dem Krisenjahr 2020 stieg damit die Beschäftigung im letzten Jahr wieder merklich an auf 591.408 Beschäftigte am Arbeitsort Köln (Juni 2021).

Arbeitslose, Arbeitnehmer und Arbeitgeber nutzten die Krise auch für Weiterbildungen. Rund 25 Millionen Euro hat die Kölner Arbeitsagentur dafür im letzten Jahr für 2.300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Verfügung gestellt.

Johannes Klapper: „Wir haben viel dafür geworben, sich gerade in diesen unsicheren Zeiten durch Weiterbildungen die eigene berufliche Zukunft zu sichern. Viele haben unsere Beratungsangebote angenommen, aber es hätten gerne mehr sein können.“ Die Weiterbildung für Beschäftigter und für Arbeitslose wird in den nächsten Jahren weiter erheblich an Bedeutung gewinnen. Es ist das zentrale Thema für alle, die an ihre berufliche Zukunft denken, vor allem für die Betriebe, die sich durch Automatisierung und Digitalisierung auf dem Markt weiterentwickeln. Nicht zuletzt durch die demografische Entwicklung werden Fachkräfte immer knapper und sind am Arbeitsmarkt gut nachgefragt. „Am besten schaffen sich die Betriebe Fachkräfte, indem sie erst einmal ihr vorhandenes Personal dazu aus- und weiterbilden. Das wird ein ganz entscheidendes Instrument für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Betriebe werden. Wir haben gute Angebote und Förderungen auch den Strukturwandel mit Qualifizierungen zu begleiten und entwickeln diese ständig weiter“, erklärt Klapper weiter.

Für das Jahr 2022 stehen ebenfalls 25 Millionen Euro bereit, um die Qualifizierung von Arbeitslosen und Beschäftigten zu fördern.

Ausblick 2022

Die Nachfrage nach qualifizierten Beschäftigten steigt weiter. Die heute schon bestehenden Fachkräfteengpässe werden sich verschärfen, zumal das Erwerbspersonenpotenzial aufgrund der demografischen Entwicklung sinken wird.

„Digitalisierung, Automatisierungen, energiewirtschaftliche Veränderungen (Dekarbonisierung) und der demografische Wandel werden als Megatrends die Zukunft bestimmen. Die Corona-Krise hat einige Transformationsprozesse, zum Beispiel den Onlinehandel und die Arbeit im Homeoffice, bereits beschleunigt“, erklärt Klapper. Viele Berufsbereiche werden sich umstellen müssen, einige Jobs werden verschwinden, andere neu entstehen oder sich weiterentwickeln. Der Trend zu höher qualifizierten Jobs geht weiter. „Ohne eine noch stärkere Förderung von Weiterbildung bei Beschäftigten und Arbeitslosen werden die Transformationsprozesse nicht zu bewältigen sein. Wir stellen uns mit immer neuen digitalen und individualisierten Beratungs-Angeboten und Förderungen von Weiterbildungen darauf ein“, so Johannes Klapper.

Auch die Arbeitsagentur hat im letzten Jahr die digitalen Angebote im eigenen Haus stark erweitert. Seit Jahresanfang können sich Kundinnen und Kunden mit einem Personalausweis mit Online-Ausweisfunktion online arbeitslos melden, können sämtliche Anliegen bequem von zu Hause erledigen. Auch der Arbeitslosengeldantrag ist einfach vom heimischen PC auszufüllen, Hilfe gibt es mit dem Chatbot, dem digitalen Assistenten der Webseite. Auf Wunsch kann auch das Beratungsgespräch persönlich
oder per Videokommunikation durchgeführt werden. Sämtliche Unterlagen sind online im gesicherten Kundenprofil hinterlegt, das auch auf dem Smartphone mit der BA-Mobil App abrufbar ist. Dazu kommen Tools und Tests, um sich auf Beratungsgespräche vorzubereiten und eigene Stärken und Chancen des Berufs- oder Ausbildungswunsches für sich zu entdecken, online Webinare und Informationsveranstaltungen.

Johannes Klapper:“ Bereits vor der Corona Pandemie war die Digitalisierung unserer Angebote ein Top Thema. Während der Pandemie haben wir eine regelrechte „Express-Digitalisierung“ erlebt, um unsere Angebote auch bei nahezu geschlossenen Geschäftsstellen unseren Kundinnen und Kunden anzubieten. Zusätzlich konnten wir durch eine große Kraftanstrengung unserer IT vielen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sichere Möglichkeiten der Homeoffice Anwendung anbieten. Bundesweit arbeiten mittlerweile fast die Hälfte der Beschäftigten in der Pandemiezeit mobil. Dadurch schützen wir einerseits in der Pandemie unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und sichern andererseits so die pünktliche Auszahlung von dringend benötigten Leistungen wie Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld.“

Arbeitsmarktindikatoren im Jahresdurchschnitt 2021 im Detail

Im Jahr 2021 haben 3.231 neue Betriebe bei der Kölner Arbeitsagentur Kurzarbeit angezeigt. Potentiell betroffen von diesen Anzeigen waren im gesamten Jahr 45.077 Personen. Mehrfachzählungen sind bei diesen Anzeigezahlen von Unternehmen und Personen möglich. Die tatsächlich realisierte Kurzarbeit liegt erst nach einer Wartezeit von sechs Monaten vor.

Ende Juni 2021, dem letzten Quartalsstichtag der Beschäftigungsstatistik mit gesicherten Angaben, belief sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf 591.408.  Damit ist die Zahl der Beschäftigten am Arbeitsort Köln so hoch wie vor der Pandemie im Dezember 2019. Gegenüber dem Vorjahresquartal war das eine Zunahme um 11.770 oder 2,0 Prozent.

Nach Branchen gab es absolut betrachtet die stärkste Zunahme bei der öffentlichen Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherungen sowie exterritorialen Organisationen und Körperschaften (+4.000 oder +13,9 Prozent); am ungünstigsten war dagegen die Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe (–2.486 oder –4,6 Prozent).

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nach Wirtschaftsbereichen (Veränderung gegenüber dem Vorjahresquartal absolut, absteigend sortiert; Ende Juni 2021)
Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nach Wirtschaftsbereichen (Veränderung gegenüber dem Vorjahresquartal absolut, absteigend sortiert; Ende Juni 2021)

Der Anteil der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitarbeit steigt um 1,2 Prozent, die Beschäftigung in Teilzeit um 4,2 Prozent.  419.865 Vollzeitbeschäftigungen stehen 171.543 Teilzeitstellen gegenüber. Weit überdurchschnittlich stieg die Zahl der älteren Beschäftigten (55 Jahre bis zur Regelaltersgrenze). Ihre Zahl erhöhte sich um 5.258 oder 5 Prozent auf  111.198.

Köln startete in das Jahr 2021 mit 59.855 Arbeitslosen und beendete es mit 51.934. Das sind 7.921 oder 13,23 Prozent weniger als am Jahresanfang.

Die Zahl der Arbeitslosen lag im Jahresdurchschnitt 2021 bei 56.528. Das sind 1.334 mehr als im Vorjahresvergleich (2,4 Prozent)

Im Jahr 2021 mussten sich 38.736 Menschen arbeitslos melden. (Zahl der Entlassungen [1]). Das waren 6.137 oder 13,7 Prozent weniger als im Vorjahr.

Insgesamt 34.522 Kölnerinnen und Kölner konnten im Jahresverlauf 2021 ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Arbeit [2] beenden. Das sind 3.549 oder 11,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Das Kundenzentrum der Agentur für Arbeit Köln, verantwortlich für den Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III), betreute im Jahr 2021 jahresdurchschnittlich 116.358 Kölnerinnen und Kölner. Das sind 2.368 oder 12,6 Prozent weniger als in 2020.

Das Jobcenter Köln, verantwortlich für die Grundsicherung nach dem zweiten Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB II), zählt im Jahresschnitt 40.170 Arbeitslose. Das sind 3.702 Personen oder 10,2 Prozent mehr als 2020.

Die Arbeitslosenquote liegt im Jahresdurchschnitt bei 9,3 Prozent. Sie stieg damit um 0,1 Prozentpunkte gegenüber 2020.

Die Jugendarbeitslosigkeit sinkt im Jahresdurchschnitt. Insgesamt waren im vergangenen Jahr 3.922 Kölner unter 25 Jahre arbeitslos, 90 oder 2,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Im Kundenzentrum der Arbeitsagentur (Arbeitslosenversicherung, SGB III) waren mit 1.313 Arbeitslosen unter 25 Jahre im Jahresdurchschnitt 2021 339 oder 20,5 Prozent weniger arbeitslos als 2020.

Im Jobcenter (Grundsicherung, SGB II) waren jahresdurchschnittlich 2.608 arbeitslose Jugendliche gemeldet, 249 oder 10,5 Prozent mehr als 2020.

Die Arbeitslosenquote der Jugendlichen beträgt 6,6 Prozent, wie im Vorjahr. Sie liegt damit um 2,7 Prozentpunkte unter der allgemeinen Arbeitslosenquote von 9,3 Prozent.

Ausbildungsmarkt:

Bei der Agentur für Arbeit meldeten sich im Laufe des Beratungsjahres erneut weniger Bewerberinnen und Bewerber als im Vorjahr. Auch die Zahl der angebotenen Ausbildungsstellen nahm ab.

4.536 gemeldete Bewerber bedeuten ein Minus von 222 Personen oder 4,7 Prozent gegenüber 2020. Die Anzahl der eingeworbenen Ausbildungsstellen nahm mit 5.084 Stellen um 676 Stellen oder 11,7 Prozent ab. Damit kamen auf jeden Bewerber rechnerisch 1,12 Ausbildungsstellen.

Bedingt durch die Pandemie waren viele Aktivitäten wie Ausbildungsmessen, Praktika oder Schulsprechstunden der Berufsberatung ausgefallen oder fanden zu einem deutlich späteren Zeitpunkt statt, so dass sich auch Berufswahlentscheidungen, Auswahlgespräche und Einstellungen um einige Wochen verschoben haben. Die Berufsberatung ist weiterhin in der Verlängerung und berät Jugendliche um noch in das bereits gestartete Ausbildungsjahr einzusteigen.


[1] = Zugang Arbeitslose aus Erwerbstätigkeit (Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt)

[2] = Abgang Arbeitslose in Erwerbstätigkeit (Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt)