29.10.2020 | Presseinfo Nr. 38

Gebremster Herbstaufschwung am Kölner Arbeitsmarkt

58.620 Arbeitslose, Arbeitslosenquote: 9,7 Prozent; Mehr Stellenangebote; 14.237 Betriebe haben seit April für 194.630 Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen Kurzarbeit angezeigt.
 

Trotz hoher Arbeitslosenzahlen zeigt sich der Kölner Arbeitsmarkt im Oktober weiterhin robust. „Der übliche Herbstaufschwung ist diesen Monat unter den Pandemiezeichen verhaltener ausgefallen, als sonst, zeigt aber trotzdem Wirkung“, so Johannes Klapper, Vorsitzender der Kölner Agentur für Arbeit.

Nach knapp 1.300 weniger Arbeitslosen im Vormonat sind es im Oktober 814 Arbeitslose weniger als im September. Vor allem Jugendliche konnten in eine Ausbildung vermittelt werden. „Die Betriebe stellen weiterhin Fachkräfte ein und melden uns wieder vermehrt neue Stellen. Es bleibt aber abzuwarten wie sich die Infektionsdynamik weiter entwickelt und wie es den Betrieben gelingt sich auf die Einschränkungen durch die Pandemie weiter einzustellen,“ so Klapper. 

Die Anzeigen zur geplanten Kurzarbeit bei den Betrieben haben im Oktober wieder zugenommen. 122 Betriebe meldeten neu an, dass sie Kurzarbeit für ihre Belegschaft planen. Insgesamt haben seit April 14.237 Betriebe Kurzarbeit angezeigt.

„Die Auszahlung des Kurzarbeitergeldes und das Arbeitslosengeld bleibt in diesen Tagen weiterhin unsere größte Aufgabe. Wir haben viele zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Bearbeitung der Auszahlungen qualifiziert, so dass eine fristgerechte Bearbeitung sichergestellt ist. Zusätzlich werden wir weiterhin neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen,“ erklärt Johannes Klapper. „Wir haben die letzten Monate genutzt und unsere digitalen Angebote stark ausgebaut. Vieles lässt sich für unsere Kunden am schnellsten direkt online erledigen. Wenn es notwendig ist sind auch persönliche Termine nach vorheriger Vereinbarung möglich,“ so Klapper.

Der Arbeitsmarkt im Oktober

Die Zahl der Arbeitslosen sank im Vergleich zum September um 1,4 Prozent oder 814 auf 58.620 Personen. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Arbeitslosen um 11.969 Personen oder 25,7 Prozent.

Die Arbeitslosenquote beträgt im Oktober 9,7 Prozent. Im September lag sie bei 9,8 Prozent, im Vorjahr betrug sie 7,8 Prozent.

Das Kundenzentrum der Agentur für Arbeit, verantwortlich für den Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III), betreute im Oktober 20.737 Personen. Das sind 587 oder 2,8 Prozent weniger als im September und 7.766 Personen oder 59,9 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Das Jobcenter Köln, verantwortlich für die Grundsicherung nach dem zweiten Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB II), zählt im Statistikzeitraum 37.883 Arbeitslose. Das sind 227 Personen oder 0,6 Prozent weniger als im Vormonat und 4.203 Personen mehr als im Oktober 2019 (+12,5 Prozent).

Insgesamt sind seit April 194.630 Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen von Kurzarbeit betroffen gewesen oder befinden noch in Kurzarbeit. Seit April haben 14.237 Betriebe der Arbeitsagentur angezeigt Kurzarbeit nutzen zu wollen.

Die Entwicklung der neuen Anzeigen ist im Oktober wieder gestiegen. Haben sich im September noch 80 neue Betriebe für 746 Angestellte zur Kurzarbeit gemeldet, sind es im Oktober 122 neue Unternehmen für 806 Angestellte gewesen.

Die Unterbeschäftigung – sie erfasst die Zahl der Kölner, die insgesamt eine Beschäftigung suchen, darunter auch die Teilnehmer in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen – ist mit der Zahl der Arbeitslosmeldungen im Vergleich zum Vormonat gesunken und zum Vorjahr gestiegen.

Neben den statistisch ausgewiesenen 58.620 Arbeitslosen suchten in diesem Zeitraum 14.388 Kölnerinnen und Kölner eine Beschäftigung, während sie sich in einer Förderung befanden oder aus anderen Gründen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung standen (Unterbeschäftigung im engeren und Arbeitslosigkeit im weiteren Sinne). Zählt man hierzu noch die Personen in geförderter Selbstständigkeit hinzu, betrug die sogenannte „Unterbeschäftigung“ (einschließlich der arbeitslos gemeldeten, jedoch ohne Personen in Kurzarbeit) im Oktober insgesamt 73.228[1]. Sie lag damit um 627 Personen niedriger als im September. Gegenüber dem Vorjahr Oktober 2019 stieg die Unterbeschäftigung um 10.607 Personen oder 16,9 Prozent. Die Unterbeschäftigungsquote liegt im aktuellen Monat bei 11,9 Prozent, im September lag sie bei 12 Prozent. Im Vorjahr lag sie bei 10,3 Prozent. Der Anteil der Arbeitslosigkeit an der Unterbeschäftigung beträgt im aktuellen Monat 80,1 Prozent nach 80,5 Prozent im Vormonat und 74,5 Prozent im Vorjahr.

Im Oktober mussten sich 3.591 Menschen arbeitslos melden (Zahl der Entlassungen[2]). Das waren 276 Personen oder 8,3 Prozent mehr als im September und 81 oder 2,2 Prozent weniger als im Oktober 2019. Seit Jahresbeginn mussten sich 38.245 Kölnerinnen und Kölner arbeitslos melden. Das sind 2.837 Personen oder acht Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2019.

Im Oktober konnten 3.379 Menschen ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Arbeit[3] beenden. Das sind sechs Personen oder 0,2 Prozent weniger als im September und 293 Personen oder 9,5 Prozent mehr als im Oktober 2019. Seit Jahresbeginnen beendeten 25.107 Kölnerinnen und Kölner ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Arbeit. Das sind 2.075 Personen oder 7,6 Prozent weniger als in 2019.

Ende März 2020, dem letzten Quartalsstichtag der Beschäftigungsstatistik mit gesicherten Angaben, belief sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf 588.877. Gegenüber dem Vorjahresquartal war das eine Zunahme um 9.733 oder 1,7%, nach +11.398 oder +2,0% im Vorquartal. Nach Branchen gab es absolut betrachtet die stärkste Zunahme bei der öffentlichen Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherungen (+3.506 oder +14,2%); am ungünstigsten war dagegen die Entwicklung bei der Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen ohne Arbeitnehmerüberlassung (–1.919 oder –5,1%).

Arbeitgeber meldeten im Oktober 1.626 neue Arbeitsstellen, das waren 123 Stellen oder 8,2 Prozent mehr als im Vormonat. Im Oktober sind damit 5.106 Arbeitsstellen im Bestand, gegenüber September sind das 264 Stellen oder 4,9 Prozent weniger. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 3.059 Stellen weniger (minus 37,5 Prozent). Seit Jahresbeginn sind 13.978 Stellen eingegangen, das ist ein Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 9.630 Stellen oder 40,8 Prozent.

Im Oktober sind vor allem in folgenden Wirtschaftsgruppen freie Arbeitsstellen gemeldet.

[1] Die Datenangaben basieren auf vorläufigen Werten, die auf der Basis der bisher erfassten Fallzahlen hochgerechnet wurden. Endgültige Werte stehen erst nach einer Wartezeit von drei Monaten fest.

In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die nicht als arbeitslos gelten, weil sie Teilnehmer an einer Maßnahme der Arbeitsmarktpolitik oder in einem arbeitsmarktbedingten Sonderstatus sind. Diese Personen werden zur Unterbeschäftigung gerechnet, weil sie für Menschen stehen, denen ein reguläres Beschäftigungsverhältnis fehlt. Es wird unterstellt, dass ohne den Einsatz dieser Maßnahmen bzw. ohne die Zuweisung zu einem Sonderstatus die Arbeitslosigkeit entsprechend höher ausfallen würde. Mit dem Konzept der Unterbeschäftigung werden Defizite an regulärer Beschäftigung umfassender erfasst und realwirtschaftliche bedingte Einflüsse auf den Arbeitsmarkt besser erkannt. Zudem können die direkten Auswirkungen der Arbeitsmarktpolitik auf die Arbeitslosenzahlen nachvollzogen werden.

[2] = Zugang Arbeitslose aus Erwerbstätigkeit (Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt)

[3] = Abgang Arbeitslose in Erwerbstätigkeit (Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt)