29.10.2020 | Presseinfo Nr. 39

Jahresbilanz auf dem Kölner Ausbildungsmarkt 2019/2020

Gemeinsame Pressemitteilung von Agentur für Arbeit Köln, Industrie- und Handelskammer zu Köln, Handwerkskammer zu Köln
 

Agentur für Arbeit Köln:

5.760 gemeldete Ausbildungsstellen
1.348 Stellen oder 19,0 Prozent weniger als im Vorjahr
4.758 gemeldete Bewerber
725 oder 13,2 Prozent weniger als im Vorjahr

Stand zum Berichtsjahresende am 30. September 2020
503 unbesetzte Stellen, 250 Stellen oder 33,2 Prozent weniger unbesetzte Stellen 725 unversorgte Bewerber; 222 Bewerber oder 44,1 Prozent mehr als im Vorjahr

Berufsberatung jetzt im Videochat
Podcast für Bewerberinnen und Bewerber unter Soundcloud.com/job-talks

Industrie- und Handelskammer zu Köln:

3.924 Ausbildungsverträge, 850 Verträge (minus 17,8 Prozent)
Corona-Pandemie setzt dem Ausbildungsmarkt sichtbar zu
Zuwächse im August, September und Oktober sorgen für Lichtblick

Handwerkskammer zu Köln:

In Köln 1.514 neue Ausbildungsverträge, minus 10,84 Prozent
Nachzieheffekt beim Vertragsabschluss

(Alle Zahlen: Stichtag 30. September 2020, Berichtsjahr vom 1. Oktober 2019 bis 30. September 2020)

Die Industrie- und Handelskammer zu Köln, die Handwerkskammer zu Köln und die   Agentur für Arbeit Köln ziehen gemeinsam eine vorläufige Jahresbilanz zum Kölner Ausbildungsstellenmarkt 2019/2020.

Agentur für Arbeit Köln

Bei der Agentur für Arbeit meldeten sich im Laufe des Beratungsjahres erneut weniger Bewerber als im Vorjahr. Auch die Zahl der angebotenen Ausbildungsstellen nahm ab.

4.758 gemeldete Bewerber bedeuten ein Minus von 725 Personen oder 13,2 Prozent gegenüber 2019. Die Anzahl der eingeworbenen Ausbildungsstellen nahm mit 5.760 Stellen um 1.348 Stellen oder 19,0 Prozent ab. Damit kamen auf jede Ausbildungsstelle rechnerisch 1,21 Bewerber.

Am Ende des Berichtsjahres waren 725 Bewerber noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Das sind 222 Bewerber oder 44,1 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Hinzu kommen noch 464 Bewerber, die auch einen Ausbildungsplatz suchen, aber auch schon eine Alternative (weiterer Schulbesuch, Studium, Freiwilligendienst…)  haben, falls es nicht klappen sollte.

Dem gegenüber standen zum Ende des Berichtsjahres noch 503 unbesetzte Ausbildungsstellen. Das sind 250 oder 33,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Für die unversorgten Bewerber ergab sich somit eine rein rechnerische Verteilung von 0,69 Stellen pro Bewerber.

36,4 Prozent Bewerber haben einen mittleren Bildungsabschluss. 35,7 Prozent der als Bewerber gemeldeten Jugendlichen hat die Fachhochschul- oder die Allgemeine Hochschulreife in der Tasche und ein gutes Fünftel (21,2 Prozent) der Bewerber verfügt über einen Hauptschulabschluss.

Besonders gefragt bei den Bewerbern waren die Ausbildungsplätze für Kaufleute - Büromanagement (408 Bewerber), medizinische Fachangestellte (324), Verkäufer (270), Kaufleute im Einzelhandel (258) und Kfz.-mechatroniker (210 Bewerber).

Gemeldete Stellen gab es für Kaufleute – Büromanagement (315 Stellen), Kaufleute im Einzelhandel (314 Stellen), medizinische Fachangestellte (273), Verkäufer (233), Kaufleute –Versicherung (232) und zahnmedizinische Fachangestellte (231 Stellen).

„Auf dem Ausbildungsmarkt sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu spüren. Bedingt durch den Lockdown im Frühjahr sind viele Aktivitäten wie Ausbildungsmessen, Praktika oder Schulsprechstunden der Berufsberatung ausgefallen oder fanden zu einem deutlich späteren Zeitpunkt statt, so dass sich auch Berufswahlentscheidungen, Auswahlgespräche und Einstellungen um einige Wochen verschoben haben. Die diesjährige Ausbildungsbilanz ist daher eine Momentaufnahme. Die Berufsberatung ist aktuell in der Verlängerung und berät Jugendliche auch jetzt noch, um in das bereits gestartete Ausbildungsjahr einzusteigen“, fasst Johannes Klapper, Vorsitzender der Agentur für Arbeit Köln, die Situation auf dem Kölner Ausbildungsmarkt zusammen.

Mit zahlreichen Angeboten wie virtuellen Ausbildungsmessen, Walk & Talk Beratungen an der frischen Luft, telefonische Elternsprechstunden oder Podcast-Angeboten hat die Kölner Arbeitsagentur alternative Formen der Information und Beratung gefunden. Die Podcasts sind unter wwww.soundcloud.com/job-talks zu finden.

Neuestes Produkt ist die Videoberatung, wo Berufsberater und Bewerber auch visuell zueinander finden. Bewerberinnen und Bewerber, die Interesse an einem Videochat haben, können sich telefonisch (montags bis freitags in der Zeit von 14:00 bis 16:00 Uhr unter der Rufnummer: 0221-9429-1555) oder per Mail anmelden. (Koeln.Berufsberatung.171@arbeitsagentur.de) Eine Möglichkeit unkompliziert mit den Kölner Berufsberaterinnen und Berufsberatern in Kontakt zu kommen, bietet die virtuelle Ausbildungsmesse „Berufe live Rheinland Online“ am 12. und 13. November 2020.

Ganz aktuell sind noch über 350 freie Ausbildungsplätze in den folgenden Berufen zu besetzen: Zahnmedizinische Fachangestellte (47 offene Ausbildungsstellen), Pflegefachleute (43), medizinische Fachangestellte (28), Fachinformatiker – Anwendungsentwicklung (14), Kaufleute im Einzelhandel (12), Anlagenmechaniker/in – Sanitär, Heizung, Klimatechnik (11), Verkäufer (10), u.a.

Parallel zur Nachvermittlung ist auch das neue Ausbildungsjahr gestartet. Bewerberinnen und Bewerber, die einen Ausbildungsbeginn im nächsten Jahr anstreben, können jetzt frühzeitig Termine in der Berufsberatung vereinbaren. Freie Ausbildungsstellen nimmt der Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur und des Jobcenters unter der kostenfreien Arbeitgeber-Service-Rufnummer 0800 4 5555 20 oder unter Koeln.Arbeitgeber@arbeitsagentur.de  entgegen.

Industrie- und Handelskammer zu Köln

Corona-Pandemie setzt dem Ausbildungsmarkt sichtbar zu

Über 15 Prozent weniger neue Ausbildungsverträge im IHK-Bezirk als am Vorjahresstichtag – Zuwächse im August, September und Oktober sorgen für Lichtblick

Die Corona-Pandemie setzt dem Ausbildungsmarkt sichtbar zu. Im Bezirk der IHK Köln, also in Köln, Leverkusen, im Rhein-Erft-, dem Rheinisch-Bergischen und dem Oberbergischen Kreis, wurden bis Ende September 7.232 neue Ausbildungsverträge vereinbart, 1.344 Verträge oder 15,7 Prozent weniger als zum Vorjahresstichtag. Unternehmen und Jugendliche sind gleichermaßen verunsichert: Soll man in diesen Zeiten, in diesem Jahr noch in die Ausbildung einsteigen? „Die Antwort auf diese Frage ist ein klares ‚Ja‘“, bekräftigt Christopher Meier, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der IHK Köln. „Aktuell ist das Thema Fachkräftemangel zwar in den Hintergrund gerückt, aber das Problem besteht ja weiter, auch nach der Corona-Krise“, so Meier.

Nachdem der Ausbildungsmarkt im Frühjahr infolge der Corona-Beschränkungen zeitlich um zehn bis zwölf Wochen zurückgeworfen worden war, konnte er in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich aufholen: „Wenn die Bewerbungsverfahren wie sonst üblich laufen können, haben die meisten Betriebe und Jugendlichen in der Regel spätestens im Juli die Verträge unter Dach und Fach. Nicht so in diesem Jahr: Diesmal haben wir noch im August und im September jeweils 12 Prozent neue Verträge mehr registriert als im Vorjahr, auch im Oktober hat sich dieser Trend fortgesetzt“, berichtet der IHK-Geschäftsführer.

Das kann noch bis Ende des Jahres so weitergehen, betont Meier: Junge Leute, die jetzt noch aus einem Nebenjob oder einer berufsvorbereitenden Klasse in eine Ausbildung wechseln, können sich die verspäteten Monate auf die Ausbildung anrechnen lassen. Das gilt für alle, die bis zum 31. Januar 2021 eine Ausbildung beginnen. In gleicher Weise ermuntert der IHK-Geschäftsführer die Unternehmen, noch freie Ausbildungsplätze für 2020 an Agenturen für Arbeit, IHK oder Handwerkskammer zu melden: „Die Chancen, jetzt noch den oder die Richtige für einen Ausbildungsplatz zu finden, sind sehr gut, denn es gibt auch noch mehr Bewerberinnen und Bewerber als sonst.“

Von dem Rückgang auf insgesamt 7.232 Verträge bis Ende September waren besonders die kaufmännischen Berufe betroffen – drei Viertel des Gesamtrückgangs (minus 1.009 Verträge) entfiel auf sie. Bei den gewerblich-technischen Berufsqualifizierungen fiel der Rückgang im Vergleich dazu – mit 335 minus neuen Verträgen – vergleichsweise schwächer aus.

In Köln waren zum Stichtag 30.09.2020 genau 3.924 neue Ausbildungsverträge eingetragen – das sind 850 Verträge (minus 17,8 Prozent) weniger als am 30.09.2019 (4.774 Verträge). Bei den gewerblich-technischen Berufen wurden 190 Verträge weniger vereinbart (1.119 in 2020 gegenüber 1.309 in 2019); bei den kaufmännischen Berufen waren es 2.805 gegenüber 3.465 in 2019.

Innerhalb des IHK-Bezirks kommt der Rhein-Erft-Kreis mit insgesamt 1.252 neuen Ausbildungsverträgen am nächsten an das Vorjahresergebnis heran – hier wurden bis Ende September 5,3 Prozent (minus 70) Verträge weniger vereinbart als zum Vorjahresstichtag. In den anderen Regionen waren die Rückgänge stärker. Leverkusen verzeichnet ein Minus von 118 Verträgen oder 16,1 Prozent auf nun 615 Verträge. Der Oberbergische Kreis registriert einen Rückgang um 18,1 Prozent oder 204 Ausbildungsverhältnisse auf 925 Verträge. Und im Rheinisch-Bergischen Kreis wurden 516 neue Ausbildungsverhältnisse vereinbart, minus 16,5 Prozent oder 102 Verträge weniger.

„Das kann noch besser werden, da geht noch was!“ bekräftigt IHK-Geschäftsführer Christopher Meier und verweist auf die atypischen Zuwächse in den Monaten August, September und Oktober. „Es gibt immer noch viele interessante freie Ausbildungsplätze und an vielen Stellen kompetente und engagierte Unterstützung für Betriebe, Jugendliche und Eltern.“ Die Ausbildungsstellenvermittlung der IHK Köln unterstützt Betriebe und Jugendliche bei Ausbildungsplatzsuche und Bewerbung per WhatsApp (0173 5487517), Mail (ausbildungsvermittlung@koeln.ihk.de ) oder Telefon (0221 1640-6650). Eltern können sich in IHK-Webinaren über das „Abenteuer Ausbildung“ informieren. Kleine und mittelgroße Unternehmen, die durch starke Umsatzeinbrüche oder Kurzarbeit von der Corona-Krise betroffen sind und weiter ausbilden, bekommen eine Ausbildungsprämie, wenn sie die Zahl ihrer Ausbildungsplätze konstant halten oder erhöhen.

Handwerkskammer zu Köln

Im Berufsberatungsjahr 2019/2020 haben die Mitgliedsbetriebe der Handwerkskammer zu Köln im gesamten Kammerbezirk insgesamt 4.790 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das sind 8,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. In Köln weist der Ausbildungsmarkt mit -10,84 % einen leicht über dem Durchschnitt liegenden Wert auf. Im Berichtsjahr 2019/20 wurden im Kölner Stadtgebiet 1.514 Verträge registriert, im Gegensatz zu 1.698 Abschlüssen im Vorjahreszeitraum. Zwei der beliebtesten und zahlenmäßig stärksten Berufe haben dabei deutliche Rückgänge zu verzeichnen: Friseur*innen mit -19,37 % (154 Verträge zu 191 im Vorjahreszeitraum) sowie KFZ Mechatroniker*innen mit -13,95 % (148 Verträge zu 172 im Vorjahr). Erfreulich im Gegenzug die Berufe Maler & Lackierer*innen (+35%, 54 zu 40 Verträgen), als auch der beliebte Beruf des Tischlers/der Tischlerin, welcher konstant geblieben ist (+1,28 %).

Garrelt Duin, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln, zeigt sich angesichts der zurückliegenden Pandemie-Monaten und den nun vorliegenden Zahlen, erleichtert:

„Unser Ausbildungsstellenmarkt in Köln weist im Berichtsjahr zwar ein Minus von 10,84 % aus, was leicht über dem kammerweiten Schnitt von -8,36 % liegt, dieses Minus fällt aber weit weniger gravierend aus, als zu Beginn der Corona-Pandemie befürchtet. Auch konnten wir einen gewissen Nachzieheffekt beim Abschluss und der Einreichung der Ausbildungsverträge feststellen, die uns später als sonst erreicht haben und nach wie vor erreichen. Dies und der Fakt, dass wir derzeit auch noch 59 freie Ausbildungsplätze in Köln zu verzeichnen haben, stimmen ein Stück weit zuversichtlich, dass sich der Ausbildungsmarkt noch weiter konsolidieren wird. Die letzten Monate waren für alle Beteiligten kräftezerrend: Für unsere Betriebe, für angehende Azubis, für die jungen Menschen, die ihre Ausbildung begonnen haben und für die Kolleginnen und Kollegen, die unermüdlich an neuen Formaten gearbeitet haben, um junge Menschen fürs Handwerk zu begeistern. Ihnen allen gilt ganz besonderer Dank.“

Fest steht: In den meisten Berufen im Handwerk ist bis zum Jahresende ein Ausbildungsstart möglich. Interessierte sowie Betriebe, die weiterhin auf der Suche nach geeigneten Auszubildenden sind, wenden sich an die Karrierewerkstatt der Handwerkskammer zu Köln (Tel: 0221-2022-144, WhatsApp: 0151-40152386, ausbildungsvermittlung@hwk-koeln.de ).

Die Beratung erfolgt im persönlichen Gespräch, via Telefon oder Videochat.