09.09.2020 | Presseinfo Nr. 99

PI 099 Studienabschluss mit Hindernissen

• Corona-Pandemie zwingt Julia Müller zur Abschlussprüfung in heimischer Küche und Urkundenverleihung an der holländischen Nordseeküste

„Das war schon ein eigenartiges Gefühl, im feinen Zwirn in der Küche zu sitzen, wo man sonst in Freizeitklamotten das Essen zubereitet“, schmunzelt Julia Müller. Aber an diesem Montag im April war vieles anders. Das Corona-Virus hatte die Abschlussprüfung ihres Masterstudiums im Studienfach „Arbeitsmarktorientierte Beratung“ von der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Mannheim in die heimische Küche nach Wolfenhausen gezwungen. Zwischen Töpfen und Tellern –überdimensionale Flipcharts an der Dachschräge haftend- stand die junge Frau den Dozenten am Laptop über Skype Rede und Antwort. Damit hatte die Teamleiterin der Berufsberatung der Arbeitsagentur in Wetzlar bei Studienbeginn nicht gerechnet. Vier Jahre zuvor, hatte ihr der Arbeitgeber aufgrund ihrer guten Leistungen die Möglichkeit eingeräumt, nach dem Bachelor- nun berufsbegleitend auch ein Masterstudium zu absolvieren. Just mit der Studienzusage, erhielt die begeisterte Tennisspielerin eine weitere freudige Nachricht. „Sie sind schwanger“, war die Botschaft ihres Frauenarztes. „Es war schon eine stressige Zeit, vor allem emotional“, blickt Julia Müller zurück. Job, Studium und Familie galt es, unter einen Hut zu bringen. Dazu immer wieder Studienabschnitte in Mannheim und Schwerin. Vor allem die zeitweise Trennung von ihrer heute 3-jährigen Tochter empfand sie als belastend. „Ohne meinen Mann, meine Eltern und meine Teamleiterkollegin wäre das so nicht machbar gewesen“, erinnert sich die Agenturmitarbeiterin und fügt an: „Das Ganze hat mich aber noch belastbarer gemacht“. Zudem habe ihr die Agentur für Arbeit Limburg-Wetzlar in dieser Zeit die Möglichkeit eingeräumt, durch tageweise Arbeiten im Home-Office Familie und Beruf besser miteinander zu verknüpfen. Damit der erfolgreiche Abschluss nicht an der Elternzeit scheitert, gewährte die Hochschule der jungen Mutter ein Urlaubssemester und verlängerte die Prüfungsfrist.

Virtuelle Übergabe der Urkunde am Strand

Auch die Urkundenübergabe war bemerkenswert und nicht alltäglich. Nicht in der Aula der Hochschule, sondern am Strand der holländischen Nordseeküste in Julianadorp, hat die Absolventin die Laudatio und den Glückwünsch der Hochschulprofessoren jetzt entgegengenommen. „Die Kontaktbeschränkungen ließen keine andere Wahl. Die Masterurkunden haben wir per Post erhalten und wurden dann virtuell überreicht.“ Julia Müller nahm ihre Urkunde kurzerhand mit in den Urlaub und schaltete sich dort mit dem Tablet der Feierstunde zu. Der akademische Hindernislauf hat sich in jeder Hinsicht gelohnt: Die „Masterin of Arts“ schloss das Studium mit der Gesamtnote 1,6 ab.