29.10.2020 | Presseinfo Nr. 111

PI 111 Licht und Schatten auf dem Ausbildungsmarkt an Lahn und Dill

• Zahl der Ausbildungssuchenden hat sich in sechs Jahren annähernd halbiert
• Es gibt noch freie Ausbildungsstellen für dieses Jahr

 

Die Agentur für Arbeit Limburg-Wetzlar hat jetzt für den Lahn-Dill-Kreis eine Bilanz für das Ausbildungsjahr 2019/2020 gezogen. „Trotz der Corona-Pandemie, die seit März erheblich auf den Ausbildungsmarkt eingewirkt hat, verzeichnete der Lahn-Dill-Kreis im zweiten Jahr in Folge mehr gemeldete Ausbildungsstellen, als Bewerber“, berichtete die Vorsitzende der Geschäftsführung, Angelika Berbuir bei der Veröffentlichung der Ausbildungsmarktzahlen. Allerdings seien sowohl die Zahl Stellenmeldungen, als auch der Ausbildungssuchenden jeweils deutlich hinter den Vorjahreswerten zurückgeblieben. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen seien die Auswahlprozesse deutlich schwieriger gewesen, als jemals zuvor. Praktika, die häufig zur Eignungsfeststellung vorgeschaltet werden, kamen kaum mehr zustande. „Berücksichtigt man alle Vorzeichen, hätte es deutlich schlimmer kommen können, auch wenn zum Berichtsjahresende vergleichsweise viele Ausbildungsstellen unbesetzt blieben. Die Befürchtung, dass 2020 ein ‚Corona-Jahrgang‘ entstehenden könnte, ist angesichts von 58 unversorgten Jugendlichen für den Lahn-Dill-Kreis so nicht festzustellen, auch wenn jeder Einzelne ohne einen Ausbildungsplatz einer zu viel ist“, erläuterte die Agenturchefin.

Zahl der Ausbildungssuchenden hat sich in sechs Jahren annähernd halbiert

1.501 Jugendliche suchten von Oktober 2019 bis September 2020 mit Hilfe der Arbeitsagentur und des Jobcenters einen Ausbildungsplatz. Das waren 212 Jugendliche oder 12,4 Prozent weniger, als ein Jahr zuvor. Betrachte man die Entwicklung der letzten sechs Jahre, stünden den Betrieben im aktuellen Berichtsjahr 1.149 Ausbildungsplatzbewerber weniger zur Verfügung, als 2014. Der Bewerberrückgang betrage somit 43,3 Prozent. Eine wesentliche Ursache für den kontinuierlichen Rückgang sei neben dem demografischen Wandel auch das geänderte Bildungsverhalten der jungen Leute, die vermehrt das Abitur anstreben. Dabei erlange man in Hessen auch mit einer abgeschlossenen Ausbildung für viele Studienfächer die Studienberechtigung und könne dann später neben dem abgeschlossenen Studium auch eine Berufsausbildung vorweisen, gab die Arbeitsmarktexpertin zu bedenken. In diesem Jahr seien zudem viele Jugendliche durch die Corona-Lage verunsichert gewesen und hätten sich deshalb sehr frühzeitig für einen weiteren Schulbesuch entschieden. Ähnlich sieht die Situation auf der Angebotsseite aus. 1.635 Ausbildungsstellen meldeten die heimischen Betriebe und Verwaltungen der Arbeitsagentur zur Besetzung: 201 weniger, als im Ausbildungsjahr zuvor (-10,9 Prozent). „Im Mai sah die Lage sogar noch wesentlich prekärer aus. Viele Unternehmen hatten aufgrund der Corona-Pandemie gezögert, dann aber doch noch Vermittlungsaufträge erteilt“, blickt die Agenturchefin zurück.

820 Jugendliche schließen einen Ausbildungsvertrag

Erfreut zeigte sich Berbuir, dass es den Betrieben trotz des Bewerberschwundes und der Pandemie gelungen sei, mit 820 Jugendlichen Ausbildungsverträge zu schließen. Dies waren allerdings 149 weniger als 2019 (-15,4 Prozent). Dass trotz der schwierigen Rahmenbedingungen so viele Integrationen in Ausbildung zustande kamen, sei der Tatsache zu verdanken, dass sich die Unternehmen in Anbetracht der permanent abnehmenden Bewerberzahl zunehmend flexibler zeigten, wenn es um die Nachwuchsgewinnung gehe, zeigte sich Berbuir überzeugt. Sebastian Kleist, Vorstand des kommunalen Jobcenters Lahn-Dill sieht die große Herausforderung der kommenden Jahre darin, Jugendlichen den Übergang aus der Schule in eine Ausbildung zu ermöglichen. „Dabei spielt die Situation der heimischen Betriebe in und nach der Pandemie sowie die Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichen eine große Rolle. Ich bin mir sicher, dass die Schulen und Betriebe, die Agentur für Arbeit Limburg-Wetzlar und das Jobcenter Lahn-Dill mit guter Netzwerkarbeit die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft der Jugendlichen bieten“, so Kleist.

Zum Berichtsjahresende gab es noch 314 freie Lehrstellen in 212 verschiedenen Berufen

381 Ausbildungsplatzsuchende entschieden sich in diesem Jahr mangels Ausbildungsvertrag für eine Alternative, wie beispielsweise eine weiterführende Schule, ein Studium, einen sozialen Dienst oder eine Fördermaßnahme. 242 Bewerber meldeten sich im laufenden Jahr bei der Berufsberatung ab, ohne Gründe dafür mitzuteilen. 58 Ausbildungssuchende blieben zum Stichtag Ende September unversorgt. Dem standen zum Berichtsjahresende 314 unbesetzte Ausbildungsstellen in 212 verschiedenen Berufen gegenüber, die meisten davon im Dachdeckerhandwerk (18). Unbesetzte Ausbildungsplätze in nennenswertem Umfang gab es auch noch für Mechatroniker und Kaufleute für Speditions- und Logistikdienstleistungen. Die Agenturchefin ist zuversichtlich, dass ein Großteil der offenen Stellen und unversorgten Bewerber noch zusammengeführt werden können. Die Berater und Vermittler hätten noch gute Argumente und wirksame Förderinstrumente, um für einen weiteren Ausgleich zu sorgen.