01.10.2021 | Presseinfo Nr. 82

Zsanett Molnar startet durch

• Breitscheiderin sichert sich mit Einstiegsqualifizierung Ausbildungsplatz
• Transland profitiert von Fremdsprachenkenntnissen der neuen Auszubildenden 
 

Karin Hintz und Bettina Friesen ermöglichen den Ausbildungsstart von Zsanett Molnar (von links)
Karin Hintz und Bettina Friesen ermöglichen den Ausbildungsstart von Zsanett Molnar (von links)

„Ich hatte schon die Hoffnung auf einen Ausbildungsplatz aufgegeben“, blickt Zsanett Molnar auf das Frühjahr 2020 zurück. Ende Januar war die junge Rumänin mit noch wenigen Deutschkenntnissen im Rahmen der Familienzusammenführung nach Deutschland eingereist. Da sie sehr gut Rumänisch, Ungarisch und Englisch sprach, suchte sie zusammen mit ihrem deutschen Stiefvater nach einer Ausbildungsstelle als ‚Kauffrau Spedition und Logistikdienstleistung‘ – zunächst allerdings vergebens. Es stellte sich heraus, dass sie viel zu spät ins Rennen um eine Lehrstelle eingestiegen war. Verzweifelt meldete sich die heute 20jährige bei der Berufsberatung der Dillenburger Arbeitsagentur. „Beim Blick in die Unterlagen war klar, wieso es viele Absagen gab“, erinnert sich Berufsberaterin Bettina Friesen. Mit den nicht übersetzten Zeugnissen und auch den geringen Deutschkenntnissen konnten die wenigen Betriebe, die noch Nachwuchs suchten, nichts anfangen.

Berufsberaterin hat die Lösung

Bettina Friesen setzte alles daran, die hochmotivierte junge Frau noch unterzubringen. Obgleich die Haigerer Transland Spedition GmbH im Sommer letzten Jahres schon alle Ausbildungsstellen besetzt hatte, schaute sich die Personalleiterin Karin Hintz die junge Bewerberin an. Die Personalerin war von Zsanetts Engagement und Gewissenhaftigkeit begeistert. Die Berufsberaterin bot der Personalleiterin an, dass Zsanett im Rahmen einer Einstiegsqualifizierung (EQ) ab Herbst zusammen mit den neuen Auszubildenden das erste Ausbildungsjahr absolviert. Das von der Arbeitsagentur getragenen Jahrespraktikum war ein durchschlagender Erfolg. In der Berufsschule schaffte die Rumänin den Notendurchschnitt ‚2‘ und auch in allen Abteilungen der Spedition überzeugte sie. Insbesondere mit ihren Ungarisch-Kenntnissen war sie ihren Kollegen bereits eine große Hilfe. Begeistert war Bettina Friesen, als sie Zsanett jetzt wiedertraf und deren inzwischen nahezu perfekten Deutschkenntnisse bestaunen konnte.

Gute Erfahrung mit EQlern

„Ich freue mich, dass wir Zsanett jetzt direkt nach der EQ ins zweite Ausbildungsjahr übernehmen konnten“, berichtet Karin Hintz. Die Transland-Mitarbeiterin hat bislang gute Erfahrungen mit ‚EQlern‘ gemacht. Von den sieben Teilnehmern der letzten Jahre konnte der Betrieb sechs in Ausbildung übernehmen. Derzeit bildet das Unternehmen 21 Auszubildende und drei dual Studierende aus. Mit einem Augenzwinkern verrät die Personalchefin, dass es in verschiedenen Abteilungen schon Begehrlichkeiten gibt, die junge Breitscheiderin nach Ende der Ausbildung dort einzusetzen.

Hintergrund Einstiegsqualifizierung

Die EQ ist ein Langzeitpraktikum für Ausbildungsbewerber, die bis zum 30. September keine Ausbildungsstelle finden und Jugendliche, die aktuell noch nicht für eine Ausbildung geeignet sind. Der Ablauf orientiert sich an Ausbildungsinhalten anerkannter Ausbildungsberufe. Es handelt sich um ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis bei dem zwischen Betrieb und Teilnehmer ein Vertrag abgeschlossen und eine Vergütung gezahlt wird. Die Unternehmen erhalten von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter einen Zuschuss zur EQ-Vergütung von monatlich bis zu 247 Euro sowie eine Pauschale für Sozialversicherungsabgaben in Höhe von weiteren 124 Euro. Die EQ dauert mindestens sechs bis maximal zwölf Monate. Begleitforschungen belegen, dass bis zu 75 Prozent der Teilnehmenden in eine Ausbildung einmünden. Selbst wenn die Übernahme im gleichen Betrieb nicht möglich ist, erhalten die Jugendlichen ein betriebliches Zeugnis und ein Zertifikat der Kammer über die erfolgreiche EQ-Teilnahme. Damit können sie bei anderen Unternehmen nachweisen, dass sie sich auf die Aufnahme einer Ausbildung im Zielberuf vorbereitet und ihre Ausbildungsfähigkeit unter Beweis gestellt haben. Die Kammern können die EQ-Zeit auf eine Ausbildung anrechnen, wenn die entsprechenden Voraussetzungen dazu vorliegen.

Unternehmen können sich unter der Rufnummer 0800 4 5555 20 beraten lassen. Jugendliche erreichen die Berufsberatung unter 06431 209 200. Informationen zur EQ gibt es zudem im Internet: https://www.arbeitsagentur.de/datei/dok_ba013243.pdf.