29.10.2020 | Presseinfo Nr. 112

PI 112 Corona hinterlässt Spuren auf dem Ausbildungsmarkt

• Zahl der Ausbildungssuchenden ist in acht Jahren um ein Viertel zurückgegangen
• Es gibt noch freie Ausbildungsstellen für dieses Jahr

Die Agentur für Arbeit hat jetzt für den Landkreis Limburg-Weilburg eine Bilanz für das Ausbildungsjahr 2019/2020 gezogen. „Die Corona-Pandemie hat zu einem spürbaren Rückgang bei den gemeldeten Ausbildungsstellen geführt. Erfreulich ist aber, dass dennoch vergleichsweise viele Ausbildungsverträge geschlossen werden konnten“, skizziert die Vorsitzende der Geschäftsführung, Angelika Berbuir, kurz die Entwicklung des Ausbildungsmarktes von Oktober 2019 bis 30. September 2020. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen seien die Auswahlprozesse deutlich schwieriger gewesen, als je zuvor. Praktika, die häufig zur Eignungsfeststellung vorgeschaltet werden, kamen kaum mehr zustande. „Berücksichtigt man alle Vorzeichen, hätte es deutlich schlimmer kommen können, auch wenn zum Berichtsjahresende etliche Ausbildungsstellen unbesetzt geblieben sind.“, so Berbuir weiter.

Zahl der Ausbildungssuchenden ist in acht Jahren um ein Viertel zurückgegangen

Bei den Ausbildungsplatzbewerbern habe der Rückgang in diesem Jahr zumindest gebremst werden können. 1.545 Jugendliche suchten im genannten Zeitraum mit Hilfe der Limburger Arbeitsagentur einen Ausbildungsplatz. Das waren 53 Jugendliche oder 3,3 Prozent weniger, als ein Jahr zuvor. „Auf den ersten Blick erscheint das Ergebnis in unserem Landkreis verglichen mit anderen Regionen recht positiv“, berichtet Berbuir. Betrachte man allerdings die Entwicklung der letzten acht Jahre, stünden den Betrieben im aktuellen Berichtsjahr 508 Ausbildungsplatzbewerber weniger zur Verfügung, als im Jahr 2012. Der Bewerberrückgang betrage somit 24,3 Prozent. Eine wesentliche Ursache für den kontinuierlichen Rückgang sei neben dem demografischen Wandel auch das geänderte Bildungsverhalten der jungen Leute, die vermehrt das Abitur anstreben. Dabei erlange man in Hessen auch mit einer abgeschlossenen Ausbildung für viele Studienfächer die Studienberechtigung und könne dann später neben dem abgeschlossenen Studium auch eine Berufsausbildung vorweisen, gab die Arbeitsmarktexpertin zu bedenken. In diesem Jahr seien zudem viele Jugendliche durch die Corona-Lage verunsichert gewesen und hätten sich deshalb sehr frühzeitig für einen weiteren Schulbesuch entschieden. Deutlich geringer, als im Vorjahr war das Angebot an Lehrstellen. 1.094 Ausbildungsstellen meldeten die heimischen Betriebe und Verwaltungen der Arbeitsagentur zur Besetzung – 173 weniger, als im Ausbildungsjahr zuvor (-13,7 Prozent). „Im Mai sah die Lage sogar noch wesentlich prekärer aus. Viele Unternehmen hatten aufgrund der Corona-Pandemie gezögert, dann aber doch noch Vermittlungsaufträge erteilt“, blickt die Agenturchefin zurück.

738 Jugendliche schließen einen Ausbildungsvertrag

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen seien in diesem Berichtsjahr mit Hilfe der Arbeitsagentur 738 Ausbildungsverhältnisse abgeschlossen worden, sagte Berbuir – 59 weniger als im letzten Ausbildungsjahr (-7,4 Prozent). Es sei aufgefallen, dass sich die ausbildungsbereiten Unternehmen in Anbetracht der veränderten Vorzeichen zunehmend flexibler zeigten, wenn es um die Nachwuchsgewinnung gehe, so die Arbeitsmarktexpertin weiter. Für Bewerber aus der zweiten Reihe gebe es in Form der Assistierten Ausbildung oder ausbildungsbegleitender Hilfen Unterstützung seitens der Arbeitsagentur und des Jobcenters.

Zum Berichtsjahresende gab es noch 186 freie Lehrstellen in 96 verschiedenen Berufen

495 Ausbildungsplatzsuchende entschieden sich in diesem Jahr mangels Ausbildungsvertrag für eine Alternative, wie beispielsweise eine weiterführende Schule, ein Studium, einen sozialen Dienst oder eine Fördermaßnahme. 217 Bewerber meldeten sich im laufenden Jahr bei der Berufsberatung ab, ohne Gründe dafür mitzuteilen. 95 Ausbildungssuchende blieben zum Stichtag Ende September unversorgt. Dem standen zum Berichtsjahresende 186 unbesetzte Ausbildungsstellen in 96 unterschiedlichen Berufen gegenüber, die meisten davon für Fachverkäufer im Bäckereihandwerk (26). Unbesetzte Ausbildungsplätze in nennenswertem Umfang gab es auch noch im Einzelhandel und bei den Anlagenmechanikern in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Die Leiterin der Arbeitsagentur ist zuversichtlich, dass ein Großteil der offenen Stellen und unversorgten Bewerber noch zusammengeführt werden können. Die Berater und Vermittler hätten noch gute Argumente und wirksame Förderinstrumente, um für einen weiteren Ausgleich zu sorgen.