29.10.2020 | Presseinfo Nr. 86

Ausbildungsmarkt zeigt sich trotz Corona stabil

„Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen. Die Corona-Krise wurde in unserer Region nicht zur Ausbildungskrise,“ fasst Horst Eckert, Leiter der Lörracher Arbeitsagentur die diesjährige Bilanz in wenigen Worten zusammen. „Zwar haben wir über 14 Prozent weniger gemeldete Ausbildungsstellen in diesem Jahr, aber auf der anderen Seite auch rund 13 Prozent weniger junge Menschen, die auf der Suche nach einer Ausbildung waren. Das Verhältnis zwischen Bewerbern und Stellen lag deshalb nahezu auf dem Niveau des Vorjahres und zeigt auch trotz Corona weiterhin den Mangel an Ausbildungsinteressierten.“
 

Mehr Ausbildungsstellen als Bewerber

Von Oktober 2019 bis September 2020 wurden im Agenturbezirk Lörrach insgesamt 2748 Berufsausbildungsstellen gemeldet, deutlich weniger als im Vorjahreszeitraum (minus 463).

Seit Beginn des Beratungsjahres am 1. Oktober 2019 haben insgesamt 2033 Bewerber die Ausbildungsvermittlung der Agentur für Arbeit bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle in Anspruch genommen.

War der Ausbildungsmarkt 2010 mit 96 Bewerbern auf 100 Ausbildungsstellen rechnerisch weitestgehend ausgeglichen, so sieht es 10 Jahre später ganz anders aus: Auf 100 Stellen kommen aktuell nur noch 74 Bewerber.

Junge Menschen reagieren verhaltener auf Ausbildung

„Wir nehmen verstärkt Ängste der jungen Menschen wahr, die befürchten, dass ein Unternehmen aufgrund der Pandemie während der Ausbildung in wirtschaftliche Schieflage geraten kann,“ erklärt Eckert. Der Anteil derer, die sich in diesem Jahr für eine weiterführende Schule oder ein Studium entschieden, nahm im Vergleich zum Vorjahr zu. „Diese Sorge können wir nehmen. Die meisten Unternehmen halten trotz der aktuellen Krise an Ausbildung fest und möchten sich für die Zeit danach ihre Fachkräfte sichern.“

Hierbei unterstützt auch das am 01.08.2020 in Kraft getretene Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“. Das Programm unterstützt kleine und mittlere Unternehmen finanziell, die Ausbildungsplatzinteressierten weiterhin eine verlässliche Perspektive geben, in dem sie ihr Ausbildungsniveau halten oder sogar steigern.

Schwieriger Ausgleich am Ausbildungsmarkt

Obwohl es auch im Corona-Jahr viel mehr unbesetzte Ausbildungsstellen als Bewerber gibt, bekommen nicht alle jungen Menschen einen Ausbildungsvertrag. Die Gründe hierfür sind vielschichtig und reichen von fehlender Mobilität, über einen schlechten Schulabschluss bis hin zu nicht passenden Berufsbildern, an die man sich klammert.

Nach wie vor sei auf beiden Seiten ein Umdenken erforderlich: „Wenn Bewerber auch Alternativen jenseits ihres Traumberufes in Erwägung ziehen und Betriebe sich hinsichtlich nicht ganz so guter Kandidaten offen zeigen, bin ich optimistisch, dass in der Nachvermittlungszeit im Herbst noch Ausbildungsverhältnisse zustande kommen“, so Eckert.

Ungleichgewichte am Ausbildungsmarkt erkennen

In einigen Berufen ist die Chance auf eine Ausbildungsstelle deutlich höher als in anderen. So fehlten Bewerber vor allem für Hotel- und Gaststättenberufe sowie für viele Handwerksberufe, zum Beispiel im Lebensmittelhandwerk und im Lebensmittelverkauf (Fleischerei und Bäckerei), in Bau- und baunahen Berufen und im Handel. Im Gegensatz dazu gab es viel weniger Ausbildungsstellen als Bewerber zum Beispiel in der Informatik, in Büroberufen und in der Chemie.

In der Folge dieser Ungleichgewichte waren am 30. September 2019 insgesamt noch 375 Ausbildungsstellen zu vermitteln. Gegenüber dem Vorjahr waren das 174 mehr. Noch unbesetzt waren Ausbildungsstellen im Handel und Verkauf, in Hotel- und Gaststättenberufen, sowie im Lebensmittelhandwerk.

Zeitgleich waren in den Landkreisen Lörrach und Waldshut 65 Bewerber noch suchend.

Erfolgsmodell Berufsausbildung

Ähnlich wie im Vorjahr begannen 2 von 3 Bewerbern (1273, 63 Prozent) eine Berufsausbildung. 18 Prozent der Bewerber (364) haben sich für einen weiteren (Berufs-)Schulbesuch, ein Praktikum oder ein Studium entschieden und 1,6 Prozent (32) für eine geförderte Qualifizierung wie eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme oder eine Einstiegsqualifizierung. Weitere 4,4 Prozent (89) haben eine Arbeit aufgenommen, 2,3 Prozent (46) engagieren sich in gemeinnützigen, sozialen Diensten. 11 Prozent (229) der Bewerber haben keine Angaben zu ihrer Situation gemacht.

Nachvermittlungsaktion im Herbst

Die coronabedingten Einschränkungen im Frühjahr wirken sich mit einem zeitlichen Versatz von 6 bis 8 Wochen aus. Ausbildungsmessen fanden nicht statt, Praktika wurden ausgesetzt und Bewerbungsverfahren wurden nicht wie gewohnt durchgeführt, laufen aber zwischenzeitlich in vielen Fällen online. Die Bilanz zum 30. September bedeutet deshalb nicht das Ende der Vermittlungsaktivitäten. „In diesem Jahr haben es Unternehmen und Ausbildungsplatzsuchende schwerer gehabt zueinander zu finden. Die Chance, bis zum Jahreswechsel noch einen Ausbildungsvertrag abzuschließen, stehen aber gut.“ Eckert appelliert deshalb sowohl an Betriebe, ihre offenen Ausbildungsstellen weiterhin anzubieten, als auch an kurzentschlossene Jugendliche, sich bei der Berufsberatung z.B. per E-Mail unter loerrach.berufsberatung@arbeitsagentur.de zu melden.

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