29.10.2020 | Presseinfo Nr. 32

Arbeitgeber setzen auch im Corona-Jahr auf die Ausbildung eigener Fachkräfte

Die Corona-Pandemie hat seit März nicht nur Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, sondern auch das Ausbildungsjahr 2019/20 mächtig durcheinandergewirbelt. Von einem Tag auf den anderen waren die Schulen plötzlich geschlossen und somit auch der direkte Draht zu den Berufsberatern vor Ort gekappt.

Doch schnelle flexible Lösungen machten es möglich, dass die jungen Frauen und Männer ihre Fragen, Sorgen und Ängste rund um den Start ins Berufsleben bei der Berufsberatung loswerden konnten, denn per Telefonhotline und E-Mail war das Team durchgehend erreichbar. Ebenso wurde im Sommer mit dem Format „Walk & Talk“ die Berufsberatung ins Freie verlegt und bei einem Spaziergang berufliche Wege nach dem Schulabschluss erörtert.

Daher kam es im zurückliegenden Ausbildungsjahr, das die Zeitspanne von Anfang Oktober 2019 bis Ende September 2020 umfasst, sogar zu einem Anstieg von 10 Prozent auf Seiten der Bewerber. 2.835 junge Menschen haben sich bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Ludwigshafen gemeldet, 253 mehr als im Vorjahr. Von diesen sind noch 214 auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz oder einer anderen Alternative. Das sind 24 mehr als im Vorjahr. „Natürlich waren einige Jugendliche anfangs sehr verunsichert, denn so eine Situation, wie wir sie im Frühjahr erlebt haben, war für alle vollkommen neu. Umso erfreulicher ist es, dass die Kommunikationskanäle über Telefon und E-Mail zu uns rege genutzt wurden, und wir dadurch die jungen Menschen weiterhin aktiv auf dem Weg von der Schule ins Berufsleben begleiten konnten“, berichtet Mona Schwab, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit Ludwigshafen. Erfreulich sei auch, dass Arbeitgeber an ihren Ausbildungszusagen, die oft schon Anfang des Jahres getätigt worden waren, festgehalten haben. „Es gab nur ganz wenige Ausbildungsverhältnisse, die dann doch nicht zustande kamen. Aber für die meisten Bewerber konnten wir eine Alternative finden“, erklärt Mona Schwab, die auch noch einmal die Bedeutung einer guten Berufsvorbereitung hervorhebt.

Die Berufswelt gleicht heutzutage einem Dschungel, in dem man leicht den Überblick verliert. Neben einer Ausbildung stehen Jugendlichen noch andere Wege nach der Schule offen, zum Beispiel der Besuch einer weiterführenden Schule oder ein (duales) Studium. Mit 43 Prozent entschied sich die Mehrheit der Bewerber in diesem Jahr allerdings für den Start einer Berufsausbildung. „Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist der wichtigste Grundstein, auf den man aufbauen kann, und der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit. Von den aktuell 16.936 Arbeitslosen haben 58 Prozent keinen Beruf gelernt“, sagt Benjamin Wehbring, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Ludwigshafen.

Wer noch auf der Suche nach einer Lehrstelle ist, hat aktuell gute Chancen. Insgesamt wurden 2.805 Ausbildungsstellen gemeldet, 170 weniger als im Vorjahr. Von diesen sind noch 297 unbesetzt, 192 mehr als vor einem Jahr. „Viele Arbeitgeber mussten bedingt durch die Corona-Krise ihre Auswahlprozesse nach hinten verlegen oder auf komplett neue digitale Formate, zum Beispiel Skype, zurückgreifen. Dadurch haben einige Ausbildungen erst später gestartet, und auch jetzt ist es noch möglich, eine Ausbildung zu beginnen“, meint Mona Schwab.

Folgende Berufe suchen derzeit noch nach ihren passenden Azubis: Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r, Fachverkäufer/in Lebensmittelhandwerk Bäckerei, Kaufmann/-frau für Büromanagement oder für den Einzelhandel, Elektroniker/in für Energie- und Gebäudetechnik sowie Verkäufer/in oder Friseur/in. „Sich über Berufe, an die man vielleicht noch gar nicht gedacht hat, oder Alternativen zu informieren, ist immer eine gute Option, um nach der Schule nicht zu viel Zeit bis zum Start in den neuen Lebensabschnitt verstreichen zu lassen. Daher einfach bei der Berufsberatung melden, sofern das noch nicht geschehen ist. Wir unterstützen gerne auf dem Weg ins Berufsleben“, rät Mona Schwab.

Die Berufsberatung ist unter der kostenlosen Servicehotline 0800 4 5555 00 oder per E-Mail an Ludwigshafen.Ausbildung2020@arbeitsagentur.de erreichbar. Zudem werden gerade die Vorbereitungen für den Einsatz von Videoberatungen getroffen. „Damit kommen wir der persönlicheren Kontaktaufnahme ein Stückchen näher. Ein Beratungsgespräch mit Bild bietet noch einmal ganz andere Möglichkeiten, um die jungen Menschen bei der beruflichen Weichenstellung zu unterstützen“, erklärt Benjamin Wehbring. 

Bilanz der Handwerkskammer der Pfalz (HWK)

Im pfälzischen Handwerk wurden bis zum 30. September 2020 2.290 neu eingetragene Lehrverhältnisse registriert. Dies ist gegenüber dem Vorjahr (2.446) eine Abnahme von rund 6 Prozent. Auf den Agenturbezirk Ludwigshafen entfallen 610 Lehrverträge, das sind im Vergleich zum Vorjahr 100 weniger.

Das laufende Ausbildungsjahr stand im Zeichen der Corona-Krise, die sich auf die Ausbildungsbilanz aller rheinland-pfälzischen Kammerbezirke gleichermaßen niederschlägt. Einer Umfrage zufolge war die überwiegende Mehrheit der pfälzischen Ausbildungsbetriebe auch während der Krise bereit, im gleichen Umfang wie in den Vorjahren auszubilden. Das Handwerk hat sich somit einmal mehr als Stabilitätsanker in der Krise bewährt. Junge Menschen auf den üblichen Kommunikationswegen zu erreichen, war diesen Sommer allerdings fast nicht möglich. Durch die besondere Situation in Verbindung mit fehlenden Berufsorientierungsmaßnahmen, Informationsveranstaltungen in den Schulen oder Ausbildungsmessen haben sich die Ausbildungsvertragsanbahnungen in diesem Jahr um etwa sechs bis acht Wochen verzögert. Der Ausbildungsmarkt war bis Ende September noch stark in Bewegung. Mit verschiedenen – vor allem digitalen - Aktivitäten und Maßnahmen unterstützt die Handwerkskammer der Pfalz die Betriebe und Ausbildungsinteressierte bei der Vertragsanbahnung.

Bilanz der Industrie- und Handelskammer für die Pfalz (IHK)

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) für die Pfalz sind bis Ende September 4.432 neue Ausbildungsverträge eingetragen worden, das ist ein Minus von fast 12 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der verbliebene Rückgang ist im Wesentlichen auf die Auswirkungen der Corona-Krise zurückzuführen. Im Agenturbezirk Ludwigshafen wurden 1.186 neue Verträge registriert, das entspricht einem Minus von rund 11 Prozent.

Die IHK Pfalz erwartet, dass die Zahl der Ausbildungsverträge noch weiter steigt. Im vergangenen Jahr sind immerhin gut acht Prozent der neuen Ausbildungsverträge erst nach dem 1. Oktober eingetragen worden. Die IHK Pfalz weist darauf hin, dass eine Ausbildung jederzeit, auch noch im November oder sogar Dezember beginnen kann.

Die IHK Pfalz unterstützt sowohl Betriebe bei der Azubisuche als auch Jugendliche bei der Ausbildungsplatzsuche.

Entwicklung am Ausbildungsmarkt nach Geschäftsstellen

Geschäftsstelle Ludwigshafen

Im Geschäftsstellenbezirk Ludwigshafen haben sich 1.811 junge Menschen bei der Berufsberatung gemeldet. Das waren 215 mehr als im Vorjahr. Ende September 2020 hatten 137 Jugendliche noch keinen Ausbildungsvertrag oder ein anderes Angebot, 7 mehr als im Vorjahr.

Dem Arbeitgeber-Service wurden von Oktober 2019 bis September 2020 insgesamt 1.814 Ausbildungsplätze gemeldet, 129 weniger als im Vorjahr. 157 Ausbildungsstellen blieben bis Ende September unbesetzt, 95 mehr als vor einem Jahr.

Geschäftsstelle Speyer

Im Geschäftsstellenbezirk Speyer haben 605 junge Menschen das Angebot der Berufsberatung genutzt, 6 weniger als im Vorjahr. Ende September 2020 waren davon 34 noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz oder einer anderen Alternative nach der Schule, das waren 4 weniger als im Vorjahr.

Dem Arbeitgeber-Service wurden von Oktober 2019 bis September 2020 insgesamt 591 Ausbildungsplätze gemeldet, 19 weniger als vor einem Jahr. Von diesen sind noch 108 unbesetzt, 91 mehr als vor einem Jahr.

Geschäftsstelle Frankenthal

Im Geschäftsstellenbezirk Frankenthal haben sich 419 Jugendliche bei der Berufsberatung gemeldet, um Unterstützung bei der Suche nach einer Lehrstelle oder anderen Möglichkeit nach dem Schulbesuch zu erhalten. Das waren 44 mehr als im Vorjahr. Ende September 2020 waren 43 noch unversorgt, also ohne Ausbildungsvertrag oder einer anderen beruflichen Option. Das waren 21 mehr als im Vorjahr.

Dem Arbeitgeber-Service wurden von Oktober 2019 bis September 2020 insgesamt 400 Ausbildungsplätze gemeldet, 22 weniger als vor einem Jahr. 32 Ausbildungsstellen blieben bis Ende September unbesetzt, 6 mehr als vor einem Jahr.