05.08.2021 | Presseinfo Nr. 62

Inklusion beginnt im Kopf

Agentur für Arbeit Lübeck würdigt Ostholsteiner Unternehmen Eskildsen Gartenbau GmbH & Co. KG für vorbildliche Teilhabe.
 

Seit 2016 vergibt die Agentur für Arbeit Lübeck anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung am 03. Dezember Inklusionszertifikate. 2020 musste diese Übergabe Corona-bedingt verschoben werden. Nun wurden die asf gmbh in Lübeck und die Eskildsen Gartenbau GmbH & Co. KG in Malente bei einem persönlichen Termin ausgezeichnet, denn für beide ist die Teilhabe am Arbeitsleben eine Selbstverständlichkeit. 

Talente und Kompetenzen nutzen

„Inklusion ist ein Thema, dass das ganze Jahr von Bedeutung ist und wird bei der zunehmend schwieriger werdenden Stellenbesetzung in den Betrieben eine noch größere Rolle spielen. Inklusion beginnt in den Köpfen von Personalverantwortlichen. Wer sich von möglichen Defiziten abschrecken lässt, sieht die Stärken meist nicht. Egal, ob nach einem Unfall, einer Krankheit oder mit einer angeborenen Behinderung: Wenn Menschen mit Einschränkungen auf dem passenden Arbeitsplatz eingesetzt werden, können sie ihre Talente und Kompetenzen ausspielen. Unsere Auszeichnung soll das bisherige Engagement ausdrücklich würdigen und Dank für die vertrauensvolle Zusammenarbeit zum Wohle der betroffenen Menschen aussprechen. Lassen Sie sich von diesen guten Beispielen motivieren“, appelliert Markus Dusch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Lübeck, an Unternehmen. 

Die Eskildsen Gartenbau GmbH & Co. KG in Malente zeichnet sich besonders durch ihr Engagement bei jungen Menschen aus. In Zusammenarbeit mit dem Bildungsträger integra gGmbH bietet das Unternehmen zum Beispiel Praktika für Förderschüler an und unterstützt sie beim Übergang von der Schule in den Beruf. Sie arbeiten aber auch mit anderen Bildungseinrichtungen und der Kirche zusammen. 

Über ein Praktikum hat auch Marvin Reiter im Mai 2021 eine Einstellung beim Gartenbaubetrieb gefunden. Eine klassische Ausbildung kam für den 19-Jährigen aufgrund einer Lernbeeinträchtigung nicht in Frage. Mit Hilfe der „unterstützten Beschäftigung“ wurde er von der Agentur für Arbeit Lübeck gefördert und durch die integra gGmbH betreut. Schritt für Schritt hat er so wichtige Kenntnisse im Job erlangt und wurde in verschiedenen Betrieben qualifiziert. „Marvin Reiter machte einen guten Eindruck im Bewerbungsgespräch und im Praktikum. Er ist sehr freundlich und immer pünktlich. Das ist wichtig im Umgang mit Kunden und darauf können wir aufbauen. Was er braucht ist ein Mitarbeiter, der sich Zeit nimmt, ihm die Aufgaben erklärt. Und so einen Mitarbeiter, der ihn geduldig anleitet, hat unser Unternehmen glücklicherweise mit unserem Meister Frank Hülß“, erklärt Betriebsinhaber Jan Eskildsen. Marvin Reiter arbeitet ihm auf der Baustelle zu, übernimmt kleine Aufgaben. „Ich arbeite gerne draußen und helfe zum Beispiel beim Pflanzen, Rollrasen und Rasenkanten verlegen oder der Baumpflege. Das Team ist super und die Arbeit macht richtig Spaß. Ich habe meinen Wunschberuf gefunden“, erzählt Reiter. 

„Die Arbeit und der Aufwand mit den jungen Menschen lohnt sich. Man muss die Vorbehalte ablegen. Wenn man ihnen Geduld und Vertrauen entgegenbringt, bringen sie eine Leistung, die sich auch wirtschaftlich rechnet. Sie sind loyale, fleißige und motivierte Mitarbeiter, für die nur einfach eine passende Arbeit gefunden werden muss. Die Begleitung durch die Arbeitsagentur und Bildungseinrichtungen kann ich auch anderen nur empfehlen“, ergänzt Eskildsen. In seinen drei Betrieben - Gartenbau, Gartenpflege sowie Gartenplanung und Verwaltung, - sind insgesamt 25 Arbeitnehmende tätig. Seit Gründung des Unternehmens 1990 bildet er auch regelmäßig Gärtner - Garten- und Landschaftsbau aus. 23 Azubi waren es bereits. Aktuell hat er einen Azubi und stellt 2022 die nächste Nachwuchskraft ein.  

Unterstützungsmöglichkeiten für Betriebe

„Vor der Corona-Pandemie gab es bereits in vielen Bereichen Fachkräfteengpässe. Die Corona-Krise wird enden, der Fachkräftemangel bleibt. Deshalb ist es wichtig, Talente und Potenziale zu identifizieren und zur Sicherung des Fachkräftebedarfs zu nutzen. Menschen mit Behinderungen sind häufig gut qualifiziert und motiviert. Das ist eine Chance für Unternehmen, die händeringend Fachkräfte suchen. Wo es nicht ohne spezielle Unterstützung geht, gibt es fachliche Hilfen und Fördermittel. Lassen Sie sich zu den Möglichkeiten beraten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Arbeitgeber-Services nehmen gerne unter der gebührenfreien Hotline 0800 4 5555 20 Ihre Anfragen entgegen“, wirbt Dusch für die Einstellung. 

Informationen

Weitere Informationen rund um das Thema Inklusion bietet das Internet unter www.arbeitsagentur.de/m/inklusion

Hintergrundinformation zum Arbeitsmarkt

Häufigste Ursache einer Schwerbehinderung ist eine im Lebensverlauf auftretende Erkrankung. Schwerbehinderte Menschen sind daher meist älter. In Folge des demografischen Wandels wird ihre Zahl steigen.

Werden Menschen mit Schwerbehinderung arbeitslos, brauchen sie häufig länger, um diese wieder zu beenden. Im Bezirk der Agentur für Arbeit Lübeck waren im Juli 2021 808 Menschen mit einer Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet, 58 (7,2 Prozent) mehr als noch vor zwei Jahren vor der Corona-Pandemie. Rund 64 Prozent dieser Arbeitslosen werden von den Jobcentern und 36 Prozent von der Arbeitsagentur betreut.

Dabei sind Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitenden verpflichtet, fünf Prozent der Stellen mit Schwerbehinderten zu besetzen. Erfüllen sie diese Quote nicht, wird eine Ausgleichsabgabe fällig. In Lübeck und Ostholstein waren immerhin 1.250 Arbeitsplätze bei der letzten Erhebung unbesetzt. 

Hansestadt Lübeck

In der Hansestadt Lübeck waren im Juli 2021 461 Menschen (+47 oder 11,4 Prozent zu Juli 2019) mit einer Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet und 918 Arbeitsplätze bei der letzten Erhebung unbesetzt. Rund 65 Prozent dieser Arbeitslosen werden vom Jobcenter Lübeck und 35 Prozent von der Arbeitsagentur betreut. 

Kreis Ostholstein

Im Kreis Ostholstein waren Ende Juli 2021 347 Menschen (+11 oder 3,3 Prozent zu Juli 2019) mit einer Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet und 332 Arbeitsplätze bei der letzten Erhebung unbesetzt. Rund 61 Prozent dieser Arbeitslosen werden vom Jobcenter Ostholstein und 39 Prozent von der Arbeitsagentur betreut. 

Junge Menschen

Außerdem suchen rund 100 junge Menschen mit Einschränkung jedes Jahr mit Hilfe der Arbeitsagentur eine Ausbildungsstelle in Lübeck und Ostholstein. 

Ausgaben

2020 hat die Agentur für Arbeit Lübeck 14,8 Millionen Euro für die Teilhabe von Menschen mit einer Behinderung am Arbeitsleben ausgegeben, das waren rund 7 Prozent aller Ausgaben. Hinzu kommen rund eine Million Euro bei beiden Jobcentern.