01.07.2020 | Presseinfo Nr. 60

Leichte Entspannung auf dem Arbeitsmarkt

Arbeitslosigkeit sinkt und Personalbedarfe steigen wieder. Kurzarbeit sichert viele Jobs. Ausbildung sollte nicht aus dem Blick verloren werden.
 

Im Bezirk der Arbeitsagentur Lübeck, der die Hansestadt Lübeck und den Kreis Ostholstein umfasst, waren im Juni 2020 weniger Frauen und Männer von Arbeitslosigkeit betroffen als im Vormonat und mehr als im Vorjahr.

„Es zeigt sich ein Lichtstreifen am Horizont. Die Lockerungen der Corona-Einschränkungen führten dazu, dass auch der Personalbedarf zum Vormonat wieder anstieg, mehr Frauen und Männer eine Beschäftigung aufnehmen konnten und sich weniger Arbeitnehmende aus einer Beschäftigung heraus arbeitslos meldeten. Von den sehr günstigen Bedingungen des Vorjahres sind wir jedoch noch weit entfernt, auch wenn der Abstand geringer wird“, erläutert Markus Dusch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Lübeck.

Kurzarbeit

„Die Kurzarbeit sichert zurzeit viele Jobs. So wird nicht nur Arbeitslosigkeit vermieden, sondern Arbeitsplätze erhalten. Unternehmen können flexibel und schnell den Betrieb wiederaufzunehmen ohne aufwendig nach neuem Fachpersonal suchen zu müssen. Vom 01. März bis 25. Juni sind im Agenturbezirk Lübeck 4.879 Anzeigen zur Kurzarbeit für 50.369 Beschäftigte eingegangen. Damit greifen rund 41 Prozent der Betriebe, die mindestens eine oder einen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten haben, auf dieses Instrument zurück. Wie stark die angezeigte Kurzarbeit tatsächlich genutzt wird, zeigt sich erst später in den Arbeitszeitabrechnungen. Dann steht fest, ob wirklich alle Beschäftigten im Unternehmen verkürzt gearbeitet haben oder nur ein Teil, weil sich zum Beispiel zwischenzeitlich Aufträge ergeben haben oder Vorsorgemaßnahmen gelockert wurden. Für die Abrechnung haben Unternehmen drei Monat Zeit. Im Juli werden die Agenturdaten zur tatsächlichen Inanspruchnahme für den März vorliegen“, ergänzt Dusch.

Die Anzeigen kamen aus den verschiedensten Branchen. Während in einigen Bereichen wie Hotels, Gastronomie, Reisebüros, Tourismus und Einzelhandel (ohne Lebensmittel) die Geschäfte wieder anlaufen, könnten andere wie Messebau, Veranstaltungswesen oder Kulturschaffende noch länger von Kurzarbeit betroffen sein.

Ausbildung und Hotline der Berufsberatung

Durch die Corona-Pandemie hat sich auch der Ausgleich auf dem Ausbildungsmarkt verlangsamt. „Lassen Sie in Ihrer Ausbildungsbereitschaft nicht nach. Wenn Ihr Betrieb zurzeit in Kurzarbeit ist, dürfen Sie dennoch Auszubildende einstellen. Sollte es notwendig sein, kann nach sechs Wochen der Zahlung des Ausbildungsgeldes sogar Kurzarbeitergeld gewährt werden. Unternehmen, die zu lange warten, entgehen möglicherweise die passenden Ausbildungsbewerbungen. Gerne unterstützen wir Sie bei der Suche nach Auszubildenden“, bietet Dusch an. Jugendlichen rät er: „Machen Sie jetzt Ihre Ausbildung im Herbst klar. Uns liegen noch mehr als 1.700 Ausbildungsstellen in vielen Branchen vor, wie zum Beispiel im Baugewerbe, Gesundheitswesen, Handwerk, Handel, Pflege oder verarbeitenden Gewerbe. Unsere Berufsberaterinnen und Berufsberater stehen telefonisch für Gespräche gerne zur Verfügung. Sie helfen Ihnen dabei herauszufinden, welche Berufe zu Ihren Stärken und Talenten passen. Sie unterstützen Sie auch bei der Suche nach Ausbildungsstellen und zeigen bei Bedarf Alternativen auf. Melden Sie sich unter der regionalen Hotline 0451 588-501.“

Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk

Insgesamt waren in Lübeck und Ostholstein 15.644 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet, 612 (3,8 Prozent) weniger als im Vormonat und 2.771 (21,5 Prozent) mehr als im Vorjahresmonat. Einen höheren Bestand an Arbeitslosen gab es zuletzt im Juni 2015. Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen ging um 0,2 Prozentpunkte zum Vormonat zurück und stieg um 1,3 Prozentpunkte zum Vorjahr auf 7,1 Prozent.

Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

Im Rechtskreis SGB III (Betreuung durch die Agentur für Arbeit) lag die Zahl der Arbeitslosen bei 5.585, das sind 443 (7,3 Prozent) weniger als im Vormonat und 1.731 (44,9 Prozent) mehr als im Vorjahr. Die anteilige SGB III‑Arbeitslosenquote betrug 2,5 Prozent.

Im Rechtskreis SGB II (Betreuung durch das Jobcenter) gab es 10.059 Arbeitslose. Das ist ein Minus von 169 (1,7 Prozent) gegenüber Mai 2020. Im Vergleich zum Juni 2019 stieg die Arbeitslosigkeit um 1.040 (11,5 Prozent). Die anteilige SGB II‑Arbeitslosenquote betrug 4,5 Prozent.

Stellenangebote

Im Juni 2020 wurden 780 Stellen neu zur Besetzung angeboten, 282 oder 56,6 Prozent mehr als im Vormonat. Einen Mehrbedarf meldeten alle Wirtschaftsbereiche. Während im Vergleich zum Vorjahr insgesamt 243 oder 23,8 Prozent weniger Arbeitsstellen angeboten wurden, lag die Nachfrage im verarbeitenden Gewerbe, Handel sowie bei öffentlichen Verwaltungen sogar wieder über Vorjahresniveau.

Bei 3.743 Stellen wurden noch Arbeitskräfte gesucht, 85 oder 2,2 Prozent weniger als im Vormonat und 631 oder 14,4 Prozent weniger als im Juni 2019. Einstiegschancen für Arbeitsuchende bieten sich im Gesundheits- und Sozialwesen, Gastgewerbe, Handel, verarbeitenden Gewerbe, Baugewerbe oder der Arbeitnehmerüberlassung.

Unterbeschäftigung

Neben dem gesetzlich definierten Kreis der Arbeitslosen gibt es weitere Menschen, die ohne Beschäftigung sind. Sie werden unter dem Begriff der Unterbeschäftigung erfasst und monatlich veröffentlicht, um den Arbeitsmarkt transparent zu machen. Die Unterbeschäftigung stellt damit das gesamte Defizit an regulärer Beschäftigung dar. Hier werden neben den Arbeitslosen beispielsweise Personen in Qualifizierungsmaßnahmen oder Arbeitsgelegenheiten, Krankgeschriebene, geförderte Existenzgründer oder Arbeitsuchende mit Vorruhestandsregelungen ausgewiesen. Insgesamt 20.340 Personen befanden sich im Juni 2020 in Unterbeschäftigung. Die Zahl der Unterbeschäftigten ist in den letzten zwölf Monaten um 1.600 Personen oder 8,5 Prozent gestiegen. Die Zunahme fällt etwas schwächer aus als bei der Arbeitslosigkeit, weil durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie weniger Personen als üblich mit Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik begannen.

Arbeitsmarkt Regional

Im Vergleich zum Vormonat ging die Arbeitslosigkeit in allen Regionen des Agenturbezirkes zurück und stieg zum Vorjahr an.

Hansestadt Lübeck

In der Hansestadt Lübeck ging die Arbeitslosigkeit wieder unter die 10.000-Grenze zurück. Im Juni 2020 waren 9.959 Arbeitslose gemeldet, 119 (1,2 Prozent) weniger als vor einem Monat und 1.698 (20,6 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Prozentpunkte zum Vormonat zurück und stieg um 1,5 Prozentpunkte zum Vorjahr auf 8,6 Prozent an. Unter den kreisfreien Städten verzeichnet die Hansestadt die niedrigste Quote.

3.206 Arbeitslose und damit 24 (0,7 Prozent) weniger als im Vormonat und 907 (39,5 Prozent) mehr als im Vorjahr waren dem Rechtskreis des SGB III (Betreuung durch die Arbeitsagentur) zuzuordnen. Einen vergleichbaren Bestand an Arbeitslosen gab es zuletzt im Juni 2006.

Beim Jobcenter Lübeck (Rechtskreis SGB II) waren Ende Juni 2020 6.753 Arbeitnehmende arbeitslos gemeldet, das waren 95 (1,4 Prozent) weniger als im Mai 2020 und 791 (13,3 Prozent) mehr als im Juni 2019. Einen vergleichbaren Bestand an Arbeitslosen gab es zuletzt im Juni 2017.

Die Kurzarbeit sichert zurzeit viele Jobs. Vom 01. März bis 25. Juni sind in der Hansestadt Lübeck 2.309 Anzeigen zur Kurzarbeit für 26.558 Beschäftigte eingegangen. Damit greifen rund 42 Prozent der Betriebe, die mindestens eine oder einen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten haben, auf dieses Instrument zurück.

Kreis Ostholstein

Im Kreis Ostholstein wurden verschobene Saisoneinstellungen zu Teil nachgeholt und die Arbeitslosigkeit fiel wieder unter die 6.000-Grenze. Im Juni 2020 waren 5.685 Arbeitslose gemeldet, ein Rückgang von 493 oder 8,0 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr waren 1.073 (23,3 Prozent) Arbeitnehmende mehr von Arbeitslosigkeit betroffen. Die Arbeitslosenquote ging um 0,4 Prozentpunkte zum Vormonat auf 5,4 Prozent zurück (Vorjahr 4,4 Prozent).

2.379 Arbeitslose wurden bei den Arbeitsagenturen in Ostholstein im Rechtskreis des SGB III betreut, 419 (15,0 Prozent) weniger als im Mai 2020 und 824 (53,0 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Einen vergleichbaren Bestand an Arbeitslosen gab es zuletzt im Juni 2007.

Beim Jobcenter Ostholstein (Rechtskreis SGB II) waren 3.306 Arbeitslose gemeldet, das waren 74 (2,2 Prozent) weniger als im Vormonat und 249 (8,1 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Einen vergleichbaren Bestand an Arbeitslosen gab es zuletzt im Juni 2017.

Die Kurzarbeit sichert zurzeit viele Jobs. Vom 01. März bis 25. Juni sind im Kreis Ostholstein 2.570 Anzeigen zur Kurzarbeit für 23.811 Beschäftigte eingegangen. Damit greifen rund 41 Prozent der Betriebe, die mindestens eine oder einen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten haben, auf dieses Instrument zurück.

Südbezirk (Geschäftsstelle Hauptagentur Lübeck und Umgebung)

Im Südbezirk (Geschäftsstelle Hauptagentur Lübeck und Umgebung) der Agentur für Arbeit Lübeck waren im Juni 2020 11.318 Arbeitslose gemeldet. Ihre Zahl ging um 127 (1,1 Prozent) gegenüber dem Vormonat zurück und stieg um 1.955 (20,9 Prozent) gegenüber dem Vorjahreswert an. Die Arbeitslosenquote betrug 7,8 Prozent (Vorjahr 6,5 Prozent). Es meldeten sich 1.535 Personen arbeitslos, 280 oder 15,4 Prozent weniger als im Vormonat und 600 oder 28,1 Prozent weniger als im Vorjahr. 1.668 Personen konnten ihre Arbeitslosigkeit beendeten, 422 oder 33,9 Prozent mehr als im Vormonat und 707 oder 29,8 Prozent weniger als im Vorjahr. 494 neue Stellen wurden im Laufe des Monats angeboten, 159 oder 47,5 Prozent mehr als im Vormonat und 267 oder 35,1 Prozent weniger als im Juni 2019.

Mittelbezirk (Geschäftsstelle Eutin und Umgebung)

Im Mittelbezirk (Geschäftsstelle Eutin und Umgebung) der Agentur für Arbeit Lübeck waren im Juni 2020 2.647 Arbeitslose gemeldet. Ihre Zahl ging um 128 (4,6 Prozent) gegenüber dem Vormonat zurück und stieg um 432 (19,5 Prozent) gegenüber dem Vorjahreswert an. Die Arbeitslosenquote betrug 5,8 Prozent (Vorjahr 4,9 Prozent). Es meldeten sich 385 Personen arbeitslos, 46 oder 10,7 Prozent weniger als im Vormonat und 57 oder 12,9 Prozent weniger als im Vorjahr. 518 Personen haben ihre Arbeitslosigkeit beendeten, 189 oder 57,4 Prozent mehr als im Vormonat und 41 oder 7,3 Prozent weniger als im Vorjahr. 148 neue Stellen wurden im Laufe des Monats angeboten, 55 oder 59,1 Prozent mehr als im Vormonat und 6 oder 4,2 Prozent mehr als im Juni 2019.

Nordbezirk (Geschäftsstelle Oldenburg und Umgebung)

der Agentur für Arbeit Lübeck waren im Juni 2020 1.679 Arbeitslose gemeldet. Ihre Zahl ging um 357 oder 17,5 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück und stieg um 384 oder 29,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr an. Die Arbeitslosenquote betrug 5,3 Prozent (Vorjahr 4,1 Prozent). Dabei meldeten sich 221 Personen arbeitslos, 115 oder 34,2 Prozent weniger als im Vormonat und 92 oder 29,4 Prozent weniger als im Vorjahr. 576 Personen haben ihre Arbeitslosigkeit beendeten, 294 oder 104,3 Prozent mehr als im Vormonat und 175 oder 43,6 Prozent mehr als im Vorjahr. 138 Stellen wurden im Laufe des Monats neu zur Besetzung angeboten, 68 oder 97,1 Prozent mehr als im Vormonat und 18 oder 15,0 Prozent mehr als im Juni 2019.

Ausbildungsmarkt

Seit Beginn des Beratungsjahres im Oktober 2019 nahmen 2.159 Bewerber*innen die Ausbildungsvermittlung der Agentur für Arbeit Lübeck in Anspruch. Das waren 236 (9,9 Prozent) weniger als im letzten Jahr. 977 (+183 oder 23,0 Prozent) Jugendliche suchten aktuell noch eine Stelle.

Von den Betrieben wurden 3.291 Ausbildungsstellen angeboten. Das waren 285 (8,0 Prozent) Stellen weniger als im Vorjahr. Ein vergleichbares Angebot gab es zuletzt im Juni 2017. 1.778 (+203 oder 12,9 Prozent) Stellen sind noch zu besetzten. Rechnerisch kamen damit 1,82 noch offene Stellen auf eine/einen unversorgten Bewerber*in. Im Vorjahr waren es 1,98 Stellen pro Bewerber*in.

„Es ist noch nicht zu spät für den Start im Herbst. Sogar nach den üblichen Ausbildungsterminen am 01. August oder 01. September können Jugendliche noch einsteigen. Werden Sie jetzt aktiv“, macht Dusch Mut. Insbesondere Unternehmen in sogenannten systemrelevanten Branchen, aber auch viele andere Branchen wie das Baugewerbe, Gesundheitswesen, Handwerk, Handel, Pflege oder verarbeitende Gewerbe sind mit Blick auf die Normalisierung der Wirtschaftstätigkeit und künftige Fachkräftebedarfe weiter auf der Suche nach Auszubildenden.

Gesucht werden zum Beispiel Dachdecker*innen, Fachlageristen*innen, Handelsfachwirte*innen, Industrieelektroniker*innen, Pflegefachkräfte oder Verkäufer*innen. Gerne unterstützt die Berufsberatung bei der Berufswahl und der Suche nach der passenden Ausbildungsstelle. Gespräche mit der Berufsberatung können telefonisch unter der Hotline 0451 588-501 oder per E-Mail luebeck.berufsberatung@arbeitsagentur.de vereinbart werden.

Hotline zur Berufsberatung:

0451 588-501

Regionale Hotline für Arbeitnehmende:

0451 588-588