03.09.2020 | Presseinfo Nr. 79

Früher Start aus der Sommerpause

Die Belebung setzt schon etwas früher als üblich ein und die Arbeitslosigkeit zum Vormonat sinkt. Corona-bedingter Anstieg zum Vorjahr bleibt hoch. Betriebe halten Personal mit Kurzarbeit. Endspurt auf dem Ausbildungsmarkt: Jugendliche sollten den Vermittlungstag am 08. September nutzen.
 

Im Bezirk der Arbeitsagentur Lübeck, der die Hansestadt Lübeck und den Kreis Ostholstein umfasst, waren im August 2020 weniger Frauen und Männer von Arbeitslosigkeit betroffen als im Vormonat und mehr als im Vorjahr.

„Die Belebung nach der Sommerpause setzt dieses Jahr schon etwas früher als üblich ein. Es haben bereits im August mehr Frauen und Männer eine Beschäftigung aufgenommen und sich weniger Arbeitnehmende aus einer Beschäftigung heraus arbeitslos gemeldet als im Vormonat und Vorjahresmonat“, führt Steffi Koppitz, Geschäftsführerin Operativ in der Agentur für Arbeit Lübeck, vorsichtig optimistisch aus.

Kurzarbeit

„Dennoch gibt es viele Betriebe, deren Geschäftstätigkeit weiter eingeschränkt ist. Die Kurzarbeit bewährt sich in der Krise und hilft dabei Arbeitsplätze zu erhalten und Fachkräfte zu sichern. Unternehmen können flexibel und schnell den Betrieb wiederaufzunehmen ohne aufwendig nach neuem Fachpersonal suchen zu müssen. Vom 01. März bis 26. August sind im Agenturbezirk Lübeck 4.963 Anzeigen zur Kurzarbeit für 51.250 Beschäftigte eingegangen. Damit greifen rund 42 Prozent der Betriebe, die mindestens eine oder einen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten haben, auf dieses Instrument zurück. Die meisten Anzeigen gingen im April ein. In den letzten Monaten sind deutlich weniger hinzugekommen“, erklärt Koppitz.

Einigen Branchen fällt es leichter die Kurzarbeit wieder zurückzuschrauben, andere werden noch länger Unterstützung benötigen. Der Gesetzgeber hat mit der Verlängerung der Bezugsdauer einen Rahmen dafür geschaffen, den Arbeitsmarkt weiter zu stabilisieren. Wie stark die angezeigte Kurzarbeit tatsächlich genutzt wird, zeigt sich erst in den Arbeitszeitabrechnungen. Dann steht fest, ob wirklich alle Beschäftigten im Unternehmen verkürzt gearbeitet haben oder nur ein Teil, weil sich zum Beispiel zwischenzeitlich Aufträge ergeben haben oder Vorsorgemaßnahmen gelockert wurden. Für die Abrechnung haben Unternehmen drei Monate Zeit. „Nunmehr liegen die Agenturdaten zur Inanspruchnahme für den Monat April vor. 3.546 Betriebe haben für 26.006 Beschäftigte tatsächlich Kurzarbeitergeld erhalten“, ergänzt die Geschäftsführerin Operativ.

Ausbildung und Vermittlungstag am 08. September

Durch die Corona-Pandemie hat sich auch der Ausgleich auf dem Ausbildungsmarkt verlangsamt. Eine Entscheidungshilfe für Unternehmen kann das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ sein. Informationen und Anträge bietet die Internetseite www.arbeitsagentur.de/unternehmen/finanziell/bundesprogramm-ausbildungsplaetze-sichern

„Untersuchungen belegen, dass Menschen ohne Berufsabschluss fünfmal häufiger arbeitslos sind als ausgebildete Fachkräfte. Eine fundierte Ausbildung ist ein wichtiger Grundstein für die berufliche Zukunft. Es gibt auch jetzt noch Chancen auf dem Ausbildungsmarkt. Junge Menschen, die nach der Schule noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, deren geplantes Work-and-Travel-Jahr Corona-bedingt ausfällt oder die festgestellt haben, dass sie statt Studium doch lieber eine Ausbildung machen möchten, sollten den Vermittlungstag der Kammern und der Agentur für Arbeit am 08. September 2020 nutzen. Melden Sie sich über die Internetseite www.ihk-sh.de/vermittlung-hl an und machen Sie jetzt Ihre Ausbildung klar“, rät Steffi Koppitz.

Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk

Insgesamt waren in Lübeck und Ostholstein 15.544 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet, 294 (1,9 Prozent) weniger als im Vormonat und 2.395 (18,2 Prozent) mehr als im Vorjahresmonat. Einen höheren Bestand an Arbeitslosen gab es zuletzt im August 2016. Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen ging um 0,1 Prozentpunkt zum Vormonat zurück und stieg um 1,1 Prozentpunkte zum Vorjahr auf 7,0 Prozent an.

Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

Im Rechtskreis SGB III (Betreuung durch die Agentur für Arbeit) lag die Zahl der Arbeitslosen bei 5.664, das sind 201 (3,4 Prozent) weniger als im Vormonat und 1.576 (38,6 Prozent) mehr als im Vorjahr. Die anteilige SGB III‑Arbeitslosenquote betrug 2,6 Prozent.

Im Rechtskreis SGB II (Betreuung durch das Jobcenter) gab es 9.880 Arbeitslose. Das ist ein Minus von 93 (0,9 Prozent) gegenüber Juli 2020. Im Vergleich zum August 2019 stieg die Arbeitslosigkeit um 819 (9,0 Prozent). Die anteilige SGB II‑Arbeitslosenquote betrug 4,5 Prozent.

Stellenangebote

Im August 2020 wurden 746 Stellen neu zur Besetzung angeboten, 26 oder 3,4 Prozent weniger als im Vormonat und 10 oder 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei 3.806 Stellen wurden noch Arbeitskräfte gesucht, 139 oder 3,8 Prozent mehr als im Vormonat und 531 oder 12,2 Prozent weniger als im August 2019. Einstiegschancen für Arbeitsuchende bieten sich im Handel, Gesundheits- und Sozialwesen, Gastgewerbe, verarbeitenden Gewerbe, Baugewerbe oder der Arbeitnehmerüberlassung.

Unterbeschäftigung

Neben dem gesetzlich definierten Kreis der Arbeitslosen gibt es weitere Menschen, die ohne Beschäftigung sind. Sie werden unter dem Begriff der Unterbeschäftigung erfasst und monatlich veröffentlicht, um den Arbeitsmarkt transparent zu machen. Die Unterbeschäftigung stellt damit das gesamte Defizit an regulärer Beschäftigung dar. Hier werden neben den Arbeitslosen beispielsweise Personen in Qualifizierungsmaßnahmen oder Arbeitsgelegenheiten, Krankgeschriebene, geförderte Existenzgründer oder Arbeitsuchende mit Vorruhestandsregelungen ausgewiesen. Insgesamt 20.037 Personen befanden sich im August 2020 in Unterbeschäftigung. Die Zahl der Unterbeschäftigten ist in den letzten zwölf Monaten um 1.564 Personen oder 8,5 Prozent gestiegen. Die Zunahme fällt etwas schwächer aus als bei der Arbeitslosigkeit, weil durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie weniger Personen als üblich mit Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik begannen.

Arbeitsmarkt Regional

Im Vergleich zum Vormonat ging die Arbeitslosigkeit in allen Regionen des Agenturbezirkes zurück und stieg im Vergleich zum Vorjahr an.

Hansestadt Lübeck

In der Hansestadt Lübeck waren im August 2020 9.907 Arbeitslose gemeldet, 186 (1,8 Prozent) weniger als vor einem Monat und 1.493 (17,7 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Prozentpunkte zum Vormonat zurück und stieg um 1,3 Prozentpunkte zum Vorjahr auf 8,6 Prozent an. Unter den kreisfreien Städten verzeichnet die Hansestadt die niedrigste Quote.

3.261 Arbeitslose und damit 92 (2,7 Prozent) weniger als im Vormonat und 897 (37,9 Prozent) mehr als im Vorjahr waren dem Rechtskreis des SGB III (Betreuung durch die Arbeitsagentur) zuzuordnen. Einen vergleichbaren Bestand an Arbeitslosen gab es zuletzt im August 2006.

Beim Jobcenter Lübeck (Rechtskreis SGB II) waren Ende August 2020 6.646 Arbeitnehmende arbeitslos gemeldet, das waren 94 (1,4 Prozent) weniger als im Juli 2020 und 596 (9,9 Prozent) mehr als im August 2019. Einen vergleichbaren Bestand an Arbeitslosen gab es zuletzt im August 2018.

Die Kurzarbeit sichert zurzeit viele Jobs. Vom 01. März bis 26. August sind in der Hansestadt Lübeck 2.361 Anzeigen zur Kurzarbeit für 27.181 Beschäftigte eingegangen. Damit greifen rund 43 Prozent der Betriebe, die mindestens eine oder einen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten haben, auf dieses Instrument zurück. Nunmehr liegen die Kreisdaten zur Inanspruchnahme für den Monat März vor. 1.057 Betriebe haben für 7.499 Beschäftigte tatsächlich Kurzarbeitergeld erhalten.

Kreis Ostholstein

Im Kreis Ostholstein waren im August 2020 5.637 Arbeitslose gemeldet, ein Rückgang von 108 oder 1,9 Prozent zum Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr waren 902 Arbeitnehmende oder 19,0 Prozent mehr von Arbeitslosigkeit betroffen. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Prozentpunkte zum Vormonat auf 5,3 Prozent zurück (Vorjahr 4,5 Prozent).

2.403 Arbeitslose wurden bei den Arbeitsagenturen in Ostholstein im Rechtskreis des SGB III betreut, 109 (4,3 Prozent) weniger als im Juli 2020 und 679 (39,4 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Einen vergleichbaren Bestand an Arbeitslosen gab es zuletzt im August 2007.

Beim Jobcenter Ostholstein (Rechtskreis SGB II) waren 3.234 Arbeitslose gemeldet, das war 1 Person (0,0 Prozent) mehr als im Vormonat und 223 (7,4 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Einen vergleichbaren Bestand an Arbeitslosen gab es zuletzt im August 2017.

Die Kurzarbeit sichert zurzeit viele Jobs. Vom 01. März bis 26. August sind im Kreis Ostholstein 2.602 Anzeigen zur Kurzarbeit für 24.069 Beschäftigte eingegangen. Damit greifen rund 41 Prozent der Betriebe, die mindestens eine oder einen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten haben, auf dieses Instrument zurück. Nunmehr liegen die Kreisdaten zur Inanspruchnahme für den Monat März vor. 1.125 Betriebe haben für 6.252 Beschäftigte tatsächlich Kurzarbeitergeld erhalten.

Südbezirk (Geschäftsstelle Hauptagentur Lübeck und Umgebung)

Im Südbezirk (Geschäftsstelle Hauptagentur Lübeck und Umgebung) der Agentur für Arbeit Lübeck waren im August 2020 11.327 Arbeitslose gemeldet. Ihre Zahl ging um 184 (1,6 Prozent) gegenüber dem Vormonat zurück und stieg um 1.740 (18,1 Prozent) gegenüber dem Vorjahreswert an. Die Arbeitslosenquote betrug 7,8 Prozent (Vorjahr 6,6 Prozent). Es meldeten sich 1.884 Personen arbeitslos, 691 davon aus einer Erwerbstätigkeit. Das waren 97 oder 12,3 Prozent weniger als im Vormonat und 88 oder 11,3 Prozent weniger als im Vorjahr. 2.074 Personen konnten ihre Arbeitslosigkeit beendeten, 878 davon konnten eine Erwerbstätigkeit aufnehmen. Das waren 176 oder 25,1 Prozent mehr als im Vormonat und 10 oder 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr. 535 neue Stellen wurden im Laufe des Monats angeboten, 20 oder 3,9 Prozent mehr als im Vormonat und 9 oder 1,7 Prozent weniger als im August 2019.

Mittelbezirk (Geschäftsstelle Eutin und Umgebung)

Im Mittelbezirk (Geschäftsstelle Eutin und Umgebung) der Agentur für Arbeit Lübeck waren im August 2020 2.652 Arbeitslose gemeldet. Ihre Zahl ging um 5 (0,2 Prozent) gegenüber dem Vormonat zurück und stieg um 385 (17,0 Prozent) gegenüber dem Vorjahreswert an. Die Arbeitslosenquote betrug 5,8 Prozent (Vorjahr 5,0 Prozent). Es meldeten sich 467 Personen arbeitslos, 199 davon aus eine Erwerbstätigkeit. Das waren 5 oder 2,5 Prozent weniger als im Vormonat und 17 oder 9,3 Prozent mehr als im Vorjahr. 473 Personen haben ihre Arbeitslosigkeit beendeten, 222 davon konnten eine Erwerbstätigkeit aufnehmen. Das waren 18 oder 8,8 Prozent mehr als im Vormonat und 6 oder 2,8 Prozent mehr als im Vorjahr. 106 neue Stellen wurden im Laufe des Monats angeboten, 19 oder 15,2 Prozent weniger als im Vormonat und 3 oder 2,8 Prozent weniger als im August 2019.

Nordbezirk (Geschäftsstelle Oldenburg und Umgebung)

Im Nordbezirk (Geschäftsstelle Oldenburg und Umgebung) der Agentur für Arbeit Lübeck waren im August 2020 1.565 Arbeitslose gemeldet. Ihre Zahl ging um 105 oder 6,3 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück und stieg um 270 oder 20,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr an. Die Arbeitslosenquote betrug 4,9 Prozent (Vorjahr 4,1 Prozent). Dabei meldeten sich 279 Personen arbeitslos, 98 davon aus einer Erwerbstätigkeit. Das waren 58 oder 37,2 Prozent weniger als im Vormonat und 40 oder 29,0 Prozent weniger als im Vorjahr. 375 Personen haben ihre Arbeitslosigkeit beendeten, 173 davon konnten eine Erwerbstätigkeit aufnehmen. Das waren ebenso viele wie im Vormonat und 53 oder 44,2 Prozent mehr als im Vorjahr. 105 Stellen wurden im Laufe des Monats neu zur Besetzung angeboten, 27 oder 20,5 Prozent weniger als im Vormonat und 22 oder 26,5 Prozent mehr als im August 2019.

Ausbildungsmarkt

Seit Beginn des Beratungsjahres im Oktober 2019 nahmen 2.400 Bewerber*innen die Ausbildungsvermittlung der Agentur für Arbeit Lübeck in Anspruch. Das waren 183 (7,1 Prozent) weniger als im letzten Jahr. 607 (+118 oder 24,1 Prozent) Jugendliche suchten aktuell noch eine Stelle.

Von den Betrieben wurden 3.462 Ausbildungsstellen angeboten. Das waren 274 (7,3 Prozent) Stellen weniger als im Vorjahr. Ein vergleichbares Angebot gab es zuletzt im August 2015. 1.204 (+213 oder 21,5 Prozent) Stellen sind noch zu besetzten. Rechnerisch kamen damit 1,98 noch offene Stellen auf eine/einen unversorgten Bewerber*in. Im Vorjahr waren es 2,03 Stellen pro Bewerber*in.

„Auch nach dem üblichen Ausbildungsstart gibt es noch zahlreiche Möglichkeiten. Nutzen Sie jetzt die Chance und melden Sie sich beim Vermittlungstag am 08. September an“, macht Koppitz Mut. Insbesondere Unternehmen in sogenannten systemrelevanten Branchen, aber auch viele andere Branchen wie das Baugewerbe, Gesundheitswesen, Handwerk, Handel, Pflege oder verarbeitende Gewerbe sind mit Blick auf die Normalisierung der Wirtschaftstätigkeit und künftige Fachkräftebedarfe weiter auf der Suche nach Auszubildenden.

Gesucht werden zum Beispiel Augenoptiker*innen, Bachelor of Arts (BA) Handel, Bootsbauer*innen, Feinwerkmechaniker*innen, Kaufleute im Gesundheitswesen, Sattler*innen, Tiefbaufacharbeiter*innen oder Zimmerer/Zimmerinnen. Gerne unterstützt die Berufsberatung bei der Berufswahl und der Suche nach der passenden Ausbildungsstelle oder Alternativen. Gespräche mit der Berufsberatung können telefonisch unter der Hotline 0451 588-501 oder per E-Mail luebeck.berufsberatung@arbeitsagentur.de vereinbart werden.

 

Top 5 der unbesetzten Ausbildungsplätze in der Hansestadt Lübeck:

  • Kaufmann/-frau im Einzelhandel (36)
  • Verkäufer*in (35)
  • Elektroniker*in- Energie-/Gebäudetechnik (31)
  • Fachverkäufer*in -Lebensmittelhandwerk - Fleischerei (21)
  • Anlagenmechaniker*in - Sanitär-/Heiz.-Klimatechnik (20)

 

Top 5 der unbesetzten Ausbildungsplätze im Kreis Ostholstein:

  • Verkäufer*in (60)
  • Kaufmann/-frau im Einzelhandel (51)
  • Koch/Köchin (37)
  • Anlagenmechaniker*in - Sanitär-/Heiz.-Klimatechnik (33)
  • Hotelfachmann/-frau (33)