03.11.2020 | Presseinfo Nr. 90

Bilanz des Berufsberatungsjahres 2019/2020 für Lübeck und Ostholstein

Auswirkungen der Corona-Pandemie zeigen sich auf dem Ausbildungsmarkt. Trotz Rückgängen lag die Zahl der gemeldeten Stellen um mehr als 1.000 über der Zahl der Ausbildungsplatzsuchenden. Verspäteter Eintritt in die Ausbildung 2020 ist noch möglich. Bewerbungen für 2021 sollten jetzt starten

Ohne Vorwarnung brachte die Corona-Pandemie die wirtschaftliche Tätigkeit im Frühjahr weitestgehend zum Erliegen und wirbelte auch den Ausbildungsmarkt durcheinander. Vieles rückte in den Hintergrund oder fiel aus: Bewerbungen, Vorstellungsgespräche, Praktika in Unternehmen, Messen, BiZ-Veranstaltungen, persönliche Gespräche mit den Berufsberaterinnen und Berufsberatern waren nicht wie gewohnt möglich.

„Die Schulen waren geschlossen. Viele Schülerinnen und Schüler wussten nicht, wann und ob sie ihren Abschluss machen können. Die Prioritäten hatten sich verschoben. Die Orientierung fiel jungen Menschen schwer und führte zu einem Rückgang der Bewerberzahlen. Aber auch Unternehmen reagierten verzögert. Es wurden zwar weiterhin Ausbildungsstellen gemeldet, aber weniger als es sonst in den Sommermonaten der Fall war“, erklärt Markus Dusch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Lübeck. „Das Stellenangebot sank auf das Niveau von 2015 und die Nachfrage der Ausbildungsinteressierten auf den Stand von 2012. Dennoch blieb auch in diesem Jahr das Angebot an Ausbildungsstellen höher als die Zahl der bei der Berufsberatung gemeldeten Jugendlichen“, ergänzt er.

„Obwohl das aktuelle Ausbildungsjahr schon längst gestartet ist, können Jugendliche auch jetzt noch mit einer Ausbildung beginnen. Viele Firmen suchen nämlich immer noch nach Azubis für ihre freien Stellen. Junge Menschen, die flexibel und offen für Alternativen sind, haben bis Jahresende noch gute Chancen auf einen Ausbildungsvertrag. Den Stoff müssen die Auszubildenden für die verpassten Monate zwar nachholen, aber das lohnt sich, denn eine fundierte Ausbildung ist ein wichtiger Grundstein für die berufliche Zukunft“, ermutigt Dusch.

„Auch Schulabgängerinnen und Schulabgänger 2021 sollten jetzt schon starten. Viele Jugendliche gehen davon aus, dass es ausreicht, wenn sie sich mit dem Halbjahreszeugnis bewerben, doch in einigen Ausbildungsberufen und dualen Studiengängen wird es längst Zeit, aktiv zu werden. Uns liegen bereits über 1.200 Ausbildungsstellen vor. Die Berufsberatung unterstützt gerne bei der Berufswahl oder der Suche nach Alternativen“, bietet der Agenturleiter an.

Kontakt zur Berufsberatung

Gespräche mit der Berufsberatung können Jugendliche telefonisch unter der regionalen Rufnummer 0451 588-501 oder per E-Mail luebeck.berufsberatung@arbeitsagentur.de vereinbaren.

Entwicklung im Agenturbezirk

Trotz der Corona-Auswirkungen bleibt das Angebot an Ausbildungsstellen das vierzehnte Jahr in Folge höher als die Zahl der bei der Berufsberatung gemeldeten Jugendlichen. Der Arbeitsagentur Lübeck wurden im sogenannten Berufsberatungsjahr, das von Oktober 2019 bis September 2020 dauerte, 3.553 Ausbildungsstellen gemeldet. Das waren 314 oder 8,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. 2.492 Jugendliche haben die Berufsberatung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz eingeschaltet, 175 oder 6,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit standen rein rechnerisch jedem Jugendlichen 1,43 Ausbildungsstellen (Vorjahr 1,45) zur Verfügung. Am Ende des Beratungsjahres waren noch 280 Bewerber*innen auf der Suche und 596 Stellen nicht besetzt; rechnerisch waren das 2,13 Ausbildungsstellen je Jugendlichem.

Karriereperspektiven mit Lehre

In den nächsten Jahren gehen die Babyboomer-Jahrgänge in Rente und die Fachkräftebedarfe steigen. Betriebliche Ausbildung bietet oft gute Verdienstmöglichkeiten und hervorragende Karrierechancen. „Dennoch entscheiden sich viele Jugendliche für einen weiterführenden Schulbesuch. Sie bleiben damit in einem Umfeld, das sie kennen und streben einen höheren Schulabschluss an. Dabei kann man bereits mit einer erfolgreich abgeschlossenen Berufsausbildung einen höheren allgemeinbildenden Abschluss erreichen. Auch für Abiturienten bietet eine anspruchsvolle Ausbildung oder ein duales Studium gute Karriere- und Verdienstmöglichkeiten. Informieren Sie sich bei der Berufsberatung zu den Möglichkeiten, direkt beruflich durchzustarten“, rät Markus Dusch.

Alternativen für Ausbildungssuchende 2020

Durch die Corona-Pandemie wurden die Ausgleichsprozesse stark verlangsamt. „Für die Jugendlichen, die noch keine Ausbildungsstelle gefunden haben, gehen die Vermittlungsbemühungen selbstverständlich weiter. Neben der Vermittlung in Ausbildung werden gemeinsam mit den jungen Menschen auch Alternativen wie zum Beispiel Einstiegsqualifizierungen gesucht. Während des Langzeitpraktikums können sich die Jugendlichen beweisen und den Betrieb von ihren Stärken überzeugen“, so Dusch.

Angebote für Unternehmen

„Denken Sie auch an morgen! Nach der Krise werden Fachkräfte dringend gebraucht. Halten Sie Ihre Ausbildungskapazitäten jetzt weiter aufrecht. Eine Entscheidungshilfe kann das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ sein. Geben Sie auch jungen Menschen mit Ecken und Kanten eine Chance. Unsere Erfahrung zeigt, dass Zeugnisnoten nicht alle Fähigkeiten der Jugendlichen wiederspiegeln. Bei Bedarf können wir zum Beispiel mit „ausbildungsbegleitenden Hilfen“ - unserem kostenfreien Angebot an zusätzlichem Unterricht und sozialpädagogischer Begleitung – unterstützen. Gerne informiert Sie der Arbeitgeber-Service zu den Möglichkeiten“, bietet Dusch Unternehmen an.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die von der Corona-Krise betroffen sind, können eine Ausbildungsprämie beantragen. Es werden Ausbildungsverhältnisse gefördert, die im Zeitraum von 01.08.2020 bis 15.02.2021 beginnen. Informationen und Anträge zum Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ bietet die Internetseite www.arbeitsagentur.de/unternehmen/finanziell/bundesprogramm-ausbildungsplaetze-sichern

Daten für die Hansestadt Lübeck

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie zeigen sich in der Hansestadt Lübeck deutlich. Es wurden 1.909 Ausbildungsstellen zur Besetzung angeboten, 253 oder 11,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Ein niedrigeres Angebot gab es zuletzt 2013. Gleichzeitig haben 1.489 Bewerber*innen die Berufsberatung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz eingeschaltet, 136 oder 8,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Eine niedrigere Nachfrage gab es zuletzt 2012. Rein rechnerisch standen jedem Jugendlichen 1,28 Ausbildungsstellen zur Verfügung (Vorjahr 1,33). Am Ende des Beratungsjahres waren noch 184 Bewerber*innen auf der Suche und 304 Stellen nicht besetzt.

Daten für den Kreis Ostholstein

Der Rückgang an gemeldeten Stellen und Ausbildungsinteressierten fiel im Kreis Ostholstein etwas moderater aus. Es wurden 1.644 Ausbildungsstellen zur Besetzung angeboten, 61 oder 3,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Ein niedrigeres Angebot gab es zuletzt 2017. 1.003 Bewerber*innen haben die Berufsberatung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz eingeschaltet, 39 oder 3,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Eine niedrigere Nachfrage gab es zuletzt 2018. Rein rechnerisch standen jedem Jugendlichen wie im Vorjahr 1,64 Ausbildungsstellen zur Verfügung. Am Ende des Beratungsjahres suchten noch 96 Bewerber*innen einen Ausbildungsplatz und 292 Stellen waren nicht besetzt.

Berufe

Rund ein Drittel aller Ausbildungsstellen wurden für Berufe in den Bereichen kaufmännische Dienstleistungen, Handel/Verkauf, Vertrieb sowie Tourismus/Hotel- und Gastgewerbe (1.205) angeboten. Ein weiterer Schwerpunkt lag in Berufen der Produktion und Fertigung (771). In den Berufskategorien Gesundheit/Soziales wurden 300 und in Bauberufen 353 Ausbildungsplätze bereitgestellt. Dabei gab es auch Bereiche, die mehr Ausbildungsstellen anboten als im Vorjahr, wie zum Beispiel Landwirtschaft, Handel, Verkauf und Herstellung von Lebensmitteln, Bau oder Fahrzeugführung.

Auch bei den Jugendlichen zeigte sich eine Präferenz für Dienstleistungsberufe (631) sowie Fertigungsberufe (527). Für das Berufsfeld Gesundheit/Soziales interessierten sich 292 und für Bauberufe 209 Bewerber*innen.

Top 10 der Berufswünsche

Nach wie vor konzentrieren sich 55,2 Prozent der 956 Bewerberinnen und 38,3 Prozent der 1.536 Bewerber auf zehn Berufe, die nahezu unverändert zum Vorjahr sind.

Bewerberinnen:

  • Medizinische Fachangestellte
  • Verkäuferin
  • Kauffrau – Büromanagement
  • Kauffrau im Einzelhandel
  • Zahnmedizinische Fachangestellte
  • Verwaltungsfachangestellte
  • Tiermedizinische Fachangestellte
  • Friseurin
  • Industriekauffrau
  • Veranstaltungskauffrau

Bewerber:

  • Verkäufer
  • Kfz-Mechatroniker
  • Kaufmann im Einzelhandel
  • Kaufmann – Bürokommunikation
  • Fachlagerist
  • Fachinformatiker – Anwendungsentwicklung
  • Elektroniker – Energie-/Gebäudetechnik
  • Tischler
  • Zimmerer
  • Fachinformatiker – Systemintegration

Struktur der Bewerbenden

Es haben sich insbesondere weniger junge Frauen (-12,5 Prozent) als im Vorjahr bei der Berufsberatung für eine Ausbildungsstelle gemeldet, während es bei jungen Männern einen moderateren Rückgang gab (-2,5 Prozent). Entsprechend ist der Anteil weiblicher Bewerbenden von 40,9 auf 38,4 Prozent gesunken und bei den männlichen Bewerbenden von 59,1 auf 61,6 Prozent gestiegen.

320 junge Menschen hatten eine ausländische Nationalität. Das waren 4 (-1,2 Prozent) weniger als im Vorjahr. Ende des Berichtsjahres suchten 49 noch eine Ausbildung, 6 oder 10,9 Prozent weniger als letztes Jahr.

Der Anteil der gemeldeten Jugendlichen, die im aktuellen Berichtsjahr 2020 die Schule verlassen haben, ist auf 40,5 Prozent zurückgegangen. Entsprechend ist auch der Anteil von jüngeren Bewerber*innen auf 52,5 Prozent gefallen. 25,1 Prozent der Ausbildungssuchenden waren jünger als 18 Jahre und 27,4 Prozent waren 18 beziehungsweise 19 Jahre alt.

Die überwiegende Zahl der Jugendlichen, die sich bei der Berufsberatung meldeten, hatte einen Ersten allgemeinbildenden Schulabschluss (ehemals Hauptschule 36,0 Prozent) oder einen Mittleren Schulabschluss (ehemals Realschule 35,2 Prozent). Eine Fachhochschul- oder Hochschulreife besaßen 21,3 Prozent.

Verbleib der Bewerbenden

42,4 Prozent der jungen Menschen, die mit Hilfe der Arbeitsagentur eine Ausbildungsstelle gesucht haben, mündeten in eine Berufsausbildung ein. Die anderen Jugendlichen haben mit einem Schulbesuch, Studium, Freiwilligendienst (12,0 Prozent) sowie einer Fördermaßnahme (2,6 Prozent) begonnen, sich arbeitslos gemeldet (7,6 Prozent) oder selbst eine Ausbildung, Beschäftigung oder Alternative (24,0 Prozent) gefunden.