26.11.2020 | Presseinfo Nr. 95

Hürden überwinden und Potenziale nutzen

Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung am 03. Dezember wirbt für Inklusion

Eine Schülerin aus Schleswig-Holstein fand die Bezeichnung ihres Schwerbehindertenausweises nicht passend und hat ihn in Schwer-in-Ordnung-Ausweis umbenannt. Damit hat sie viel Aufmerksamkeit gewonnen und vor kurzem sogar die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten. „Sie zeigte damit eindrucksvoll, dass wir mehr dahin kommen müssen, die Potenziale und Talente aller Menschen in den Mittelpunkt zu rücken. Entscheidend ist ein Bewusstseinswandel, dass behindert nicht automatisch leistungsgemindert heißt“, erklärt Markus Dusch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Lübeck.

Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung

„Anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung am 03. Dezember hätten wir gerne wieder Inklusionszertifikate an vorbildliche Betriebe in unserem Bezirk vergeben. Aufgrund der aktuellen Corona-Einschränkungen verschieben wir diese persönliche Übergabe der Auszeichnung. Dennoch liegt mir das Thema sehr am Herzen und ich möchte es ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken, um so für mehr Arbeitsmarkt-Integration zu werben“, ergänzt Dusch.

Gerade jetzt während der Corona-Pandemie haben es Menschen mit einem Handikap im Vergleich zu nicht behinderten Menschen doppelt schwer, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Sie müssen oft mit Vorbehalten kämpfen. „Am richtigen Arbeitsplatz eingesetzt, sind behinderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Gewinn für das Unternehmen. Sie sind oftmals gut ausgebildet, motiviert und leistungswillig. Wir engagieren uns dafür, dass sich jeder Mensch ideal auf dem Arbeitsmarkt einbringen kann. Wo es nicht ohne spezielle Unterstützung geht, gibt es fachliche Hilfen und Fördermittel, über die wir gerne aufklären“, ergänzt der Agenturchef.

Hartnäckige Vorbehalte halten viele Unternehmen davon ab, Menschen mit einer Behinderung einzustellen.

Zu einem der häufigsten Missverständnisse gehört die Unkündbarkeit

Auch schwerbehinderte Menschen sind kündbar. In den ersten sechs Monaten des Beschäftigungsverhältnisses besteht kein besonderer Kündigungsschutz. Danach bedarf die Kündigung der Zustimmung des zuständigen Integrationsamtes. Dabei wird geprüft, ob es Möglichkeiten gibt, um das Beschäftigungsverhältnis gegebenenfalls zu erhalten. Sollten die Bedingungen für den Arbeitgeber nicht zumutbar sein, wird nicht am Beschäftigungsverhältnis festgehalten. Auch bei verhaltensbedingten Gründen oder vertragswidrigen Pflichtverletzungen besteht kein besonderer Kündigungsschutz.

Ein weiteres Vorurteil besteht in der häufigeren Erkrankung und eingeschränkter Leistungsfähigkeit

Alle Erfahrungen zeigen, dass sich die krankheitsbedingten Fehlzeiten von behinderten Menschen nicht von anderen Mitarbeitern unterscheiden. Menschen mit Handikap kennen ihre Belastungsgrenzen und sind meist gut auf ihre Behinderung eingestellt. Die körperlichen Defizite sind zudem häufig zum Beispiel durch Hörgeräte, besondere Bildschirme oder angepasste Tische ausgeglichen.

Auch der Kostenaspekt wird oft genannt

Die meisten Behinderungen stellen überhaupt keine besonderen Anforderungen an den Arbeitsplatz. Nicht selten reichen bereits organisatorische Maßnahmen aus, um eine behindertengerechte Anpassung umzusetzen. Sofern eine behindertengerechte Einrichtung oder der Umbau des Arbeitsplatzes notwendig ist, fördern die Träger der beruflichen Rehabilitation sowie das Integrationsamt auf Antrag die erforderlichen Maßnahmen.

Und für jeden beschäftigten schwerbehinderten Menschen spart der Betrieb zusätzlich die Ausgleichsabgabe. Angerechnet werden können auf diese Arbeitsplätze neben schwerbehinderten Menschen auch ihnen Gleichgestellte. Das sind Menschen, die einen Grad der Behinderung von mindestens 30 und weniger als 50 haben.

Unterstützungsmöglichkeiten

Die Einstellung von schwerbehinderten Menschen kann die Agentur für Arbeit oder der jeweilige berufliche Rehabilitationsträger unter bestimmten Voraussetzungen mit Zuschüssen fördern. „Nutzen Sie dieses Potenzial und lassen auch Sie sich zu den Möglichkeiten beraten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Arbeitgeber-Service nehmen gerne unter der gebührenfreien Hotline 0800 4 5555 20 Ihre Anfragen entgegen“, wirbt Dusch für die Einstellung.

Informationen

Weitere Informationen rund um das Thema Inklusion bietet das Internet unter www.arbeitsagentur.de/m/inklusion

Hintergrundinformation zum Arbeitsmarkt

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Lübeck waren Ende Oktober 2020 836 Menschen mit einer Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet. Dabei sind Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitenden verpflichtet, fünf Prozent der Stellen mit Schwerbehinderten zu besetzen. Erfüllen sie diese Quote nicht, wird eine Ausgleichsabgabe fällig. In Lübeck und Ostholstein waren immerhin 1.175 Arbeitsplätze bei der letzten Erhebung unbesetzt. Rund 64 Prozent dieser Arbeitslosen werden von den Jobcentern und 36 Prozent von der Arbeitsagentur betreut.

Hansestadt Lübeck

In der Hansestadt Lübeck waren Ende Oktober 2020 485 Menschen mit einer Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet und 857 Arbeitsplätze bei der letzten Erhebung unbesetzt. Rund 67 Prozent dieser Arbeitslosen werden vom Jobcenter Lübeck und 33 Prozent von der Arbeitsagentur betreut.

Kreis Ostholstein

Im Kreis Ostholstein waren Ende Oktober 2020 351 Menschen mit einer Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet und 318 Arbeitsplätze bei der letzten Erhebung unbesetzt. Rund 59 Prozent dieser Arbeitslosen werden vom Jobcenter Ostholstein und 41 Prozent von der Arbeitsagentur betreut.

Junge Menschen

Außerdem suchen rund 120 junge Menschen mit Einschränkung jedes Jahr mit Hilfe der Arbeitsagentur eine Ausbildungsstelle in Lübeck und Ostholstein.

Ausgaben

2019 hat die Agentur für Arbeit Lübeck 14,7 Millionen Euro für die Teilhabe von Menschen mit einer Behinderung am Arbeitsleben ausgegeben, das waren rund 12 Prozent aller Ausgaben. Hinzu kommen rund eine Million Euro bei beiden Jobcentern.