31.03.2022 | Presseinfo Nr. 29

Hansestadt Lübeck: Arbeitsmarkt erholt sich vom Corona-Einbruch

Kurzarbeit sicherte 2021 insbesondere in der ersten Jahreshälfte viele Existenzen. Arbeitslosigkeit geht wieder zurück. Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung steigt weiter. Bekannte Herausforderungen, wie die Sicherung des Fachkräftebedarfes, rücken wieder verstärkt in den Vordergrund.
 

Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt war auch 2021 von der Corona-Pandemie geprägt. Insbesondere in der ersten Jahreshälfte konnten mit Hilfe der Kurzarbeit Arbeitsplätze erhalten und Fachkräfte gesichert werden. Im Laufe des Jahres wurde Kurzarbeit teilweise auch in Anspruch genommen, weil Firmen von den indirekten Folgen der Pandemie (Lieferengpässe von Rohstoffen und Vorprodukten) betroffen waren.

„Mit Lockerung der Corona-Eindämmungsmaßnahmen im Frühsommer startete auch der Arbeitsmarkt wieder durch und insbesondere Ostholstein konnte als beliebtes Urlaubsgebiet vom verstärkten Tourismus profitieren. Die Personalnachfrage stieg, die Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit gingen zurück und die Beschäftigung nahm weiter zu. Die Folgen der Corona-Krise werden zunehmend kleiner und die Arbeitslosigkeit ist im Agenturbezirk zum Ende des Jahres bereits wieder so niedrig wie vor über 40 Jahren. Sorgen bereitet uns dabei allerdings die Langzeitarbeitslosigkeit, die immer noch deutlich erhöht ist“, erläutert Markus Dusch, Vorsitzender der Geschäftsführung in der Agentur für Arbeit Lübeck.

„Die weitere Entwicklung ist aktuell schwierig einzuschätzen. Während die Zeichen in Deutschland grundsätzlich auf wirtschaftliche Erholung nach dem Pandemie-Winter stehen, überschattet der russische Angriff auf die Ukraine die weiteren Aussichten. Wirtschaftliche Auswirkungen können sich unter anderem auf die Handelsverflechtungen, die Energieversorgung, Fluchtmigration und über eine steigende Unsicherheit ergeben. Auch das weitere Infektionsgeschehen und die daraus resultierenden Einschränkungen der wirtschaftlichen Tätigkeit können den Aufwärtstrend wieder dämpfen. Ich gehe jedoch davon aus, dass die Lübecker Bucht auch 2022 vom innerdeutschen Tourismus profitieren und wie im letzten Jahr für eine steigende Personalnachfrage sorgen wird“, so Dusch.

„Bekannte Herausforderungen, wie Fachkräfteengpässe, demografischer Wandel, Digitalisierung und Strukturwandel, beschäftigen uns während der Pandemie und werden sich in den nächsten Jahren noch weiter verstärken. Deshalb müssen wir gemeinsam alle Potenziale nutzen. Neben der Qualifizierung von Arbeitslosen und Beschäftigten gehören die aktive Teilnahme Älterer am Erwerbsleben, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Integration von Migrantinnen und Migranten dazu. Ein wichtiger Baustein der Fachkräftesicherung ist die Ausbildung. Hier dürfen Unternehmen in ihrer Bereitschaft nicht nachlassen und junge Menschen sich nicht verunsichern lassen. Ihnen stehen trotz der Pandemie viele Möglichkeiten offen. Kümmern Sie sich rechtzeitig um Ausbildung oder Studium. Wir unterstützen Sie dabei,“ bietet Dusch jungen Menschen an.

1. Beschäftigung

Daten zu sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegen aufgrund des Meldeverfahrens mit einer sechsmonatigen Wartezeit vor. Der aktuelle Wert von Ende Juni 2021 zeigt im Agenturbezirk Lübeck weiterhin keine Einbrüche durch die Corona-Pandemie. Die Beschäftigung nimmt seit 2006 kontinuierlich zu, wenn auch in den letzten beiden Jahren etwas langsamer. Mit Hilfe der Kurzarbeit wurden und werden viele Arbeitsplätze in der Region gesichert und das eingearbeitete Personal im Unternehmen gehalten. Mitte des Jahres waren 164.382 Frauen und Männer zwischen Fehmarn und Lübeck beschäftigt, ein Plus von 2.455 oder 1,5 Prozent zum Vorjahr. Mit 2,1 Prozent fiel der Anstieg in Schleswig-Holstein etwas höher aus, während das Bundesgebiet einen Anstieg von 1,4 Prozent verzeichnete.

In der Hansestadt Lübeck stieg das sechzehnte Jahr in Folge die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf 101.062 Frauen und Männer an. Das waren 831 oder 0,8 Prozent mehr als im Vorjahr.

Eine Zunahme verzeichneten Wirtschaftszweigen wie zum Beispiel Heime- und Sozialwesen (+481), Gesundheitswesen (+262), öffentliche Verwaltung (+262), Erziehung und Unterricht (+149), Energie-, Wasserversorgung und Entsorgungswirtschaft (+132), Immobilien, freiberufliche wissenschaftliche und technische Dienstleistungen (+101) sowie das verarbeitende Gewerbe (+100).

Einen weiteren Rückgang gab es im Handel (-277), in der Arbeitnehmerüberlassung (‑228) sowie im Gastgewerbe (-39).

Die Zahl der geringfügig Beschäftigten ist ebenso wie im Bund (+1,1 Prozent und Land (2,5 Prozent) in zahlreichen Wirtschaftsbereichen wieder gestiegen.. Im Agenturbezirk waren 37.332 Personen geringfügig beschäftigt, 3,1  Prozent mehr als im Vorjahr. 

Nachdem die Zahl der geringfügig Beschäftigten in der Hansestadt Lübeck im Juni 2020 um 8,4 Prozent zum Vorjahr zurückging, gab es 2021 wieder einen Anstieg um 488 oder 2,6 Prozent auf 19.234.

2. Kurzarbeit

Noch nie zuvor befanden sich so viele Menschen in Lübeck und Ostholstein in Kurzarbeit wie 2020 und 2021.

Die meisten Anzeigen zur Kurzarbeit gingen mit 3.713 für 33.909 Personen im April 2020 ein. Danach sank die Zahl stark und verzeichnete durch den Teil-Lockdown im November und die weiteren Einschränkungen im Dezember 2020 einen erneuten Anstieg auf 735 Anzeigen für 5.844 Personen. In den Sommermonaten 2021 gab es eine deutliche Entspannung und zum Jahresende 2021 erneut einen Anstieg auf 97 Anzeigen für 1.170 Personen und im Januar 2022 auf 3.132 Personen.

Nahezu alle Wirtschaftsbereiche zeigten Kurzarbeit an. Die meisten Arbeitnehmenden wurden seit 2020 im Einzelhandel (13,8 Prozent aller Anzeigen), in der Gastronomie (10,8 Prozent) und in der Beherbergung (10,8 Prozent) gemeldet.

In 2021 wurde Kurzarbeit teilweise auch in Anspruch genommen, weil Firmen von den indirekten Folgen der Pandemie (Lieferengpässe von Rohstoffen und Vorprodukten) betroffen waren.

Wie umfangreich die angezeigte Kurzarbeit tatsächlich genutzt wird, zeigt sich erst in den Arbeitszeitabrechnungen. Dann steht fest, ob wirklich alle Beschäftigten im Unternehmen verkürzt gearbeitet haben oder nur ein Teil, weil sich zum Beispiel zwischenzeitlich Aufträge ergeben haben oder Vorsorgemaßnahmen gelockert wurden. Für die Abrechnung haben Unternehmen drei Monate Zeit. Die Daten liegen deshalb erst mit einer Wartezeit vor.

Tatsächlich verkürzt gearbeitet haben im April 2020 27.160 Personen. Die höchste davor verzeichnete Kurzarbeiterzahl lag bei 2.971 im Mai 2009. 2021 wurde die höchste Anzahl an Kurzarbeitenden im Februar mit 20.398 verzeichnet, die bis auf 1.614 im Oktober 2021 zurückging.

Der Anteil der Kurzarbeitenden an der Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ergibt im April 2020 eine Kurzarbeiterquote von 16,9 Prozent und im Jahresdurchschnitt 2020 von 7,0 Prozent. Im letzten Höchstwert im Mai 2009 lag diese bei 2,2 Prozent. Der Höchstwert 2021 lag im Februar bei 12,6 Prozent und der aktuelle Wert im Oktober bei 1,0 Prozent.

Der Arbeitsausfall betrug im April 2020 durchschnittlich 56,7 Prozent, so dass sich ein Beschäftigungsäquivalent von 15.410 gesicherten Arbeitsplätzen und verhinderter Arbeitslosigkeit errechnet. Das Beschäftigungsäquivalent ging im Sommer zurück und verzeichnete den niedrigsten Wert im Oktober 2020 mit 2.126. Nach einem erneuten Anstieg in den Wintermonaten wurde im Februar 2021 mit 13.278 der nächste Höchststand erreicht, der seitdem zurückgeht.

Zwei Drittel der Kurzarbeitenden waren in Kleinst- und Kleinbetrieben tätig. Nahezu die Hälfte der verkürzt arbeitenden Betriebe nutzte länger als sechs Monate die Kurzarbeit und der durchschnittliche Arbeitsausfall betrug 55 Prozent.

In der Hansestadt Lübeck gingen die meisten Anzeigen mit 1.722 für 17.675 Personen im April 2020 ein. Danach sank die Zahl stark und verzeichnete durch den Teil-Lockdown im November und die weiteren Einschränkungen im Dezember 2020 einen erneuten Anstieg auf 334 Anzeigen für 3.349 Personen. In den Sommermonaten 2021 gab es eine deutliche Entspannung und zum Jahresende 2021 einen erneuten Anstieg auf 22 Anzeigen für 196 Personen und im Januar 2022 für 1.510 Personen.

Tatsächlich verkürzt gearbeitet haben im April 2020 13.913 Personen. 2021 wurde die höchste Anzahl an Kurzarbeitenden im Februar mit 10.723 verzeichnet, die bis auf 1.229 im August 2021 zurückging.

Der Anteil der Kurzarbeitenden an der Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ergibt im April 2020 eine Kurzarbeiterquote von 13,8 Prozent und im Jahresdurchschnitt 2020 von 6,2 Prozent. Davor wurde der höchste Wert mit 2,2 Prozent im Mai 2009 verzeichnet. Der Höchstwert 2021 lag im Februar mit 10,6 Prozent und der aktuelle Wert im August 2021 bei 1,2 Prozent.

Im Durchschnitt betrug der Arbeitsausfall im April 2020 52,3 Prozent, so dass sich eine Entlastung von 7.729 gesicherten Arbeitsplätzen und verhinderter Arbeitslosigkeit errechnet. Das Beschäftigungsäquivalent ging im Sommer zurück und verzeichnete den niedrigsten Wert im Oktober 2020 mit 1.348. Nach einem erneuten Anstieg in den Wintermonaten wurde im Februar 2021 mit 6.584 der nächste Höchststand erreicht, der seitdem zurückgeht.

58,5 Prozent der Kurzarbeitenden waren in Kleinst- und Kleinbetrieben tätig. Mehr als die Hälfte der verkürzt arbeitenden Betriebe nutzte länger als sechs Monate die Kurzarbeit und der durchschnittliche Arbeitsausfall betrug 52 Prozent.

3. Arbeitskräftenachfrage

Nachdem die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften, die über den Zugang der gemeldeten Arbeitsstellen abgebildet werden kann, 2020 stark zurückgegangen war, gab es 2021 wieder einen Anstieg.

Im Agenturbezirk Lübeck wurden im Laufe des Jahres 10.521 offene Stellen zur Besetzung angeboten, das waren 1.643 oder 18,5 Prozent mehr als 2020. 5.832 (+747 oder 14,7 Prozent) dieser Stellen wurden in der Hansestadt Lübeck und 4.689 (+896 oder 23,6 Prozent) im Kreis Ostholstein gemeldet. Der Anstieg lag in Schleswig-Holstein bei 19,9 Prozent und im Bundesgebiet bei 21,5 Prozent.

Die meisten Stellen wurden in der Hansestadt Lübeck von der Arbeitnehmerüberlassung (1.546) angeboten. Weitere Schwerpunkte der Arbeitskräftenachfrage kamen aus den Wirtschaftszweigen Gesundheits- und Sozialwesen (816), Handel (703), freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen (575) sowie verarbeitendes Gewerbe (446).

Im Jahresdurchschnitt waren monatlich 2.369 Stellen im Angebot, 80 oder 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei drei Viertel dieser Stellen wurden Fachkräfte und Spezialisten gesucht.

Auch während der Corona-Pandemie haben Wirtschaftszweige mit Fachkräfteengpässen zu kämpfen, die weiter zunehmen.

In Berufen der Mechatronik, Energie und Elektronik standen in der Hansestadt Lübeck zum Beispiel nur noch rechnerisch 0,3 Arbeitslose je gemeldeter Stelle zur Verfügung. In Berufen Metallerzeugung, -bearbeitung und Metallbau waren es 0,9 und in nicht medizinischen sowie medizinischen Gesundheitsberufen waren es je 1,2 Arbeitslose pro Stelle.

Entsprechend lang ist auch die Zeit von dem gewünschten Besetzungstermin bis zur tatsächlichen Besetzung der Stelle. Sie lag zum Beispiel in Berufen der Mechatronik, Energie und Elektronik bei 289 Tagen, in Metallberufen bei 359 Tagen, in nicht medizinischen Gesundheitsberufen bei 220 Tagen und in medizinischen Gesundheitsberufen bei 194 Tagen.

4. Arbeitskräfteangebot

Nachdem die Arbeitslosigkeit sechs Jahre in Folge im Gesamtbezirk der Agentur für Arbeit Lübeck zurückging, gab es 2020 einen starken Corona-bedingten Anstieg. Dieser fiel jedoch moderater aus als im Landes- und Bundesschnitt. Nach den Lockerungen der Maßnahmen erholte sich der Arbeitsmarkt in den Sommermonaten 2021 wieder und die Arbeitslosigkeit fiel auf das Vor-Corona-Niveau. Zum Ende des Jahres war die Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk bereits wieder so niedrig wie vor über 40 Jahren. Im Jahresdurchschnitt zeigt sich diese Entwicklung noch nicht so deutlich. Im Schnitt waren zwischen Fehmarn und Lübeck 14.718 arbeitslose Menschen gemeldet, 474 oder 3,1 Prozent weniger als 2020. Einen ähnlich starken Rückgang gab es in Schleswig-Holstein (-3,6 Prozent) und im Bundesgebiet (-3,0 Prozent).

Konjunkturelle Schwankungen wirken sich bei den Arbeitsagenturen im Rechtskreis SGB III deutlicher aus als in den Jobcentern in der Grundsicherung, so dass die Zahl der von der Arbeitsagentur betreuten Menschen 2020 stärker anstieg, aber auch 2021 stärker zurückging. Von den 14.718 Arbeitslosen wurden 5.118 (-575 oder 10,1 Prozent) von der Agentur für Arbeit und 9.600 (+101 oder 1,1 Prozent) vom Jobcenter Lübeck und Ostholstein betreut. Der Anteil, der Arbeitslosen, die bei der Arbeitsagentur gemeldet waren, ist damit von 37,5 auf 34,8 Prozent gefallen. Von den beiden Jobcentern wurden 65,2 Prozent (Vorjahr 62,5 Prozent) der Arbeitslosen betreut.

In der Hansestadt Lübeck ging die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um 57 oder 0,6 Prozent auf 9.347 Frauen und Männer zurück. Die meisten Arbeitslosen waren mit 10.237 im März 2021 und die wenigsten mit 8.256 im November 2021 gemeldet.

Von den 9.347 Arbeitslosen wurden 2.721 (-287 oder 9,5 Prozent) von der Agentur für Arbeit und 6.626 (+230 oder 3,6 Prozent) vom Jobcenter Lübeck betreut.

Die Arbeitslosigkeit ist kein fester Block und es gab auch im Jahr 2021 Bewegungen am Arbeitsmarkt.  Positiv wirkte sich aus, dass Unternehmen ihre eingearbeiteten Arbeitskräfte mit Kurzarbeit halten konnten und auch in den Wintermonaten durchgehend beschäftigen, so dass es entsprechend weniger Arbeitslosmeldungen als sonst in den Wintermonaten gab. Nachteilig haben sich die Kontaktbeschränkungen auf den Rückgang ausgewirkt, denn es starteten zum Beispiel weniger mit einer Weiterbildung oder einer anderen arbeitsmarktpolitischen Maßnahme.

Im Laufe des Jahres 2021 haben sich im Gesamtbezirk in beiden Rechtskreisen 30.874 (‑12,4 Prozent zum Vorjahr) Arbeitnehmende arbeitslos gemeldet und 32.891 (-1,6 Prozent) Frauen und Männer konnten die Arbeitslosigkeit wieder verlassen.

In der Hansestadt Lübeck mündeten mehr Personen in eine Beschäftigung ein und es meldeten sich weniger aus einer Erwerbstätigkeit arbeitslos als in den letzten beiden Jahren. Es meldeten sich 19.011 (-11,8 Prozent) Frauen und Männer arbeitslos; 8.179 (-13,5 Prozent) davon in der Arbeitsagentur und 10.832 (-10,5 Prozent) im Jobcenter. Die Arbeitslosigkeit wieder verlassen konnten 20.133 (+0,4 Prozent) Arbeitnehmende; 8.413 (+1,1 Prozent) davon wurden von der Arbeitsagentur und 11.720 (‑0,1 Prozent) vom Jobcenter betreut.

Dabei ist die Zahl der Meldungen aus einer Erwerbstätigkeit in der Arbeitsagentur um 999 oder 16,2 Prozent auf 5.164 Arbeitnehmende und im Jobcenter Lübeck um 267 oder 11,2 Prozent auf 2.122 Arbeitnehmende zurückgegangen. In eine Erwerbstätigkeit einmünden konnten 4.552 der von der Arbeitsagentur betreuten Frauen und Männer (- 222 oder 4,7 Prozent). Im Jobcenter waren es 2.576 (+303 oder 13,3 Prozent).

Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen betrug in der Hansestadt Lübeck im Jahresdurchschnitt 8,1 Prozent. Damit blieb sie erneut über den Quoten von Schleswig-Holstein (5,6 Prozent) und vom Bundesgebiet (5,7 Prozent). Die Arbeitslosenquote bewegte sich zwischen dem niedrigsten Wert im November von 7,1 Prozent und dem höchsten im März und April von 8,9 Prozent.

Die Jahresarbeitslosenquote der von der Arbeitsagentur betreuten Arbeitnehmenden ging um 0,2 Prozentpunkte auf 2,4 Prozent zurück. Im Jahresverlauf bewegte sie sich zwischen 1,8 und 2,9 Prozent. Die Quote der Kunden des Jobcenters Lübeck stieg um 0,2 Prozentpunkte auf 5,7 Prozent. Hier bewegte sie sich zwischen 5,3 und 6,2 Prozent.

Auf allen regionalen Arbeitsmärkten gab es einen Rückgang der Arbeitslosigkeit.

Bezirk

Bestand an Arbeitslosen

 Prozent - Veränd. zum Vorjahr

Arbeitslosenquote

auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen

SGB III-

Anteil

SGB II-

Anteil

Schleswig-Holstein

88.865

-3,6

5,6

37,4

62,6

Gesamtbezirk

14.718

-3,1

6,6

34,8

65,2

Hansestadt Lübeck

9.347

-0,6

8,1

29,1

70,9

Ostholstein

5.371

-7,2

5,1

44,6

55,4

Südbezirk (Geschäftsstelle Hauptagentur Lübeck und Umgebung)

10.597

-1,2

7,3

31,2

68,8

Mittelbezirk (Geschäftsstelle Eutin und Umgebung)

2.429

-6,9

5,3

41,1

58,9

Nordbezirk (Geschäftsstelle Oldenburg und Umgebung)

1.693

-9,0

5,4

48,3

51,7

5. Arbeitslosigkeit einzelner Personengruppen

Im Zuge der Corona-Pandemie ist die Arbeitslosigkeit 2020 für alle Personengruppen gestiegen. 2021 hat sich die Situation verbessert, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß. Profitieren konnten insbesondere Arbeitnehmende, die von der Arbeitsagentur betreut werden.

In der Hansestadt stieg im Jahresdurchschnitt die Zahl der Frauen (+0,8 Prozent) an, während die der Männer (-1,6 Prozent) zurückging. Damit stieg auch der Anteil der Frauen an allen Arbeitslosen auf 43,3 Prozent an. Insgesamt waren 4.052 Frauen (1.181 SGB III, 2.870 SGB II) und 5.295 Männer (1.540 SGB III, 3.756 SGB II) im Jahresdurchschnitt arbeitslos.

Nach einem überproportionalen Anstieg bei Jüngeren unter 25 Jahren im Jahr 2020, konnten diese 2021 in beiden Rechtskreisen am stärksten vom Rückgang profitieren. Im Jahresdurchschnitt waren 800 Jüngere (292 SGB III, 509 SGB II) arbeitslos gemeldet, 13,2 Prozent weniger als 2020. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen lag bei 8,6 Prozent, In Schleswig-Holstein betrug der Anteil 9,2 Prozent. 

Mit 7,8 Prozent waren bei Älteren insbesondere die über 55-Jährigen immer noch von einer steigenden Arbeitslosigkeit betroffen. Insgesamt waren in der Hansestadt Lübeck 3.006 (992 SGB III, 2.014 SGB II) der Arbeitslosen älter als 50 Jahre, 4,4 Prozent mehr als 2020. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen lag bei 32,2 Prozent und blieb damit niedriger als in Schleswig-Holstein mit 35,2 Prozent.

3.869 Arbeitnehmende waren ein Jahr und länger arbeitslos (+23,6 Prozent). Ihr Anteil an allen Arbeitslosen lag bei 41,4 Prozent. Er blieb damit höher als in Schleswig-Holstein mit 38,3 Prozent. Bei der Arbeitsagentur waren 9,6 Prozent aller Arbeitslosen Langzeitarbeitslose (261) und beim Jobcenter 54,5 Prozent (3.608). Je geringer die Qualifikation, umso höher ist das Risiko, arbeitslos zu bleiben. 65 Prozent der Langzeitarbeitslosen haben keinen Berufsabschluss. Da Corona-bedingt weniger Menschen mit einer Weiterbildung oder einer anderen arbeitsmarktpolitischen Maßnahme starteten, ist ihr Anteil weiter gestiegen. Als weiteres Risiko kommt das Alter dazu. Ein Viertel ist älter als 55 Jahre. Aber auch Langzeitarbeitslosen eröffneten sich 2021 Chancen. 889 Personen konnten eine Erwerbstätigkeit aufnehmen und 1.011 mit einer Maßnahme starten.

Arbeitslose ohne abgeschlossene Berufsausbildung hatten es weiterhin schwerer wieder Fuß zu fassen. Im Jahresdurchschnitt waren im Jobcenter Lübeck 4.535 Arbeitslose ohne abgeschlossene Berufsausbildung gemeldet. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen von 68,4 Prozent war nahezu doppelt so hoch wie in der Arbeitsagentur mit 35,9 Prozent. Hier hatten 976 Frauen und Männer keinen Berufsabschluss. Eine abgeschlossene Ausbildung verbessert deutlich die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. So war die Arbeitslosenquote bei Arbeitslosen ohne Abschluss mit 27,0 Prozent mehr als sechs Mal so hoch wie bei Personen mit Berufsabschluss (4,2 Prozent).

Dass sich ein Abschluss auch finanziell lohnt, belegen Untersuchungen des IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit). Ausgebildete Fachkräfte verdienen mehr als Beschäftigte ohne Ausbildung. Über das ganze Erwerbsleben hinweg summiert sich der Unterschied auf rund 330.000 Euro. Unterstellt man eine ununterbrochene Beschäftigung, verdienen Helferinnen und Helfer im Laufe ihres Erwerbslebens im Durchschnitt 1,13 Millionen Euro brutto. Das durchschnittliche Brutto-Lebensentgelt von Fachkräften liegt bei 1,46 Millionen Euro und das von Spezialisten (z.B. Meister oder Techniker) bei 2,04 Millionen Euro. Arbeitsagenturen und Jobcenter beraten Arbeitslose und Beschäftigte, die einen Berufsabschluss machen möchten, gerne zu den Möglichkeiten. Informationen zu Entwicklungswegen bietet auch die Internetseite www.arbeitsagentur.de/karriere-und-weiterbildung.

Arbeitslose mit ausländischer Staatsangehörigkeit konnten etwas besser als im Vorjahr vom Aufschwung am Arbeitsmarkt profitieren. Im Jahresdurchschnitt waren in Lübeck 2.307 Ausländer arbeitslos gemeldet, 1,1 Prozent weniger als 2020. 479 der ausländischen Arbeitslosen wurden von der Arbeitsagentur und 1.828 vom Jobcenter Lübeck betreut. Die größte Gruppe stellen mit 18,6 Prozent türkische Staatsangehörige, gefolgt von syrischen mit 15,8 Prozent und irakischen mit 10,0 Prozent. Ukrainische Staatsangehörige spielen auf dem Arbeitsmarkt in der Hansestadt bisher kaum eine Rolle. Lediglich 45 Arbeitslose waren im Jahresdurchschnitt 2021 gemeldet und 117 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gab es im Juni 2021.

6. Unterbeschäftigung

Neben dem gesetzlich definierten Kreis der Arbeitslosen gibt es weitere Menschen, die ohne Beschäftigung sind. Sie werden in der Unterbeschäftigung erfasst und monatlich veröffentlicht, um den Arbeitsmarkt transparent zu machen. Die Unterbeschäftigung stellt damit das Defizit an regulärer Beschäftigung dar. Hier werden neben den Arbeitslosen beispielsweise Personen in Qualifizierungsmaßnahmen oder Arbeitsgelegenheiten, Krankgeschriebene, geförderte Existenzgründer oder Arbeitsuchende mit Vorruhestandsregelungen ausgewiesen.

In Lübeck betrug 2021 die Unterbeschäftigung im Jahresdurchschnitt 12.555 Personen. Die Zahl ging in den letzten zwölf Monaten um 417 Personen (-3,2 Prozent) zurück. Die Unterbeschäftigungsquote lag mit 10,6 Prozent (-0,3 Prozentpunkte zum Vorjahr) über der von Schleswig-Holstein mit 7,2 Prozent. 3.208 Personen befanden sich im Jahresdurchschnitt in Entlastungsmaßnahmen.

7. Ausgaben für den Bezirk der Arbeitsagentur Lübeck

Die Agentur für Arbeit Lübeck hat 2021 in der Hansestadt Lübeck und im Kreis Ostholstein 253,7 Millionen Euro ausgegeben, 33,6 Millionen oder 15,2 Prozent mehr als 2020. Einen starken Anstieg gab es Corona-bedingt insbesondere beim Kurzarbeitergeld.

38,2 Prozent der Haushaltsmittel wurden für die Lohnersatzleistungen Arbeitslosengeld I (97 Millionen Euro, Vorjahr 100 Millionen Euro) und 0,4 Prozent für Insolvenzgeld (1,0 Millionen Euro, Vorjahr 0,8 Millionen Euro) gezahlt. Im Jahresdurchschnitt gab es 4.769 Arbeitslosengeld I-Bezieher (-10,2 Prozent), die monatlich durchschnittlich 982 Euro erhielten und für die 713 Euro Sozialversicherungsbeiträge entrichtet wurden.

Mit 109,9 Millionen Euro (Vorjahr 74,1 Millionen Euro) wurden 43,3 Prozent der Haushaltsmittel für Kurzarbeitergeld gewährt. 66,2 Millionen Euro davon wurden den Unternehmen für konjunkturelle Kurzarbeit und 41,7 Millionen Euro für Sozialversicherungsbeiträge erstattet. Für Saisonkurzarbeit wurden 1,6 Millionen Euro (Vorjahr 0,9 Millionen Euro) und für Transferkurzarbeit 0,5 Millionen Euro (Vorjahr 0,1 Millionen Euro) entrichtet.

6,0 Prozent der Haushaltsmittel (15,1 Millionen Euro, Vorjahr 14,8 Millionen Euro) wurde für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung, 5,0 Prozent (12,6 Millionen Euro, Vorjahr 12,6 Millionen Euro) für Weiterbildung und Qualifizierung, 1,8 Prozent (4,6 Millionen Euro, Vorjahr 5,0 Millionen Euro) für die Förderung Jugendlicher sowie 0,5 Prozent (1,2 Millionen Euro, Vorjahr 1,2 Millionen Euro) für die Förderung der Selbständigkeit gezahlt.

Die Integration von Arbeitslosen auf dem Arbeitsmarkt wird 2022 durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen weiter unterstützt. Für Weiterbildung, Eingliederungszuschüsse, Aktivierung und berufliche Eingliederung, Förderung der Selbständigkeit oder spezielle Maßnahmen für Jugendliche wurden insgesamt 14,1 Millionen Euro veranschlagt.

Arbeitnehmenden, die sich beruflich neu oder umorientieren wollen, zeigt das Erkundungstool ‚NewPlan' unter www.arbeitsagentur.de/newplan Möglichkeiten für ihre Entwicklung auf.

Interessierten Unternehmen, die ihre Beschäftigten weiterentwickeln möchten, bietet die Internetseite www.arbeitsagentur.de/weiterbildung-qualifizierungsoffensive weitere Informationen.

8. Entwicklung beim Jobcenter Lübeck

Auf dem Lübecker Arbeitsmarkt boten sich trotz der Corona-Pandemie 2021 zum Teil gute Chancen für die Arbeitslosen und Arbeitssuchenden. Angesichts steigender Zahlen bei den Langzeitarbeitslosen profitierten allerdings viele Kund:innen in der Grundsicherung von der Nachfrage nach Arbeitskräften nur in geringerem Maße.

Joachim Tag, Geschäftsführer des Jobcenter Lübeck, ist jedoch über die Integrationsquote der Kund:innen in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im vergangenen Jahr sehr zufrieden. „3.550 Integrationen bedeuten eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 225 Integrationen und 21,4 Prozent als Integrationsquote insgesamt. Die Integrationsquote bei den Frauen konnte um 12,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden. Das zeigt, dass wir auf dem Weg zu einer geschlechterspezifischen Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt wieder ein Stück vorangekommen sind“, bewertet er die Situation.

Die Zahl der Arbeitslosen ist im SGB II von Dezember 2020 auf Dezember 2021 um 2,7 Prozent zurückgegangen. So waren zum Ende des Jahres noch 6.216 Personen arbeitslos. „Viel Förderung und auch Zeit wird es erfordern, die Entwicklung bei den Langzeitarbeitslosenzahlen vollständig umzukehren. Zwar wurden vor Jahren noch 4.300 Langzeitarbeitslose im Jobcenter Lübeck betreut, aber 2021 ist die Zahl pandemiebedingt auf 3.539 langzeitarbeitslose Personen zum Ende des Jahres angewachsen. Der Anstieg zum Vorjahresmonat fiel somit in Höhe von 363 Langzeitarbeitslosen vergleichsweise stark aus “, so Tag weiter.

„Obwohl das Interesse in Lübeck an der Fördermöglichkeit für Langzeitleistungsbezieher nach wie vor ungebrochen ist, konnte der Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit damit auch im Rahmen des Teilhabechancengesetzes mit der Förderung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung leider nicht vollständig kompensiert werden. In Kombination mit den Expert:innen unseres Teams Netzwerke ABCPlus konnten wir viel zur Unterstützung der Langzeitarbeitslosen und Langzeitleistungsbezieher beitragen. Neben vielen Netzwerkkontakten, deren Dienstleistungen auch für unsere Kundinnen und Kunden genutzt werden konnten, ist unsere Kooperation mit den gesetzlichen Krankenkassen hervorzuheben. Viele unserer Kunden haben gesundheitliche Hemmnisse, bei deren Überwindung wir ihnen gern helfen wollen“, erläutert Joachim Tag.

Gerade in der Pandemie hat das Jobcenter Lübeck den Schritt zu flexiblen Beratungsformen gewagt, und der Präsenzberatung auch die telefonische Beratung sowie die Videokommunikation zur Seite gestellt. „Unsere Beratungsfachkräfte haben sich um einen guten und fallangemessenen Mix in den Beratungsgesprächen bemüht und Wert darauf gelegt, für unsere Kund:innen immer gut erreichbar zu sein. Die gestiegenen Möglichkeiten zum Einsatz digitaler Medien haben uns dabei unterstützt. Das hat nur mit großem Einsatz unserer Mitarbeitenden geklappt und darüber freue ich mich sehr“, so Tag weiter.

„Das Angebot an Kursen und Maßnahmen, die auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kund:innen zugeschnitten sind, haben wir auch in der Pandemie wo immer möglich und sinnvoll aufrechterhalten. Wir wollen möglichst alle Kund:innen da abholen, wo sie in ihrem Prozess zu einem selbstbestimmten Leben stehen.“

2021 hat sich die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1.198 auf 15.903 weiter reduziert. Die Zahl der betreuten Bedarfsgemeinschaften ging nochmals um 836 auf 12.109 im September 2021 zurück. Dies entspricht einem Rückgang von 6,5 Prozent.

Die Zahl der geflüchteten Menschen lag im Jahresdurchschnitt (Januar bis August) bei 2.344. Das sind 2,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. „Gerade die Integration der Geflüchteten leidet unter den Folgen der Pandemie. Digitale Angebote zum Spracherwerb sind aufgrund der sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten für viele weniger geeignet. Zeitliche Lücken in der Förderung bergen darüber hinaus die Gefahr, dass Integrationsfortschritte wieder verlorengehen“, stellt Tag bilanzierend fest.

„Die Eröffnung der Jugendberufsagentur Ende 2019 in Lübeck war nach Ansicht aller Beteiligten der richtige Schritt zur Verbesserung des Übergangs Schule-Beruf und geeignet, die Startaussichten der jungen Lübecker:innen zu verbessern. Zusammen mit dem Jugendamt der Hansestadt, den Schulen und der Agentur für Arbeit werden die Dienstleistungen für junge Menschen unter einem Dach angeboten. Wenn auch die Zusammenarbeit sich weiter gefestigt hat, so hat auch die Jugendberufsagentur pandemiebedingt weniger Jugendliche zu Präsenzberatungen und Veranstaltungen in ihren Räumlichkeiten begrüßen können. Mit kreativen Ideen versuchen die Mitarbeitenden der JBA gegenzusteuern“, ergänzt Tag, der 2021 den Vorsitz der Steuerungsgruppe der JBA innehatte.

Im vergangenen Jahr ist das Jobcenter Lübeck von der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit weiterhin als Schwerpunktregion ausgewählt worden, die im Kampf gegen die Langzeitarbeitslosigkeit einen neuen Beratungsansatz erproben darf. So hat das Jobcenter Lübeck in der sozialen Stadt Moisling 2018 die Beratung der gesamten Bedarfsgemeinschaft gestartet, damit nach Möglichkeit in jeder Bedarfsgemeinschaft mit Kindern das Thema Arbeit und Beschäftigung verankert wird. „So wollen wir verhindern, dass Beschäftigungslosigkeit und Hilfebedürftigkeit von einer Generation an die nächste weitergegeben werden. Auch diese Bemühungen zahlen auf das Thema Prävention ein“, so Tag weiter.

2022 hofft das Jobcenter mit weniger Lockdowns und Kontakteinschränkungen agieren zu müssen. „Digitale Zugangswege und Dienstleistungen werden sicherlich eine immer größere Rolle spielen und dementsprechend ausgebaut. Die Kunden sollen im Mittelpunkt stehen. So wird das Jobcenter eine neue digitale Kundensteuerung einführen, und es damit für die Kund:innen spürbar bequemer machen, unsere Dienstleistungen zu erhalten“, so die Einschätzung von Tag.

„Ein Wermutstropfen ist allerdings die reduzierte Ausstattung mit Haushaltsmitteln, sodass wir bei der Förderung noch wirkungsorientierter vorgehen müssen. Hinsichtlich der beruflichen Qualifizierung wollen wir keine Abstriche machen. Jeder, der eine Fortbildung absolvieren möchte und dazu in der Lage ist, sie auch erfolgreich mitzumachen, soll vom Jobcenter Lübeck auch gefördert werden“, sagt Tag voraus. „Dazu nutzen wir das gesamte Spektrum, das an Weiterbildungen zur Verfügung steht, egal ob es sich um Modulschulungen, Teilqualifizierungen oder Ausbildung und Umschulung handelt“, ergänzt er.

„Der Mix wird uns auch 2022 gut durch die Pandemie bringen und unsere vielfältigen Netzwerkpartner:innen werden uns dabei unterstützen“, macht Tag Hoffnung für kommende Herausforderungen.

9. Ausbildungsmarkt 2021/2022

Die Berufsorientierung fiel Jugendlichen auch 2021 schwer und führte zu einem weiteren Rückgang der Bewerbendenzahlen. Praktika, Messen und Veranstaltungen mit direktem Kontakt zu Unternehmen konnten nicht wie üblich stattfinden. Auch die gewohnten Wege zur Berufsberatung zum Beispiel über die Schulen waren eingeschränkt und konnten durch digitale Angebote nicht vollständig ersetzt werden. Ein Teil der jungen Menschen sah aufgrund der aktuellen Situation nur geringe individuelle Chancen und hat sich eher für Alternativen wie zum Beispiel weiterführenden Schulbesuch oder Studium entschieden. Deshalb ging auch der Anteil jüngerer Bewerbender und Schulabgehender aus dem aktuellen Berichtsjahr zurück sowie stieg der Anteil Älterer.

Trotz der Corona-Auswirkungen blieb das Angebot an Ausbildungsstellen das fünfzehnte Jahr in Folge höher als die Zahl der bei der Berufsberatung gemeldeten Jugendlichen. Der Arbeitsagentur Lübeck wurden im sogenannten Berufsberatungsjahr, das von Oktober 2020 bis September 2021 dauerte, 3.393 Ausbildungsstellen gemeldet. Das waren 160 oder 4,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. 2.132 Jugendliche haben die Berufsberatung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz eingeschaltet, 360 oder 14,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit standen rein rechnerisch jedem Jugendlichen 1,59 Ausbildungsstellen (Vorjahr 1,43) zur Verfügung. Am Ende des Beratungsjahres waren noch 321 Bewerber auf der Suche und 608 Stellen nicht besetzt; rechnerisch waren das 1,89 Ausbildungsstellen je Jugendlichem.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie zeigten sich in der Hansestadt Lübeck weniger deutlich als in Ostholstein und das Ausbildungsangebot blieb nahezu unverändert. Es wurden 1.901 Ausbildungsstellen zur Besetzung angeboten, 8 oder 0,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Verunsicherung war bei jungen Menschen groß. Ihnen fehlten die gewohnten Zugangswege zum Beispiel über die Schule und konnten durch digitale Angebote nicht vollständig ersetzt werden. Es haben 1.245 Bewerber die Berufsberatung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz eingeschaltet, 244 oder 16,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Rein rechnerisch standen jedem Jugendlichen 1,53 Ausbildungsstellen zur Verfügung (Vorjahr 1,28). Am Ende des Beratungsjahres waren noch 202 Bewerber auf der Suche und 304 Stellen nicht besetzt.

Im Gesamtbezirk der Agentur für Arbeit wurden im Jahresdurchschnitt 873 Jugendliche von der Arbeitsagentur und 86 vom Jobcenter Lübeck und Jobcenter Ostholstein zum Beispiel durch berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen, Assistierte Ausbildung und ausbildungsbegleitende Hilfen oder Einstiegsqualifizierungen gefördert.

Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung wurden bis Ende 2021 im Bezirk der Agentur für Arbeit Lübeck insgesamt 3.009 Ausbildungsverträge eingetragen, 2,4 Prozent weniger als im Vorjahr. In Schleswig-Holstein lag der Rückgang bei 1,8 Prozent und im Bundesgebiet gab es ein Plus von 1,2 Prozent.

„In den nächsten Jahren gehen die Babyboomer-Jahrgänge in Rente und die Fachkräftebedarfe steigen. Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist weiterhin groß und die betriebliche Ausbildung bietet oft gute Verdienstmöglichkeiten und hervorragende Karrierechancen. Mehr als 2.700 Ausbildungsstellen sind bereits in Lübeck und Ostholstein für den Herbst im Angebot. Warten Sie nicht zu lange und starten Sie jetzt Ihre Bewerbungen. Die Berufsberatung unterstützt Sie dabei“, rät Markus Dusch Jugendlichen.

Die Berufsberatung ist weiterhin für Jugendliche da und berät nicht nur in den Schulsprechstunden und der Arbeitsagentur und, sondern auch telefonisch oder per Video-Chat. Gespräche können unter der E-Mail Luebeck.Berufsberatung@arbeitsagentur.de oder Ostholstein.Berufsberatung@arbeitsagentur.de sowie online unter www.arbeitsagentur.de/eServices vereinbart werden.

Jugendliche, die noch nicht genau wissen, welcher Ausbildungs- oder Studiengang der richtige ist, können ihre Fähigkeiten und Interessen mit dem Erkundungstool 'Check-U' unter www.check-u.de herausfinden.

10. Handlungsbedarf 2022

Für die Bundesagentur für Arbeit (BA) ist 2021 ein Jubiläumsjahr. Seit 70 Jahren bringt sie nunmehr Menschen und Arbeit zusammen.

„Die wesentliche Aufgabe liegt für uns heute darin, Menschen ein Berufsleben lang erfolgreich mit Arbeitgebenden zusammenzubringen. Im Strukturwandel setzen wir dabei noch stärker auf die Qualifizierung Arbeitsloser und Beschäftigter. Im Hinblick auf den demographischen Wandel kommt es am Arbeitsmarkt auf die Teilhabe einer möglichst großen Zahl von Erwerbspersonen an. In der Fachkräftesicherung liegt damit eine der größten Herausforderungen in den nächsten Jahren. Hier gibt es zahlreiche Ansatzpunkte – von der Stärkung der dualen Ausbildung und der besseren Nutzung aller inländischen Potenziale bis hin zur Fachkräfteeinwanderung. Gerne stehen wir Unternehmen und Arbeitnehmenden dabei zur Seite“, bietet Agenturchef Markus Dusch an.

Für interessierte Unternehmen enthält die Internetseite www.arbeitsagentur.de/weiterbildung-qualifizierungsoffensive weitere Informationen.

Arbeitslose und Beschäftigte finden unter www.arbeitsagentur.de/karriere-und-weiterbildung Wissenswertes vom Nachholen des Berufsabschlusses und Berufswechsel bis zu beruflichen Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten.

Junge Erwachsene, die ihren Berufsabschluss nachholen möchten, unterstützt die Initiative Zukunftsstarter unter www.arbeitsagentur.de/k/zukunftsstarter auf ihrem Weg.