29.01.2021 | Presseinfo Nr. 7

Anstieg der Arbeitslosigkeit im Januar stärker als in den Vorjahren

Kurzarbeit verhindert aber nach wie vor größeren Einbruch am Arbeitsmarkt
 

Im Januar ist die registrierte Arbeitslosigkeit in Rheinhessen erstmals seit Jahren wieder über die Marke von 20.000 und die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung auf über 26.000 angestiegen. Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit im Januar ist jahreszeitlich bedingt durch das Auslaufen von befristeten Verträgen sowie durch die typische Winterarbeitslosigkeit in den Außenberufen üblich. Der Anstieg fiel dabei in diesem Jahr aber höher aus als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. „In den Zahlen spiegeln sich neben den saisonalen Faktoren auch erste Auswirkungen des erneuten Lockdowns“, so Heike Strack, Vorsitzende Geschäftsführerin der Mainzer Arbeitsagentur. „Wir sehen, dass vor allem Männer und ausländische Arbeitskräfte von Entlassungen betroffen sind. Viele ausländische Arbeitskräfte sind in den Außenberufen, oftmals als Helfer, aber auch in der maßgeblich vom Lockdown betroffenen Gastronomie beschäftigt.

Trotz des aktuellen Anstiegs der Arbeitslosigkeit ist der Abstand zu den Vorjahreswerten erneut gesunken. „Das zeigt, dass die Kurzarbeit und das Aussetzen der Insolvenzantragspflicht nach wie vor größere Entlassungswellen und Firmenpleiten verhindern. Klar ist aber auch, dass die zweite Coronawelle die Erholung der Wirtschaft vorläufig gebremst hat und wir uns auf weitere schwierige Monate am Arbeitsmarkt einstellen müssen.“ Sorgen bereitet der Agenturchefin auch die steigende Langzeitarbeitslosigkeit. Von den Arbeitslosen, die von der Arbeitsagentur betreut werden, sind inzwischen über ein Fünftel länger als ein Jahr arbeitslos. „Betroffen sind dabei vor allem auch ältere Jobsuchende“, erklärt Strack. „In der Krise hat die Einstellungsbereitschaft der Betriebe deutlich abgenommen. Wer also vor einem Jahr arbeitslos geworden ist, hatte bisher nicht die besten Chancen wieder eine Beschäftigung zu finden.“  Anders als in den letzten Jahren ist daher auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zum letzten Stichtag am 30. Juni 2020 gegenüber dem Vorquartal nicht gestiegen, sondern zurückgegangen. Im Januar sind auch die Stellenmeldungen aus den Betrieben zurückgegangen. Im Bestand waren 11 Prozent weniger Stellen als noch vor einem Jahr.

Durch die Schließung etlicher Wirtschaftsbereiche haben im Januar nochmals 403 Betriebe für fast 3450 Mitarbeiter*innen Kurzarbeit angezeigt. Seit März haben in Rheinhessen damit fast 7.500 Betriebe für rund 70.200 Arbeitnehmer*innen eine Anzeige vorgenommen. Besonders betroffen natürlich Gastronomie, Handel und das Dienstleistungsgewerbe.

„Wer jetzt arbeitslos oder in Kurzarbeit ist, sollte diese Zeit unbedingt für zusätzliche Qualifizierungen nutzen“, rät Strack. „Wir als Agentur, aber auch die Jobcenter sind mit ausreichend Mitteln für Weiterbildungen und Qualifizierungen ausgestattet.“ Ein großer Teil der Weiterbildungen würden derzeit online angeboten. Informationen zu Weiterbildungsangeboten erhalten Interessierte unter der Hotline der Agentur für Arbeit 0800/4 5555 00.

Die Arbeitsmarktzahlen im Überblick

Im Januar waren in Rheinhessen bei den Dienststellen der Arbeitsagentur und den Jobcentern insgesamt 26.384 Personen als unterbeschäftigt registriert. Das waren 1.067 mehr als im Vormonat und 3.322 mehr als im Vorjahr. 21.030 Männer und Frauen waren arbeitslos gemeldet. Das waren 1.561 mehr als im Dezember und 4.038 oder 23,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote stieg auf 5,8 Prozent. Im Vorjahr hatte sie bei 4,8 Prozent gelegen.

Von den 21.030 Arbeitslosen im Januar wurden 9.610 von der Arbeitsagentur und 11.420 von den Jobcentern betreut. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit entfiel auf beide Rechtskreise. Die Arbeitgeber meldeten 949 neue Stellen. Das waren 159 weniger als im Dezember und 75 weniger als im Vorjahr.

Im Januar kam es auf allen regionalen Arbeitsmärkten im Bezirk der Mainzer Arbeitsagentur zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Im Gesamtbezirk stieg die Quote von 5,4 auf 5,8 Prozent, in der Stadt Mainz stieg sie von 6,1 auf 6,4 Prozent und in der Stadt Worms von 8,1 auf 8,9 Prozent. Im Landkreis Alzey-Worms von 4,4 auf 4,9 Prozent und im Landkreis Mainz-Bingen von 4,2 auf 4,5 Prozent.