29.10.2020 | Presseinfo Nr. 63

Arbeitsmarkt auf unsicherem Erholungskurs

Aufschwung durch steigende Infektionszahlen in Gefahr
 

Die saisonübliche Herbstbelebung am rheinhessischen Arbeitsmarkt hat sich im Oktober mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosenzahlen fortgesetzt. Damit ist der Arbeitsmarkt im zweiten Monat nach Beginn der Pandemie auf Erholungskurs, auch wenn die positive Entwicklung gegenüber September etwas abgeflacht ist. Die Zahl derer, die ihren Job verloren haben, lag kaum höher als im Oktober vor einem Jahr. Dafür fanden im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr Menschen eine neue Beschäftigung. Vor allem im Berufssegment Verkehr und Logistik kam es vermehrt zu Einstellungen. Allerdings lagen sowohl die Arbeitslosigkeit als auch die Unterbeschäftigung nach wie vor deutlich über den Werten des Vorjahres.

„Der Arbeitsmarkt übersteht die Pandemie bis jetzt verhältnismäßig gut“, erläutert Heike Strack, Vorsitzende der Geschäftsführung der Mainzer Arbeitsagentur die aktuellen Zahlen. Allerdings seien die Chancen am Arbeitsmarkt nicht gleich verteilt. So waren es vor allem jüngere Personen unter 25 Jahren, die ihre Arbeitslosigkeit beenden konnten. Hier spielten wie bereits im September Abgänge in Ausbildung eine wesentliche Rolle. Dagegen kam es bei den Älteren über 50 Jahre zu einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen steigt bereits seit April kontinuierlich an.

Hoffnung auf eine weitere Erholung macht laut Strack der Blick auf die Arbeitskräftenachfrage. Diese steigt seit Mai kontinuierlich an. Im Oktober wurden bereits wieder mehr offene Stellen gemeldet als vor einem Jahr. Gesucht wurden vor allem Arbeitskräfte in der Zeitarbeit, im Handel, in der öffentlichen Verwaltung und im Gesundheitswesen. Allerdings sei der aktuelle Aufschwung durch die steigenden Infektionszahlen und die gegebenenfalls daraus resultierenden Maßnahmen in Gefahr.

Nach wie vor befinden sich zahlreiche Betriebe in Kurzarbeit, auch wenn in den letzten Monaten deutlich weniger Anzeigen hinzugekommen sind. „Viele Betriebe, die im März und April Kurzarbeit angezeigt hatten, haben diese jetzt noch einmal verlängert“, so Strack. Neu Kurzarbeit angezeigt haben im Oktober 36 Betriebe für 544 Mitarbeitende. Seit Beginn der Krise haben in Rheinhessen insgesamt 5.958 Betriebe für 57.760 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt.

Die Arbeitsmarktzahlen im Überblick

Im Oktober waren in Rheinhessen bei den Dienststellen der Arbeitsagentur und den Jobcentern insgesamt 25.625 Personen als unterbeschäftigt registriert. Das waren 472 weniger als im Vormonat, aber 3.580 mehr als im Vorjahr. 20.203 Männer und Frauen waren arbeitslos gemeldet. Das waren 522 weniger als im September, aber 4.377 oder 27,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote fiel von September auf Oktober 5,7 auf 5,6 Prozent. Im Vorjahr hatte sie bei 4,4 Prozent gelegen. Von den 20.203 Arbeitslosen im Oktober wurden 9.205 von der Arbeitsagentur und 10.998 von den Jobcentern betreut. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit entfiel überwiegend auf die von den Jobcentern betreuten Arbeitslosen. Mit knapp 24 Prozent gegenüber dem Vormonat fiel der Rückgang bei den Jugendlichen bis 20 Jahre am stärksten aus. Die Arbeitgeber meldeten 1.351 neue Stellen. Das waren 97 mehr als im September und 32 mehr als im Vorjahr.

Im Oktober kam es auch auf allen regionalen Arbeitsmärkten im Bezirk der Mainzer Arbeitsagentur zu einem Rückgang Arbeitslosenzahlen. Im Gesamtbezirk fiel die Quote von 5,7 auf 5,6 Prozent, in der Stadt Mainz von 6,5 auf 6,3 Prozent, in der Stadt Worms von 8,7 auf 8,5 Prozent, im Landkreis Alzey-Worms von 4,7 auf 4,6 Prozent und im Landkreis Mainz-Bingen von 4,4 auf 4,3 Prozent.