14.09.2020 | Presseinfo Nr. 59

Integration gelingt besser als gedacht

Immer mehr Geflüchtete finden Arbeit / Corona-Krise bremst positive Entwicklung
 

In diesem Jahr jährt sich der Satz der Kanzlerin „Wir schaffen das“ zum fünften Mal. Das Resümee der Agentur für Arbeit Mainz auf die Frage, wo wir nach fünf Jahren bei der Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt stehen, fällt überwiegend positiv aus. „Die Zahlen zeigen uns, dass wir ein gutes Stück vorangekommen sind“, sagt Heike Strack, Vorsitzende der Geschäftsführung der Mainzer Arbeitsagentur. So waren im August 2015 in Rheinhessen 764 Personen aus den acht Asylherkunftsländern sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Ein Jahr später lag die Zahl bei 1004 und stieg in der Folgezeit kontinuierlich bis auf aktuell 3304 Personen. Ihr Anteil an allen Beschäftigten beträgt damit aktuell 1,4 Prozent. 257 junge Menschen mit Fluchterfahrung befinden sich derzeit in einer Ausbildung. „Dank der verstärkten Sprach- und Integrationsprogramme ist die Arbeitsmarktintegration damit sogar schneller gelungen als ursprünglich prognostiziert“, so Strack.

Allerdings steht laut der Agenturchefin auch fünf Jahre nach der europäischen Flüchtlingskrise die Arbeitsmarktintegration – trotz der bisher erreichten Erfolge – weiterhin vor großen Herausforderungen. So haben mehr als die Hälfte der Beschäftigten mit Fluchthintergrund einen Job im Helferbereich. Viele sind über Zeitarbeitsfirmen oder im Minijob beschäftigt. Oftmals reicht der Verdienst deshalb nicht, um den Lebensunterhalt eigenständig zu bestreiten. Die Zahl derer, die Zuschüsse zum Gehalt bekommen, liegt aktuell bei rund 700. Beschäftigte mit geringem Qualifikationsniveau haben darüber hinaus ein hohes Risiko immer wieder arbeitslos zu werden. Derzeit sind 6.236 erwerbsfähige Personen mit Fluchthintergrund bei der Mainzer Arbeitsagentur gemeldet, davon sind 2.733 als arbeitslos registriert. Das sind rund 12 Prozent aller Arbeitslosen im Bezirk der Mainzer Arbeitsagentur.

 „Wir waren bisher auf einem guten Weg“, resümiert Strack. Allerdings habe die Krise sichtbare Spuren bei der Beschäftigungsentwicklung von Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit hinterlassen. Vor allem auch deswegen, weil sie oft in besonders betroffenen Branchen wie der Gastronomie, dem Einzelhandel oder der Logistik beschäftigt sind.

Es brauche daher weiterhin einen langen Atem um die Arbeitsmarktintegration von schutzsuchenden Menschen voranzubringen. Dabei sei Qualifikation das Schlüsselwort. „Unser Ziel ist es, dass die Menschen möglichst gut ausgebildet als Fachkräfte einen Job finden. Das geht am ehesten über eine fundierte Qualifizierung und den kontinuierlichen Erwerb von Sprachkenntnissen.“ Erfreulich nennt Strack die Entwicklung, dass immer mehr Geflüchtete für eine berufliche Ausbildung gewonnen werden können. 278 Personen mit Fluchthintergrund haben sich in diesem Jahr als Bewerberinnen und Bewerber für einen Ausbildungsplatz bei der Mainzer Arbeitsagentur gemeldet, 2016 waren das noch lediglich 65.

Eine besondere Herausforderung ist laut Strack die Integration von geflüchteten Frauen in den Arbeitsmarkt. Aufgrund traditioneller Rollenaufteilung seien sie mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen wesentlich schlechter zu erreichen und hätten einen höheren Unterstützungsbedarf als die Männer. Wir bieten deshalb spezielle Sprach- und Integrationskurse nur für Frauen an.

Insgesamt sind die Mainzer Arbeitsagentur und die Jobcenter in Rheinhessen für die Aufgabe der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten gut aufgestellt. So wurden Spezialistenteams gegründet, die die notwendige Fachlichkeit haben, die Lebenswelten kennen und oft unterschiedlichen Sprachen sprechen. Auch die Behörde selbst ist ein Stück bunter und diverser geworden. „Wir haben heute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 18 unterschiedlichen Nationen. Das ist wichtig, um die Menschen noch besser zu verstehen und unsere Aufgabe zu erfüllen“, so Strack. Deshalb werden in den Agenturen für Arbeit in Rheinland-Pfalz und dem Saarland bereits seit 2016 auch Menschen mit Fluchterfahrung zu künftigen Arbeitsmarktexperten ausgebildet. „Davon profitieren wir alle“, sagt Strack. Die ersten neun der insgesamt 11 Frauen und 8 Männer aus Syrien, Eritrea, Afghanistan und dem Iran haben in diesem Jahr erfolgreich ihre Prüfung abgelegt und arbeiten jetzt in verschiedenen Fachabteilungen der Arbeitsagenturen Jobcenter und der Familienkasse.

„Einige der Auszubildenden hatten in ihren Heimatländern vor ihrer Flucht bereits ein Studium begonnen. Im Vorfeld der Ausbildung bekommen sie bei uns eine siebenmonatige Vorbereitung, die auch eine intensive Sprachschulung beinhaltet“, erklärt Strack.