21.11.2019 | Presseinfo Nr. 158

Bilanz zum Ende des Beratungsjahres 2018/2019 - Kreis Soest

Keine Bremsspuren am Ausbildungsmarkt

Kreis Soest

Zum Abschluss des Berufsberatungsjahres 2018/2019 (Zeitraum Oktober 2018 bis September 2019) zieht die Agentur für Arbeit Meschede-Soest gemeinsam mit der IHK Arnsberg Hellweg-Sauerland und der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe Bilanz:

1.637 Jugendliche waren im abgeschlossenen Beratungsjahr bei den Agenturen für Arbeit im Kreis Soest als Bewerberinnen und Bewerber für Ausbildungsstellen gemeldet, 9 junge Menschen oder 0,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Am 30. September suchten noch 107 von ihnen eine Lehrstelle für dieses Jahr.  

Auf der anderen Seite meldeten Arbeitgeber im Kreis Soest 2.236 Ausbildungsstellen, die in diesem Jahr zu besetzen waren. Das sind 156 Stellen oder 7,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. 232 Lehrstellen davon waren Ende September noch nicht besetzt.

„Pro Bewerber gibt es in diesem Ausbildungsjahr 1,37 Berufsausbildungsstellen. Bewerberinnen und Bewerber haben dadurch eine größere Auswahl als in Nordrhein-Westfalen oder im Bundesgebiet. Das ist aus Bewerbersicht günstig, deshalb ziehen wir für das Ausbildungsjahr 2018/19 eine positive Bilanz. Denn trotz rückläufiger Schulentlasszahlen hält sich die Anzahl der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber in der Berufsberatung im Vergleich zum Vorjahr auf einem hohen Niveau.“, stellt Oliver Schmale, Leiter der Agentur für Arbeit Meschede-Soest fest. „Erfahrungsgemäß sind zum Ende des Ausbildungsjahres leider nie alle Ausbildungsstellen besetzt und auch nie alle Bewerberinnen und Bewerber versorgt, da Angebot und Nachfrage aus berufsfachlichen, regionalen, qualifikationsspezifischen oder auch infrastrukturellen Gründen voneinander abweichen“, ergänzt Schmale. „Im Gegensatz zum Arbeitsmarkt können wir am Ausbildungsmarkt keine Bremsspuren durch konjunkturelle Unsicherheiten beobachten. Obwohl das Ausbildungsjahr bereits begonnen hat, bestehen auch jetzt noch Möglichkeiten für Arbeitgeber und Bewerberinnen und Bewerber. Daneben können Arbeitgeber einmal mehr auf sich aufmerksam machen, indem sie über das Angebot von Praktika und Berufsfelderkundungen im Übergangssystem Schule und Beruf noch aktiver ihr Unternehmen und ihre Ausbildungsmöglichkeiten vorstellen.“ 

Die Situation am Ausbildungsmarkt im Kreis Soest hat sich nach Angaben der Industrie- und Handelskammer Arnsberg im Vergleich zum Vorjahr bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen um fast 3 Prozent auf 1.080 Verträge gesteigert. „Das ist super!“, freut sich IHK Hauptgeschäftsführerin Dr. Ilona Lange. „Die Steigerung hätte sogar noch deutlich höher ausfallen können, wenn es den Unternehmen gelungen wäre alle angebotenen Ausbildungsplätze zu besetzen.“ Trotzdem ein hervorragendes Ergebnis, denn in gesamt NRW ging die Zahl der neuen Ausbildungsverträge im Vergleichszeitraum um ein Prozent zurück. „Für die Unternehmen wird der Rückgang der Bewerber zu einer immer größeren Herausforderung. Dabei bietet gerade der Karriereeinstig über eine Berufsausbildung besonders gute Arbeitsmarktchancen. Noch zu wenige junge Menschen und auch ihre Eltern haben das im Blick“, so Dr. Lange.

Für die IHK-Chefin ist die erfreuliche Entwicklung auch der engen Zusammenarbeit von IHK Arnsberg, Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe und Agentur für Arbeit zu verdanken. Nur sehr selten finde man im Land eine solch intensive Kooperation. „Gemeinsam mit vielen weiteren Partnern werben wir mit karriere-hier.de intensiv für die Chancen unserer Region und auch die der beruflichen Bildung“, sagte Lange. Ziel sei es, mehr jungen Menschen die Möglichkeiten einer beruflichen Ausbildung als Karriereeinstieg aufzuzeigen.

„Karriere-hier“ bietet Eltern und Jugendlichen Informationen über die vielfältigen Karrierewege, konkrete Ansprechpartner und aktuelle Veranstaltungen rund um den Berufseinstieg über das Internet und die Lokalradios. „Abitur und Studium sind keine Garanten für beruflichen Erfolg.“, weiß Lange. Eine berufliche Ausbildung und anschließende Weiterbildungsmaßnahmen können ebenfalls zum Ziel führen.

Und jene, die sich dennoch zunächst auf ein Hochschulstudium einlassen und es dann wieder abbrechen, fangen IHK, Agentur für Arbeit und Kreishandwerkerschaft in dem Projekt „Spurwechsel“ auf. Dort werden zweifelnden Studenten und auch Studienabbrechern die beruflichen Alternativen in der Region aufgezeigt. Zum Angebot in der Region gehören auch die IHK-Azubi-Finder, die sich um passgenaue Besetzungen offener Ausbildungsstellen kümmern sowie die Elternbotschafter. „Wir brauchen diese Maßnahmen, denn es geht um Perspektiven für junge Menschen und Unternehmen gleichermaßen“, betont Dr. Ilona Lange und weist darauf hin, dass in den nächsten Jahren 10-mal mehr qualifizierte Fachkräfte fehlen als Akademiker.

Die Handwerksunternehmen im Kreis Soest haben die Zahl der Ausbildungsverträge in diesem Jahr deutlich gesteigert. Insgesamt stieg die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse um 9,6 Prozent (Stichtag 31.10.2019). Auf Bundes- und Landesebene ist dagegen ein geringfügiger Rückgang bei den Ausbildungsverträgen festzustellen. Hier haben die engagierten Aktivitäten zur Nachwuchsgewinnung vor Ort in enger Kooperation mit den Partnern Agentur für Arbeit, Berufskollegs, Jobcenter und Kommunale Koordinierungsstelle sowie die herausragende Kampagne „Traumberufe im Handwerk“ mit der lokalen Presse sicher ihre Wirkung gezeigt. „Die Steigerungsrate hätte aber auch zweistellig sein können, wenn sich noch mehr Jugendliche für eine Ausbildung mit langfristig glänzenden Perspektiven im Handwerk entschieden hätten“, so Detlef Schönberger, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe. „Denn an Ausbildungsstellen mangelte es nicht. Ganz im Gegenteil: Der Bedarf der Betriebe ist so groß, dass noch viele Ausbildungsverträge hätten geschlossen werden können“.
Für engagierte Jugendliche aller Schulformen gibt es in Handwerksbetrieben sehr oft kleine Teams mit verlässlichen, fachkompetenten und sympathischen Menschen, die ihr Handwerk sowie die Gemeinschaft leidenschaftlich leben. Schönberger weiter: „Wer über Praktika das zu ihm passende Handwerkerteam findet, wird in ein erfülltes und erfolgreiches Berufsleben starten. Erfüllung deshalb, weil individuelle handwerkliche Produkte gefertigt und Dienstleistungen erbracht werden, die jeder sehen kann und die die Menschen vor Ort dringend brauchen. Schon heute sind gute Handwerker/innen von sehr hohem gesellschaftlichem Wert mit enormen Zukunftschancen.“ Jugendliche, die sich auch noch kurzfristig für ein Praktikum oder eine Ausbildung im Handwerk vor Ort interessieren, können sich an Dietmar Stemann, Ausbildungs-Coach bei der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe, wenden: stemann@kh-hl.de oder Tel.: 02921 892-226.

Auch nach dem Start der Ausbildungen im August und September müssen alle Reserven mobilisiert werden. Auch Jugendliche mit schwachem Abschluss brauchen nicht nur eine Chance, sondern werden am Arbeitsmarkt gebraucht. „Wir kennen die Herausforderungen bei schwächeren Jugendlichen, sehen aber auch den Bedarf der Unternehmen. Die Agentur für Arbeit hält daher eine Fülle an Förderinstrumenten vor, die Betriebe und Nachwuchskräfte nutzen können, damit die Ausbildung erfolgreich begonnen und auch beendet werden kann. Wir bieten zum Beispiel kostenlose Nachhilfe an, unterstützen mit der assistierten Ausbildung, ermöglichen Langzeitpraktika und finanzieren berufsvorbereitende Maßnahmen“, so Schmale weiter.

Das Ausbildungsjahr 2019/20 hat bereits begonnen. Arbeitgeber als auch Bewerberinnen und Bewerber können folgende Kontaktdaten nutzen, um mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Arbeitsagentur in Kontakt zu kommen:

  • Ausbildungsbetriebe erreichen den Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Meschede-Soest kostenlos unter der Durchwahl 0800/ 4 5555 20
  • Alle Bewerber für Ausbildungsstellen erreichen die Berufsberatung kostenlos unter der Durchwahl 0800/ 4 5555 00.