16.07.2020 | Presseinfo Nr. 52

Der Arbeitsmarkt im ersten Halbjahr 2020 - HSK

Corona-Pandemie ist auf einen robusten Arbeitsmarkt getroffen
Steigende Arbeitslosigkeit, geringere Arbeitskräftenachfrage und Kurzarbeit auf Höchststand – so fasst die Agentur für Arbeit Meschede-Soest das erste Halbjahr 2020 im HSK zusammen.

Fast die Hälfte aller Beschäftigten im Agenturbezirk Meschede-Soest von Kurzarbeit betroffen

Eine Vielzahl der Betriebe aus dem Hochsauerlandkreis nutzt das Instrument Kurzarbeit, um die wirtschaftlichen Risiken abzufedern. Allein in den Monaten März bis Mai 2020 sind 3.089 Anzeigen zu Kurzarbeit eingegangen – so viel wie noch nie.

Analog zur Entwicklung der Anzeigen ist auch die Anzahl der Personen in Anzeigen mit Beginn des Lockdown stark gestiegen. Besonders betroffen sind vor allem das Gastgewerbe mit 493 Anzeigen und das verarbeitende Gewerbe mit 571 Anzeigen. In den Monaten März bis Mai 2020 wurden insgesamt 54.223 mögliche Personen in Kurzarbeit gemeldet, davon alleine 21.506 Beschäftigte aus dem verarbeitenden Gewerbe „Es bleibt abzuwarten, wieviel der angezeigten Kurzarbeit tatsächlich realisiert wird und wie hoch der Arbeitsausfall sein wird. Arbeitgeber haben drei Monate Zeit, den Antrag auf Kurzarbeit einzureichen. Erste grobe Hochrechnungen zur realisierten Kurzarbeit sind Anfang August zu erwarten“, so der Experte weiter.

Besonders im zweiten Quartal steigende Arbeitslosigkeit

Im Vergleich zum Vorjahr waren bereits im ersten Quartal 2020 – noch vor der Corona-Pandemie - erste konjunkturelle Eintrübungen erkennbar. So stieg die Arbeitslosigkeit bereits im Berichtsmonat März gegenüber dem Vorjahr um 1,9 Prozent. Die Entwicklung war in beiden Rechtskreisen unterschiedlich: Die Anzahl arbeitsloser Menschen im Rechtskreis SGBIII stieg im März um 6,1 Prozent an, wohingegen sie im Rechtskreis SGBII sogar um 1,2 Prozent sank. Im Versicherungsbereich (SGBIII – Arbeitslosengeld I) betreut die Agentur für Arbeit alle Personen, die aus einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung arbeitslos werden. Die Jobcenter hingegen betreuen ihre Kundinnen und Kunden im Bereich der Grundsicherung nach dem SGBII.

Bis zum Ende des ersten Halbjahres 2020 ist die Arbeitslosigkeit im HSK aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie weiter gestiegen, im Vergleich zum Vorjahr insgesamt um 26 Prozent. Insbesondere die letzten drei Monate haben dazu beigetragen, dass im Rechtskreis SGBIII rund 49,7 Prozent mehr Arbeitslose verzeichnet wurden als im Vorjahr, im Bereich der Grundsicherung (SGBII) 10,7 Prozent mehr.

In der langfristigen Betrachtung zeigt sich, dass die Corona-Pandemie zwar negative Auswirkungen hat, aber die Arbeitslosigkeit im Vergleich noch unter dem Niveau der Finanzkrise 2009 bleibt. In einem Juni war die Arbeitslosigkeit beider Rechtskreise zuletzt im Jahr 2014 mit insgesamt 7.389 Arbeitslosen höher. Die vielfältigen Eindämmungsmaßnahmen, davon insbesondere die Möglichkeit, über Kurzarbeit abzufedern, dürften diesen Effekt entscheidend gestützt haben.

Arbeitslose in den Berufen der Produktion und Fertigung sind bei den Veränderungen zum Vorjahr am stärksten betroffen, gefolgt von Berufen aus Verkehr und Logistik. Auch bei den Berufen aus Handel, Vertrieb und Tourismus sind deutliche Veränderungen erkennbar. Die Bedeutung von Qualifizierungen wird dadurch unterstrichen, dass etwa der Hälfte aller Arbeitslosen im Helferbereich arbeitet.

Die sonst einsetzende Frühjahrsbelebung ist mit sinkenden Arbeitslosenzahlen bis Juni aufgrund der Corona-Pandemie dieses Jahr ausgeblieben. In den Sommermonaten steigt traditionell die Zahl der Arbeitslosen saisonbedingt an. „Wir rechnen damit, dass sich die Arbeitslosigkeit ab Juli nochmals erhöht und hoffen, dass sie sich vielleicht nach dem Ende der Sommerferien wieder leicht entspannt“, prognostiziert Oliver Schmale, Chef der heimischen Agentur für Arbeit.

Junge Menschen besonders von der Krise betroffen

Starke Veränderungen bei der Arbeitslosigkeit lassen sich in jeder Altersgruppe erkennen. Dennoch ist die Lage während der Corona-Pandemie besonders für Menschen zwischen 15 und 25 Jahren angespannt. Im HSK sind gut 40 Prozent mehr junge Leute von Arbeitslosigkeit betroffen, als im Juni des letzten Jahres.

Neben den möglichen Jobverlusten wurden durch die Pandemie auch Aus- und Weiterbildungen unterbrochen. Ungünstig ist die derzeitige Lage auch für diejenigen, die Studium oder Ausbildung beenden. Bei einer langsamen Erholung der Wirtschaft muss mit einer schwierigeren Bewerbersituation gerechnet werden, da auch kommende Jahrgänge auf den Arbeitsmarkt drängen.

Geringere Arbeitskräftenachfrage, Stellenzugänge aber noch über Finanzkrisen-Niveau

Eine wichtige Säule der heimischen Wirtschaft ist nach wie vor das produzierende Gewerbe. Unter Corona-Bedingungen ist vor allem dieser konjunkturanfällige Wirtschaftszweig besonders stark getroffen. Es ist somit nicht verwunderlich, dass in den Berufen aus Produktion und Fertigung mit Abstand die höchsten Stellenrückgänge im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen sind.

Insgesamt ist die Arbeitskräftenachfrage angesichts der vorliegenden Rahmenbedingungen aber trotzdem auf einem hohen Niveau.

Dadurch, dass sehr viele Betriebe Kurzarbeit eingeführt haben, hat dies auch direkte Auswirkungen auf Neueinstellungen bzw. Stellenmeldungen. Arbeitgeber haben insgesamt im ersten Halbjahr etwa 30 Prozent weniger Arbeitsstellen gemeldet als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.