09.09.2020 | Presseinfo Nr. 47

Ausbildung 2020 – Chancen und Angebote

Perspektiven für den regionalen Ausbildungsmarkt haben Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein, Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach und Agentur für Arbeit Mönchengladbach in einer gemeinsamen Pressekonferenz aufgezeigt.
 

Agentur für Arbeit Mönchengladbach

36501_moenchengladbach_claim_c„Im unserem ,ABC des regionalen Ausbildungsmarkts‘ steht das C nicht für Corona, sondern für Chancen“, hebt Angela Schoofs vor. Und die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Mönchengladbach fügt an: „Im Konsens setzen die Partner des regionalen Ausbildungsmarktes alles daran, der jungen Generation alle Chancen auf einen Berufseinstieg zu ermöglichen.“

Auch nach dem offiziellen Start ist noch viel Bewegung auf dem Ausbildungsmarkt in Mönchengladbach und im Rhein-Kreis Neuss. „Durch die Corona-Pandemie hat sich alles um ein bis zwei Monate verzögert. Wir bestärken junge Menschen deshalb, sich weiter für ihre Ausbildung in diesem Jahr einzusetzen“, erklärt Angela Schoofs. „Unser Ziel hat Bestand: Jeder Jugendliche erhält ein Angebot.“ Um dieses zu erreichen, gebe es „ein breites Förderangebot der Bundesagentur für Arbeit für Bewerber und Unternehmen, das durch Bundes- und Landesprogramme ergänzt worden ist. Beispielsweise hat sich für noch Unentschlossene die Einstiegsqualifizierung (EQ) als optimale Vorbereitung auf eine Ausbildung erwiesen. Der Jugendliche verdient schon gutes Geld, erhält ein anerkanntes Zertifikat und kann die Zeit auf die spätere Ausbildung anrechnen lassen. Hier profitieren junge Menschen und Unternehmen gleichermaßen.“

Orientierung bietet Jugendlichen die Berufsberatung der Agentur für Arbeit. „Damit wird in der Pandemie immer erreichbar sind, agieren wir auf drei Wegen. Zum ersten haben wir die telefonische Erreichbarkeit deutlich ausgebaut und um Hotlines wie ,Bei Anruf: Ausbildungsplatz!‘ ergänzt, die mit unseren Fachleuten besetzt sind. Zum zweiten haben wir den Kontakt zu Bewerbern und Arbeitgebern per E-Mail und Chat intensiviert sowie neue Anlaufpunkte im Internet geschaffen wie das digitale Berufsinformationszentrum, das derzeit aufgebaut wird. Und zum dritten bieten wir terminierte persönliche Beratungen unter den notwendigen Gesundheitsschutzbedingungen in Schulen, Betrieben wie auch der Arbeitsagentur an.“

Erleichtert wäre Angela Schoofs, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Mönchengladbach, wenn sie im Januar 2021 gemeinsam mit den Partnern am regionalen Ausbildungsmarkt feststellen könnte: „Das war ein Chancenjahrgang auf dem Ausbildungsmarkt. Alle junge Menschen, die trotz der Corona-Pandemie eine Ausbildung beginnen konnten, haben ein Jahr gewonnen. Und die Arbeitgeber, die ihr Ausbildungsangebote aufrechterhalten haben, haben im Wettlauf um die Fachkräfte von morgen ebenfalls ein Jahr gewonnen.“


Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein

IHK_MNR_Logo_15,5mm_rgbDer 1. August gilt traditionell als Start des Ausbildungsjahres. Aber in diesem Jahr ist alles anders. Covid-19 hat dazu geführt, dass Ausbildungsmessen ausgefallen sind und Vorstellungsgespräche verschoben wurden. Die Folge: Der Ausbildungsmarkt ist in seiner Entwicklung mehrere Wochen hinterher. Für dieses Jahr geht der IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz davon aus, dass deutlich mehr Ausbildungsverhältnisse erst später beginnen werden: „Der Ausbildungsstart 1. August ist nicht in Stein gemeißelt. Unternehmen werden auch bis in den Winter hinein noch Azubis einstellen.“

In der Region der IHK Mittlerer Niederrhein (Krefeld, Mönchengladbach sowie die Kreise Neuss und Viersen) beträgt der Rückgang der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zum 1. September im Vergleich zum Vorjahr 15 Prozent, von 4.078 auf 3.466. Der NRW-Schnitt liegt bei einem Minus von 16,8 Prozent. „Damit liegen wir im NRW-Vergleich aktuell auf Platz 5“, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer. In Mönchengladbach ist die Zahl um 19,8 Prozent gesunken, von 955 auf 766, im Rhein-Kreis Neuss um 13,8 Prozent von 1.313 auf 1.132. „Wir hoffen noch auf einen gewissen Aufholeffekt, zumindest in den Branchen, in denen es konjunkturell wieder anzieht“, erklärt Steinmetz. So seien zum Beispiel in der IHK-Lehrstellenbörse (Stand 1. September) 159 freie Stellen für 2020 in der Region aufgeführt. Jürgen Steinmetz rät den Jugendlichen, sich auch jetzt und in den nächsten Wochen noch auf Ausbildungsstellen zu bewerben und appelliert an die Unternehmen, weiterhin Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen: „Unabhängig von Krisenzeiten wie diesen ist die duale Ausbildung immer ein wichtiger Hebel gegen Fachkräfteknappheit. Und für die Schulabgänger bietet die duale Ausbildung nach wie vor gute Beschäftigungschancen und Karriereaussichten.“

Das belegt auch eine aktuelle Studie des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung an der Universität Tübingen (IAW), die im Auftrag des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK) erstellt wurde. Mit einem kumulierten Verdienst von rund 1,4 Millionen Euro liegen Menschen, die nach einer Ausbildung eine Weiterbildung zum Meister oder Techniker absolviert haben, am Ende ihres Erwerbslebens fast gleichauf mit Akademikern. „Meister und Techniker haben bis zum 60. Lebensjahr –  und somit während des größten Teils ihres Berufslebens – gegenüber den Akademikern finanziell die Nase vorn“, ergänzt Daniela Perner, IHK-Geschäftsführerin des Bereichs Innovation, Bildung, Fachkräfte. Das klassische Vorurteil, dass Akademiker grundsätzlich mehr verdienen als Nicht-Akademiker, stimme nur bedingt. „Höchste Zeit also, gängige Vorurteile in Frage zu stellen“, sagt die IHK-Geschäftsführerin. „Der Karriereweg über die berufliche – stärker praxisorientierte – Bildung ist für viele eine lohnende Alternative zum Studium.“ Das gelte für junge Menschen bei der Berufswahl ebenso wie für Unternehmen bei der Suche nach Talenten für eine gemeinsame Zukunft. Steinmetz sagt dazu: „Die deutsche Wirtschaft jedenfalls profitiert seit Jahrzehnten von der betriebsnahen Aus- und Weiterbildung.“

Jürgen Steinmetz betont, dass die IHK Mittlerer Niederrhein durch vielfältige Aktionen dazu beiträgt, Bewerber und Unternehmen zusammenzubringen und Jugendliche für die duale Ausbildung zu begeistern. Bei der CHECK IN Berufswelt zum Beispiel können sich Jugendliche in den Betrieben ein Bild von den jeweiligen Berufsbildern machen. Darüber hinaus organisiert die IHK Azubi-Speed-Datings, bei denen die Jugendlichen 10 Minuten Zeit haben, um den Ausbildungsbetrieb ihrer Wahl von sich zu überzeugen. Die Berater für „Passgenaue Besetzung“ bringen Unternehmen und Jugendliche zusammen. Der Service wird vom Europäischen Sozialfonds und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Bei der Initiative „Ausbildungsbotschafter“ berichten von der IHK geschulte Azubis und duale Studenten in allgemeinbildenden Schulen über ihren Beruf. Außerdem unterstützen die Experten der IHK-Fachkräfteberatung Unternehmen dabei, Jugendliche zu gewinnen.


Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach

Logo_Kreishandwerkerschaft_MoenchengladbachDurch die Corona-Pandemie ist der Ausbildungsmarkt in ein schweres Fahrwasser geraten. Der Shut-down hat für Unsicherheiten bei Schülern, Bewerbern sowie bei deren Eltern und Lehrern gesorgt, ob eine Ausbildung überhaupt stattfinden könne. „In den vergangenen Monaten hatten wir das Problem, dass es kein Matching zwischen Betrieben und Jugendlichen gab und auf den üblichen Wegen keine Berufsorientierung stattgefunden hat“, berichtet Stefan Bresser, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach. „Coronabedingt gab es keine Praktika und keine Ausbildungsmessen, persönliche Berufsorientierungsgespräche waren kaum durchzuführen. Über Monate wurde von den Problemen der Wirtschaft und der Betriebe gesprochen, was viele potenzielle Ausbildungsbewerber nachdenklich und bei der Suche nach Ausbildungsplätzen zurückhaltend gestimmt hat.“

Erstmals seit Jahren sind die Ausbildungszahlen im Mönchengladbacher Handwerk rückläufig. Die Zahl der bei der Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach neu eingetragenen Ausbildungsverträge lag zum Stichtag 8. September 2020 mit insgesamt 343 Verträgen unter dem Vorjahresniveau (402 Ausbildungsverträge). Die Situation des regionalen Ausbildungsmarktes ähnelt dem bundesweiten Trend. Derzeit wurden in Mönchengladbach circa 14,7 Prozent weniger neue Ausbildungsverträge abgeschlossen als gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Wie in den vergangenen Jahren sind die technisch anspruchsvollen Ausbildungsberufe, der Kfz-Mechatroniker (48 Ausbildungsverträge), der Elektroniker (50 Ausbildungsverträge) sowie der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizung-, Klimatechnik (45 Ausbildungsverträge) die zahlungsmäßig stärksten Ausbildungsberufe.

Bemerkenswert ist laut Stefan Bresser, dass „Stand jetzt weniger Ausbildungsstellen gegenüber dem Vorjahreszeitraum besetzt werden konnten, demgegenüber aber die Zahl der nicht besetzten Ausbildungsstellen hoch ist. Bundesweit sind derzeit im Handwerk noch über 33.000 Ausbildungsstellen nicht besetzt, in Mönchengladbach gehen wir derzeit von rund 100 unbesetzten Ausbildungsstellen aus. Derzeit bemühen wir uns, Betriebe und Azubis zusammenzubringen, so dass sich die Lage verbessert.“

Die Nachfrage und der Beratungsbedarf seitens der Ausbildungsplatzsuchenden hat für die Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach zugenommen. „Bei der Beratung der jungen Menschen wird immer wieder darauf hingewiesen, dass in ,normalen Ausbildungsjahren‘ das Ausbildungsverhältnis offiziell meist zum 1. August startet. In diesem Jahr haben wir eine außergewöhnliche Situation. Daher ist der Einstieg in eine duale Berufsausbildung sogar noch zum November hin möglich“, sagt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft und fügt hinzu: „Man kann es also auf den Punkt bringen: Für eine gute Ausbildung im Handwerk mit besten Perspektiven für die Zukunft ist es nie zu spät. Nach wie vor ist der Fachkräftebedarf im Handwerk sehr hoch. Die handwerkliche Ausbildung bietet beste Perspektiven und mit bestandener Prüfung auch hinreichende Möglichkeiten, sich weiter zu entwickeln; an dieser Stelle soll zum Beispiel der Meister oder das duale Studium erwähnt werden.“