Inklusion am Arbeitsmarkt – junge Gehörlose macht Mut

Paulina Michniacka macht Menschen Mut, die eine Behinderung haben und versuchen, beruflich Fuß zu fassen. Ihr haben dabei Freunde, ein Arbeitgeber und die Agentur für Arbeit geholfen.

Paulina Michniacka verließ im Sommer ihre polnische Heimat und zog zu ihrem Freund nach Mönchengladbach. „Wir haben uns vor fünf Jahren kennengelernt, und inzwischen war unser Wunsch so groß, beisammen zu leben, dass ich den Umzug gewagt habe“, erzählt die gehörlose 27-Jährige in Gebärdensprache. Ebenso groß sei aber auch ihr Wunsch gewesen, in ihrer neuen Heimat zu arbeiten: „Ich war in der Medikamentenkontrolle für Apotheken tätig und habe, nachdem ich nach Deutschland gekommen war, sofort begonnen, fleißig Bewerbungen zu schreiben. Der Anfang war allerdings ziemlich holprig. Aufgrund meiner Schwerbehinderung habe ich zunächst nur Absagen bekommen.“ Das änderte sich, als ihr ein Freund von der Diakonie Neue Arbeit Integration gGmbH in Mönchengladbach berichtete. Paulina Michniacka schrieb eine Initiativbewerbung, wurde zu einem Kennenlernen eingeladen und mit Spezialisten der Arbeitsagentur Mönchengladbach in Kontakt gebracht, die sich um Menschen mit Behinderungen und deren Integration in den Arbeitsmarkt kümmern. Die 27-Jährige erinnert sich zurück: „Ab dem Moment wuchs mein Selbstbewusstsein, weil ich von allen Seiten ganz viel Geduld spürte und mich immer gut verstanden fühlte.“

Der 1992 von den Vereinten Nationen ausgerufene Internationale Tag der Menschen mit Behinderung soll weltweit jedes Jahr am 3. Dezember das Bewusstsein für deren Belange stärken. Die Bundesagentur für Arbeit begleitet diesen Tag mit einer Aktionswoche und unterstützt damit zugleich die Bundesregierung, die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen. Dazu erklärt Angela Schoofs, Geschäftsführerin der Arbeitsagentur für Mönchengladbach und den Rhein-Kreis Neuss: „Die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen leitet sich unter anderem von deren Zugang zum Arbeitsmarkt ab. Wir als Agentur für Arbeit unterstützen sie dabei, indem wir beraten und finanziell helfen. Unsere Spezialisten haben sich dazu ein Motto gegeben, das mit gefällt: Unsere Aufgabe ist es, die Dinge möglich zu machen.“

Paulina Michniacka hat Arbeit bei der Diakonie Neue Arbeit Integration gGmbH gefunden, die in Mönchengladbach-Hardt eine Großwäscherei für Krankenhäuser und Altenheime betreibt. Die Gesellschaft des Diakonischen Werkes wurde im Jahr 2005 gegründet und beschäftigt derzeit 67 Inklusionsarbeitnehmer, 59 davon in der Wäscherei. „Deutschland ging es seinerzeit wirtschaftlich immer besser, dennoch blieben besonders benachteiligte Menschen auf der Strecke“, blickt Abteilungsleiterin Marion Schaefer-Henze auf den Anfang des Jahrhunderts zurück. Das habe das Diakonische Werk der evangelischen Kirche in Mönchengladbach damals dazu bewogen, ein Inklusionsunternehmen zu gründen. „Wir sind damit aber nicht allein gewesen“, hebt Marion Schaefer-Henze hervor, „Unternehmen, die Inklusion ermöglichen, sind und werden immer wichtiger. Deshalb ist es schön zu sehen, dass sich bei uns in Mönchengladbach schon einiges entwickelt hat.“

967 Menschen mit Behinderung aus Mönchengladbach und 1.007 aus dem Rhein-Kreis Neuss haben im Oktober 2020 eine Arbeit gesucht. Sie machen damit 7,07 Prozent der Arbeitslosen in Mönchengladbach und 7,26 Prozent der Arbeitslosen im Rhein-Kreis Neuss aus. Ein Jahr zuvor waren es in Mönchengladbach noch 13 Personen weniger gewesen und im Rhein-Kreis Neuss 37 Personen. 374 der arbeitslosen Menschen mit Behinderung aus Mönchengladbach suchen eine Tätigkeit als Fachkraft, weitere 63 streben eine höherwertige Beschäftigung als Spezialist oder Experte an. 478 suchen eine Tätigkeit auf Helferniveau. 367 der arbeitslosen Menschen mit Behinderung aus dem Rhein-Kreis Neuss suchen eine Tätigkeit als Fachkraft, weitere 121 streben eine höherwertige Beschäftigung als Spezialist oder Experte an. 491 suchen eine Tätigkeit auf Helferniveau.

Unternehmerinnen und Unternehmer zu ermutigen, Betriebe oder Teilbereiche daraus mit Inklusionsarbeitsplätzen auszustatten, ist eine Aufgabe von Richard de Maria Cano. In Mönchengladbach und im Rhein-Kreis Neuss ist er für die Arbeitsagentur als Spezialist für Menschen mit Behinderungen unterwegs, um für deren gesellschaftliche Teilhabe am Arbeitsmarkt zu werben, denn: „Es ist nicht schwer, einen Menschen mit Behinderung einzustellen.“ Die Agentur für Arbeit stehe mit Rat und finanziellen Hilfen zur Seite: „Wir können einen Eingliederungszuschuss gewähren, der eine verlängerte Einarbeitungszeit kompensiert. Wir können technische Hilfen für den Arbeitsplatz finanzieren oder auch einen Gebärdendolmetscher für ein Bewerbungsgespräch fördern. Später kann auch das Inklusionsamt des Landschaftsverbands Rheinland den Betrieben finanziell zur Seite stehen.“

„Ich fühle mich langsam angekommen“, sagt Paulina Michniacka von ihrem Neustart ins Berufsleben. Dabei ist der noch gar nicht lange her: „Am 16. November habe ich in der Wäscherei begonnen. Vorher aber konnte ich schon vier Wochen lang die unterschiedlichen Abteilungen kennenlernen, was mir die Arbeitsagentur Mönchengladbach ermöglicht hat. Vielleicht können meine Erfahrungen bei der Suche nach einem Arbeitsplatz anderen Menschen mit Behinderungen Mut machen.“