Erzieherin und Erzieher

Kindertagesstätten in Mönchengladbach und im Rhein-Kreis Neuss sind auf neue Fachkräfte angewiesen. Die Agentur für Arbeit unterstützt bei der Qualifizierung neuer Erzieherinnen und Erzieher.

"Es geht um das Wohl der Kinder" – 2022 startet wieder eine Erzieher-Umschulung

Einer war Flugbegleiter, dann kam die Pandemie, die Flugzeuge blieben am Boden. Eine arbeitete als Grafikdesignerin, wollte aber immer schon mehr mit Menschen machen. Einer fragte sich zur Berufslebensmitte, ob das Leben noch mehr zu bieten hat, als die Personalabteilung eines Unternehmens zu leiten. Eine arbeitete als Kosmetikern, wurde in Kurzarbeit geschickt und begriff das als Chance, in einen Beruf zu wechseln, den sie sich immer schon hatte vorstellen können. Sie alle sitzen jetzt in einem Klassenraum des Maria-Lenssen-Berufskollegs in Rheydt und schulen zum Erzieher oder zur Erzieherin um.

In Mönchengladbach ist die Nachfrage nach Kita-Plätzen ungebrochen. Weil Stadt und freie Träger den Bau neuer Kindergärten vorantreiben, werden in den nächsten Jahren zahlreiche Fachkräfte benötigt. Allein bis zum Jahr 2024 sollen mehr als 700 Erzieher*innen neu eingestellt werden, hatte die Stadtverwaltung im Frühjahr 2021 erklärt und ein gemeinsames Modellprojekt mit der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter Mönchengladbach sowie dem Maria-Lenssen-Berufskolleg gestartet: Beworben wurde eine Umschulung zum Erzieher oder zur Erzieherin in Form einer Praxisintegrierten Ausbildung (PiA). Da die Umschüler*innen von Beginn an in einer Kita angestellt sind, erhalten sie, anders als bei der schulischen Erzieherausbildung, ein Ausbildungsentgelt. Und sie werden darüber hinaus von der Agentur für Arbeit in den ersten zwei Jahren zusätzlich gefördert.

Das gemeinsame Werben hat sich gelohnt. Am Maria-Lenssen-Berufskolleg konnten Umschüler*innen in zwei PiA-Klassen aufgenommen werden. Inzwischen liegen die ersten Monate hinter ihnen. "Durch Zufall war ich auf einen Zeitungsartikel gestoßen, der das Pilotprojekt ankündigte. Ich habe ihn gelesen, weggelegt, gelesen, weggelegt – ein paar Tage ging das so. Dann habe ich zum Telefon gegriffen, mich bei der Arbeitsagentur beraten lassen und mir danach spontan ein sechswöchiges Praktikum in einer Kindertagesstätte gesucht", erzählt Stefan Päßler. Schon zuvor hatte der 50-Jährige für sich den Entschluss gefasst, beruflich noch einmal etwas Neues zu starten: "Ich hatte mein Leben lang, zuletzt als Leiter einer Personalabteilung, mit Menschen zu tun. Allerdings habe ich immer stärker gespürt, dass ich das noch einmal in einer ganz anderen Form tun möchte."

Stefan Päßler besucht wie die anderen Umschüler*innen mittwochs und donnerstags das Berufskolleg an der Werner-Gilles-Straße in Rheydt. Freitags bietet ihnen die Stadt Mönchengladbach zusätzlich ein oder zwei Mal im Monat Seminare an, in denen zum Beispiel die kollegiale Beratung oder der Kinder- und Jugendschutz thematisiert werden. Montags, dienstags und freitags arbeiten die Umschüler*innen in unterschiedlichen Kindertagesstätten mit, die sie vor Umschulungsbeginn bereits über Praktika kennengelernt hatten. "Praktika sind im Vorfeld verpflichtend, damit sich die Interessenten einen konkreten Eindruck von der Tätigkeit als Erzieher oder Erzieherin machen können und die Umschulung für sie zu einem Erfolg werden kann", erklärt Eva Krause, zuständige Teamleiterin der Agentur für Arbeit Mönchengladbach. "Stellen beide Seiten durch das Praktikum fest, dass sich das Interesse verfestigt hat, erfolgen die Anmeldung am Berufskolleg und kann mit der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter eine Vereinbarung getroffen werden, so dass die dreijährige Umschulung starten kann." Das war in diesem Jahr im August so – und das wird 2022 wieder so sein.

Die Partner des Projektes haben sich darauf verständigt, auch nächstes Jahr wieder gemeinsam für diese Umschulung zu werben. Dazu erklärt Silke Venten, PiA-Klassenlehrerin am Maria-Lenssen-Berufskolleg: "Für uns ist 2022 denkbar, wieder bis zu 15 Umschüler in die Klassen der Praxisintegrierten Ausbildung für Erzieherinnen und Erzieher aufzunehmen."

Finanziell ist die Umschulung nicht uninteressant, berichtet Jessica Kitschke. Der Kosmetikerin ging während der Corona-Pandemie die Arbeit verloren. Sie wurde zunächst in Kurzarbeit geschickt, erkannt dann aber ihre "Chance, über die Umschulung in einen Beruf zu wechseln, den ich mir früher schon für mich hatte vorstellen können". Sie nennt den Lohn, der ihr nach der PiA-Ausbildung winkt, attraktiv: "Und auch jetzt kommt man durch die Ausbildungsvergütung gut über die Runden, die noch über den Arbeitslosengeld-Freibetrag aufgestockt wird." Darüber hinaus können über die Arbeitsagentur zusätzlich Kinderbetreuungs- und Fahrtkosten gefördert werden.

Übereinstimmend ist die Zustimmung, dass der Schritt richtig gewesen ist, die Umschulung in Mönchengladbach zu beginnen. "Morgens fahre ich total gerne in die Kita", sagt Stefan Päßler. "Man hat uns sofort in die Arbeit eingebunden. Für Menschen, die aus dem Arbeitsprozess kommen, ist das aktive ,Mitwirken können‘ besonders wichtig. Die Arbeit ist zwar anstrengend, das darf man nicht unterschätzen. Sie gibt jedenfalls meinem Leben einen tiefen Sinn – denn es geht um das Wohl der Kinder!"

Silke Venten, PiA-Klassenlehrerin am Maria-Lenssen-Berufskolleg in Mönchengladbach (rechts), mit einigen Umschüler*innen, die seit August 2021 zu Erzieher*innen ausgebildet werden.
Silke Venten, PiA-Klassenlehrerin am Maria-Lenssen-Berufskolleg in Mönchengladbach (rechts), mit einigen Umschüler*innen, die seit August 2021 zu Erzieher*innen ausgebildet werden.

Verschaffen Sie sich einen ersten Einblick in den Berufsalltag der Erzieherinnen und Erzieher anhand von Videos und Textbeiträgen über die Internetseite von BerufeTV.

BERUFETV

Informationsveranstaltung

Es gibt unterschiedliche Wege, Erzieher*in zu werden, speziell in Nordrhein-Westfalen. Martina Derks und Ilka Neuschel, Spezialistinnen der Berufsberatung im Erwerbsleben, stellen die Zugangswege in einer virtuellen Veranstaltung mit dem Titel "Wege in den Erzieherberuf" am 28. April 2022, 16 bis 17.30 Uhr, vor.

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Kontakt und Beratung

Möchten Sie mehr über die Praxisintegrierte Ausbildung (PiA) erfahren oder Ihre individuellen Fördervoraussetzungen klären? Dann nutzen Sie den PiA-Wegweiser der Agentur für Arbeit Mönchengladbach. Darin erfahren Sie alles zu den notwendigen Schritten:

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Unterstützt werden Sie außerdem hier:

  • Die Fachschulen für Sozialpädagogik der Region helfen bei der Klärung der Aufnahmevoraussetzungen*.
  • Die Praktikumplatzbörse der Stadt Mönchengladbach erleichtert die Suche nach Praktikumsplätzen.
  • Die Agentur für Arbeit Mönchengladbach berät zu den persönlichen Fördervoraussetzungen. Nehmen Sie Kontakt zu uns auf und füllen Sie dazu ganz einfach unser E-Mail-Formular aus:

*In Mönchengladbach besteht das Angebot zur Förderung von Umschülerinnen und Umschüler zu Erzieherinnen und Erziehern ausschließlich am Maria-Lenssen-Berufskolleg.
 


Lebens- und berufserfahrene Menschen gesucht

Mönchengladbach ist Modellkommune im Landesprojekt NRW "Personalgewinnung von Erzieher*innen der Elementarpädagogik". Die Stadtverwaltung informiert darüber unter anderem mit zwei Videos auf ihrer Internetseite: 

PiA – die Praxisintegrierte Ausbildung

Seit dem Jahr 2012 gibt es eine Alternative zur rein schulischen Erzieherausbildung: die Praxisintegrierte Ausbildung (PiA). Während der dreijährigen Ausbildung erfolgt hierbei ein regelmäßiger Wechsel zwischen Schule und Praxis. Diese Form der Qualifizierung eignet sich besonders für die Erwachsenenbildung. Die Vergütung wird im gesamten Qualifizierungszeitraum von drei Jahren gezahlt. Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter fördern die Qualifizierung unter bestimmten Voraussetzungen bei arbeitslosen und arbeitssuchenden Kundinnen und Kunden. Alternativ dazu eröffnet das BAföG (Bundesausbildungsförderungsgesetz) weitere Fördermöglichkeiten. Die Zugangsvoraussetzungen sind bei allen Qualifizierungswegen identisch:

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