Seit mehr als 30 Jahren ist der 3. Dezember der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung. Die Arbeitsagentur für Mönchengladbach und den Rhein-Kreis Neuss hat dies zum Anlass genommen, um in einem Pressegespräch die aktuelle Arbeitsmarktlage für Menschen mit Behinderung und mögliche Unterstützungsangebote zu beschreiben und um ein Unternehmen aus Mönchengladbach beispielhaft vorzustellen, das zeigt, wie Inklusion am Arbeitsmarkt gelebt werden kann.
"Ausprobieren. Offen sein. Einfach machen." Georg Bockers ist ein Mann klarer Worte. Wenn der Inhaber von Georgs Fahrradladen beschreibt, wie sich sein Unternehmen an der Süchtelner Straße in Mönchengladbach bei der Inklusion von Menschen mit Behinderung engagiert, ist spürbar, dass er genau nach diesen Worten lebt und handelt: "Jeder bringt sich bei uns mit seinen Fähigkeiten ein. Da macht es keinen Unterschied, ob jemand eine Behinderung hat oder nicht. Es können immer Wege gefunden werden, um Menschen mit Einschränkungen in unseren Arbeitsalltag zu integrieren. Irgendwann haben wir einfach begonnen, dazu unsere Toilette behindertengerecht umzubauen, Tresen für Rollstuhlfahrer abzusenken und elektrische Türöffner einzubauen." Beschäftigt sind bei ihm 25 Mitarbeitende, inzwischen sechs davon mit einer Behinderung.
Jonas Schuck ist einer von ihnen. In diesem Jahr hat er, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, seine Ausbildung bei Georgs Fahrradladen begonnen. Vor seiner Erkrankung ist er selbst leidenschaftlich gerne Fahrrad gefahren, davon profitiert er heute in jedem Kundengespräch: "Durch meine Erkrankung hat sich der Weg zu Georgs Fahrradladen als sehr gute Möglichkeit herausgestellt, ins Berufsleben einzusteigen. Ich bin froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Es ist nicht immer einfach, aber ich fühle mich hier angenommen und gut aufgehoben. Ich habe das Gefühl, dass ich meinen Beitrag leisten kann, und das gibt mir viel Selbstvertrauen. Und die Gespräche mit den Kunden – das macht mir wirklich Spaß."
In Kontakt gebracht worden ist Jonas Schuck mit Georg und Marina Bockers, die Ausbildungsleiterin des Unternehmens, über die Agentur für Arbeit Mönchengladbach. Alle erinnern sich zurück, wie schnell der Ausbildungsvertrag im Sommer 2025 nach einem Vermittlungsgespräch mit Berufsberaterin Kristina Wintzen und mit Unterstützung aus dem Arbeitgeberservice durch Richard de Maria Cano zustanden gekommen war. "Viele Dinge passten hier sofort. Und ein paar Dinge müssen noch angepasst werden, damit dann alles zusammenpasst. Insbesondere ist noch eine Liege anzuschaffen, damit sich Jonas zwischendurch ausstrecken und seine Beinmuskeln entspannen kann", schildert Marina Bockers. Wenn man Menschen mit Behinderung beschäftigen wolle, gebe es viele Partner, die einen dabei unterstützten.
"Wir sehen und fördern solches Engagement sehr, sehr gerne, weil gelebte Inklusion für jeden Einzelnen aber auch für jedes engagierte Unternehmen eine große Bereicherung bedeutet", erklärt Rainer Imkamp, Leiter der Agentur für Arbeit Mönchengladbach. "Wir werben dafür, dass noch mehr Unternehmen mit der Arbeitsagentur Kontakt aufnehmen und sich beraten lassen, wie Inklusion im jeweiligen Arbeitsumfeld umgesetzt werden kann. Gesprochen wird dann nicht nur darüber, welche Fördermöglichkeiten es gibt – vom Eingliederungszuschuss bis zur behindertengerechten Ausstattung von Arbeitsplätzen. Gesprochen wird auch darüber, dass – so ist unsere Erfahrung – Menschen mit Behinderung in ihrem jeweiligen Berufsfeld oftmals sehr hoch qualifiziert sein können und Arbeitgeber in ihnen dauerhaft verlässliche, engagierte Arbeitnehmer finden können."
Die Agentur für Arbeit kann Betriebe unterstützen, wenn sie einen Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin mit Schwerbehinderung einstellen oder ausbilden wollen, beispielsweise durch einen Eingliederungszuschuss oder Einstiegsqualifizierung, durch die Übernahme der Kosten während einer Probebeschäftigung oder durch einen Zuschuss zur Aus- und Weiterbildung. Die Arbeitsagentur kann außerdem bei der behindertengerechten Ausstattung von Arbeitsplätzen unterstützen. Das kann vom Umbau zu einer behindertengerechten Toilette bis zu breiteren Türöffnungen reichen. Unterstützt wird vonseiten der Arbeitsagentur auch, wenn es für junge Menschen mit einer Schwerbehinderung nicht sofort im ersten Ausbildungsberuf klappt. Und Integration wird gefördert, indem beispielsweise Fahrdienste organisiert werden, wenn damit für Menschen die berufliche Teilhabe ermöglicht wird.
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können über die kostenfreie Hotline 0800 4555500 mit ihnen einen Beratungstermin vereinbaren. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber können sich über die kostenfreie Hotline 0800 4555520 informieren und beraten lassen. Eine informative Broschüre kann im Internet unter www.arbeitsagentur.de/vor-ort/datei/reha-broschuere_ba175254.pdf heruntergeladen werden.

