Neue Berufe in Zeiten von Corona: Kaufmann/Kauffrau E-Commerce

Der Online-Handel boomt. Und das nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie. Darauf war schon im Jahr 2018 reagiert worden, indem der Ausbildungsberuf des Kaufmanns oder der Kauffrau E-Commerce eingeführt wurde. Nach dreijähriger dualer Ausbildung legen folglich in diesem Jahr die ersten Absolventen ihre Prüfungen ab.

Wer Kaufmann oder Kauffrau im E-Commerce ist, der hat einen Beruf im Handel erlernt – nur ohne Ladengeschäft, stattdessen mit einem Online-Shop. Diese neue Variante des Kaufmanns und der Kauffrau wird branchenübergreifend benötigt, sei es im Einzel- oder Großhandel, bei Herstellerbetrieben, für Internet-Shops, bei Speditionen und in der Logistik wie auch in der Touristik, wenn Reisen und Flüge online angeboten werden. Überall dort können Arbeits- und damit zuvor Ausbildungsstellen zu finden sein.

Es handelt sich um eine klassische Ausbildung an der Schnittstelle zwischen Verkauf, Einkauf, Marketing, Logistik, Buchhaltung und IT. Man gestaltet das Sortiment, beschafft Waren oder Dienstleistungen, präsentiert diese in einem Online-Shop und stellte sie dort zum Verkauf. Während der dreijährigen Ausbildung lernt man verkaufsfördernde Maßnahmen zu planen und umzusetzen, sowohl im Shop als auch über andere Kanäle wie die Sozialen Medien. Auszubildende lernen das Shop-Angebot ihres Arbeitgebers kennen, und zwar das, was der Kunden von außen sieht (Front-End), als auch das, was dafür im Hintergrund getan werden muss (Back-End).  Der Kaufmann oder die Kauffrau im E-Commerce pflegt im Back-End Produkte oder Texte ein, und das so, dass sie sich für die Kundinnen und Kunden im Front-End gut darstellen. Auszubildende lernen dabei zugleich, Verkaufsaktionen klassisch kaufmännisch auszuwerten, um daraus die nächsten Aktionen abzuleiten, und sie beschäftigen sich mit den Zahlungsabläufen und deren Überwachung.

Mitbringen sollten angehende Auszubildende als Kaufmann oder Kauffrau im E-Commerce ein Interesse am klassisch kaufmännischen Bereich und eine Affinität für die Schnelligkeit des Internets. Sie sollten gerne im Team und in Projekten arbeiten. Außerdem gibt es in diesem Beruf immer auch viel zu organisieren, so dass dafür ein gewisses Talent vorhanden sein sollte. Als besondere Kenntnisse aus der Schule sind gute Noten in Deutsch, Mathematik und Englisch gefragt: Deutsch, weil die Produkte ansprechend beschrieben werden müssen; Englisch, weil viele Produkte aus dem Ausland stammen; und Mathematik, um beispielsweise Kosten-Leistungs-Rechnungen durchführen oder Statistiken auswerten zu können.

2019 sind deutschlandweit 1.539 Ausbildungsverträge für Kaufmänner oder Kauffrauen im E-Commerce geschlossen worden. Das Abitur war unter den Schulabschlüssen dabei mit rund 60 Prozent etwas stärker vertreten, rechtlich aber ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. Perspektivisch können Auszubildende in diesem Bereich später den Fachwirt E-Commerce oder den Handelsbetriebswirt anschließen oder ein Studium in E-Services, Handelsbetriebswirtschaft oder in Internet-basierten Systemen ergänzen.

Wer mehr über den erst drei Jahre alten Ausbildungsgang erfahren möchte, dem empfehle ich unter anderem auf Planet-Beruf.de ein Interview mit Nils, der sich im zweiten Ausbildungsjahr zum Kaufmann im E-Commerce befindet und darüber erzählt sowie das Gespräch mit den Berufsberaterinnen und Berufsberatern der Arbeitsagentur für Mönchengladbach und den Rhein-Kreis Neuss: 02161 4042500 oder 02131 9542500 (immer Montag bis Donnerstag von 10 bis 15 Uhr und Freitag von 10 bis 12 Uhr).

Von Heike Karsch

(veröffentlicht im Februar 2021)