Kein Studienplatz – was tun?

Bald starten die Erstsemester an den Hochschulen und Universitäten. Nicht alle haben bislang allerdings einen Studienplatz bekommen, manch ein junger Erwachsener wartet noch auf seine Zusage (oder eine Absage). Panik ist aber nicht angesagt. Noch bis in den Oktober hinein können einzelne Studienplätze zugeteilt werden. Es gibt noch Chancen, und es gibt Alternativen. Darüber möchte ich als Studien- und Berufsberaterin der Arbeitsagentur für Mönchengladbach und den Rhein-Kreis im Blog „Gut beraten ins Berufsleben starten“ aufklären.

Viele junge Erwachsene bewerben sich an mehreren Universitäten oder Hochschulen, um ihren Studienbeginn abzusichern. Das hat zur Folge, dass bei mehreren Studienplatzzusagen nicht benötigte Studienplätze nicht angetreten werden und somit wieder zur Verfügung stehen. Diese Studienplätze können dann in Nachrückverfahren vergeben werden. Wer bis jetzt noch keine Zusage oder nur Absagen bekommen hat, muss folglich nicht in Panik verfallen, da die Chance besteht, einen dieser Plätze zu erhalten. Dieses Verfahren kann sich zeitlich manchmal sogar bis über den Vorlesungsstart hinausziehen. Letzte Studienplätze können dann noch verlost werden. Über die Studienplatzbörse der Internetplattform www.hochschulkompass.de können Reststudienplätze von August bis Oktober (und für das Sommersemester von Februar bis April) veröffentlicht werden.

Auch für Bewerber, die sich für ihren Studienplatz über die Internetplattform hochschulstart.de bewerben mussten, können Studienplätze im sogenannten koordinierten Nachrücken vergeben werden, die Informationen hierzu finden sich unter www.hochschulstart.de.

Meine erste Botschaft lautet somit: Nicht in Panik verfallen! Und meine zweite: Macht Euch mit dem Nachrück- und dem Losverfahren vertraut. Schaut außerdem immer mal wieder auf die Studienplatzbörse von hochschulkompass.de, weil dort auch die noch unbesetzten Studienplätze eingestellt werden können, die keiner Zulassungsbeschränkung unterliegen.

Meine dritte Botschaft ist: Geht zur Berufs- und Studienberatung der Agentur für Arbeit und lasst Euch dabei helfen, in die Analyse zu gehen, weshalb es noch nicht funktioniert hat, einen Studienplatz zu bekommen. Hat vielleicht der Abi-Notendurchschnitt für die Wunsch-Uni nicht gereicht? Hätte man mit seinem Wunsch-Studienfach und seinem Notendurchschnitt vielleicht an einer anderen Hochschule die Chance gehabt, einen Platz zu bekommen? Sollte man sich darauf zum nächsten Semester einstellen? Hinterfragen sollte man gemeinsam außerdem noch einmal, was man mit seinem Studium erreichen möchte. Und dabei sollte man betrachten, ob das Ziel gegebenenfalls über andere Studienwege erreicht werden kann – vielleicht auch über einen zulassungsfreien Studiengang?

Hat es mit dem Studienbeginn zum Wintersemester nicht funktioniert, sollte der Blick auf das Sommersemester gerichtet werden. Hier können Zulassungsvoraussetzungen günstiger sein; allerdings muss man auch wissen, dass nicht alle Fächer zum Sommersemester starten. Passte der Abi-Schnitt so gar nicht zum angestrebten Studium, steht die Frage nach Alternativen zur Diskussion. Gibt es alternative Studienfächer, die Spaß machen könnten? Wäre ein duales Studium etwas oder vielleicht eine Ausbildung? Wäre ab dem nächsten Semester vielleicht ein Studium im Ausland eine Alternative? Von Mönchengladbach und dem Rhein-Kreis Neuss aus bieten sich die Niederlande aufgrund der Pendelnähe geradezu an, hier werden auch englischsprachige Studiengänge angeboten. Ein Blick über die Landesgrenze kann sich lohnen, zumal der Studienzugang in den Niederlanden anders geregelt ist.

Sollte es mit dem Studienplatz jetzt nichts werden, sollte die freie Zeit als gewonnene Zeit betrachtet werden. In der kann man arbeiten und Geld zur Seite legen, da ein Studium durchaus teuer ist. In der kann gegebenenfalls noch ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Bundesfreiwilligendienst absolviert werden. In der kann man auch Praktika machen und so Erfahrungen in dem Berufsfeld sammeln, auf das man hin studieren möchte.

Meine vierte Botschaft lautet abschließend: Denkt über Alternativen nach. Schaut Euch Studienangebote und Hochschulstandorte an, zum Beispiel über www.studienwahl.de. Klickt Euch auf www.abi.de durch die Seiten von „Hochschulpanorama“, auf denen Ihr Eindrücke von anderen Hochschulstandorten als den bisherigen Wunsch-Orten bekommt; man kann schließlich vor der Studienplatz-Bewerbung nicht überall hinreisen, um zu schauen, wo es einem gefällt.

Von Sandra Inderfurth

(erschienen September 2021)