12.11.2020 | Presseinfo Nr. 63

Mehr Qualifizierung

Um sich über die aktuelle Lage auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt in Pforzheim und dem Enzkreis zu informieren, folgten die beiden Bundestagsabgeordneten Katja Mast (SPD) und Gunther Krichbaum (CDU) der Einladung der Chefin der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, Martina Lehmann.

Schon bei der Organisation der Treffen wurde deutlich, in was für einer Zeit wir gerade leben: Gunther Krichbaum besuchte Ende Oktober die Agentur für Arbeit in Pforzheim noch persönlich, das auf den 11. November vereinbarte Gespräch mit Katja Mast musste aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens in Form einer Telefonkonferenz stattfinden. In beiden Gesprächen konnten Martina Lehmann und ihre Stellvertreterin, Annette Hanfstein, den Abgeordneten auch Erfreuliches berichten.

Zentrales Thema war die Entwicklung auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt in Zeiten von Corona sowie die Umsetzung zahlreicher neuer gesetzlicher Regelungen und neuer Aufgaben durch die Arbeitsagentur.

Wir haben eine Mischung aus Virus-, Struktur- und Konjunkturkrise", so Martina Lehmann zur aktuellen wirtschaftlichen Lage. Bereits 2019 seien erste Wolken am regionalen Arbeitsmarkt aufgetaucht. Die Arbeitslosigkeit sei da schon konjunktur- und strukturbedingt gestiegen und es gab vermehrt Anfragen und Anzeigen zur Kurzarbeit. Mit Beginn der Corona-Krise Mitte März dieses Jahres sei die Arbeitslosigkeit dann vorrangig Corona bedingt weiter gestiegen und die Zahl der Anzeigen auf Kurzarbeit quer durch alle Branchen förmlich explodiert. „Aktuell arbeitet jeder vierte Betrieb im Nordschwarzwald kurz und jeder fünfte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte befindet sich damit in Kurzarbeit“, so Lehmann.

Vor dem Hintergrund beschlossener Verlängerungen und Erleichterungen für den Zugang zum Kurzarbeitergeld waren dies wichtige Informationen für die beiden Abgeordneten. Sowohl Mast als auch Krichbaum baten die Agenturchefin, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ganz herzlich zu danken. Sie hätten in den zurückliegenden Monaten Unfassbares geleistet und mit ihrer hervorragenden Arbeit ganz wesentlich zur sozialen Sicherheit und zu einer größeren Akzeptanz der notwendigen Corona-Maßnahmen bei Unternehmen und Beschäftigten beigetragen.

Die Geschäftsführerin Operativ der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, Annette Hanfstein, informierte über ein neues Beratungsangebot. Ziel dieser lebensbegleitenden Berufsberatung von Erwachseneren ist es, diese über das gesamte Erwerbsleben beratend zu unterstützen und sie in Zeiten von Strukturwandel und Digitalisierung für das Themas Weiterbildung zu gewinnen. Die Agentur Nagold-Pforzheim ist Hauptstandort des Verbundes Schwarzwald-Bodensee-Oberschwaben, mit insgesamt elf Berufsberaterinnen und Berufsberatern.

Erste Infoveranstaltungen in Unternehmen, bei denen über den aktuellen Arbeitsmarkt, Engpassberufe, Qualifizierungsangebote und finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten informiert wurde, haben bereits stattgefunden. „Eines gilt in dieser Krisenzeit noch mehr als sonst“, brachte Martina Lehmann die Lage auf den Punkt: „Bildung und Weiterbildung sind das Gebot der Stunde“.

So verwundert es nicht, dass trotz Corona die Gesamtausgaben für Qualifizierungen im Bezirk der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim um mehr als eine Million Euro gestiegen sind. Erfreulich dabei sei, dass deutlich mehr Personen von einer Qualifizierung profitieren konnten als noch im letzten Jahr.

„An das Pilotprojekt der hiesigen Arbeitsagentur knüpft die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes bis Ende 2021 an. So werden die Sozialbeiträge auch nach dem 30.06.2021 vollständig den Arbeitgebern erstattet, wenn ihre Beschäftigten in dieser Zeit an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen werden. Qualifikation ist das A und O und ein Gewinn für den Arbeitnehmer, den ihm keiner mehr nehmen kann", so Gunther Krichbaum.

„Unsere Region hatte schon vor Corona in Punkto Kurzarbeit viel zu stemmen und hat es auch jetzt noch. In Berlin habe ich dafür gesorgt, dass das Kurzarbeitergeld verlängert, aufgestockt und der Zugang erleichtert wurde. Es freut mich, dass es hier vor Ort tatkräftig umgesetzt wird. Mein Dank gilt dem klasse Team rund um Martina Lehmann. Für die Zukunft, brauchen wir vor allem eines: Qualifizierung. Die Möglichkeiten hierfür wurden im Bundestag stark verbessert. Es freut mich, dass die Agentur Nordschwarzwald Qualifizierungsmaßnahmen für eine große Region in Baden-Württemberg organisiert. Der Wandel von der Arbeitslosenversicherung hin zur Arbeitsversicherung vollzieht sich hier mit großen Schritten. Dafür arbeite ich seit 15 Jahren und es trägt dauerhaft Früchte. Klar ist: Den Strukturwandel in der Region schaffen wir nur gemeinsam: Mit Beschäftigten, Arbeitgebern, den Verbänden und der Agentur für Arbeit. Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz und schaffen Zukunft“, sagte Katja Mast.

Beide Parlamentarier waren auch sehr stark an der Frage interessiert, wie sich die Pandemie auf den regionalen Ausbildungsmarkt auswirkt. Hier konnten Lehmann und Hanfstein, trotz aller Verunsicherung und Probleme, noch eine positive Bilanz ziehen. „Auch dieses Jahr konnten wir bei unserer Arbeit auf ein riesiges Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen zurückreifen und den Jugendlichen damit über eine duale Ausbildung gute Karrierechancen in der Region ermöglichen“, so Lehmann abschließend.

Regelmäßige Gespräche der Abgeordneten mit der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit sind ein wichtiger und gewinnbringender Austausch für beide Seiten. Der unmittelbare Kontakt gibt wichtige Impulse aus der Praxis für die parlamentarische Arbeit um schnell wichtige Instrumente auf den Weg zu bringen.